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Do it yourself: Kompost anlegen

Links im Bild: Ein Kompost mit Holzplanken. Rechts eine Schubkarre mit Humus vor einem Beet.

Der Kompost ist das Verdauungssystem des biologischen Gartens, denn hier werden die organischen Abfälle von Haus und Garten in humusreiche Erde umgewandelt. Kompost ist der älteste, natürlichste und beste Dünger. Er verbessert den Gartenboden, denn er ist unentbehrlich für den Humusaufbau und für die Krümelstruktur. Außerdem unterstützt er die Bodenorganismen und die Gesundheit der Gartenpflanzen. Man nennt ihn nicht umsonst „das Gold des Gärtners“.

Kompost ist eine sinnvolle Methode der Abfallverwertung und somit ein wichtiger Beitrag zur Restmüllreduzierung. Etwa ein Drittel aller Haushaltsabfälle ist kompostierbar. Die organischen Abfallstoffe werden durch die Arbeit von Bodenorganismen in hochwertigen Humus umgewandelt, was wiederum zur Einsparung von industriell hergestelltem Dünger beiträgt. Das Wort Abfall darf aber nicht falsch verstanden werden: Kompost ist kein Müll- und kein Misthaufen, sondern ein planvoll angelegter Platz!

Der optimale Kompost-Standort

Der Kompost-Platz sollte mit dem Schubkarren gut angefahren werden können und möglichst auch nicht zu weit vom Haus entfernt sein. Der Abstand zum Nachbargrundstück sollte mindestens 50 cm betragen! Optimal geeignet ist ein windgeschützter Platz im lichten Schatten. Denn starke Sonneneinstrahlung und Wind sorgen dafür, dass der Kompost schnell austrocknet. Die Mikroorganismen benötigen jedoch gleichmäßige Feuchtigkeit, um ihre Zersetzungsarbeit leisten zu können. Suchen Sie sich also einen halbschattigen Platz, vielleicht unter einem Baum oder hinter einer Hecke. Schön wäre ein Holunder, denn er gilt als „Regenwurmmagnet“.

Der Kompost muss unbedingt direkte Erdanbindung (Naturboden) haben, damit das überschüssige Wasser absickern kann und damit Regenwürmer und Bodenorganismen zuwandern können. Dementsprechend eignen sich keine festen Unterlagen wie Steinplatten oder Beton! Solche dichten Bodenabschlüsse würden auch Staunässe begünstigen. Wird der Komposthaufen zu nass, dann verdichtet er sich und es besteht Fäulnisgefahr. Das ist aber nicht gewünscht, denn fauliger Kompost äußert sich durch unangenehmen Geruch. Die richtige Kompostierung ist ein sauerstoffzehrender Verrottungsprozess, während es bei Sauerstoffmangel zum Verfaulen kommt. Deshalb riecht guter Kompost nach Walderde und fauliger Kompost zeichnet sich durch einen Gestank aus, wie wir ihn vom klassischen Misthaufen kennen.

Welcher Kompost-Behälter ist der Richtige?

Die Wahl des Komposter-Typs ist zum einen Geschmackssache, zum anderen auch von der Menge der anfallenden Abfälle abhängig. Je größer der Garten und der Haushalt, desto mehr spricht für ein „offenes System“, also z.B. Komposthaufen, Kompostmiete, Lattenkomposter oder Kompostsilo. Für das geschlossene System, also den Kompostbehälter (Schnellkomposter, Thermokomposter) spricht die Platzersparnis und eventuell der optisch „aufgeräumte“ Eindruck.

Geschlossene Kompost-Behälter

©Rudi Beiser

Abgeschlossene Komposter haben Lüftungslöcher und -schlitze, damit es weniger schnell fault.

