Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Making Oceans Plastic Free: Eine Initiative gegen Plastiktüten

Der junge Mann kniet am Strand neben Plastikmüll - zu sehen sind außerdem zwei der süßen Tasinis.

Das Thema Plastikmüll in den Meeren gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit – vor allem seit immer mehr verendete Meerestiere der Verschmutzung ein Gesicht geben. Doch trifft das noch lange nicht auf alle Teile der Welt zu. In Indonesien beispielsweise werden pro Tag um die zehn Millionen Plastiktüten verbraucht. Vier Freunde – je zwei aus Freiburg und Indonesien – haben sich zum Ziel gesetzt, aktiv zu werden. Sie wollen mit wiederverwendbaren Taschen in süßer Meerestieroptik – den Tasinis – den Plastiktütenverbrauch in Indonesien reduzieren. Dementsprechend heißt auch ihre Initiative: Making Oceans Plastic Free.

Wir haben bei Paritosha Kobbe, einem der vier Tasini-Gründer, nachgefragt, an welchem Punkt ihre Kampagne jetzt steht und wie ihre nächsten Schritte im Kampf gegen den Plastikmüll aussehen.

Indonesien liegt ja nicht direkt um die Ecke. Wie habt ihr vier euch kennengelernt und wie entstand die Idee zu „Making Oceans Plastic Free“?

Roger und ich haben im Zuge des Ethnologiestudiums vor 11 Jahren eine Lehrforschungsreise nach Indonesien gemacht. Dort haben wir Adith und Lia kennengelernt. Seither hat uns die Wissenschaft immer wieder zusammen und nach Indonesien gebracht. Die Verschmutzung mit Plastikmüll wurde über die Jahre immer auffälliger und drängte sich förmlich auf. Die Idee zu „Making Oceans Plastic Free“ ist durch unsere verschiedenen Hintergründe inspiriert: Roger erforscht Möglichkeiten, wie die Nutzung von Plastiktüten reduziert werden kann; ich erforsche als Ethnologe die Indonesische Kultur und Gesellschaft und habe einen Abschluss in Biologie; Adith berät Regierungsprogramme und Unternehmen zu umweltfreundlicher Produktion und Lia hat ein abgeschlossenes Kunststudium und ist kreative Produktdesignerin.

Was hat die Initiative bislang getan oder ist „Tasini“ das erste Projekt?

Müll im Sack statt am Strand - das zaubert ein Lächeln in die Gesichter der zwei Freiburger Gründer der Initiative.

©Making Oceans Plastic free

Nach dem Beach Clean-up ist der Strand suaber. Die zwei Freiburger Gründer der Initiative schleppen einen Sack Müll weg.

Wir haben bisher viel vor Ort in Indonesien getan. Im Februar haben wir den größten Beach Clean-up in der Geschichte Balis mitorganisiert und die Müllzusammensetzung analysiert. Dabei hat sich gezeigt, welch großen Anteil Plastiktüten im Meeresmüll stellen. Insgesamt wurden an dem Tag 40 Tonnen Müll von 12.000 Freiwilligen gesammelt. Zurzeit ist Tasini unser größtes Projekt, die Meerestiere mit faltbarer Tasche im Innern machen auf das Problem aufmerksam und sind Teil der Lösung zugleich. Außerdem werden sie als Schlüsselanhänger nicht mehr vergessen.

Warum startet ihr das Projekt „Tasini“ ausgerechnet in Indonesien?

Mit Fokus auf Indonesien – die weltweit zweitgrößte Quelle für marine Plastikverschmutzung – können wir wirklich etwas bewirken. Hier gibt es kaum organisiertes Abfallmanagement und ein Umweltbewusstsein ist erst bei wenigen ausgeprägt. Wir denken, dass Verhaltensänderung auf der ganzen Welt am besten funktioniert, wenn sie spielerisch und leicht erlernt wird. In der Entwicklung von Tasini war das unser Ansporn.

 

Das Schaubild zeigt den sortierten Müll und offenbart, dass allein Plastiktüten 30 % des gesammelten Mülls ausmachen.

©Making Oceans Plastic Free

Um herauszufinden, wie groß der Anteil an Platiktüten am angespülten Müll ist, sortierten ihn die Aktivisten.

Was ist der Grund dafür, dass Indonesier so exorbitant viele Plastiktüten verbrauchen? Ist es Ignoranz, mangelnde Bildung oder etwas anderes?

Sicherlich ist ein geringeres Problembewusstsein ein Teil der Erklärung. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Indonesien aber gar nicht so viel höher als in anderen Ländern. Das Problem ist: hier geht der Müll zum größten Teil über Flüsse direkt ins Meer.

Plüschig-süß sitzen die fünf Tasinis zusammen: Schildkröte, Oktopus, Rochen, Ente und Hai.

©Making Oceans Plastic Free

Der Niedlichkeitsfaktor ist ein entscheidendes Detail, das zum Erfolg der Tasinis beitragen soll.

Können niedliche Taschen wirklich der Schlüssel zur Lösung des Müllproblems sein? Wenn ja, warum?

Mit dem Design sprechen wir die Vorliebe vieler Indonesier für verspielte Accessoires an. So umgehen wir das Problem, dass noch kein Umweltbewusstsein vorhanden ist. Tasini wird genutzt, weil sie niedlich ist. Als sympathischer Charakter in Form eines Meerestiers wird Tasini zum Umweltbotschafter und klärt über Plastikmüll und seine Folgen auf. Eine Tasini kann ca. 400 Plastiktüten im Jahr verhindern. Zudem kann das geschaffene Umweltbewusstsein seine Wirkung dann auch im Bereich anderer Müll- und Umweltprobleme entfalten.

