Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Garten-Greenhorns: Erlebnisse aus dem ersten Gartenjahr

Gartenarbeit in der Nahaufnahme und unser Gewinnerpaar beim Gartenworkshop.

Bei unserem Garten-Gewinnspiel 2017 haben Daniela B. und Manuel N. die Teilnahme an einem Workshop in der Gärtnerei Herb’s gewonnen. Dort haben wir sie persönlich kennengelernt. Das Paar lebt und arbeitet in Stuttgart und bewirtschaftet in der Nähe der Stadt in seiner Freizeit einen Garten mit 1.600 Quadratmetern. Manuel hat das Gelände im Frühjahr 2017 zusammen mit zwei Freunden – Ole und Willi – gekauft. Es besteht vor allem aus einer großen Wiese, auf der ein paar alte Obstbäume stehen. Im letzten Sommer haben sie – mit dem Wissen aus dem Workshop – erste Versuche gewagt, dort Gemüse, Beeren und Kräuter anzubauen. Die Ernte fiel eher schlecht aus. Entmutigen lassen sich die Freunde davon aber nicht.

Uns hat ihre Geschichte so gut gefallen, dass wir sie hier vorstellen wollen. Insbesondere in unserer Zeit mit Klimawandel, Urbanisierung und Entfremdung von der Natur macht sie Mut. Denn sie beweist: Jeder kann schon im Kleinen tätig und wirksam werden, um etwas zu verändern. Wir haben Daniela und Manuel in ihrem Garten besucht und mit ihnen über ihre Erfahrungen im ersten Gartenjahr und ihre Pläne gesprochen.

Die Wiese fällt seitlich ab, im Hintergrund geben die Bäume den Blick frei auf den Horizont.

Keine Stadt in Sicht: Obwohl Stuttgart nah ist, liegt der Garten wie in einer anderen Welt.

Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Garten?

Manuel: Uns ging es um einen stadtnahen Ort, an den man gehen kann, wenn man genug von Stuttgart hat. Wir haben ja hier ein recht bekanntes Verkehr-, Luft- und Völleproblem. In unserem Garten hört man nichts außer Vögel oder es mäht jemand nebenan den Rasen.

Daniela: Es ist eine der wenigen Orte in Stuttgart, wo man kein Flugzeug, keine Straße, keine Eisenbahnen hört und auch keine Hochspannungsleitungen sieht. Und auch die Stadt sieht man von dort aus gar nicht!

Hatten Sie beim Kauf des Gartens eine konkrete Idee, was Sie damit machen wollen?

Manuel: Meine beiden Freunde und ich hatten vorher nur darüber gesprochen, was man alles machen könnte. Es gab hinsichtlich der Nutzung und Entwicklung nur den Gedanken, dass jeder das machen kann, was er möchte. Und genau so ist es heute auch: Willi kommt, um im Garten ein bisschen in die Sonne zu kucken und die Aussicht zu genießen. Ole und ich gehen dorthin, um etwas zu verändern und zu bauen. Wie sagt Ole immer so schön: Um sich die Fingernägel schmutzig zu machen! Ich gehe in den Garten, um was mit der körperlichen Energie zu tun, die ich habe.

Was haben Sie in Ihrem ersten Gartenjahr ausprobiert?

Eine braune Nacktschnecke frisst eine schon fast komplett gefressene Gurke.

Über die ersten Versuche im Garten haben sich vor allem die Schnecken gefreut.

Manuel: Wir haben einen ersten Versuch gewagt, im Garten ein Beet anzulegen. Von den Pflanzen, die wir angebaut haben, ist fast alles schief gegangen oder von Schnecken aufgefressen worden. Wir haben ein paar Himbeeren gesetzt, die überlebt haben, und ein paar Kräuter gesetzt, von denen zumindest noch die Hälfte lebt.

Was haben Sie in Zukunft mit dem Garten vor?

Daniela: Es geht nicht so sehr um das Ziel, sondern den Weg. Es geht darum, dort zu sein und Erfahrungen zu machen. Meine Vision ist aber schon ein Gemüsegarten, sodass wir zumindest im Sommer über die Runden kommen können.

Welche Empfehlungen haben Sie für jemanden, der sich auch so einen Garten wünscht?

Manuel: Rückschläge sind einfacher zu verdauen, wenn man das nicht alleine macht. Das hat sich bei mir gezeigt, dass es gemeinsam viel mehr Spaß macht. Und dann ist es auch nicht so schlimm, wenn mal was schief geht!

