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Wärmende Lebensmittel: Essen in der kalten Jahreszeit

Asiatische Suppen in zwei verschieden großen Schälchen.

Brrr, kalt draußen! Wenn wir uns beim Nachhausekommen regelmäßig erst einmal aus nasser Kleidung schälen müssen, wenn beim Sitzen am Schreibtisch die Finger kalt und die Füße zu Eisklumpen werden, dann sehnen wir uns nach Essen, das den Körper und die Seele wärmt. Meist stellen wir in der kälteren Jahreszeit instinktiv unsere Essgewohnheiten um – nach Salaten als Hauptgericht gelüstet es jetzt kaum jemanden. Aber hilft uns das richtige Essen wirklich, weniger zu frieren? Wärmende Lebensmittel sozusagen? Wie können diese überhaupt wärmend wirken? Und was ist bei der Zubereitung zu beachten?

Warum manche Lebensmittel von innen wärmen

Grundsätzlich produziert Essen im Körper immer Wärme: Kalorien sind schließlich nichts Anderes als Energie, die in den Zellen „verbrannt“ wird, um das gesamte System am Laufen zu halten. Schon die Verdauungsvorgänge setzen dabei einen Teil der Energie als Wärme frei; ein Phänomen, das Fachleute als Thermogenese bezeichnen. Der Effekt ist unterschiedlich stark, je nachdem, was auf dem Teller lag. Die höchste Wärmewirkung haben Proteine, egal ob aus Fleisch, Fisch, Tofu oder Linsen. Kein Wunder, dass eine deftige Linsensuppe bei Kälte so guttut!

Geht das Frösteln auf einen niedrigen Blutdruck zurück, dann können Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder auch Schokolade als Sofortmaßnahme helfen. Sie alle enthalten Koffein oder verwandte Stoffe, die dem Blutdruck einen Kick versetzen und dafür sorgen, dass einem wärmer wird. Auch Süßholz hilft gegen niedrigen Blutdruck: entweder in Form von Lakritz oder als Tee. Süßholz ist in vielen Kräuterteemischungen enthalten.

Omas Hausmittelchen gegen das Frieren, das Gläschen Sekt oder warmer Rotwein, haben kurzfristig denselben Effekt, den Kreislauf auf Touren zu bringen und so von innen zu wärmen. Weil Alkohol die Gefäße weitet, wird die Haut besser durchblutet – die roten Wangen verraten es schon. Das heißt allerdings auch, dass der Körper Wärme an die Luft abgibt und bei kalten Außentemperaturen viel schneller auskühlt als ohne Alkohol. Deshalb ist es besser, den Glühwein eher am Ende als zu Beginn eines ausgedehnten Weihnachtsmarktbesuchs zu trinken und danach bald ins Warme zurückzukehren.

Schärfe heizt ein

Und warum wird uns von einem richtig schön scharfen Thai-Curry manchmal so heiß, dass einem die Schweißperlen auf die Stirn treten? Schärfe ist eigentlich kein Geschmack, sondern ein Schmerzreiz. Der wird von den Nervenenden im Mund als Hitze fehlinterpretiert, sodass bei uns im Hirn ankommt: „Oh, hot!“ Gleichzeitig regt die Schärfe die Durchblutung an und die Körpertemperatur steigt – bis der Körper zu seiner eigenen Abkühlung Schweiß produziert.

Scharfe Gewürze wärmen also nur, solange man es damit nicht übertreibt und ins Schwitzen gerät. Aber in kleinen Dosen heizen sie uns angenehm ein. Es lohnt sich also, beim winterlichen Kochen Chili und Pfeffer, Ingwer und Meerrettich, Senf und Wasabi in Reichweite zu haben. Und ein Ingwertee zwischendurch wärmt und macht wach!

Doch auch wenn diese Scharfmacher für Wärme von innen sorgen, gilt umgekehrt keineswegs, dass alle wärmenden Lebensmittel scharf sein müssen.

Chili und Ingwer vedenken das gesamte Bild. © CC0 / ArmbrustAnna

Ob Chili oder Ingwer – beide heizen mit ihrer Schärfe ein.

Wärmende Lebensmittel nach TCM und der Fünf-Elemente-Ernährung

Eine große Bedeutung hat die Einteilung von Lebensmittel in wärmende, kühlende und neutrale in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der davon abgeleiteten Fünf-Elemente-Ernährung. Diesen Lehren liegt die Vorstellung zugrunde, dass bei einem gesunden Menschen die Lebensenergien des Yin und des Yang in einem harmonischen Gleichgewicht sind. Yin steht dabei für die kalten, passiven Anteile, Yang für die warmen, aktiven. Auch in der Ernährung sollten diese Energien ausgewogen sein, ebenso wie die Grundgeschmacksrichtungen sauer, bitter, süß, scharf und salzig. Gerät etwas im Körper aus dem Gleichgewicht, kann man nach dieser Lehre mit den richtigen Lebensmitteln wieder für Balance sorgen.

