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Nachhaltige Mobilität: Elektroautos

Elektroautos müssen an Stromtankstellen geladen werden.

Nicht erst seit Fridays for Future steht der persönliche CO2-Fußabdruck im Zentrum vieler Diskussionen. Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die Klimabilanz zu verbessern? Klar ist: Die meisten CO2-Emissionen kommen aus der Stromerzeugung und der Industrie. Beide Bereiche konnten im Vergleich zum Jahr 1990 ihre Emissionen senken. Auf Platz drei folgt der Verkehrssektor. Dieser konnte seine Ziele bisher nicht ansatzweise erreichen. Das Gegenteil ist der Fall. Grund dafür ist unter anderem, dass für viele das eigene Auto noch immer das wichtigste Fortbewegungsmittel ist. Dabei können wir alle gerade in Sachen Mobilität leicht selbst aktiv werden.

Die Alternativen sind vielfältig. Wir wollen zeigen, dass Mobilität mehr als Flugzeug, das eigene Auto mit Verbrennungsmotor, ÖPNV und die Bahn ist, und stellen verschiedene Möglichkeiten in einer Serie in Sachen nachhaltige Mobilität vor. Dabei geht es auch um die Frage, wie nachhaltig die jeweiligen Angebote tatsächlich sind. Im Folgenden geht es darum, ob und inwiefern E-Autos Teil der Verkehrswende sein können.

Kommt die Verkehrswende mit Elektroautos?

Von den mehr als 47 Millionen angemeldeten PKW in Deutschland sind derzeit lediglich etwas mehr als 83.000 Elektroautos. Dabei sollen bis Ende des Jahres 2030 sieben bis zehn Millionen Fahrzeuge angemeldet sein, so das Ziel der Bundesregierung. Klingt noch weit entfernt vom Ziel. Außerdem ist E-Auto nicht gleich E-Auto. Neben vollelektrischen Fahrzeugen, die ausschließlich mit elektrischer Energie fahren, gibt es derzeit verschiedene Typen von Hybridfahrzeugen.

Mild-Hybrid-Fahrzeuge

Mild-Hybrid-Fahrzeuge nutzen den Elektromotor nur, um den Verbrennungsmotor z.B. beim Anfahren und Beschleunigen zu unterstützen. Mit diesen Autos ist es also nicht möglich, sich ausschließlich mit elektrischer Energie fortzubewegen.

Voll-Hybrid-Fahrzeuge

Bei Fahrzeugen mit Voll-Hybrid-Motoren teilen sich Elektro- und Benzinmotor die Arbeit. Auf kurzen Strecken, beispielsweise in einer Stop-and-go-Situation, kann das Auto rein elektrisch fahren. Man kann den Elektromotor jedoch nicht über ein externes Kabel aufladen, die elektrische Energie wird nur über den Verbrennungsmotor erzeugt. Daher ist die Batterie auch recht klein.

Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge

Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge können mehrere (meist etwa 50) Kilometer eigenständig über ihre Batterie zurücklegen. Dadurch eignen sie sich für den Pendelverkehr und innerstädtische Fahrten. Bei längeren Strecken greift man auf den klassischen Motor zurück. Liegenbleiben aufgrund einer leeren Batterie ist somit ausgeschlossen. Plug-in-Hybride haben den Vorteil, dass sie Anhänger – sogar bis hin zu Wohnwagen – ziehen. Dies können reine Elektrofahrzeuge bisher nicht leisten.

Reine Elektroautos

Reine Elektroautos haben nur einen Elektromotor. Die Energie, die für den Antrieb benötigt wird, wird aus der Batterie gewonnen. Diese wiederum muss man aufladen. Die englische Bezeichnung für diese Fahrzeuge lautet „Battery Electric Vehicle“, daher hat sich im Deutschen die Abkürzung „BEV“ etabliert.