Geschlossene Kompost-Behälter werden meist aus Recycling-Plastik hergestellt. Sie brauchen relativ wenig Platz und können beliebig den Standort wechseln. Im Gegensatz zu offenen Systemen werden Thermokomposter möglichst an Standorten mit voller Sonneneinstrahlung aufgestellt, um im Innern hohe Temperaturen zu erreichen. Da sie aber nach allen Seiten weitgehend geschlossen sind, besteht die Gefahr des Sauerstoffmangels und der Fäulnisbildung. Die optimale Kompostierung ist in diesen Behältern nicht so einfach zu erreichen, wie dies in der Werbung gerne dargestellt wird. Achten Sie also auf eine gute Durchmischung der Materialien und sorgen Sie vor allem für eine gute Durchlüftung, indem Sie des Öfteren von oben mit einem kräftigen Stock Luftkanäle „hineinstoßen“. Lange Zeit sagte man diesen Behältern nach, dass darin die Verrottung beschleunigt würde, da sich im geschlossenen System die Wärme besser entwickle. Allerdings haben Tests des Instituts für Bodenkunde (Weihenstephan) ergeben, dass die Rotte darin nicht schneller verläuft.

Offener Kompost

©Rudi Beiser

Diesem offenen Kompost geben die beständigen Bretter halt.

Offene Systeme, wie Lattenkomposter, Drahtgestelle oder die klassische Kompostmiete gewähren mit Sicherheit eine gute Sauerstoffversorgung. Beim Bau von Lattenkompostern empfiehlt es sich, schwer verrottbare Materialien zu nehmen. Also z.B. robuste Holzarten wie Lärche oder Metall und Recyclingkunststoffe. Sie sollten so gebaut sein, dass sich die Lamellen zum Umsetzen oder Aufsetzen des Kompostes abnehmen lassen. Zumindest an einer Seite sollte der Komposter vollständig zu öffnen sein.

Falls im Garten genügend Platz ist, dann wäre ein Mehrkammersystem sehr sinnvoll. In der ersten Kammer wird das Kompostmaterial gesammelt, am besten getrennt nach Küchen- und Gartenabfällen. Die oft feuchten Küchenabfälle können zur Geruchsbindung mit etwas Steinmehl bestäubt oder mit Gartenerde gemischt werden. In einer zweiten Kammer kann dann der frische Kompost gemischt und schichtweise aufgesetzt werden. Die dritte Kammer beherbergt entweder fertigen Kompost oder einen Kompost in der Reifephase.

Die Kompostmiete ist die einfachste und billigste Variante. Sie wird einfach trapez- oder sattelförmig aufgeschichtet und kann beliebig verlängert werden. Fußfläche und Höhe sollten 1,20 nicht überschreiten.

Auf gar keinen Fall sollten Sie den Kompost in einer Grube anlegen, wie das früher bei Misthaufen üblich war. So kommt nämlich keine Luft an das Material und die Feuchtigkeit setzt sich fest. Das Ergebnis: Fäulnis und Gestank.

Was darf auf den Kompost und was nicht?

Grundsätzlich können alle organischen Abfälle kompostiert werden. Dazu gehören Küchenabfälle (wie Kaffeesatz, Eierschalen, Gemüse- und Obstreste), Gartenabfälle (wie Rasenschnitt, Heckenschnitt, Laub, Unkraut) und bei Tierhaltung der Mist (wie Hühner-, Rinder- und Pferdemist). Auch der Mist von pflanzenfressenden Kleintieren kann auf den Kompost, allerdings nicht von Katzen und Hunden. Selbst Papier wird von den Mikroorganismen zersetzt, denn es besteht ja aus Holzfasern.

Bei einigen organischen Materialen gibt es jedoch Ausnahmen und mengenmäßige Einschränkungen:

  • Schalen von Zitrusfrüchten kommen nur auf den Kompost, wenn sie unbehandelt sind.
  • Nicht auf den Kompost gehören Knochen, Fleischreste, Käse und Backwaren, denn sie locken Ratten an.
  • Gekochte pflanzliche Speisereste sollten nur in geringer Menge kompostiert werden, denn sie neigen zur Fäulnis und entwickeln keine Hitze mehr.
  • Bedrucktes Papier ist wegen der Druckfarben tabu, aber auch Unbedrucktes (Küchenrolle, Papiertaschentücher, Karton) sollten Sie nur in kleinen Mengen und möglichst zerkleinert auf den Kompost geben.
  • Kohlenasche ist wegen der Schwermetallbelastung tabu und auch Holzasche sollten Sie nicht im Übermaß dazugeben.
  • Straßenkehricht und der Inhalt von Staubsaugerbeutel gehören in den Restmüll.
  • Bei Unkräutern ist darauf achten, dass kein Samenstand in den Kompost kommt. Vor allem bei den problematischen „Wurzelunkräutern“ wie Quecke, Giersch und Ackerwinde, sind sowohl Samen als auch Wurzelteile vom Kompost fernzuhalten.
  • Pflanzen und Pflanzenteile, die mit widerstandsfähigen Krankheiten (Feuerbrand, Kohlhernie) befallen sind, sollten Sie am besten verbrennen.
  • Gar nicht auf den Kompost gehören Glas, Metall, Kunststoffe und lackiertes Holz!