Frösteln und Frieren ist demnach auf ein Übermaß an Yin zurückzuführen und kann durch wärmende Lebensmittel behoben werden. Zu denen gehören:

  • Hafer, Dinkel und Hirse, vor allem als warme Getreidebreie
  • Zwiebeln, Knoblauch und Lauch
  • Fenchel, Kürbis
  • rotes Fleisch von Schwein, Rind, Lamm und Wild
  • fetter Fisch wie Lachs oder Forelle
  • Pflaumen, Aprikosen (auch getrocknet)
  • Ingwer, Pfeffer, Chili, Zimt, Kardamom
  • Rosmarin, Thymian

Als kühlend gelten dagegen unter anderem diese Lebensmittel:

  • rohe Tomaten und Gurken
  • Blattsalate
  • Milch und Joghurt
  • Zitrusfrüchte sowie Bananen

Allerdings ordnen verschiedene TCM-Kundige einige Lebensmittel unterschiedlich ein. So tauchen Wurzel- und Knollengemüse wie Möhren und Rote Bete mal bei den wärmenden, mal bei den neutralen Lebensmitteln auf. Wer sich intensiv mit TCM oder Fünf-Elemente-Ernährung beschäftigen will, tut ohnehin gut daran, sich beraten und die Lebensmittelauswahl genau auf das individuelle Yin-Yang-Verhältnis abstimmen zu lassen.

Wärmende Lebensmittel nach Ayurveda

Auch die alte indische Lebensführungs- und Gesundheitslehre des Ayurveda geht davon aus, dass in jedem Menschen verschiedene Energien vorhanden sind, die im harmonischen Gleichgewicht gehalten werden müssen. Es gibt drei solche Grundenergien, die sogenannten Doshas: Vata wird von Äther und Luft beherrscht und hat trockene, leichte Eigenschaften; Pitta ist den Elementen Feuer und Wasser zugeordnet und daher heiß und fließend, und Kapha bekommt von den Elementen Erde und Wasser seinen schweren, kühlen Charakter. Bei den meisten Menschen dominieren typbedingt ein oder zwei Doshas. Je nach Jahreszeit treten außerdem unterschiedliche Doshas stärker in Erscheinung und im Winter entwickelt sich demzufolge bei den meisten Menschen ein Übergewicht an schwerem, kühlem Kapha.

Die richtige Ernährung kann laut Ayurveda dazu beitragen, die entsprechenden Eigenschaften auszugleichen und für Balance zu sorgen. Gegen typbedingtes oder winterliches Kapha-Übermaß sollen diese erhitzenden Lebensmittel helfen:

  • Zwiebel, Knoblauch und Lauch
  • Buchweizen, Hafer, Hirse, Naturreis
  • Huhn, Rind, Schwein, Lamm
  • Süßwasserfisch
  • gekochte Tomaten, Bohnen
  • Wurzel- und Knollengemüse wie Möhren, Rettich, Rote Bete
  • rote Linsen, Kidneybohnen
  • Zitrusfrüchte und Mangos
  • Ingwer, Senf, Chili, Pfeffer
  • Kreuzkümmel, Kurkuma, Nelken, Zimt

Kühlend sollen dagegen diese Lebensmittel wirken:

  • weißer Reis, Weizen
  • Blattsalat, Spinat
  • Kichererbsen
  • Kohlgemüse
  • Tofu
  • Äpfel, Bananen, Kokosnuss, Melone
  • Koriandersamen, Safran

Insgesamt gelten salzige, scharfe und saure Lebensmittel als erhitzend. Ähnlich wie bei den Ernährungsempfehlungen nach TCM kommt es allerdings nicht darauf, bestimmte Lebensmittel oder Geschmacksrichtungen völlig zu meiden, sondern durch kluge Auswahl für Harmonie zu sorgen. Dafür ist auch im Ayurveda zunächst eine genaue Analyse der persönlichen Dosha-Konstitution Voraussetzung.

