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Handgeknüpfte Teppiche – fair und sozial mit dem STEP-Label

Viele Teppiche, die es heute zu kaufen gibt, stammen nach wie vor aus handwerklicher Fertigung. So auch die Naturfaserteppiche, die es bei Waschbär gibt. Wir lassen die Teppiche gemäß unseren ökologischen Materialanforderungen, unter Einhaltung von sozialen Mindeststandards und Verbot von Kinderarbeit in Indien knüpfen. Schon länger planen wir, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Knüpferinnen und Knüpfer, die unsere Teppiche fertigen, nochmals deutlich zu verbessern. Jetzt haben wir dafür endlich den richtigen Partner gefunden: Seit Januar 2018 sind wir Mitglied bei STEP, dem Label für fairen Handel mit handgefertigten Teppichen. Zum Start der Zusammenarbeit haben wir mit Reto Aschwanden gesprochen. Der Geschäftsleiter des Labels STEP gibt uns einen Überblick über die Teppichproduktion, erklärt wie das Fair Trade Label arbeitet und warum es dabei nicht nur um Teppiche ohne Kinderarbeit geht.

Interview mit Reto Aschwanden von der Organisation STEP

Können Sie uns einen Überblick über die Situation in der Teppichproduktion geben?

Das Tolle an Teppichen ist ja, dass sie noch so hergestellt werden wie vor Hunderten von Jahren. Aus natürlichen Rohstoffen wie Wolle, Seide, Baumwolle… und das in reiner Handarbeit. Handgeknüpfte Teppiche sind eben kein Industrieprodukt, sondern ein Kulturgut. Und Teppiche haben eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung. Die händische Produktion von Teppichen beschäftigt sehr viele Leute, die davon leben. Vor allem sind das Leute aus ländlichen Gebieten, wo es häufig sehr wenige Alternativen für Familien gibt, Einkommen zu generieren, vor allem für Frauen. Für die Teppichproduktion braucht man keinen Universitätsabschluss, es braucht kaum Infrastruktur, man braucht keinen Strom; Teppiche können eigentlich überall hergestellt werden. Sie sind ein wirtschaftlicher Entwicklungsmotor in Gegenden, wo es keine anderen Industrien gibt.

Und unter welchen Bedingungen arbeiten die Knüpfer?

Auch die Herstellungsbedingungen sind den ursprünglichen Bedingungen noch sehr ähnlich. Die Teppichindustrie ist bis heute eine sehr informelle Industrie. Die meisten Knüpferinnen und Knüpfer arbeiten nicht nur in der Teppichproduktion. In der Hochsaison der Landwirtschaft knüpfen sie ein paar Wochen oder Monate nicht, sondern gehen auf die Felder, wenn gerade Erntezeit ist. Das lässt sich also gut kombinieren mit dem traditionellen Lebensstil dieser Menschen. Die Teppichproduktion erreicht als einer der wenigen Arbeitgeber Leute bis in den hintersten ländlichen Winkel in oft struktur- und wirtschaftsschwachen Gebieten, wo sonst wirtschaftlich nichts ist.

Ein Mann beackert mit zwei Ochsen ein Reisfeld. ©STEP

Die Teppichproduktion ist ein wichtiges Standbein für die Meschen in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten. Außerhalb der Erntezeiten können sie damit zusätzliches Geld verdienen.

Was ist die Kehrseite?

Die Kehrseite ist, dass diese dezentrale Situation einhergeht mit einer gewissen Intransparenz und einer schwierigen Erreichbarkeit der Produktionsstätten. Die informelle Situation der Teppichindustrie führt zu einigen Problemen. Es gibt kaum Teppichknüpfer, die einen Arbeitsvertrag haben. Es wird alles mündlich vereinbart. Das Knüpfen passiert entweder in den eigenen vier Wänden oder in kleinen, sehr einfachen und bescheidenen Workshops. Das macht es schwer, die Arbeitsbedingungen zu überwachen oder zu kontrollieren. Ausbeutung, mangelhafte Arbeitsbedingungen und unzureichender Schutz der Arbeitsrechte sind weit verbreitet. Hinzukommt, dass Teppichknüpfen nicht als Industrie anerkannt ist, sondern als Kunsthandwerk. Daher gelten staatliche Mindestlöhne offiziell meist nicht und die Knüpferinnen und Knüpfer haben oft keinen Zugang zu staatlichen Sozialleistungen.

