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Ferment statt Kompost: die komplette Anleitung zu Bokashi

In einen Bokashi-Mülleimer werden Karottenschalen gegeben.

Dank heutiger Zero- und Low-Waste-Bestrebungen sind immer mehr Menschen auf der Suche nach umweltfreundlichen Möglichkeiten, mit dem anfallenden Müll umzugehen. Die Kompostierung der organischen Abfälle ist dabei längst kein Geheimtipp der grünen Szene oder des ökologischen Gartenbaus mehr, sondern in unserer modernen Gesellschaft angekommen. Mit Bokashi macht ein relativ neuer Trend von sich reden. Also, was beutetet Bokashi, wo kommt er her und was kann er?

Was bedeutet der Begriff Bokashi?

Wörtlich bedeutet das Wort in seiner japanischen Heimat so viel wie „Verwischtsein“ oder „Schattierung“. Es steht jedoch für Bioabfälle, die auf eine spezielle Art mit der Zugabe von Effektiven Mikroorganismen (EM) fermentiert werden. Fermentierte Produkte für den Menschen sind derzeit sehr angesagt – Hautpflege mit Fermenten ist ebenfalls auf dem Vormarsch. Es scheint aber auch für die Bodenqualität einige Vorteile zu bieten, den Bokashi als natürlichen, ökologischen und nachhaltigen Dünger einzusetzen. 

Was Bokashi für die heimischen Gärten und Beete außerordentlich attraktiv macht, ist die einfache Art der Herstellung und die wirklich geringe Geruchsentwicklung. Ist Bokashi also eine Art Kompost? Und ist er eine Alternative zur Wurmkiste?

Bokashi versus Kompost – der Unterschied

Wenn Sie sich mit der ökologischen Wiederverwendung von Biomüll befasst haben, ist Ihnen der Komposthaufen nicht fremd. Doch Bokashi ist kein Kompost. Die Herstellung von Bokashi unterscheidet sich nämlich in einem entscheidenden Punkt. Der Vorgang des Kompostierens beschreibt eine aerobe Zersetzung des organischen Materials. Der Sauerstoff aus der Luft sorgt dafür, dass die kompostierbaren Stoffe nach und nach zu einer erdähnlichen Masse werden. Dabei treten unterschiedliche Gase aus – oft mit einer starken Geruchsentwicklung. Bokashi hingegen entsteht durch einen anaeroben – also sauerstoffarmen – Fermentierungsvorgang. Diese Fermentierung hat zwei Vorteile gegenüber der Kompostierung: Der Vorgang ist geruchsarm und nach nur zwei bis drei Wochen abgeschlossen. 

Bokashi selbst herstellen – so geht’s

Wenn Sie sich an Bokashi versuchen wollen, benötigen Sie

  • einen oder zwei Bokashi-Eimer
  • Effektive Mikroorganismen
  • eine verschlossene Plastiktüte mit Sand
  • einen schattigen Platz in der Küche

Die Herstellung ist ziemlich einfach.

Schritt 1: Bokashi-Eimer vorbereiten

Da bei der Fermentation eine Flüssigkeit – der sogenannte Bokashi-Saft – entsteht, muss am Boden des Eimers ein Sieb das Aufweichen des Bokashi verhindern. Daher sind handelsübliche Bokashi-Eimer mit Sieb und Ablaufvorrichtung ausgestattet. Das Sieb gehört vor der Befüllung in den Eimer.

Schritt 2: Abfälle sammeln und vorbereiten

Bevor die erste Abfallschicht in den Eimer kommt, sollten Sie die Küchen- und Gartenabfälle einige Tage lang sammeln. Der Grund dafür: Der Bokashi-Fermentationsprozess ist anaerob, sprich, die Sauerstoffzufuhr stört ihn. Es sollte also von Anfang an eine ordentliche Schicht Bioabfälle in den Eimer gegeben werden, in etwa handbreit.

Zerkleinern Sie die organischen Abfälle, bevor diese in den Eimer kommen, denn das beschleunigt die Fermentation. Der Grund dafür leuchtet ein: Schließlich ist es die elementare Funktion von Obst- und Gemüseschalen, die Frucht vor jeglichem Verfall zu schützen. Aber auch sonst bieten kleinere Abfallstücke den Mikroorganismen schneller eine Angriffsfläche.

