Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Wildkräuter – Das Superfood von der Wiese

Zart-Lila blüht die Taubnessel. Verarbeitet in einem Smoothie wie hier, sieht man allerdings nichts mehr davon.

In den letzten Jahren hat sich ein regelrechter Hype um sogenannte Superfoods entwickelt. Sie heißen Açai, Chia, Goji, Maca oder Moringa und kommen meist aus fernen Ländern. Diese exotischen Früchte und Samen zählen zu den gesündesten Lebensmitteln, weil sie sehr große Mengen an gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen enthalten. Das sind zum Beispiel Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Sekundäre Pflanzenstoffe.

Samen, Beeren, Pulver - so werden Superfoods im Laden angeboten.

Chai, Goji, Maca – neben diesen gibt es noch weitere exotische Superfoods.

Die Nahrungsmittelindustrie hat sich des Superfoods längst angenommen. Sie werden selten frisch, sondern meist in Kapsel- oder Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Die schlechte Nachricht ist: In der Regel sind sie viel zu teuer und aufgrund der langen Transportwege ziemlich unökologisch. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Direkt vor unserer Haustüre wachsen heimische Superfoods, die eine genauso große Nährstoffdichte besitzen wie die exotischen Kollegen! Es handelt sich dabei um die essbaren Wildkräuter, die in großer Zahl unsere Wiesen, Felder und Wälder besiedeln. 

Was macht Wildpflanzen so wertvoll?

Die leuchtende Löwenzahnwiese am Ham´ng ist eine echte Idylle.

©Rudi Beiser

Den Löwenzahn kennt jeder, aber die wenigsten wissen, dass er sehr viel Pro-Vitamin A enthält.

Die Wildpflanzen unterscheiden sich ernährungsphysiologisch deutlich von den Getreide-, Gemüse-, und Obstarten, die sich in der Regel auf unserem Teller befinden. Sie enthalten durchschnittlich etwa dreimal so viel Proteine, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. In Einzelfällen sind die Unterschiede wesentlich größer: So enthält die Hagebutte der Hundsrose 25-mal mehr Vitamin C als die Zitrone, der Löwenzahn 7-mal so viel Pro-Vitamine wie die Endivie und das Gartenunkraut Vogelmiere 17-mal mehr Eisen als Rotkohl! Auch die für die Gesundheit so wertvollen Sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (wie Phenolsäuren, Flavonoide) sind in Wildpflanzen in wesentlich größeren Mengen vorhanden.

Das hat folgenden Grund: Bei der Züchtung unserer Nahrungspflanzen aus Wildpflanzen, die etwa vor 11000 Jahren begann, sind leider viele Inhaltsstoffe verloren gegangen. Die neuen „Hochleistungs-Gemüse“ sind zwar größer, milder und ertragreicher geworden, aber viele Vorteile der wilden Vorfahren sind auf der Strecke geblieben. Bei den oben erwähnten exotischen Superfoods handelt es sich eben nicht um Züchtungen, sondern um Wildpflanzen, die auf anderen Kontinenten heimisch sind.

Unsere Vorfahren haben sich Jahrtausende von Wildpflanzen und Wildtieren ernährt, also etwa 99 Prozent der Menschheitsgeschichte. Erst im letzten Prozent unserer Geschichte, haben wir angefangen, Pflanzen und Tiere durch Züchtung zu verändern. Deshalb ist die wilde Nahrung unserem Organismus evolutionär bestens angepasst und in der Regel gut verträglich!

Sekundärstoffe fördern unsere Gesundheit

Ein besonderes Augenmerk sollten wir auf die Sekundären Pflanzenstoffe legen. Das sind komplexe chemische Verbindungen, von denen jede Wildpflanze mehrere Hundert bis mehrere Tausend enthalten kann. Die meisten davon kennen wir noch gar nicht. Diese Stoffe nutzt die Pflanzenwelt zum Schutz gegen Schädlinge, Krankheiten, Mikroorganismen, das aggressive UV-Licht und vieles mehr. Das Tolle dabei ist, dass die Sekundärstoffe der Pflanze auch in unserem Organismus pharmakologisch wirksam sind. Da unser Immunsystem dem der Pflanzen überraschend ähnlich ist, schützen diese Stoffe auch uns: Sie wirken beispielsweise antioxidativ, antimikrobiell, antikarzinogen und entzündungshemmend. Wenn wir Wildpflanzen in unseren Speiseplan aufnehmen, dann unterstützen uns die enthaltenen Inhaltsstoffe.

Der Wildkräuter-Smoothie

Nicht nur die gesundheitsfördernde Wirkung spricht für die Wildkräuter, sondern auch die Tatsache, dass sie regional und kostenlos vor unserer Haustür stehen. Am besten Sie sammeln ihre ersten Erfahrungen mit den häufig vorkommenden „Unkräutern“, die Sie leicht finden können: Brennnessel, Gänseblümchen, Giersch, Löwenzahn, Sauerampfer, Taubnessel oder Vogelmiere. Die einfachste Methode, um die vitalstoffreichen Wildkräuter in relativ großer Menge in den täglichen Speiseplan zu integrieren, ist der „Grüne Smoothie“.

Leuchtend grün lockt der Wildkräuter-Smoothie.

©Rudi Beiser

Smoothies bieten unglaublich viele Variationsmöglichkeiten. Sie können damit die Wildkräuter sehr einfach und in relativ konzentrierter Form in Ihren Speiseplan einbinden.

Zutaten

  • 150 g Wildkräuter
  • 2 Bananen
  • 1 Apfel
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 150-250 ml Flüssigkeit (Wasser, Orangensaft, Hafermilch, Reismilch)

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Mixer geben und so lange pürieren, bis ein Drink mit cremiger Konsistenz entstanden ist. Je nachdem wie „smooth“ Ihr Drink sein soll, variieren Sie die Flüssigkeitszugabe. Sie können zusätzlich mit Gewürzen experimentieren (Chili, Ingwer, Zimt, Vanille).

Hier können Sie das Rezept als PDF herunterladen.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • Löwenzahnwiese: ©Rudi Beiser
  • Smoothie mit Wildkräutern: ©Rudi Beiser
  • Wildkräuter sind heimische Superfoods: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.