Müllvermeidung: Verschiedene Ansätze im Überblick

Müllvermeidung hilft, dass die große Mülltonne mit überquillendem Müll auf der Wiese nur halb so voll wird.

Auch wenn wir hierzulande ein funktionierendes Abfallsystem haben: Einen Teil unseres Mülls exportieren wir in Länder, in denen er im schlimmsten Fall illegal in Gewässern entsorgt, ungeschützt deponiert oder offen verbrannt wird. Zudem landet ein beträchtlicher Teil unseres Abfalls in heimischen Verbrennungsanlagen. Damit gehen wertvolle Ressourcen buchstäblich in Rauch auf. Ganz zu schweigen von dem ökologischen Fußabdruck, den Produkte und Verpackungen bereits vor ihrem Lebensende bei ihrer Herstellung und beim Abbau von Rohstoffen verursacht haben. Müll ist also ein Riesenproblem für die Umwelt. Die einzig vernünftige Antwort darauf lautet, so viel wie möglich Müll zu vermeiden. Müll gar nicht erst entstehen zu lassen, ist die konsequenteste Form der Müllvermeidung und das Beste für die Umwelt.

Doch was ist, wenn die Waschmaschine nicht mehr zu retten ist, die Akkus endgültig am Ende sind und sich leere Gläser türmen? Dann heißt es: wiederverwerten, sprich recyceln. Das ist zwar nur die zweitbeste Lösung. Im unvermeidbaren Fall lassen sich aber auch damit Müllberge reduzieren und wertvolle Rohstoffe vor der Verbrennungsanlage retten.

Müllvermeidung durch Recycling, Upcycling, Pre-Consumer-Abfälle … Was ist was?

Wie unterscheiden sich „Recycling“ und „Upcycling“? Was hat das Recycling mit Pre- und Post-Consumer-Abfällen zu tun? Und was ist noch mal „Cradle to Cradle“? Wer sich mit dem Thema Müllvermeidung beschäftigt, stolpert über eine Menge Begriffe. Und nicht immer ist klar, was darunter eigentlich zu verstehen ist. Hier die wichtigsten Begriffe und Ansätze im Überblick.

Cradle to Cradle

Hinter dem Prinzip „Von der Wiege zur Wiege“ steht die Idee, schon bei Produktdesign und Materialzusammensetzung in Kreisläufen zu denken und auf diese Art erst gar keinen Müll im eigentlichen Sinne entstehen zu lassen. Bei Cradle to Cradle (C2C) zirkulieren Materialien und Ressourcen fortwährend in technischen oder biologischen Kreisläufen. Verbrauchsgüter wie etwa Textilien, Verpackungen und Waschmittel sind biologisch abbaubar und dienen so der Biosphäre als „Nahrung“. Gebrauchsgüter hingegen – wie Waschmaschinen und Glasflaschen – sind technisch verwertbar. Ihre Materialien kann man ohne Aufwand sortenrein trennen und wiederverwenden. Mischprodukte zirkulieren in beiden Kreisläufen: Bei einem Fahrrad beispielsweise verarbeitet man den Rahmen zu neuen Produkten, während die Reifen kompostierbar sind. Aktuell gibt es weltweit 300 Unternehmen, die zusammen rund 8.000 zertifizierte C2C-Produkte anbieten.

Zero Waste

Von einer müllfreien C2C-Wirtschaft sind wir noch weit entfernt. Täglich füllen sich unsere Mülltonnen – mit viel Abfall, der sich hätte vermeiden lassen. Genau hier setzt Zero Waste an – ein Lebensstil, bei dem alle versuchen, null Müll zu hinterlassen. Das ein nahezu müllfreies Leben möglich ist, beweisen Ikonen der Zero-Waste-Bewegung, wie etwa Bea Johnson. Sie schaffen es, ihren kompletten Jahresabfall auf den Inhalt eines Einmachglases zu reduzieren.