Nachteile von Elektroautos

Eine Reihe von Problemen bei der Elektromobilität lässt sich leider nicht leugnen. Allerdings gibt es bei genauerem Hinsehen für viele Probleme praktische Lösungen.

Probleme bei der Reichweite

Der größte Kritikpunkt an E-Autos generell ist die fehlende Reichweite. Verglichen mit Benzinern oder Dieselfahrzeugen ist sie meist ziemlich gering. Aber: Die meisten Strecken, die man regelmäßig zurücklegt, sind normalerweise in der näheren Umgebung. Nur selten fährt man wirklich mehrere hundert Kilometer am Stück.

Geringe Zahl der Ladepunkte

Eng verbunden mit der Problematik der Reichweite ist die noch immer schlecht ausgebaute und vielfach nicht vorhandene Ladeinfrastruktur. Laut dem Ladesäulenregister des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es derzeit 27.730 (Mai 2020) Ladepunkte in Deutschland (wobei eine Ladesäule mehrere Ladepunkte besitzen kann). Allerdings ist schon jetzt ein deutlicher Anstieg zu bemerken: Im Vorjahr waren es noch 17.400 Ladepunkte.

Hoher Kaufpreis

Auch der immer noch recht hohe Kaufpreis schreckt viele Menschen ab. Da E-Autos noch relativ neu auf dem Markt sind, hat sich zudem noch kein breiter Gebrauchtwagenmarkt herausgebildet. In jedem Fall lohnt es sich, die Fördermöglichkeiten des Bundes genau zu prüfen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat eine Übersicht rund um das Thema zusammengestellt.

Lange Ladezeiten

Die Ladedauer ist mitunter noch ziemlich lang, gerade im Vergleich zum klassischen Tanken. Allerdings können sich auch kurze Ladestopps schon lohnen. Die meisten Elektrofahrzeuge haben innerhalb von einer halben Stunde etwa 80 Prozent der Batterieleistung geladen. Man muss sich den Ladevorgang einer Batterie wie eine Exponentialfunktion vorstellen: In verhältnismäßig kurzer Zeit ist ein Großteil der Batterie aufgeladen, danach braucht es noch eine ganze Weile, bis die restliche Kapazität gefüllt ist. Manche verbinden bei längeren Fahrten den Ladestopp daher einfach mit einer kurzen Mittagspause.

Ein Elektroauto-Symbol auf dem Boden markiert die Stellfläche für die Ladestation. © CC0 / Markus Distelrath

Ein kleine Mittagspause einlegen und das Auto nebenher an die Ladesäule hängen – dann kann die Fahrt weitergehen.

Der Lithium-Ionen-Akku ist aus ökologischer Sicht problematisch

Lithium und Kobalt sind wichtige Rohstoffe für die Batterien von E-Autos. Die Reserven dieser Stoffe sind jedoch begrenzt. Für den Abbau von Lithium in Minen wird extrem viel Wasser benötigt. Kobalt steht stark in der Kritik, weil es teils unter problematischen Bedingungen gewonnen wird. Mehr zum Kobaltabbau können Sie in dem Beitrag über nachhaltige Smartpones lesen. Die Industrie hat mittlerweile darauf reagiert, indem sich einige Anbieter Initiativen zur nachhaltigen Rohstoffversorgung (Responsible Mining) angeschlossen haben. Zudem wird derzeit an Akkus gearbeitet, die kein Kobalt mehr enthalten sollen. Dennoch ist der Lithium-Ionen-Akku aus der jetzigen Sicht ökologisch bedenklich und es bleibt abzuwarten, wie die Anbieter dieses Problem in der Zukunft lösen werden.

Vorteile von Elektroautos

Doch hätten die Elektroautos nicht auch gewichtige Vorteile, wären sie schon längt in der Versenkung verschwunden. In diesem Punkt gilt natürlich ebenso wie bei den Nachteilen: Ob diese zutreffen, hängt oft an den persönlichen Anforderungen an das Auto ab.