Wo setzen Sie da an? Wie arbeitet Ihr Fair-Trade-Label?

STEP verfolgt als Firmenlabel einen sehr langfristigen Ansatz. Einerseits auf der Ebene der Lizenznehmer wie der Triaz Group [Anm. d. Red.: Waschbär gehört zur Triaz Group]. Das bedeutet, dass sich Triaz dazu verpflichten muss, für alle handgefertigten Teppiche Verantwortung für die Durchsetzung von Fair-Trade-Bedingungen in ihrer Lieferkette zu übernehmen. Triaz kann nicht die Verantwortung an die Lieferanten abschieben. Und das Engagement gilt für alle Teppiche im Waschbär-Sortiment.

Was sind die Anforderungen des Labels STEP?

Wir fokussieren uns nicht auf bestimmte Bereiche wie z.B. Teppiche ohne Kinderarbeit, sondern wir versuchen, den gesamten Bereich Arbeit und Leben abzudecken. Dazu gehören neben dem Verbot von Kinderarbeit, faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen, Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitsrechte etc. Das deckt das ganze Umfeld der Arbeiterinnen und Arbeiter ab.

Wie sieht Ihre Arbeit vor Ort in den Workshops aus?

©STEP

Arbeit an einem Teppich in einem Workshop.

Uns geht es nicht darum, Kreuzchen in einer Liste zu machen, sondern um eine aktive Zusammenarbeit. Wir verstehen uns nicht als Teppichpolizei, die gute oder schlechte Noten verteilt und bestraft, wenn etwas nicht perfekt ist. Sondern wir verstehen uns als Partner in der Lieferkette und unterstützen aktiv. Wenn wir z.B. feststellen, dass die Lichtverhältnisse in einem Atelier nicht gut genug sind, dann verteilen wir keine schlechten Noten, sondern beraten den Betreiber des Workshops, wie er das verbessern kann. Wir arbeiten sehr individuell und angepasst an die Herstellungsregionen.

Und wie gehen Sie zum Beispiel beim Thema Kinderarbeit vor?

Diese wird von STEP – in Einklang mit den internationalen Richtlinien der ILO und der UNO sowie der jeweiligen nationalen Gesetzgebung – nicht toleriert. Kinderarbeit ist nämlich auch in allen Herstellungsländern offiziell illegal! Wenn STEP-Mitarbeitende bei ihren Audits auf missbräuchliche Kinderarbeit stoßen, wird dafür gesorgt, dass das Kind seine Schulbildung fortsetzen oder, wenn es schon etwas älter ist, eine Berufsbildung antreten kann. Die Verantwortlichen der Produktionsstätte werden in die Pflicht genommen, das organisatorisch und finanziell zu unterstützen. In schwerwiegenden Fällen behält sich STEP rechtliche Schritte vor. Einzig dort, wo Teppiche in Heimarbeit geknüpft werden, wird die Mithilfe von Kindern in klaren Grenzen geduldet: Dabei muss die Erlernung eines Kunsthandwerkes im Vordergrund stehen. Als Kulturgut wurde das Teppichknüpfen schon seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben!

Mit welchem Anliegen hat sich die Triaz Group an STEP gewandt?