Grundsätze der Zero-Waste-Bewegung zur Müllvermeidung

Wie das funktionieren kann, zeigt die Zero-Waste-Bewegung mit ihren sechs Regeln der Müllvermeidung. Im Grunde geht es darum, nur zu kaufen, was man wirklich braucht, schon beim Einkauf Müll zu vermeiden und Produkte wiederzuverwenden, zu reparieren und zu recyceln. Lesen Sie dazu auch, wie man Plastik im Alltag vermeidet, wo man unverpackt einkaufen kann und wie man Kosmetika wie Deo und Zahnpasta mit wenigen Zutaten selbst herstellt, um Verpackungsmüll zu sparen.

Ein Unverpackt-Laden mit Regalen, die mit Glasbehältern und Lebensmitteln befüllt sind.
Unverpackt-Läden tragen einen Teil zur Müllvermeidung bei, da sie das Einkaufen ohne Verpackunsgmüll ermöglichen.© CC0 / FitNishMedia

Recycling

Wenn Müll nicht von vornherein zu vermeiden ist, sollte man so viel Abfall wie möglich „stofflich verwerten“, das heißt recyceln. Auch damit hindern wir die Müllberge am Wachsen. Beim Recycling gewinnt man aus Abfällen Rohstoffe, bereitet die Abfälle zu Sekundärrohstoffen (Rezyklaten) auf und führt sie in den Wirtschaftskreislauf (Cycle) zurück. Dort verarbeitet man sie entweder zu ursprünglichen Gebrauchsgütern, etwa wenn aus Altgläsern neue Gläser entstehen. Oder man macht aus den Sekundärrohstoffen neue Produkte. So werden Rezyklate aus Kunststoffverpackungen zu Abflussrohren, alte Fahrradrahmen zu Stahlträgern und Weißblech-Alu-Dosen bekommen ein neues Leben in Kühlschränken und Karosserien. Je sortenreiner der Abfall vorliegt und je besser der Müll getrennt ist, umso besser funktioniert das Ganze. Deutschland gilt hier als Spitzenreiter. Laut Umweltbundesamt werden knapp 70 Prozent aller hierzulande erzeugten Abfälle (aus allen Bereichen wie Bau, Gewerbe, Industrie und Haushalten) recycelt.

Recyclingquoten: Begrenzte Aussagekraft zur Müllvermeidung

Zu beachten ist jedoch, dass die Recyclingquoten eine beschränkte Aussagekraft haben. Als recycelt gelten auch Abfälle, die man ins Ausland exportiert und in Recyclinganlagen gebracht hat, auch wenn sie dort nicht als recycelter Output wieder herauskommen. Gründe hierfür sind entweder Fehlwürfe (falsche Tonne) oder dass Materialien nicht sortenrein vorliegen. Vor allem Kunststoffe, die aus mehreren Kunststoffsorten oder im Verbund mit anderen Materialien vorliegen, sind schwer recycelbar. Laut Plastikatlas 2019 verarbeitet Deutschland nur 15,6 Prozent gebrauchter Kunststoffprodukte aus Post-Consumer-Abfällen zu Rezyklaten. Im Vergleich dazu beträgt die offizielle Recyclingquote aller Kunststoffabfälle (über 80 Prozent davon sind Post-Consumer-Abfälle) 46,7 Prozent.

Recycling funktioniert besonders gut bei Papier, Altglas und Aluminium

Recycling funktioniert jedoch bei bestimmten Abfallsorten besonders gut. Papier etwa wird in Deutschland zu 76 Prozent recycelt und in der Behälterglasindustrie stellt Altglas die wichtigste Rohstoffkomponente dar. Auch Aluminium stammt mittlerweile überwiegend aus dem Recyclingkreislauf.

Downcycling

Glas und Stahl lassen sich beliebig oft einschmelzen und wiederverwenden, ohne an Qualität einzubüßen. Auch sortenreines Aluminium kann unbegrenzt im Recycling-Kreislauf bleiben. Doch für etliche andere Materialien gilt das nicht: Sie verlieren mit jeder Recyclingrunde an Qualität. Das nennt man Downcycling. Irgendwann muss man den downgecycelten Rohstoff endgültig entsorgen oder verbrennen.

