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Zero Waste: Leben ohne Abfall – geht das wirklich?

Im Hintergrund eine Müllhalde mit vielen Plastikmüllbeuteln, darüber liegt ein großes rotes X.

Zero-Waste-Pionierin Bea Johnson aus San Francisco und die Bochumer Bloggerin Shia Su vom Blog Wasteland Rebel leben es vor. Ihr Rest- und Plastikmüll eines ganzen Jahres passt in ein kleines Schraubglas. Zum Vergleich: Eine vierköpfige Familie in Deutschland produziert mehr als 15 Kilogramm Haus- und Verpackungsmüll – pro Woche!

Was ist Zero Waste?

Bea und Shia sind zwei prominente Aushängeschilder von Zero Waste – einer Bewegung, der sich immer mehr Menschen anschließen. Wörtlich übersetzt bedeutet Zero Waste so zu leben, dass kein Müll anfällt. Doch das ist eine Utopie, wie das Einmachglas beweist. Neben dem Rest- und Plastikmüll fällt auch bei „Hardlinern“ wie Shia noch weiterer Müll an. Allerdings nur Müll, der recycelt oder kompostiert werden kann: ein paar Altgläser, ein bisschen Altpapier und Bioabfälle. Ganz ohne Müll geht es also nicht. Zero Waste bedeutet also, so wenig Müll wie möglich zu produzieren.

Um welchen Müll geht es?

Zero Waster versuchen, jede Art von Müll zu vermeiden oder zu reduzieren. Also nicht nur Verpackungsmüll, sondern zum Beispiel auch Lebensmittelabfälle, Elektroschrott, Altkleider und sonstigen Recyclingmüll. „Warum Recyclingabfall?“ mag manch einer einwenden. Schließlich wird daraus ja wieder etwas Neues. Richtig ist, dass Altpapier und Glas zu einem großen Teil wiederverwertet werden. Bei Kunststoffen ist die Recyclingquote aber viel geringer – der Großteil wird verbrannt, die Umwelt leidet. Außerdem kostet jede Art von Recycling Energie.

© CC0/blickpixel

Natürlich ist Mülltrennung ein wichtig im Umgang mit Abfall. Noch besser ist es allerdings, weniger Müll zu produzieren.

Warum Zero Waste und nicht einfach weniger Müll?

Am besten also, man verursacht erst gar keinen Müll. Doch warum eigentlich? Egal ob Lebensmittel, Möbelstück oder T-Shirt: Alles muss produziert, verpackt, transportiert und verkauft werden. Das geht zulasten der Umwelt. Vor allem aber steckt dahinter ein enormer Verbrauch an Rohstoffen und Ressourcen. Wer viel Abfall erzeugt, hat also viele Ressourcen verplempert bzw. diese wenig effizient genutzt. Bei Zero Waste geht es im weitesten Sinne darum, Ressourcen zu schonen und weniger über unsere Verhältnisse zu leben.

Mit sechs Regeln den Mülleimer überflüssig machen

Wie schaffen es Leute wie Bea, statt einer Mülltonne pro Woche nur noch ein Glas im Jahr zu befüllen? Auf jeden Fall nicht planlos. Sie orientieren sich an den goldenen „R’s“ der Zero-Waste-Bewegung. Hier die wichtigsten sechs:

  1. Refuse – Ablehnen und vermeiden von Überflüssigem (z.B. Kassenbons, Plastiktüten, Werbung, Visitenkarten, kostenlose Goodies wie Kullis)
  2. Reduce – Reduzieren von dem, was man braucht (z.B. Vorräte im Küchenschrank, Kosmetik- und Reinigungsprodukte, Kleidung)
  3. Reuse – Wiederverwendbares nutzen; Dinge häufiger nutzen (z.B. Stoffbeutel, Lebensmittel in Mehrweggläsern statt in Einwegpackungen, Tee-Ei statt Teebeutel, Secondhand-Kleidung statt neuer Klamotten, Bücher leihen statt kaufen)
  4. Repair – Bevor kaputte Sachen auf dem Müll landen, sollte man versuchen, sie zu reparieren.
  5. Recycle – Was sich nicht vermeiden, reduzieren oder wiederverwerten lässt, soll recycelt werden. Anfallenden Müll deshalb sorgsam zu Hause trennen.
  6. Rot – Kompostieren von Küchenabfällen – im eigenen Garten oder in die Biotonne geben. Eine Erfindung aus Japan – der Bokashi – bietet auch eine Kompostmöglichkeit für drinnen.

Bedeutet Zero Waste Verzicht?