Obst- und Gemüseschalen werden mit einem Messer von einem Teller in einen Bokashi-Eimer gegeben. © Waschbär

Geben Sie Bioabfälle wie Obst- und Gemüseschalen möglichst kleinteilig in den Bokashi-Eimer.

Schritt 3: Effektive Mikroorganismen/Bokashi-Ferment verteilen

Sobald sich die erste Schicht aus Bio-Abfällen im Bokashi-Eimer befindet, versetzen Sie diese mit EM-Flocken oder einer EM-Lösung. Zusätzlich können Sie auch etwas Bokashi-Ferment verwenden. Auch jede weitere Schicht wird nach Packungsanleitung mit Effektiven Mikroorganismen „gewürzt“.

Schritt 4: die Sauerstoffzufuhr reduzieren

Um die Fermentation zu ermöglichen und Fäulnisprozesse zu unterbinden, sollten Sie nun dafür sorgen, dass die Abfälle so wenig Luft wie möglich enthalten. Jede neue Abfallschicht müssen Sie daher kräftig zusammendrücken. Anschließend legen Sie die mit Sand gefüllte Plastiktüte als Gewicht und Abdichtung darauf und verschließen den Eimer mit dem dazugehörigen Deckel. 

Die Schritte 2–4 wiederholen Sie, bis der Bokashi-Eimer voll ist.

Schritt 5: fermentieren lassen, Bokashi-Saft auffangen

Den vollen Bokashi-Eimer können Sie jetzt schließen und zur Seite stellen. Ideal ist ein schattiger Ort bei Zimmertemperatur. Vergessen Sie dabei bitte nicht, den Bokashi-Saft mittels Auslaufhahn alle paar Tage abzulassen. 

Tipp: Sollte sich nach mehreren Tagen gar kein Bokashi-Saft zeigen, könnte das darauf hindeuten, dass entweder der Hahn verstopft oder Ihr Bokashi zu trocken ist. Falls Letzteres zutrifft, könnten Sie mit einer EM-Lösung statt mit EM-Flocken arbeiten.

Was gehört in einen Bokashi-Eimer hinein und was nicht?

Gängige Abfälle aus Küche und Garten fühlen sich im Bokashi-Eimer am wohlsten:

  • Pflanzenreste
  • Obst-, Gemüseschalen
  • Kaffeesatz, Teeblätter

Vergessen Sie nicht, alle organischen Abfälle vorher zu zerkleinern – so kann die gewollte Fermentation schneller voranschreiten.

Kartoffel wird auf einer Wiese mit einem Messer geschält. © CC0 / Czapp Árpád

Organische Abfälle wie Kartoffelschalen sind bestens für den Bokashi geeignet.

Was nicht in den Bokashi-Eimer darf:

  • Flüssigkeiten wie Fette, Öle, Wein, Saft, Milch oder Wasser
  • Papier, Holz, Sägemehl, Asche
  • Verschimmeltes oder Exkremente

An der Verwendung tierischer Abfälle – Fleisch, Fisch, große Knochen, Käse, Eier und Eierschalen – scheiden sich die Geister. Diese Abfälle können im Bokashi-Eimer zwar ebenfalls fermentiert werden, allerdings deutlich schlechter und langsamer. Außerdem können sie für unangenehme Gerüche sorgen und Ungeziefer oder sogar Ratten anlocken. 

Wie lange dauert die Herstellung von Bokashi?

Grundsätzlich sollte die fertige Mischung zwei bis drei Wochen „bokashieren“. Aus diesem Grund kommen übrigens die handelsüblichen Bokashi-Eimer im Zweierset zu Ihnen – so können Sie den einen Eimer nach und nach befüllen, während im anderen die Fermentationsprozesse bereits ungestört ablaufen können.

Was ist ein geeigneter Platz für einen Bokashi-Eimer?

Der ideale Standort sollte schattig sein und eine gleichbleibende Zimmertemperatur haben. Daher eignen sich die meisten Küchen sehr gut dazu. Und weil Bokashi ein Fermentationsprodukt und kein Kompost ist, fühlen sich die meisten Menschen auch nicht vom etwaigen Geruch gestört.

