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Nachhaltige Mobilität: Bessere Auslastung von Autos durch Carsharing

Zwei Personen fahren mit einem Carsharing-Auto die Straße entlang.

Nicht erst seit Fridays for Future steht der persönliche CO2-Fußabdruck im Zentrum vieler Diskussionen. Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die Klimabilanz zu verbessern? Klar ist: Die meisten CO2-Emissionen kommen aus der Stromerzeugung und der Industrie. Beide Bereiche konnten im Vergleich zum Jahr 1990 ihre Emissionen senken. Auf Platz drei folgt der Verkehrssektor. Dieser konnte seine Ziele bisher nicht ansatzweise erreichen. Das Gegenteil ist der Fall. Grund dafür ist unter anderem, dass für viele das eigene Auto noch immer das wichtigste Fortbewegungsmittel ist. Dabei können wir alle gerade in Sachen Mobilität leicht selbst aktiv werden.

Die Alternativen sind vielfältig. Wir wollen zeigen, dass Mobilität mehr als Flugzeug, das eigene Auto mit Verbrennungsmotor, ÖPNV und die Bahn ist, und stellen verschiedene Möglichkeiten in einer Serie in Sachen nachhaltige Mobilität vor. Dabei geht es auch um die Frage, wie nachhaltig die jeweiligen Angebote tatsächlich sind. In diesem Beitrag steht das Carsharing im Fokus.

Carsharing – Was heißt das eigentlich genau?

Carsharing ist das gemeinsame Nutzen von Autos. Dabei besitzt man selbst kein Fahrzeug, sondern greift auf den Fuhrpark eines Carsharing-Anbieters zurück. Dies soll das Auto effizienter machen und vorhandene Fahrzeuge besser auslasten. Schließlich stehen die meisten Fahrzeuge überwiegend ungenutzt im öffentlichen Raum herum. Die Fahrzeuge werden auf zwei Arten verliehen: entweder durch Verleihstationen, also auf fest vorgegebenen Stellplätzen, oder durch „Free Floating“, bei dem die Fahrzeuge flexibel in der Stadt gebucht und abgestellt werden können.

Regionale Unterschiede bei Carsharing-Angeboten

Carsharing-Angebote sind regional sehr verschieden. Das liegt unter anderem daran, dass die Träger meist Städte und Gemeinden sowie Landkreise oder lokale Vereine sind. Seltener gibt es auch Autohäuser, die Carsharing anbieten. Eine Übersicht bietet der Bundesverband CarSharing. Die großen lokalen Unterschiede und die Vielzahl regionaler Initiativen sind dafür verantwortlich, dass es nur wenige große, deutschlandweit operierende Anbieter gibt.

Wenige deutschlandweite Carsharing-Anbieter

Das Angebot Flinkster der Deutschen Bahn soll vor allem Zugreisenden einen unkomplizierten Anschluss mit dem Auto ermöglichen. Die Fahrzeuge sind meist in Bahnhofsnähe geparkt. Nicht nur für Besitzer einer BahnCard, für die die Anmeldegebühr entfällt, ist Flinkster interessant. Auch für Menschen, die viel innerhalb Deutschlands unterwegs sind und dabei vor Ort ein Auto brauchen, ist dieses Angebot ideal. Für Personen, die in Bahnhofsnähe wohnen, kann Flinkster ebenfalls attraktiv sein. Auch gibt es verschiedene Kooperationspartner, wie das Unternehmen TeilAuto, das vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aktiv ist, sowie den Schweizer Carsharing-Marktführer Mobility.

Weitere große Anbieter sind Stadtmobil, die vor allem in Baden-Württemberg präsent sind, und Cambio, deren Markt schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liegt. Daneben gibt es mit Miles sowie ShareNow (nach Anzahl der Kunden der Marktführer in Deutschland) zwei Unternehmen, die ihren Fokus bewusst auf Metropolen legen. Die Fahrzeuge sind nur in Berlin, Hamburg, Köln oder München sowie weiteren Großstädten buchbar. Leider gibt es diesen Dienst also nur dort, wo der ÖPNV in der Regel bereits gut ausgebaut und Carsharing daher weniger relevant ist.

Mit einem Smartphone kann man Carsharing-Fahrzeuge reservieren. © Mobility Genossenschaft

Mit einem Smartphone kann man Carsharing-Fahrzeuge schnell und einfach reservieren.

Ähnliche Preismodelle bei fast allen Carsharing-Anbietern

In der Regel verlangen die Anbieter von ihren Kunden eine monatliche Grundgebühr sowie eine Kilometer- und Zeitpauschale, die sich nach der Größe des Fahrzeuges richtet. Je mehr Kilometer man fährt und je länger man das Auto benötigt, desto höher sind die Kosten.

