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Blattläuse ökologisch bekämpfen

Nahaufnahmen zeigen die einzelnen Läuse, die die Pflanze befallen haben.

Eine Laus kommt selten allein – leider. Denn Blattläuse gehören zu den häufigsten Pflanzenschädlingen. Ab Mai tauchen sie wie aus dem Nichts auf und vermehren sich rasant. In kürzester Zeit haben sich ganze Kolonien aufgebaut. Und so vergeht uns oftmals die Lust, Holunder- oder Rosenblüten für Tees oder andere Rezepte zu nutzten.

Viele Hundert heimische Arten saugen an jungen Blättern, Blüten und Triebspitzen, zum Beispiel die Große Rosenblattlaus (auf Rosen, Apfel, Birne, Erdbeere), die Schwarze Bohnenlaus (Bohnen, Kartoffeln, Rüben, Schneeball und Pfaffenhütchen) oder die Grüne Pfirsichblattlaus (auf Pfirsich, Pflaume und Mirabelle, Gemüsearten und Unkräutern).

Lausbefall an Stängel und Blättern

©Rudi Beiser

Die Läuse machen sich über die Pflanze her und schwächen sie.

Die millimeterkleinen Insekten stechen mit ihrem Saugrüssel die Pflanzenzellen an und saugen den zuckerhaltigen Pflanzensaft heraus. Einen großen Teil des Zuckersafts scheiden sie wieder aus. Dieser sogenannte Honigtau überzieht die Wirtspflanze mit einem klebrigen Belag und ist ein zuverlässiges Erkennungszeichen für den Lausbefall. Auf diesen Ablagerungen siedeln sich oft Rußtaupilze an und bilden einen schwarzfilzigen Schimmelrasen. Der Honigtau lockt auch Ameisen an, die die Blattläuse regelrecht melken und gegen Fressfeinde verteidigen.

Die Saugtätigkeit schwächt die Pflanzen, beeinträchtigt das Wachstum und macht sie anfällig gegen weitere Schädlinge und Krankheiten.

Blattlausbefall vorbeugen – ohne die chemische Keule

Die beste Vorbeugung gegen Blattläuse ist, seinen Garten möglichst naturnah zu bewirtschaften und keine große Ansammlungen gleichartiger Pflanzen zu pflanzen. Legen Sie ihren Garten als Mischkultur an. Vermeiden Sie außerdem eine Überdüngung mit Stickstoff, denn das schwächt die Abwehrmechanismen der Pflanzen und lockt somit die Blattläuse. Läuse bevorzugen geschwächte Pflanzen. Sie weisen häufig auf Probleme im Wurzelbereich der Pflanze hin: Ist der Boden zu hart, fehlt Wasser oder Dünger oder steht die Pflanze am falschen Standort? Oft kann das Lockern der Erde im Wurzelbereich das Problem schon lösen. Bei Topfpflanzen lässt sich das Läuseproblem häufig durch Umpflanzen regulieren.

Die Superhelden gegen Läuse: Nützliche Insekten

Ein intaktes Ökosystem wirkt bei Schädlingsbefall weitgehend selbstregulierend. Etwas Geduld wird stets belohnt: Marienkäfer- und Florfliegenlarven bereiten dem Spuk ein überraschendes und schnelles Ende. Eine einzige Marienkäferlarve oder eine Florfliegenlarve fressen in ihrer dreiwöchigen Entwicklungszeit 300–600 Blattläuse.

©Rudi Beiser

Ein Insektenhotel lockt die nützlichen Insekten in den Garten.

Sie müssen allerdings einen Befall zulassen, bis die Regulation durch die Nützlinge greift. Pflanzen Sie in Ihrem Garten einige besonders blattlausanfällige Gewächse, damit die Nützlinge angelockt werden und sich gut vermehren können: Falscher Jasmin, Holunder, Kapuzinerkresse, Rosen oder Wermut eignen sich gut. Sorgen Sie außerdem dafür, dass die natürlichen Feinde der Blattläuse wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwespen, Gallmücken, Schwebfliegen in Ihrem Garten genügend Nistmöglichkeiten finden, indem Sie beispielsweise ein Insektenhotel installieren. Wenn sich die Blattlausjäger in Ihrem Garten wohlfühlen, ebbt der Blattlausbefall nach einer ersten Invasion im späten Frühling oder Frühsommer spürbar ab. Solche Nützlinge können Sie auch per Versand bestellen und dann im Wintergarten oder Gewächshaus aussetzen. 

Wenns doch sein muss: Blattläuse mit den richtigen Bio-Spritzmitteln bekämpfen

Bei der Blattlausbekämpfung sollten in erster Linie Mittel eingesetzt werden, die nützlingsschonend sind. Bei den käuflichen Spritzmitteln sind dies vor allem Präparate auf der Basis von Rapsöl oder Kaliseife. Insektizid wirkende Bio-Spritzmittel, zum Beispiel auf der Basis von Pyrethrum oder Neem schädigen auch die Nützlinge und sollten deshalb nur im Notfall eingesetzt werden.

