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Denkanstoß: Wenn Bio nur noch Marke ist

Die Frau blickt kritisch auf das Glas, das sie aus dem Supermarkt-Kühlregal genommen hat.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum viele von uns biologisch unbedenkliche und fair produzierte Produkte kaufen möchten. Um der eigenen Gesundheit willen, höherer Qualitätsversprechen oder der Umwelt und Nachhaltigkeit wegen. Sehr zum Vorteil kommt uns daher, dass der Markt für biologische Lebensmittel stetig wächst. Denn Bio ist in! Es ist schön, dass nachhaltiges Denken in der breiten Masse angekommen ist und viele Menschen nun mehr Wert auf ökologischen und nachhaltigen Konsum legen. Die Bio-Regale in den konventionellen Supermärkten vergrößern sich immer mehr, große Bio-Läden und Öko-Restaurant-Ketten sprießen wie Pilze aus dem Boden. Vorbei sind die Zeiten, in denen der biologische Großeinkauf mit diversen Gängen zu verschiedenen Bio-Läden, Reformhäusern oder Wochenmärkten verbunden war. Durch das wachsende Angebot kann heute fast alles bequem von einem herkömmlichen Supermarkt bezogen werden.

Bio-Trend mit Schattenseiten?

Nun könnte man denken, ein boomender Bio-Trend sei doch durchweg positiv und tue der Umwelt einen großen Gefallen. Das war jedenfalls meine Sicht auf die Entwicklung – bisher. Doch der Trend zieht mit wachsender Nachfrage auch die Aufmerksamkeit der Lebensmittel-Großkonzerne auf sich, die eigentlich mit Ökologie nicht viel am Hut haben. So ist Bio vor allem Eines geworden: ein lukratives Geschäft. In Bio-Produkte zu investieren lohnt sich, denn die Zielgruppe gilt als kaufkräftig und treu. So wurden in den vergangenen Jahren schon viele Bio-Marken von Großkonzernen aufgekauft. Letztlich bedeutet das, dass man selbst beim Konsum von Bio-Produkten das Geld in den Rachen dieser großen Unternehmen steckt.

Wie extrem das ist, zeigt folgendes Beispiel: In Österreich gelangten schon 2010 91,5 Prozent des Geldes, welches beim Kauf von biologischen Produkten ausgegeben wurde, in die Tasche der konventionellen Supermarktkonzerne (aus: „Der große Bio-Schmäh: Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen“ von Clemens G. Arvay). Somit handelt der Endverbraucher häufig unbewusst gegen seine eigentlich nachhaltigen Absichten. Denn nach jahrelangem Vertrauen in die Marke bekommt nicht jeder die Veränderungen unter der Oberfläche mit.

Erfolgreiche Bio-Marken sind inzwischen unter der Haube konventioneller Unternehmen. So wurden Deutschlands bekannteste Marken für vegane Sojagetränke „Alpro“ und „Provamel“ von dem französischen Lebensmittelkonzern Danone geschluckt. Danone ist einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt und verkauft alle möglichen Produkte, die dem Nachhaltigkeits-Gedanken zu wider laufen. Zum Beispiel werden künstliche Aromen und andere synthetische Inhaltsstoffe eingesetzt, ein immenser Plastikabfall durch kleine Verpackungen verursacht und konventionelle Landwirtschaft sowie Tierhaltung gefördert.

Diese Übernahme ist kein Einzelfall. Der britische Öko-Tee „Pukka Herbs“ wurde kürzlich vom Unilever-Konzern, einem der weltweit größten Hersteller von Verbrauchsgütern, aufgekauft. Wem dieses Unternehmen ein Begriff ist, der weiß, dass ökologisches und soziales Handeln nicht im Interesse dieses Unternehmens stehen.

Das Muster wird deutlich: Nachdem kleine Bio-Läden diese Marken groß und erfolgreich gemacht haben, gehen sie in die Hände der Großkonzerne über. Wenn ich also weiterhin diese „übernommenen“ Produkte in meinen Einkaufwagen lege, unterstütze ich die Marktmacht der großen Konzerne. Und schwäche die kleinen Anbieter. Denn abgesehen davon, dass kein Bio-Laden ein Unilever-Produkt in seinem Regal stehen haben möchte, sind sie auch nicht in der Lage, mit den billigen Preisen im Supermarkt mitzuhalten. Auch der Bio-Markt Alnatura hat nach dem Rauswurf bei der Drogeriekette dm eine weitreichende Kooperation mit Deutschlands größtem Lebensmittelhändler, der Edeka-Gruppe, vereinbart. Nun findet man in jeder Edeka-Filiale Regale gefüllt mit Alnatura-Produkten, für die nach meinem Eindruck kleinere Bio-Marken weichen mussten.

Problem Preiskampf

Noch ein anderes Problemfeld sehe ich: Durch die Konkurrenz mit der Bio-Eigenmarke des Supermarktes können Bio-Lebensmittel in einen Preiswettbewerb rutschen. Dabei ist Bio doch eigentlich der Versuch, genau diesem Mechanismus aus dem Weg zu gehen. Ein harter Preiskampf hätte wahrscheinlich zur Folge, dass der Verbraucher mit Qualitätseinbußen und Änderungen an den Inhaltsstoffen sowie Produktionsabläufen rechnen muss.

Die Situation sollte meiner Meinung nach also kritisch betrachtet werden. Einerseits geben die Bio-Produkte großen Unternehmen einen Schubs in die „richtige“ – nachhaltige – Richtung. Andererseits ist ein Großkonzern, der Bio-Produkte neben konventionellen Billigprodukten im Sortiment führt, schon ein Widerspruch in sich. Denn diesen Unternehmen geht es nicht um den nachhaltigen Aspekt, sondern lediglich um ihren eigenen Umsatz und die Vergrößerung des Marktmonopols. Um also herauszufinden, welche Produkte nicht nur auf dem Etikett biologisch, ökologisch und nachhaltig sind, wird es für den Verbraucher noch wichtiger, genauer auf die Hersteller der Marken zu achten. Denn der Spruch „Bio ist nicht gleich Bio“ wird hier immer zutreffender.

Wie ist Ihre Meinung zum Bio-Trend und seinen Auswirkungen? Sicherlich habe ich nicht jeden Aspekt beachten können – umso mehr freue ich mich über Ihre Ergänzungen zu diesem kontroversen Thema.

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Bildquellen

  • wenn-bio-nur-noch-marke-ist: © Rido / Fotolia

Danah macht bei Waschbär eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau und kommt auch noch im zweiten Lehrjahr bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit. Outdoor ist sowieso ihr Ding: Beim Joggen und auf Reisen genießt sie ihre Zeit in der Natur. Hat sie genug Frischluft getankt, zieht sie sich in ihre Kreativoase zurück, wo sie für sich und ihre kleine WG bastelt und werkelt.

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