Was gehört in den Kompost und was sollte lieber anderweitig entsorgt werden? Die Antwort darauf entscheidet auch über den Fortschritt des Kompostierens.

Grundsätzliches zur Zusammensetzung des Komposthaufens

Das Wort Kompost leitet sich vom lateinischen „compositum = Zusammengesetztes“ ab. Eine Grundbedingung für das gute Gelingen ist also die optimale Zusammensetzung und Vermischung der verschiedenen organischen Materialien. In der Praxis bedeutet dies, möglichst ein gutes Verhältnis zwischen grobem und feinem, trockenem und feuchtem, stickstoffreichem und kohlenstoffreichem Material zu bekommen. Die Mischung machts!

Der Gärtner schneidet eine Hecke aus verschiednenen Pflanzen.

Rasenschnitt sollte am besten mit Heckenschnitt vermischt auf den Kompost kommen.

Bei zu viel feuchtem Material mischen Sie also immer trockene Zuschläge wie Holzspäne, Heu oder Stroh unter. Trockenheit ist aber genauso zu vermeiden wie zu viel Feuchtigkeit. Beides behindert die Mikroorganismen in ihrer Arbeit. Notfalls muss der Kompost befeuchtet, also gegossen werden. Bei strukturarmem, feinem Material (Rasenschnitt) wird immer etwas grobes Material wie Heckenschnitt oder Strohhäcksel daruntergemischt.

Entscheidend für einen guten Verlauf der Verrottung ist vor allem das Verhältnis von Stickstoff und Kohlenstoff. Überwiegt der Kohlenstoffanteil, dann ist die Tätigkeit der Mikroorganismen eingeschränkt. Kohlenstoff ist vor allem in holzigen Abfällen enthalten, z.B. Stroh, Holzhäcksel, Heckenschnitt, Rinde, Sägemehl und Papier. Bei einem Übermaß an kohlenstoffhaltigem Material muss mit Stickstoff (Hornmehl, Guano, Mist) ausgeglichen werden. Sehr stickstoffreich sind auch frische grüne Abfälle aus Haushalt, Küche und Garten (Gemüsereste, Obstreste, Rasenschnitt, frisches Laub). Ist der Anteil an stickstoffhaltigem Material zu groß, dann „verpappt“ das Ganze und es kommt zu Fäulnis. Das passiert beispielsweise, wenn frischer Rasenschnitt auf einen Haufen kommt.

Aufbau des Kompostes

Egal ob Sie sich für das offene (Kompostmiete) oder geschlossene System (Kompostbehälter) entscheiden, der Aufbau des Kompostes ist immer gleich: Zunächst wird der Untergrund etwas gelockert (Grabegabel). Für die unterste Schicht nehmen Sie nun grobes holziges Material wie zerkleinerte Zweige, Äste und Heckenschnitt. Dies wird etwa 20 cm hoch aufgeschichtet. Somit ist von unten eine gute Durchlüftung gewährleistet. Darauf kommt jetzt das zerkleinerte und gut gemischte organische Material aus Haus und Garten. Eine Schichtung, wie es häufig empfohlen wird, muss nicht unbedingt sein! Wichtiger ist das gute Mischungsverhältnis zwischen Grob/Fein, Trocken/Feucht und Stickstoffhaltig/Kohlenstoffhaltig. Je besser das gesammelte Kompostmaterial zerkleinert wird und je vielfältiger es gemischt ist, desto schneller setzt sich das Ganze um! Die Aufschüttung sollte möglichst locker und gut durchlüftet sein.

Der Kompost ist aus Holzbrettern gebaut und zu Zweidritteln gefüllt.

©Rudi Beiser

Dieser Kompost hat oben die Maximalhöhe von 1,20 m.