So nutzen Sie Bokashi im Haus und im Garten

Wie seine entfernte Verwandte, die Wurmkiste, ist auch der Bokashi-Eimer nur dann sinnvoll, wenn Sie die fermentierten Abfälle verwerten können. Bei der Fermentation entstehen nämlich zwei Produkte: der sogenannte Bokashi-Saft und das Bokashi-Ferment. Diese lassen sich vielseitig nutzen.

Wofür eignet sich der Bokashi-Saft?

Im Lauf des Fermentationsprozesses verlieren die Bioabfälle im Bokashi-Eimer Flüssigkeit. Diese weist einen recht niedrigen pH-Wert von unter vier auf und enthält viele Nährstoffe des Ausgangsmaterials, wie beispielsweise Mineralien, Stickstoff und Effektive Mikroorganismen. Mit fortschreitender Fermentation wird auch der Gehalt an Nährstoffen im Bokashi-Saft höher. 

Bokashi-Saft wird aus dem Zapfhahn des Eimers abgelassen. © Waschbär

Pflanzen freuen sich über den reichhaltigen Dünger, der aus dem Bokashi-Eimer gezapft werden kann.

Wichtig: Der Bokashi-Saft lässt sich nicht lagern und sollte umgehend verbraucht werden.

  • Zur Nutzung als Flüssigdünger und unabhängig vom „Zapftag“ sollten Sie ihn immer mit Wasser verdünnen: mindestens im Verhältnis von 1 : 20, bei jungen und empfindlichen Pflanzen jedoch im Verhältnis von 1 : 100 oder sogar 1 : 200.
  • Unverdünnt ergibt der Bokashi-Saft einen hervorragenden natürlichen Rohrreiniger. Dazu geben Sie ihn einfach in den Ausguss, lassen ihn einige Minuten einwirken und spülen nach. 
  • Vermischen Sie den Bokashi-Saft im Verhältnis 1 : 100 mit Wasser, um einen flüssigen Kompostbeschleuniger zu erhalten. 
  • Um Pflanzenschutzmittel gegen Fliegen und Blattläuse herzustellen, geben Sie zu 500 Millilitern Wasser circa 40 Milliliter Bokashi-Saft dazu.

Tipp: Sie möchten hauptsächlich den Bokashi-Saft produzieren? In diesem Fall empfehlen wir, ohne Fermentzugabe und dafür mit einer eher großzügiger dosierten EM-Lösung zu arbeiten. 

So verwenden Sie das Bokashi-Ferment im Garten

Bei der Verwendung müssen Sie bedenken, dass Bokashi einen sehr niedrigen pH-Wert hat, was bedeutet, dass er nicht unmittelbar mit den Pflanzenwurzeln in Kontakt kommen darf.

Dafür können Sie mit dem Bokashi die Erde vorbereiten. Arbeiten Sie ihn in ein noch unbepflanztes Beet ein – nach etwa zwei Wochen wird die Erde den pH-Wert neutralisieren. Dann können Sie diesen Bereich bepflanzen. Alternativ können Sie die Erde mit dem Bokashi-Ferment auch in einem entsprechend großen Behälter oder direkt in Pflanzenkübeln vermengen und es dort zwei Wochen zum Neutralisieren lassen. Danach kommt die Erde auf die Beete – beziehungsweise die Pflanzen in die Töpfe.

Wenn Sie den Bokashi aber in bepflanzte Erde einarbeiten wollen, halten Sie einfach genügend Abstand zu den Pflanzen ein.

Und da der Bokashi eine Art Kompostvorstufe ist, ist er außerdem als natürlicher Kompostbeschleuniger geeignet.

Wann ist Bokashi fertig?

Wann wissen Sie, ob Ihr Bokashi fertig fermentiert ist? Indem Sie den Eimer nach Ablauf von zwei Wochen einmal öffnen und den Inhalt überprüfen. Guten, reifen Bokashi erkennen Sie hauptsächlich am Geruch, der an Fruchtessig oder Sauerkraut erinnert. Dieser Geruch sollte eher leicht und keinesfalls unangenehm sein. Ein weiteres Zeichen: Mit zunehmendem Reifegrad des Bokashi fällt kaum noch Bokashi-Saft an.