Wärmende Lebensmittel: Regionale und saisonale Winterküche gegen die Kälte

Was die Einstufung von Lebensmitteln in wärmende und kühlende angeht, mögen sich die verschiedenen Schulen von TCM und Ayurveda in Einzelheiten widersprechen, aber in einem sind sie sich einig: In jedem Fall sollte man saisonalen, regionalen Lebensmitteln den Vorzug geben, weil die Menschen vor Ort daran besonders angepasst seien. Und ist es nicht tatsächlich so, dass uns schon der Gedanke an klassische heimatliche Herbst- und Wintergerichte von innen wärmt? Leuchtend orangefarbene Kürbissuppe, Rotkohl mit Klößen, lange geschmorte Ragouts, deftige Bratkartoffeln und zum Nachtisch ein Bratapfel – das sind nicht umsonst die Favoriten der kalten Jahreszeit.

Tatsächlich gibt es nämlich eine Komponente, die noch stärker über die Seelenwärmerqualitäten eines Essens entscheidet als alle biochemischen und sonstigen Eigenschaften der Inhaltsstoffe: unsere Gefühle. Und die werden stark aus Erinnerungen gespeist. Wer Sauerkraut oder Grünkohl mit gemütlichen Mahlzeiten im Warmen verbindet, während draußen Wind und Wetter tobten, den werden diese Gerichte auch von innen wärmen. Entdecken wir also die heimischen Genüsse wieder! All die Wurzeln, Knollen und Kohlgemüse sind bestens dazu geeignet, uns satt, zufrieden und warm durch den Winter zu bekommen.

Warme Gewürze tun der Seele gut

Eine wichtige Rolle spielen dabei Düfte, denn sie werden im Gehirn viel unmittelbarer als andere Sinneseindrücke mit Erinnerungen und Emotionen verknüpft. Schnuppern wir Zimt und Nelken, dann ruft das Bilder von kuschligen Adventsabenden bei Kerzenschein wach, und die Duftfülle eines indischen Currys weckt Assoziationen an leuchtende Farben und tropische Wärme. Diese Effekte können wir nutzen, um mit duftenden Gewürzen wie Zimt, Kardamom, Kurkuma, Cumin, Koriander und Nelken für warme, wohlige Gefühle zu sorgen. Wie wäre es zum Beispiel mit Kürbisspalten aus dem Ofen, vor dem Backen gewürzt mit Koriander, einem Hauch Zimt und etwas Chili? Oder mit Cumin in der Weißkohlpfanne? Ein paar Lieblingsgewürze im Gewürzregal reichen schon – der Rest ist Ausprobieren.

Verschiedene gemahlene Gewürze in Glasschälchen. © CC0 / Taken

Viele Gewürze, die in Currys zugegeben werden, wirken wärmend.

Wärmende Zubereitungen

Und welche Rolle spielt die Zubereitung bei diesem Anti-Fröstel-Programm? Sowohl im TCM als auch im Ayurveda sollen Lebensmittel für eine wärmende Wirkung gegart und heiß oder warm gegessen werden. Die meisten von uns machen es instinktiv ähnlich: Jetzt verdrängen gegartes Gemüse und Suppen die sommerlichen Salate, und anstelle des Müslis oder Frühstücksbrotes kommt morgens ein wärmender Porridge gerade recht.

Viele Winterrezepte nutzen langsame Garmethoden wie Schmoren oder Backen – und das nicht nur, weil dabei die Küche schön mollig warm wird! In beiden Fällen entwickelt sich das Aroma von Gewürzen außerdem besonders gut, und die Düfte, die dabei entstehen, verbreiten eine heimelige Atmosphäre. Nicht zuletzt eignen sich diese Zubereitungen besonders für die Wurzeln, Knollen und Kohlgemüse, die das saisonale Angebot dominieren.

Aber heißt das, dass Rohkost in der kalten Jahreszeit tabu ist? Nein, natürlich nicht. Menschen sind unterschiedlich, und während die eine auch im Winter nicht ohne ihre Portion rohes Gemüse sein möchte, bekommt der andere dabei eine Gänsehaut. Wer zum Frieren neigt und trotzdem gern Rohkost isst, kann sie einfach als Bestandteil eines warmen Essens genießen.

Und wie immer gilt: Ausprobieren, was individuell am besten wärmt! Mit diesen Tipps darf der Winter jedenfalls kommen.

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Bildquellen

  • chili-ingwer: © CC0 / ArmbrustAnna
  • curry-gewuerze: © CC0 / Taken
  • waermende-lebensmittel: © CC0 / ahncamera

Sabine Schlimm schreibt am liebsten über gutes Essen und nachhaltiges Leben, und kreative Ideen kommen der Texterin und Kochbuchautorin gern beim meditativen Gemüseschnippeln. Oder wenn sie aufs Wasser guckt – zum Glück hat sie die Elbe gleich um die Ecke.

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