Aus welchem Material werden die Tasinis hergestellt? Werden dafür gesammelte Plastiktüten in Indonesien recycelt?

Wir möchten die Taschen mit Stoff aus in Indonesien recyceltem PET herstellen, das aus Plastikflaschen gewonnen wird. Recycling ist in Indonesien bisher kaum ein Thema, wir hoffen auf diese Weise Impulse zu setzen.

Wo und von wem werden die Tasinis produziert? Und: Welche Größenordnung kann man sich bei der Produktion vorstellen?

Bisher haben wir nur Prototypen und ca. 1000 Tasini in Handarbeit hergestellt. Damit war unsere Designerin Lia mit 3 Nähern über ein paar Monate beschäftigt. Wir produzieren im für sein Kunsthandwerk bekannten Yogyakarta auf Java.

Im Vordergrund liegen schon vier fertige Tasinis - der Oktopus wird gerade fertiggestellt.

©Making Oceans Plastic Free

Noch in Einzelanfertigung hergestellt: Hier verpasst Aktivistin Lia dem Oktopus den letzten Schliff.

Geplant ist im größeren Maßstab zu produzieren, um Tasini zu einem erschwinglichen Preis anbieten zu können. Wir legen viel Wert auf hohe ökologische und soziale Produktionsstandards.

Wie sollen die Tasinis in Indonesien vertrieben werden? Werden sie verkauft oder verschenkt?

Wir möchten Tasini überall dort anbieten, wo sie eine Alternative zur Plastiktüte sein kann. Wir hoffen, dass möglichst viele Läden die Taschen anbieten werden. Tasini sollen zu einem erschwinglichen Preis verkauft werden, sodass möglichst viele Menschen die Tasche nutzen können und die Wirkung am größten ist.

Können die Tasinis auch in Deutschland gekauft werden?

Noch für kurze Zeit kann man unsere Initiative „Making Oceans Plastic Free“ durch den Erwerb von einer oder mehrerer Tasini unterstützen. Aber vorerst planen wir keinen dauerhaften Verkauf in Deutschland, auch wenn wir darüber nachdenken, ein etwas weniger buntes Design hier anzubieten, ganz ähnlich der Tasini Classic Edition, die es schon jetzt auf der Crowdfunding-Seite gibt.

Was sind eure nächsten Pläne, um die Meere plastikfrei zu bekommen?

Wir möchten eine Umweltbildungskampagne in Indonesien starten und weiter unseren Ansatz verfolgen. Das heißt, holistische Designs in Form von Produktideen, Kampagnen, Beratung und Wissensvermittlung auf Grundlage praxisnaher interdisziplinärer, interkultureller Forschung und Social Entrepreneurship zu entwickeln und vermitteln.

Wie können unsere Leserinnen und Leser euch unterstützen?

Besucht unsere Crowdfunding-Kampagne. Dort könnt ihr uns unterstützen und bekommt auch etwas dafür. Es gibt die verschiedenen Tasini und weitere Alternativen zur Plastiktüte.

 

Sie stehen hinter der Initiative

Die vier Köpfe hinter der Initiative.

©Making Oceans Plastic Free

Die vier Gründer

Um eine so komplexe Initiative wie „Making Oceans Plastic Free“ zu erdenken und umzusetzen, ist mehr als nur Fantasie und guter Wille nötig. Das zeigt der umfassende Ansatz des Tasini-Projekts, in dem ein ganzheitliches und weitsichtiges Denken offenbar wird. Möglich wird dieses durch die vier Gründer und ihre unterschiedlichen Spezialgebiete und Talente. Hier stellen wir sie kurz und knapp vor.

Roger Spranz, Wissenschaftler im Bereich Umweltverhalten und Doktorand. Er erforscht im Zuge seiner Doktorarbeit Möglichkeiten, wie die Nutzung von Plastiktüten reduziert werden kann.

Lia Nirawati, Produktdesignerin und Künstlerin. Sie hat Design studiert, immer gute Ideen und das Talent diese umzusetzen.

Adith Nugroho, Umweltberater: Er berät Regierungsprogramme und Unternehmen zu umweltfreundlicher Produktion und sieht großes Potential durch soziales Unternehmertum positive Veränderungen zu bewirken.

Paritosha Kobbe, Ethnologe, Biologe, Doktorand: Er erforscht als Ethnologe die Indonesische Kultur und Gesellschaft und hat einen Abschluss in Biologie.

 

Weitere Informationen zu „Making Oceans Plastik Free“ und dem Tasini-Projekt erhalten Sie auf der Webseite der Initiative.

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Bildquellen

  • Roger und Paritosha machen den Strand sauber: ©Making Oceans Plastic free
  • Auswertung des größten Beachclean up auf Bali: ©Making Oceans Plastic Free
  • Die fünf Tasini Charaktere: ©Making Oceans Plastic Free
  • Das Design bekommt seinen letzten Schliff von Lia: ©Making Oceans Plastic Free
  • Die vier Gruender: ©Making Oceans Plastic Free
  • Initiative gegen Plastikmüll: ©Making Oceans Plastic Free

Julia jongliert als Online Content Managerin bei Waschbär mit ökologischen Themenbeiträgen und passenden Bildern. Sie liebt es, mit ihren Freunden bei fleischfreien Snacks Fußball zu gucken. Außerdem schließt sie alles, was Knopfaugen hat, sofort in ihr Herz.

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