Wenn die Triaz Group in Indien bei einem Lieferanten einkauft, ist sie ein Kunde unter mehreren. So hat sie wenig Kontrolle und Einfluss darüber, von wo in diesem weit verzweigten Netz von Herstellern und Unterhändlern die Teppiche herkommen. Eine Bestellung wird immer dort platziert, wo gerade Kapazitäten frei sind. Die Idee von Triaz, an der wir gemeinsam mit ihren Lieferanten arbeiten, ist die, dass wir versuchen, die Produktion auf zehn Workshops zu konzentrieren. Wenn man diese Kontinuität und Langfristigkeit hat, kann man wirklich Einfluss darauf nehmen, die Arbeitsbedingungen vor Ort immer weiter zu verbessern.

Ist diese Konzentration eine der Voraussetzung für Ihr Fair-Trade-Label?

Die Konzentration begrüßen wir sehr und unterstützen sie aktiv. Aber das ist keine unserer Voraussetzungen. Wir sind uns aber einig, dass das eine gute Herangehensweise ist, um eine stärkere Wirkung für die Produzentinnen und Produzenten zu erzielen. Das ist eine Art und Weise mit der Lieferkette umzugehen, die über unsere Minimalanforderungen hinausgeht und Vorbildcharakter hat.

Im Bild ist ein Arm einer Frau zu sehen, die einen bunten Teppich bearbeitet. ©STEP

Teppich knüpfen ist ein traditionelles Kunsthandwerk.

Wie hat die Zusammenarbeit begonnen? Was ist bis jetzt schon geschehen?

Wir holen alle Beteiligten der Lieferkette mit ins Boot. Dadurch verteilen wir die Verantwortung. Jeder trägt ein bisschen was. Alle müssen aktiv mitwirken. Am Anfang steht daher immer die Recherchearbeit, die die Lieferkette durchleuchtet und identifiziert. In sehr guter Zusammenarbeit mit dem Lieferanten, dem Exporteur vor Ort und seinem Unterhändler sind wir daher der Lieferkette für die Triaz Group nachgegangen und haben diese zehn Workshops identifiziert, die bereit sind, mitzumachen.

Sind das Workshops, aus denen vorher auch schon die Teppiche für das Waschbär-Sortiment kamen?

Ja, genau!

Und was steht nun als nächstes an?

Die Feststellung der Situation vor Ort. Das ist für uns wesentlich. Man muss erst mal wissen, wie die Situation ist, um sie dann auch beeinflussen und verändern zu können. Wir rechnen damit, dass innerhalb maximal einem Jahr sämtliche unserer Minimalanforderungen erfüllt sein werden, insofern sie nicht jetzt schon erfüllt sind.

Zur Person:

Der dunelhaarige Mann im Porträt. ©STEP

Der Geschäftsleiter von STEP, Reto Aschwanden

Reto Aschwanden ist Geschäftsleiter von STEP, dem Fair-Trade-Label für handgefertigte Teppiche, dem Waschbär zu Beginn des Jahres 2018 beigetreten ist. Er ist überzeugt davon, dass fairer Handel eines der wirksamsten Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe ist. „Nicht, dass es auf der einen Seite die Helfer und auf der anderen Seite die Hilfsbedürftigen gibt, sondern dass wirtschaftliche Beziehungen so gestaltet werden, dass sie für beide gerecht sind“, so Aschwanden. Es gäbe kaum jemanden, der die Grundsätze des fairen Handels anzweifle, die seien selbsterklärend für jedermann. „Jeder findet, dass Kinder zu Schule gehen sollen. Jeder findet, dass man für seine Arbeit einen Lohn erhält, der einem ermöglicht, ein gutes Leben zu führen. Das sind Grundsätze, die jeder auf sein eigenes Leben beziehen kann. Das ist die große Stärke des fairen Handels!“

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Bildquellen

  • landwirtschaft-indien: ©STEP
  • im-teppich-workshop: ©STEP
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  • teppichknuepferei: ©STEP

Sylvia Raabe ist die Nestbauerin von raabengrün. Ihren Faible für alles Grüne lebt sie nicht nur beim Schreiben, sondern auch auf dem Land aus. Sie ist kein früher Vogel und spät auf den Hund gekommen.

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