Um das Ganze zu optimieren, können Sie während der Aufschichtung dem organischen Material etwas Mineralisches hinzufügen, z.B. etwas Gartenerde oder Gesteinsmehl oder bei einigen Kompost-Materialien auch Kalk. Kalk ist zum Beispiel erforderlich bei sauren Materialien (Rinde oder Laub von Kastanie, Eiche, Walnuss oder Buche), sonst würde der Kompost sauer werden, was die wenigsten Gartenpflanzen mögen. Der pH-Wert sollte zwischen 6 und 7 liegen, es sei denn, Sie benötigen den Kompost für Moorpflanzen.

Hat der Komposthaufen eine Höhe von etwa 1,20 m erreicht, wird er zum Abschluss mit Laub, Stroh, Erde oder Gras abgedeckt. Das ist ein guter Schutz vor Austrocknung und Auswaschung. Das Abdecken ist bei geschlossenen Systemen mit Deckel nicht notwendig.

Insgesamt ist es sinnvoll, zunächst Material zu sammeln und den Kompost in einem Durchgang aufzusetzen. Danach bleibt er ungestört und es entstehen im Innern hohe Temperaturen bis zu 60 Grad. In dieser heißen Phase verschwinden viele Krankheitskeime und Unkrautsamen. Bei langsamer Aufschichtung entstehen im Innern nur Temperaturen bis zu 40 Grad. Der Kompost ist in der Regel nach 9-10 Monaten fertig (abhängig vom Material und Jahreszeit). Die Anzahl der Bodentiere nimmt dann ab. Der Geruch von reifem Kompost ist angenehm erdig, die Struktur ist krümelig. Der fertige Kompost wird durch ein großes Drahtsieb abgesiebt. Grobe Siebrückstände werden erneut kompostiert und dienen zudem als „Kompoststarter“.

Das Umsetzen des Kompostes und der Kompoststarter

©Constanze L.

Beim Kompost umsetzten kann man einen Blick auf die fleißigen Regenwürmer werfen.

Die Verrottung eines Kompostes funktioniert in der Regel auch ohne Umsetzen. Das Umsetzen verkürzt aber den Rotteprozess. Umsetzen bedeutet, dass die inneren Schichten nach außen kommen und die äußeren nach innen. Das sorgt für eine gute Durchlüftung und beschleunigt die Kompostierung. Unbedingt erforderlich wird das Umsetzen jedoch, wenn der Kompost durch zu viel Feuchtigkeit oder mangelnde Durchlüftung zu faulen beginnt. Dann wird während der Umsetzung grobes und trockenes Material beigemischt, z.B. Strohhäcksel.

Die Reifung des Kompostes kann auch durch bestimmte Zugaben beschleunigt werden, sodass schon nach 3 Monaten fertiger Kompost zur Verfügung steht. Käufliche Kompostbeschleuniger oder Kompoststarter enthalten meist Mikroorganismen, die den Rotteverlauf beschleunigen. Man kann sie mit der Hefe im Brotteig vergleichen. Sie sind allerdings nicht unbedingt nötig, denn die Natur stellt uns die Mikroorganismen auch kostenlos zur Verfügung!

Sie können aber auch einen hausgemachten Kompoststarter einsetzen: Rückstände vom Kompostaussieben oder fertiger Kompost von einem alten Haufen. Hierin befinden sich genügend Mikroorganismen, die den neuen Komposthaufen „anschubsen“. Man streut den Kompoststarter beim Aufsetzen des neuen Kompostes schichtweise dazwischen. Außerdem können Sie die hilfreichen Bodenlebewesen auch gezielt anlocken: Ideales „Futter“, vor allem für Regenwürmer, sind Zwiebelschalen, Lauchreste, Holunderblätter und Kaffeesatz. Aber auch Pflanzenjauchen fördern den Rotteprozess, insbesondere Brennnessel und Beinwelljauche. Auch Zugaben von Stickstoff (wie Hornmehl) helfen den Mikroorganismen bei der Zersetzung.

 

 

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Bildquellen

  • geschlossener-kompost: ©Rudi Beiser
  • offener-kompost: ©Rudi Beiser
  • hoher-kompost: ©Rudi Beiser
  • kompost-umsetzen: ©Constanze L.
  • kompost-titel: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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