Carsharing-Anbieter Miles stellt, wie der Name des Unternehmens schon verrät, die Kosten nur nach gefahrenen Kilometern in Rechnung – egal, wie lange man das Auto nutzt. Für Kunden, die stauanfällige Strecken fahren, kann dies ein erheblicher Preisvorteil sein. Doch ist diese Preisstruktur nicht ökologisch fragwürdig? Immerhin: Die Kilometerpauschalen sind bei Miles zumindest deutlich höher als bei anderen Anbietern. Ein genaues Durchrechnen lohnt sich also.

Auslandsfahrten nicht bei jedem Anbieter möglich

Bei Auslandsfahrten sind Unterschiede der Anbieter zu beachten. So verbietet Miles die Nutzung der Fahrzeuge außerhalb Deutschlands, während Cambio Fahrten ins Ausland ermöglicht. Vor allem Menschen, die in Grenzregionen leben, sollten sich daher im Vorfeld über die Modalitäten einer Auslandsfahrt informieren.

Immer ein modernes, passendes Fahrzeug zur Verfügung?

Ein Vorteil des Carsharings ist, dass man sich keine Gedanken um Wartung und Reparatur der Fahrzeuge machen oder nach günstigen Versicherungspolicen für sein Auto suchen muss. Gerade für Wenig- oder Spontanfahrer lohnt sich ein eigenes Auto in der Regel nicht. Daher bietet Carsharing für diese Personengruppe die notwendige Ergänzung, wenn doch mal ein PKW, beispielsweise für große Einkäufe oder Umzüge, benötigt wird. Auch sind die Flotten in der Regel mit neuen Fahrzeugen ausgestattet, sodass man immer die modernste Technik an Bord hat.

Ein Nachteil ist jedoch, dass das passende Fahrzeug unter Umständen bereits vergeben ist. Vor allem bei kleineren Anbietern im ländlichen Raum kann dies vorkommen. Auch sind viele Anbieter eher in Großstädten präsent. Auf dem Land, wo man das Auto viel eher flexibel bräuchte (gerade in den Randzeiten des ÖPNV), fehlen entsprechende Angebote. Ist doch ein Anbieter vor Ort verfügbar, hat er entsprechend oft eine Monopolstellung.

Das eigene Auto mit der Nachbarschaft teilen – privates Carsharing

Eine andere Form des Carsharings ist die Vermietung des eigenen Autos über Internetplattformen. Bisher ist das Angebot an Fahrzeugen bei Anbietern wie SnappCar, Getaway und Getaround jedoch recht dünn. In vielen Orten kann man keine Fahrzeuge anmieten. Und dort, wo man es kann, muss man teilweise längere Wege zum gewünschten Auto in Kauf nehmen. In größeren Städten sind die wenigen Fahrzeuge über das ganze Stadtgebiet verteilt. Wenn Carsharing-Anbieter mit einem „Carsharing von nebenan“ werben und damit den Eindruck vermitteln, hier würden Nachbarn im selben Viertel sich ein Auto teilen, entspricht dies also nicht ganz der Realität.

Anmietung von privaten Fahrzeugen ohne persönliche Übergabe

Bei der Vermietung des eigenen Autos über Internetplattformen legen die Vermieter, also die jeweiligen Fahrzeughalter, die Preise selbst fest. Die Plattformen erhalten lediglich eine Vermittlungsprovision. Zudem bieten sie den Rahmen für einen entsprechenden Versicherungsschutz sowie die Abwicklung bei Strafzetteln und Bußgeldern. Bei einigen Anbietern kann man sein Fahrzeug mit einer Telematikbox ausrüsten lassen, die ein Vermieten ohne persönliche Übergabe – nur per App – ermöglicht. So kann das Auto von potentiellen Interessenten auch spontan gemietet werden.

Ansonsten gibt der Fahrzeughalter selbst die verfügbare Zeit und die Übergabemodalitäten auf den Plattformen an. Dies birgt jedoch das Risiko kurzfristiger Absagen. Zudem gibt es bei der Übergabe hin und wieder Streit um die Füllhöhe des Tanks oder um Fahrzeugschäden. Daher sollte man bei der Übergabe den Zustand des Fahrzeuges genau dokumentieren.

Mit einer Karte kann man Carsharing-Autos freischalten und nutzen. © Mobility Genossenschaft

Bei vielen Anbieter kann man die Fahrzeuge mit einer Kundenkarte freischalten. Inzwischen geht dies aber auch per App.

Vor- und Nachteile des privaten Carsharings

Vergleicht man die Preise auf den verschiedenen Plattformen miteinander, stellt man schnell fest, dass klassisches Carsharing und oft auch Mietwagen ähnlich viel kosten wie das private Carsharing – obwohl die Anbieter mit einem gegenteiligen Versprechen werben. Dem möglichen Konfliktpotential bei privater Anmietung entgeht man, wenn man sich bei einem lokalen Carsharing-Anbieter registriert. Grenzgänger sollten beachten, dass eine Auslandsfahrt in der Regel nicht möglich ist. Die Nutzung von Anhängern oder Wohnwagen ist in der Regel ausgeschlossen.