Nicht alles bekommt man unverpackt, in Pfandflaschen oder akzeptabler Pappverpackung: Pizzateig, Schokolade, Tofu und Sojamilch etwa. Menschen, die intensiv Zero Waste leben, kaufen solche Lebensmittel nicht. Auch andere Dinge, die man nicht wirklich braucht – wie den fünften Pulli, das neueste Handy oder den süßen, aber unnötigen Dekoartikel. Im Grunde verzichten sie darauf. Viele bekannte Zero Waster schreiben in ihren Blogs, dass sich der vermeintliche Verzicht nicht als solcher anfühlt. Eher als eine Befreiung von Überflüssigem. Und das macht glücklich: „Ich besitze weniger, ich verzichte auf vieles, das für die meisten um mich herum selbstverständlich ist und bin trotzdem zufriedener als ich es jemals war“, schreibt zum Beispiel Olga Witt auf www.zerowastelifestyle.de

Jeder fängt mal klein an und jeder gesparte Abfall ist gut

Wer am Anfang seiner „Müllfrei-Karriere“ steht, muss sich nicht schlecht fühlen, wenn er weiterhin die Lieblingsschokolade nascht und der Jahresmüll nicht in ein Glas passt. Wichtig ist, überhaupt anzufangen und dranzubleiben. Und das ist leichter, wenn man sich immer nur eine Kleinigkeit vornimmt, die man ohne Probleme schaffen kann. (Was das sein kann, zeigen unsere Tipps am Ende des Artikels). Diese Strategie bringt schnell Erfolgserlebnisse. Und man ist motiviert, den nächsten Schritt zu gehen. So lässt sich Stück für Stück der Müll weiter reduzieren, ohne dass man dabei „leiden“ muss.

Eine ganz einfache Methode Müll zu sparen: Baumwollbeutel für den Gemüse-Einkauf.

Welche Herausforderungen bringt der Schritt in ein müllfreies Leben?

Je weiter man sich vortastet, desto mehr Recherche und Planung kommen auf einen zu. Nudeln und Reis will man nur noch unverpackt kaufen und den Käse in der mitgebrachten Tupper transportieren? Dann gilt es herauszufinden, wo der nächste Unverpackt-Laden ist und wo man sich frische Lebensmittel in die eigenen Behälter füllen lassen kann. Wer auf dem meist nur bis nachmittags geöffneten Wochenmarkt einkaufen will, muss überlegen, wie er das zeitlich schafft und ob eine Biokiste eine bessere Alternative für ihn ist. Um noch mehr Verpackungsmüll einzusparen, stellt man sich irgendwann vielleicht sogar der Aufgabe, Kosmetik selbst zu machen und Putzmittel selbst anzurühren.

Ein müllfreies Leben spart Geld und Zeit

All das herauszufinden und zu erproben braucht erst mal eine Weile. Doch keine Bange: Irgendwann ist man so routiniert, dass der zeitliche Aufwand wieder sinkt. Viele Zero Waster schreiben, sie hätten sogar mehr Freizeit als vorher. Weil sie nicht mehr unnötig Zeit mit Vergleichen, Auswählen und Shoppen verbringen. Und weil alles, was man nicht kauft, auch nicht aufgeräumt und geputzt werden muss. Wer Zero Waste lebt, spart zudem eine Menge Geld. Man kauft weniger und dank Secondhand und Mehrweg oft auch günstiger.

Ist Zero Waste mit Kindern möglich?

Dass die Umstellung ab einem gewissen Punkt aufwendig ist, lässt sich nicht wegdiskutieren. Da fragt man sich: Kann man das auch als Familie schaffen? Und wie kommen eigentlich Kinder mit dem müllfreien Leben klar? Evelyn Rath, vierfache Mutter und „Chefin“ eines Zero-Waste-Haushalts in Österreich beweist es: Ein nahezu müllfreies Leben funktioniert auch mit Kindern. Bei ihren Kleinsten sei es einfach, schreibt Evelyn auf zerowasteaustria. Sie vermissen nichts und „ihnen ist es gleichgültig, ob die Naschereien selbst gemacht oder gekauft sind.“ Ihre 10-jährige Tochter hingegen hinterfrage deutlich mehr und wenn sie Lust auf Kartoffelchips habe, dann kaufe sie sich diese. „Das ist in Ordnung. Wir können unseren Kindern schließlich nur Vorbilder sein und ihnen unsere Beweggründe erklären. Sie werden letztlich ihre eigenen Entscheidungen treffen.“

Die dreiköpfige Familie sitzt beim Picknick mit Glasdosen, Porzellantellern und Edelstahlbesteck zusammen.

