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Der macht nichts! – Und wenn doch? Der richtige Umgang mit Hunden

Ein aufmerksam über die Wiese rennender Hund kann Joggern ganz schon Angst einjagen.

Bellende Hunde, die Jogger verfolgen, sind sehr gefürchtet und äußerst unbeliebt. Die meisten Jogger sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen, um den Hund möglichst schnell loszuwerden. Der Tierpsychologe Thomas Riepe erklärt im Interview, wieso Hunde und Jogger sich immer wieder in die Quere kommen und welche Verhaltensweisen meistens zur Entspannung der Lage beitragen.

Warum laufen Hunde Joggern hinterher und bellen sie an?

Dafür gibt es zwei gute Gründe: das Jagdverhalten und die Selbstverteidigung. Wenn ein Jogger in schnellem Tempo an einem Hund vorbeiläuft, kann dies das Jagdverhalten des Hundes wecken. Der Hund läuft dem Jogger hinterher, weil er ihn als Beute betrachtet. Sobald der Hund erkennt, dass es ein Mensch und damit keine Beute ist, verliert er das Interesse. Läuft ein Jogger auf einen Hund zu, fühlt er sich bedrängt und bedroht. Der Hund bellt den Eindringling an, von dem er sich bedroht fühlt. Er verteidigt nur sich selbst.

Der Terrier steht zwischen seinem Spielzeug.

Jack Russell Terrier haben einen stark ausgeprägten Jagdinstinkt. Deshalb spielen sie auch so gerne.

Wie sollen Jogger sich verhalten, wenn Hunde zur Verfolgungsjagd ansetzen? Wegrennen oder den Hund in die Flucht schlagen?

Auf keinen Fall aggressiv auf das Verhalten des Hundes reagieren. Der Hund macht nichts falsch. Viele Jogger machen den Fehler, den Hund anzubrüllen, weil sie sich über das Verhalten des Hundes ärgern. Dadurch wird alles nur noch schlimmer. Es ist sehr viel klüger, den Hund zu ignorieren. Weglaufen ist keine Lösung, denn der Hund ist schneller und die Fluchtbewegungen können das Jagdverhalten aktivieren.

Vom Weglaufen raten Sie ab. Ist stehenbleiben die bessere Idee? Wirkt das nicht erst recht provozierend?

Es ist ratsam, das Tempo zu verringern und langsam weiterzugehen, damit die Situation nicht eskaliert. Stehenbleiben ist sicher die bessere Variante. Der Blickkontakt zum Hund sollte vermieden werden. Ich empfehle, den Blick vom Hund abzuwenden, um Desinteresse zu signalisieren und langsam den Weg fortzusetzen.

Woran erkenne ich, ob ein Hund wirklich nichts macht, sondern nur spielen will?

„Spielen“ wollen Hunde eigentlich nie. Sie wollen meist freundlich Kontakt aufnehmen. Ob sie aber nun freundlich gestimmt sind, das ist für einen Laien beziehungsweise für Menschen, die den Umgang mit Hunden nicht kennen, nur schwer zu erkennen. Prinzipiell ist es immer ratsam, den Hundehalter zu bitten, den Hund anzuleinen.

Gibt es Rassen, die angriffslustiger sind als andere?

Jagdhunde haben ein leichter zu aktivierendes Jagdverhalten als beispielsweise ein gemütlicher Neufundländer oder Bernhardiner, denn die sehen keinen Sinn darin, Beute zu jagen. Sehr agil und jagdfreudig sind beispielsweise Jack Russell Terrier, eigentlich alle Terrier-Arten. Die verteidigen sehr mutig ihr Revier und jagen gerne Beute.

Vier Hunde treffen auf einander - angeleint ist das kein Problem.

In den meisten Fällen hilft es schon, den Hund einfach an die Leine zu nehmen. Das gibt auch anderen Hundbesitzern ein gutes Gefühl.

Es gibt eine Website mit dem Namen „der macht nichts“. Dort werden Leser darüber aufgeklärt, dass Hunde immer angeleint sein müssen. Ist das eine Lösung?

Situationen, die zu Eskalationen führen können, lassen sich oft entschärfen, indem Hunde angeleint werden. Wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe und keine Jogger in der Nähe ist, dürfen sie frei laufen. Das ist natürlich immer abhängig von der Umgebung, in der ich mich befinde. Ich gehe mit meinen Hunden dort spazieren, wo es kaum Jogger gibt.

Anmerkung der Redaktion: Informieren Sie sich am besten über die Vorgaben zur Leinenpflicht in Ihrer Gemeinde und an Ihren Gassi-Routen.

Die Aussage: „Der macht nichts!“ ist ein Versuch von Hundehaltern, den Verfolgten zu beruhigen: Warum gehorchen viele Hunde nicht mehr, wenn sie mal zur Jagd ansetzen?

Ist das Jagdverhalten erst einmal aktiviert, befindet sich der Hund in einer so hohen Erregungslage, dass nur noch wenig wahrgenommen werden kann. Der Hund befindet sich in einem „Tunnel“ – gehorchen funktioniert da nicht mehr. Was der Hund nicht böse meint. Er kann nicht anders.

Was können Hundehalter unternehmen, damit sie gar nicht erst dazu kommt?

Wie schon vorher erwähnt, der Hundehalter sollte umsichtig sein und seinen Hund, sofern dieser leicht ins Jagdverhalten fällt, zu sich rufen und anleinen. Und zwar bevor dieser im „Tunnel“ ist. Solange er noch ansprechbar ist.

Angenommen, ein Hund beißt einen Jogger. Was raten Sie dem Jogger? Was dem Hundehalter?

Allen Beteiligten rate ich, in dieser Situation einen kühlen Kopf zu behalten und die Angelegenheit untereinander zu regeln. Der Hund ist in der Regel nicht gefährlich, sondern hat instinktiv gehandelt. Nur in extremen Fällen sollte die Polizei eingeschaltet und das Ordnungsamt informiert werden.

Frei laufende Hunde gibt es auch im Wald. Vom Hundehalter ist oft nichts zu sehen. Ist das in Ordnung?

Nein, auf keinen Fall. Im Wald darf kein Hund ohne Aufsicht sein. Wenn ein Hund nicht im Einflussbereich seines Besitzers bleibt und auch wenn er potentiellen Beutetieren hinterherjagen möchte, gehört er an die Leine. Meine Hunde jagen keine Jogger, trotzdem nehme ich sie an die Leine, sobald ein Jogger in Sicht kommt.

Konzentriert blickt der Tierpsychologe auf seine beiden Patienten.

©Thomas Riepe

Der Tierpsychologe Thomas Riepe ist konzentriert bei der Arbeit.

Es gibt Menschen, die mögen Hunde nicht, zum Beispiel, weil sie negative Erfahrungen gemacht haben. Wie können Jogger ihr Verhältnis zu Hunden verbessern?

Wichtig ist die Bereitschaft, Hunde zu verstehen. Die meisten Konflikte entstehen durch Missverständnisse.

 

Thomas Riepe (*1964) ist Tierpsychologe und Sachbuchautor aus dem westfälischen Anröchte. Mehr zu ihm erfahren Sie auf seiner Webseite.

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Bildquellen

  • Thomas Riepe: ©Thomas Riepe

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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