Fahrzeughalter sollten außerdem überprüfen, ob sie die Einnahmen versteuern müssen. Zwar verweisen die Anbieter darauf, dass diese Einnahmen steuerfrei sind, solange lediglich die laufenden Kosten gedeckt werden und ein gewerblicher Hintergrund ausgeschlossen werden kann. Allerdings empfehlen die Unternehmen zugleich, einen Steuerberater zu konsultieren.

Umweltnutzen und Klimabilanz von Carsharing

Bezüglich der Klimabilanz des Carsharings gehen die Meinungen auseinander. Einige Untersuchungen sagen, die Fahrzeuge seien besser ausgelastet und viele Menschen würden ihr eigenes Auto im Zuge der Carsharing-Nutzung sogar abschaffen. Zudem würde CO2 eingespart, weil die Nutzerinnen und Nutzer das Auto mit anderen Verkehrsmitteln kombinierten. Auch seien Carsharing-Flotten oftmals gering motorisiert.

Andere Untersuchungen können hingegen keine Abnahme von Privat-PKW aufgrund von Carsharing feststellen. Im Gegenteil würden Personen, die sonst kein Auto genutzt hätten, es nun sogar zusätzlich für kurze Fahrten verwenden.

Negativ für die Ökobilanz ist zudem, dass es auf dem Markt Anbieter gibt, die bewusst hochmotorisierte Fahrzeuge im Fuhrpark bereithalten – sowohl unter den kommerziellen Anbietern wie auch auf den privaten Verleihplattformen.

Aktuell: Carsharing und Coronavirus

Das Coronavirus stellt die Carsharing-Anbieter vor besondere Herausforderungen – denn viele Menschen nutzen unabhängig voneinander ihre Fahrzeuge. Es wird daher empfohlen, die sogenannte Husten- und Nies-Etikette einzuhalten. Zudem werden die Kunden aufgerufen, vor Fahrtantritt die Hände gründlich und ausreichend lange (also mindestens 20–30 Sekunden) zu waschen und sich während der Fahrt nicht ins Gesicht zu fassen. Auch Einweghandschuhe können Schutz bieten. Da Viren in der Luft infektiös bleiben können, sollte man das Fahrzeug vor der Fahrt gut durchlüften. Während der Fahrt sollte man darauf achten, dass das Gebläse auf möglichst niedriger Stufe eingestellt ist. Es empfiehlt sich, die Klimaanlage so zu konfigurieren, dass sie frische Luft von außen zuführt und nicht lediglich die Luft im Fahrzeuginneren umwälzt und so vorhandene Viren verteilt.

Obwohl die Anbieter die Reinigungsintervalle erhöht haben und auch darauf verweisen, dass das Personal in Hinblick auf Coronaviren geschult wurde, empfiehlt es sich die Schlüssel, Griffe, das Lenkrad sowie Hebel zum Schalten und Festsetzen der Handbremse vor Fahrtantritt nochmals abzuwischen. Dafür genügt eine normale Flüssigseife oder Spülmittel. Aggressive oder teure Reinigungsmittel sind hier nicht nötig, um Viren unschädlich zu machen. Um ins Fahrzeug zu gelangen, sollte man die Türen am besten mit einem Taschentuch öffnen und dieses dann entsorgen.

Mund-Nasen-Bedeckung im Auto tragen?

Das Tragen von Masken ist im Auto nicht nötig. Im Gegenteil kann dies sogar zu juristischen Problemen führen. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass das Gesicht beim Führen eines Autos nicht zu verhüllen ist. Wer trotzdem eine Maske tragen möchte, um nachfolgende Mieter nicht zu gefährden, sollte vor allem darauf achten, dass die Maske die Sicht und das Gehör nicht beeinträchtigt. Der ADAC empfiehlt, beim Masketragen darauf zu achten, dass möglichst wenig Gesichtszüge verdeckt sind.

 

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie „Nachhaltige Mobilität“

Der Fernbus: Ist er eine nachhaltige Alternative?

Das Leihfahrrad als Alternative im Stadtverkehr

Ist das Lastenrrad eine mögliche Alternative zum Auto?

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Bildquellen

  • carsharing-reservierung-mit-app: © Mobility Genossenschaft
  • carsharing-freischaltung-auto: © Mobility Genossenschaft
  • carsharing: © teilAuto.net

Norbert ist Politikwissenschaftler mit grüner Gesinnung und arbeitet in der Online-Redaktion des Waschbär-Magazins. Ihn interessieren vor allem innovative Produkte, wie pfiffiges Upcycling. So ist er unter anderem stolzer Besitzer eines Kulturbeutels aus einem alten Feuerwehrschlauch und einer Reisetasche aus Markisen-Verschnitt. Als Bewohner einer Weinregion zieht er diesen Bier vor - außer im Fußballstadion.

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