Müllvermeidung: Qualitätsverlust beim Downcycling

Ein Beispiel für das Downcycling ist Recyclingpapier: Die aus Altpapier gewonnenen Sekundärfasern werden mit jeder Aufbereitung brüchiger und kürzer – ein Qualitätsverlust, den man einige Zeit durch das Mischen mit Frischfasern überbrücken kann. Irgendwann aber reicht die Qualität nur noch für Toilettenpapier. Auch wenn aus Altkleidern Putzlappen werden, ist das Downcycling. Denn kaum ein altes Kleidungsstück geht erneut in Hose oder Shirt auf – dafür ist das Faserrecycling zu schwierig.

Upcycling

Downcycling ist zwar besser, als Produkte gleich auf den Müll zu schicken und neu zu produzieren. Noch besser ist es jedoch, sie upzucyceln. „Upcycling“ ist ein Mischwort aus Aufwerten („up“) und Wiederverwerten („Recycling“). Beim Upcycling verarbeitet man Gegenstände oder Materialien zu gleich- oder höherwertigen Produkten. „Müll“ wird im Gegensatz zum Downcycling nicht nur aufgewertet, sondern bleibt nah an der Ursprungsform und bekommt mit wenig Veränderung ein neues Leben. Man muss ihn also nicht, wie beim Recycling, erst schmelzen oder in seine Einzelbestandteile zerlegen, was viel Energie einspart. Beispiele, das Leben von ausgedienten Produkten mit Upcycling zu verlängern, gibt es zuhauf. So kann man etwa eine Kabeltrommel als Mosaiktisch für Kinder umfunktionieren. Aus Halstüchern lassen sich bequeme Rückenpolster herstellen und Stoffreste erhalten als Bienenwachstücher eine neue Gestalt. Mit einfachen DIY-Projekten kann man also bei der Müllvermeidung mithelfen.

Eine Blechdose wurde rosa angemalt und als Krone upgecycelt.
Durch Upcycling kann man zur Müllvermeidung beitragen – zum Beispiel mit gebastelten Kronen aus Blechdosen.© Constanze H.

Pre-Consumer

Pre-Consumer-Abfall fällt bereits vor dem Gebrauch durch den Endverbraucher an. Dazu zählt alles, was während der Herstellung von Gütern an Materialresten entsteht. Etwa fehlerhafte Ausschussware, Verschnitte, defekte oder überschüssige Produkte. Beispiele hierfür sind der Glasbruch bei der Glasherstellung, Kunststoffrückstände bei der Kunststoffherstellung oder Aluminiumschrott bei der Aluminiumverarbeitung. Meist werden solche Abfälle direkt wiederverwertet, d.h. für den nächsten Produktionsgang genutzt. Müll, der entstanden ist, verschwindet damit sofort wieder von der Bildfläche.

Post-Consumer

Leere Joghurtbecher, alte Zeitschriften, durchgeschmorte Toaster oder durchgelegene Matratzen: All das, was seinen Zweck erfüllt hat und wir in unsere Mülltonnen werfen oder auf den Wertstoffhof bringen, nennt sich „Post-Consumer-Abfall“. Der Definition nach sind das Abfälle, die beim Endverbraucher entstehen – sowohl bei privaten als auch bei gewerblichen Konsumenten. Abgesehen vom Restmüll, der in Verbrennungsanlagen landet, wird ein Großteil unseres sorgfältig getrennten Endverbraucher-Mülls recycelt (Post-Consumer-Recycling). Die so gewonnenen Sekundärrohstoffe werden als „Post-Consumer-Rezyklate“ bezeichnet.

Post-Production

Neben Materialresten fallen bei Herstellungsprozessen noch andere Abfälle an. Das können ausgediente Maschinenteile oder kaputte Industriekatalysatoren sein, aber auch Rückstände und weitere Verarbeitungsabfälle. Man nennt sie „Post-Production-“ bzw. „Post-Industrial-Abfälle“. Je nach Art und Zusammensetzung kann man diese Abfälle im Sinne des klassischen Recyclings wiederverwenden (Post-Industrial-Recycling) und damit zur Müllvermeidung beitragen. Abfälle aus Industrie- und Herstellungsprozessen lassen sich oft sogar einfacher als Endverbraucher-Abfälle recyceln. Der Grund: Der Abfall fällt sortenreiner an und seine genaue Zusammensetzung ist bekannt.

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