Deutlicher Klimavorteil

Offensichtlichster Pluspunkt ist der nicht vorhandene lokale Ausstoß von CO2 und weiteren Abgasen. Und nicht nur, wenn der getankte Strom vollständig regenerativ ist, ist das E-Auto sauberer. Grundsätzlich bringen Elektrofahrzeuge die zugeführte Energie effizienter auf die Straße, weil sie einen höheren Wirkungsgrad haben. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor geht viel Energie in Form von Wärme verloren. Der ADAC hat berechnet, dass der CO2-Nachteil aufgrund der Herstellung der Batterie nach einer Fahrleistung von 50.000 bis 100.000 Kilometern ausgeglichen ist. Somit kann ein E-Auto nach drei Jahren Nutzungsdauer bereits klimafreundlicher sein als ein Verbrenner.

Geringere Betriebskosten

Darüber hinaus sind die Betriebskosten von E-Autos deutlich geringer. Strom ist günstiger als Benzin oder Diesel und von der Kraftfahrzeugsteuer sind Elektrofahrzeuge befreit. Auch sind sie deutlich wartungsärmer und haben weniger Verschleißteile. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beziffert daher die Kosten pro 100 Kilometer Laufleistung bei einem E-Auto auf 1,30 Euro, bei einem Benziner hingegen auf 1,60 Euro. Der ADAC hat eine ausführliche Liste für den Kostenvergleich zusammengestellt.

Gebrauchte Elektroautos – Worauf sollte man beim Kauf achten?

Wer ein gebrauchtes E-Auto erwerben möchte, sollte dieses gründlich prüfen. Dabei sind im Vergleich zum Benziner oder Diesel einige Besonderheiten zu beachten.

Die Antriebsbatterie muss intakt sein

Der Zustand der Batterie sollte genau nachgewiesen werden können. Hierzu eigenen sich am besten Prüfprotokolle aus der Fachwerkstatt. In Bezug auf die Batterie machen die Automobilhersteller langjährige Garantieversprechen. Damit man im Fall eines Schadens der Batterie diese Ansprüche auch durchsetzen kann, sollte das Serviceheft gepflegt sein.

Reichweitentest

Vor dem Kauf sollte man sich mit der Reichweite des Fahrzeuges vertraut machen. Ein ausgiebiger Reichweitentest geht über eine normale Probefahrt hinaus. Man sollte die vollgeladene Batterie unter möglichst realistischem persönlichen Fahrverhalten und auf typischen Strecken komplett leerfahren, sodass man ein Gefühl für die Kapazität der Batterie beim persönlichen Fahrstil entwickeln kann.

Verschiedene Ladeoptionen testen

Man sollte das Fahrzeug möglichst unter verschiedenen Ladeoptionen testen. Es geht darum, zu prüfen, ob die jeweilige Ladeoption einwandfrei funktioniert und ob die Anzeige im Fahrzeug dabei die richtigen Informationen preisgibt. Um das zu testen, sind mobile Ladeeinrichtungen, sogenannte Multicharger, geeignet. Sie ermöglichen sowohl eine DC-Schnellladung (Gleichstrom) als auch eine AC-Ladung (Wechselstrom).

Vorsicht bei geringer Kilometerleistung

Sind bei Autos mit Verbrennungsmotor Angebote mit geringer Kilometerleistung meist interessant, sollte man beim Kauf eines gebrauchten E-Autos hier vorsichtiger sein. Für die Batterie ist es nämlich nicht gut, ein Elektroauto länger vollgeladen oder entladen abzustellen. Die Batterie könnte dadurch tiefenentladen sein und eine deutlich verminderte Kapazität aufweisen. Im Kaufvertrag sollte man auch das Zubehör, wie etwa ein Ladekabel, festhalten. Ein fehlendes oder defektes Kabel sorgt im Übrigen für eine Verweigerung der TÜV-Plakette.