Daniela: Und man sollte sich überlegen, wo der Garten liegt. Wäre unser Garten noch ein Stück weiter weg, dann wäre das für uns viel mehr Aufwand und dann würden wir viel seltener dorthin gehen. Man muss für sich klären: Passt das in den Alltag rein und mit welchem Aufwand ist das verbunden?

Was hat sich verändert seit Sie den Garten haben?

Mit cooler Kappe und Arbeitshandschuhen macht sich Manuel dran, den Baumstamm zu zersägen.

Mit ein Grund für den Gartenkauf: Arbeit mit den Händen in der Natur.

Manuel: Früher sind wir am Freitag und Samstag häufig in der Stadt feiern gegangen bis in die Nacht hinein und da war es dann nicht so wichtig, was man am Tag gemacht hat. Jetzt sind wir alle über 30 und wollen lieber raus aus der Stadt. Wir freuen uns zunehmend darauf, uns im Garten zu treffen und dort etwas zu machen. Wir essen dann auch dort. Und wir überlegen uns, was wir alles noch so angehen können. Zum Beispiel, wie wir Wasser sammeln können. Zum Garten gehören auch die körperliche Betätigung und der Genuss, mal Schwielen an den Händen zu bekommen. Wir haben ja alle Bürojobs und verbringen den Tag auf Stühlen und vor Bildschirmen.

Daniela: Spannend ist die Entwicklung beim Thema Kochen. Es gibt eine Feuerstelle. Am Anfang haben wir daher immer nur gegrillt. Wir werden jetzt auch kreativer. Wir haben schon Pizza und Suppe über dem Feuer zubereitet.

Welche Rolle spielt Ernährung für Sie?

Daniela: Genuss spielt eine große Rolle und auch die Herkunft der Lebensmittel. Seitdem wir ein bisschen aus Stuttgart rausgezogen sind, ist es einfacher, die Lebensmittel zu bekommen, die wir haben wollen. In Stuttgart selbst war das schwieriger, da geht man halt in den Supermarkt oder braucht eine Biokiste. Jetzt kommen wir leichter an gute Lebensmittel, da es an unserem Wohnort einen Hofladen gibt. Wir haben auch schon mal bei Meine Ernte mitgemacht. Da pflanzt der Bauer alles für einen an und dadurch ist der Ernteerfolg für alle gesichert, auch wenn man keine Ahnung hat. Mit unserem Garten ist das jetzt schon eine andere Nummer!

Wie wollen Sie sich das fehlende Wissen aneignen?

Manuel: Wir haben da unterschiedliche Ansätze. Ole probiert einfach alles aus. Nachdem wir den Garten umgegraben haben, hat er einfach Samen ausgesät, gegossen und gekuckt, was passiert. Ich hingegen habe mir Gartenbücher besorgt. In den letzten sechs Monaten habe ich zum Beispiel einiges über Obstbäume gelernt und da auch schon ein bisschen was ausprobiert.

Wie wollen Sie den Garten bewirtschaften? Biologisch?

Daniela: Wir möchten den Garten ohne den Einsatz von irgendwelchen Mitteln bewirtschaften. Was die Schnecken angeht, müssen wir mal schauen. Ole hasst die Tiere jetzt schon sehr… Beim Samenkauf hatten wir uns informiert, wo man die am besten kauft. Da haben wir darauf geachtet, dass die nicht genverändert sind.

Manuel: Ich habe gelesen, dass man gegen Schädlinge Brennnesseln ansetzen muss, um eine Jauche zum Versprühen zu erhalten. Das werde ich nächstes Jahr machen.

Im Garten gibt es ein großes Loch. Wofür ist das gut?

Manuel: Um Bier kalt zu stellen! Das war unser erstes Erdloch. Am Anfang hat das noch nicht so gut funktioniert. Dann haben wir es tiefer gemacht. Heute haben wir ein Loch, in das wir zwei Bierkästen reinstellen können. Es braucht eine Nacht bis das Bier kalt ist. An den Tagen, an denen die Sonne scheint, erreicht man zwar keine Kühlschranktemperaturen, aber so 15, 16 Grad und das ist dann schon schön, wenn man gearbeitet hat!

Eine alte Holzhütte, die perfekt unter die knorrigen Obstbäume passt.

Idyllisch unter Apfelbäumen liegt die Hütte für die Gartengeräte.

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