Das Aussehen von fertigem Bokashi unterscheidet sich natürlich je nach verwendetem Material – es ist also eher unwahrscheinlich, dass er wie das handelsübliche Bokashi-Ferment aussieht. 

Der nährstoffreiche reife Bokashi kann entweder sofort verwendet oder eingelagert werden. Dazu verpacken Sie ihn luftdicht in Plastiksäcke, die Sie dunkel und kühl einige Monate lagern können.

Eigene Terra Preta mit Bokashi herstellen

Viele Menschen schwören zudem auf eine zusätzliche Veredelung des Bokashi. Mit unterschiedlichen biologischen Zugaben wie Urgesteinsmehl oder Kohlepulver vermengt, wird die sogenannte Terra Preta daraus. Hinter diesem aus dem Portugiesischen stammenden Begriff verbirgt sich wortwörtlich eine „schwarze Erde“: Ein fruchtbarer Boden, der mit organischen Materialien und Pflanzenkohle versetzt ist. Mit Bokashi und Pflanzenkohle machen Sie Ihre eigene Terra Preta für Ihren Garten, Ihre Beete oder Ihre Topfpflanzen. 

So lagern Sie den Bokashi im Winter

Sie kennen es vielleicht vom Kompostieren: Irgendwann, vor allem in den Wintermonaten, ist mehr Bokashi da, als Sie aktuell verwenden können. In diesem Fall können Sie Ihren Bokashi bis zum Frühling einlagern. Dazu haben Sie mehrere Möglichkeiten. 

Bokashi-Lagerung in Plastiksäcken

Feste Plastiksäcke bieten eine der einfachsten Optionen, um Bokashi an einem kühlen Ort wie etwa in Ihrem Keller für einige Monate zu lagern. Sorgen Sie nur dafür, dass Sie den Sack maximal von Sauerstoff befreien und luftgeschützt versiegeln.

Bokashi vererden 

Auch in den Wintermonaten können Sie mit dieser Methode die Erde ganz gezielt auf die Bepflanzung im Frühjahr vorbereiten. Füllen Sie dazu mehrere Tontöpfe mit Bokashi und stellen Sie diese Töpfe auf die Beete – und zwar kopfüber. So kann der Bokashi vererden und die Erde unterhalb der Töpfe mit Nährstoffen anreichern. 

Bokashi-Lagerung im Boden

Wenn Sie einen angemessen großen Garten haben, können Sie Ihren Bokashi auch eingraben. Die dafür ausgehobene Grube sollte mindestens einen halben Meter Tiefe haben. Den Boden der Grube bestreuen Sie am besten mit EM-Keramikpulver oder mit Urgesteinsmehl, um einem Nährstoffverlust vorzubeugen. Anschließend geben Sie den Bokashi hinein und bedecken ihn mit etwa einer Handbreit Erde. Bis zum Frühjahr sollte so je nach Wetter und Dauer der Lagerung fertiger Dünger entstehen.

Fazit: die Vorteile von Bokashi

Als eine unkomplizierte, geruchsarme Methode, um Bioabfälle der Wiederverwendung zuzuführen, erfreut sich Bokashi einer steigenden Beliebtheit. Vor allem die einfache Bedienung, die schnelle Fermentationszeit und natürlich die geringe Geruchsentwicklung machen die Nutzung der Bokashi-Eimer zum Kinderspiel.

 

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Bildquellen

  • bioabfaelle-werden-in-bokashi-gegeben: © Waschbär
  • kartoffel-schaelen: © CC0 / Czapp Árpád
  • bokashi-saft: © Waschbär
  • bokashi-in-kueche: © Waschbär

Der Waschbär ist nicht nur der Namensgeber für unser Unternehmen. Der wissbegierige Kleinbär fliegt mit seinen Pfoten auch gern über die Tastatur und verfasst Beiträge zu nachhaltigen Themen für unser Magazin. Erst wenn er seine Artikel gründlich recherchiert und die besten Tipps und Ratschläge für seine Leserinnen und Leser zusammengestellt hat, ist er damit zufrieden. Mit seinen Beiträgen möchte der flauschige Öko-Pionier Sie dazu inspirieren, Ihren Alltag bewusst und sinnvoll zu gestalten.

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