Zentrale Frage bei Elektroautos: Wo und wie laden?

Wie eine Benzintankstelle funktioniert, wissen alle Autofahrer. Beim Elektroauto herrscht dagegen noch Unsicherheit: Kann man das Auto einfach wie einen Staubsauger an die heimische Steckdose hängen? Braucht man eine spezielle Steckdose am Haus? Und wie funktioniert das Laden unterwegs?

Zu Hause laden an der Haushaltssteckdose

Zu Hause laden die meisten ihre Elektroautos über Nacht an der ganz normalen Haushaltssteckdose auf. Diese Zeit ist auch nötig, weil der Ladevorgang lange braucht – eine „normale“ Steckdose kann lediglich 2,3 Kilowatt Ladeleistung zur Verfügung stellen.

Zu Hause laden an der Wandladestation

Wer tagsüber sein Auto laden muss, sollte über die Anschaffung einer sogenannten Wandladestation nachdenken. Diese können Ladeleistungen zwischen 3,7 bis 22 Kilowatt anbieten – also so viel wie ein Ladepunkt an einer Ladesäule. Auch laden sie das Elektroauto batterieschonender. Zudem können Wandladestationen nicht überlasten, was das Laden sicherer macht. Interessant ist hier die Möglichkeit der staatlichen Förderung beim Einbau.

Unterwegs laden und bezahlen an Ladesäulen

Beim Laden unterwegs ist Vorsicht geboten: An vielen Ladesäulen sind Preise nämlich nicht ausgewiesen, da die Anbieter nicht dazu verpflichtet sind. Es kann beispielsweise passieren, dass man zwar den Strom kostenlos bekommt, aber hohe Parkgebühren entrichten muss. Oder es fallen pauschal pro Ladevorgang Kosten an, was gerade bei kurzer Ladedauer eine Kostenfalle sein kann. Auch Service-Gebühren können fällig werden. Die Politik hat inzwischen darauf reagiert und die Anbieter verpflichtet, Zähler in ihre Ladesäulen zu integrieren, damit zukünftig eine Abrechnung nach getankter Kilowattstunde möglich ist. Die Umrüstung soll bis Ende 2020 flächendeckend erfolgt sein.

Ein Elektroauto steht an der Ladesäule. © CC0 / andreas160578

Wer sein Elektroauto unterwegs lädt muss die anfallenden Kosten im Blick behalten.

Fazit zu Elektroautos

Gerade für kürzere Strecken können E-Autos eine sinnvolle Alternative bieten. Daher lohnt sich vielleicht die Anschaffung eines Stromers als Zweitwagen, den man für Fahrten in die Stadt oder zur Arbeit verwenden kann. Die staatlichen Fördermöglichkeiten machen die Anschaffung eines E-Autos attraktiver, wenngleich die Fahrzeuge teilweise immer noch recht teuer sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Ausbau der Ladestationen weiter vorangetrieben wird.

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie „Nachhaltige Mobilität“

Der Fernbus: Ist er eine nachhaltige Alternative?

Das Leihfahrrad als Alternative im Stadtverkehr

Ist das Lastenrrad eine mögliche Alternative zum Auto?

Bessere Auslastung von Autos durch Carsharing?

 

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Bildquellen

  • parkplatz-ladestation: © CC0 / Markus Distelrath
  • elektroauto: © CC0 / andreas160578
  • ladendes-elektroauto: © CC0 / A. Krebs

Norbert ist Politikwissenschaftler mit grüner Gesinnung und arbeitet in der Online-Redaktion des Waschbär-Magazins. Ihn interessieren vor allem innovative Produkte, wie pfiffiges Upcycling. So ist er unter anderem stolzer Besitzer eines Kulturbeutels aus einem alten Feuerwehrschlauch und einer Reisetasche aus Markisen-Verschnitt. Als Bewohner einer Weinregion zieht er diesen Bier vor - außer im Fußballstadion.

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