Hausmittel gegen Lausbefall selbst herstellen

Meistens können Sie die saugenden Schädlinge mit umweltschonenden Hausmitteln in Schach halten. Wenn nur einzelne Triebe befallen sind, reicht es meist schon die Schädlinge mit einem scharfen Wasserstrahl abzuspritzen oder mit den Fingern abzustreifen.

Bei einem stärkeren Befall eignen sich selbst hergestellte Brühen, Jauchen und Tees. Dafür gibt es unzählige Tipps und Rezepturen, die leider nicht alle zum Erfolg führen. Nachfolgend werden einige effektive Rezepte vorgestellt.

Der Klassiker: Kern- oder Schmierseife 

Kern- oder Schmierseifen (Kali-Seife) sind Seifen ohne Fettüberschuss. Sie enthalten außerdem keine Duft- und Farbstoffe. Lösen Sie 20-30 Gramm geriebene Kern- oder flüssige Schmierseife in einem Liter warmen Wasser auf und füllen Sie die abgekühlte, flüssige Seifenlösung in eine geeignete Sprühflasche. Besprühen Sie nun die betroffenen Pflanzen. Tipp: Bei einem starken Befall (vor allem mit Schild- oder Wollläusen) lässt sich das Spritzmittel mit etwas Alkohol oder Spiritus (1-2 TL) in seiner Wirkung verstärken.

Oregano-Tee

Lecker in der Küche und ein wertvoller Läusebekämpfungsstoff: Oregano.

Das beliebte Küchenkraut ist nicht nur zum Kochen geeignet: Oregano enthält viele Substanzen, die gegen Blattläuse wirken. Das Spritzmittel ist einfach und schnell herzustellen. Sie benötigen 100 Gramm frischen Oregano oder alternativ 20 Gramm getrockneten Oregano. Gießen Sie die Blätter mit einem Liter heißem Wasser wie einen Tee auf und lassen Sie die Mischung 15 Minuten ziehen. Sieben Sie die Pflanzen ab und verdünnen Sie den Sud mit 3 Litern Wasser. Nun können Sie das Mittel über die betroffenen Pflanzenteile sprühen, am besten noch ein zweites Mal im Abstand von einigen Tagen. Ganz wichtig: Unsere heimische Origanum-Art (Dost oder Wilder Majoran) ist zu schwach. Man benötigt südländische Origanum-Arten wie den Griechischen Oregano (Origanum vulgare ssp. hirtum), der auch bei uns im Garten winterhart ist.  

Rainfarn-Brühe

Der Rainfarn blüht in gelben kleinen Ballen.

Wunderschön und ein echter Helfer: Rainfarn

Eine Brühe aus Rainfarn wirkt leicht insektizid. Dazu werden 100 Gramm frisches oder 20 Gramm getrocknetes Kraut in einem Liter Wasser 20 Minuten lang geköchelt. Nun verdünnen Sie die Brühe mit 8 Litern Wasser und besprühen die Pflanzen damit.

Rhabarberblatt-Brühe

Vor allem gegen die Schwarze Bohnenlaus hilft eine Brühe aus Rhabarberblättern. Hierzu kochen Sie 500 Gramm frische Blätter 20 Minuten lang in drei Litern Wasser. Die abgesiebte Flüssigkeit bringen Sie mehrmals im Abstand von einigen Tagen mithilfe eines Sprühgeräts auf den befallenen Pflanzen aus. Die Brühe stärkt die Pflanzen auch gegen Pilzerkrankungen.

Knoblauch-Tee

Knoblauch ist ein Alleskönner, denn er wirkt nicht nur sehr gut gegen verschiedene Pilzerkrankungen an Ihren Pflanzen, sondern er ist auch ein hilfreiches Hausmittel gegen Blattläuse. Aus 50 Gramm gehackten Knoblauchzehen lässt sich zusammen mit fünf Litern heißem Wasser ein Spritzmittel herstellen. Lassen Sie das Gemisch mindestens 30 Minuten ziehen und sieben Sie es anschließend ab. Nach dem Abkühlen besprühen Sie Ihre Pflanzen alle zehn Tage mit der unverdünnten Brühe.

Magermilch oder Fettarme Milch

Bei einer frühzeitigen Spritzung zu Beginn des Blattlausbefalls eignet sich ganz hervorragend Milch. Magermilch wird 1:2 und fettarme Milch 1:5 mit Wasser verdünnt. Wenn Sie nun noch auf fünf Liter Spritzmischung zwei Tropfen ätherisches Lavendelöl einrühren, dann wirkt die Spritzung noch besser und Sie haben gleichzeitig eines der besten Mittel gegen Mehltaupilze.

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Bildquellen

  • Läuse auf einer Pflanze: ©Rudi Beiser
  • Insektenhotel für Nützlinge: ©Rudi Beiser
  • Blattlaus Befall: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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