Zero Waste ist auch mit Kindern möglich. Wer seinem Kind erklärt, warum Müll am besten vermieden wird, kann schon die kleinen Menschen für das Thema sensibilisieren.

Werden Kinder aus Zero-Waste-Familien zu Außenseitern?

Wann ist es zu viel Zero Waste? Stefanie Kießling, die im Blog www.zerowastefamilie.de über ihren Familienalltag berichtet, sagt ganz klar: „Wichtig war uns bei den Kindern, dass keines darunter leiden muss oder – weil wir anders leben – ausgeschlossen wird.“ Bei ihr und auch bei den Kindern von Evelyn ist das nicht der Fall; negative Reaktionen hätte es nie gegeben. Kinder, die ihr Pausenbrot aus der Edelstahlbox holen und in Recyclinghefte schreiben, werden ja nicht gleich zu Außenseitern. Und für viele andere Sachen, die Kinder brauchen, gibt es langlebige und wiederverwendbare Alternativen.

Schule und Feste feiern: Zero Waste im Familienalltag

Zum Beispiel Spielzeug aus Holz statt aus Plastik. Oder Secondhand-Kleidung statt neue von der Stange. Auch in der Schule hat man die Wahl: Hefteinschläge und Mappen können aus Papier sein, Lineale aus Holz und Füllerpatronen zum Auffüllen. Selbst Kindergeburtstage, Ostern und Weihnachten lassen sich müllreduziert feiern. Etwa mit waschbaren Servietten, Stofftäschchen für die Mitbringsel, Erlebnis-Gutscheinen oder gebrauchten Geschenken in Upcycling-Verpackung. Doch was ist, wenn Kinder Wünsche haben, die nicht ohne Plastik realisierbar sind? Dann wird auch schon mal ein Auge zugedrückt, wie Evelyn erklärt: „Natürlich braucht es immer wieder Kompromisse und es gibt Situationen wie etwa zu Weihnachten, wo wir es nicht schaffen, ohne Müll über die Runden zu kommen.“ Sie sieht das entspannt. Denn mit zu viel Verbissenheit riskiere man, dass die Familie die Lust am Müllvermeiden verliert. Dann lieber ein paar Ausnahmen zulassen, dafür aber mit zufriedenen Kindern weiter in Richtung Zero Waste.

Noch mehr Tipps zum Zero Waste-Alltag mit Kindern finden Sie in diesen Blogs:

https://zerowastegrossfamilie.blogspot.com/p/test_30.html

http://www.zerowastelifestyle.de/zero-waste-baby/

http://www.einfachzerowasteleben.de

12 Tipps, wie Sie schnell und unkompliziert Müll reduzieren können

  1. Immer einen Stoffbeutel dabeihaben, in dem man Einkäufe verstauen kann.
  2. Immer eine eigene Trinkflasche zum Befüllen mitnehmen.
  3. Leitungswasser statt Mineralwasser trinken.
  4. Print-Werbung abbestellen.
  5. Mehrfachverpacktes und Einzelportionen vermeiden (Süßigkeiten zum Beispiel werden oft doppelt und dreifach verpackt).
  6. Zu unverpacktem Obst und Gemüse greifen und auf die dünne Plastiktüte verzichten (besser: die Sachen in einem Einkaufsnetz an die Kasse transportieren).
  7. Mehrwegartikel statt Einwegsachen kaufen (z.B. Joghurt in Pfandgläsern, Getränke in Mehrwegflaschen, Bienenwachstücher statt Alufolie …)
  8. Nachfüllpackungen bevorzugen. Sie produzieren weniger Müll als einzeln gekaufte Produkte.
  9. Waschen Sie sich mit Stückseife statt mit Duschgel und Flüssigseife. (Wenn es partout nicht ohne Flüssigseife geht, kaufen Sie Nachfüllpackungen).
  10. Putzmittelbedarf überdenken: Mit wenigen Putz- und Reinigungsmitteln lässt sich der gesamte Haushalt erledigen.
  11. Verwenden Sie Akkus statt Batterien.
  12. Öfter mal in den Kühl- und Vorratsschrank schauen, Essenspläne machen und nur das einkaufen, was man wirklich braucht.
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Bildquellen

  • muell-trennung: © CC0/blickpixel
  • zero-waste-will-solche-muellberge-vermeiden: © CC0/Ben_Kerckx / bearb.

Katja Hellmuth gehört zum Autorenteam von raabengrün. Wenn die freie Texterin nicht gerade Wortakrobatik betreibt, strampelt sie auf dem Fahrrad ihre tägliche Schokoladendosis ab. Sie verschlingt liebend gerne auch Buchstabensuppen und andere epische Werke.

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    10 Juli

    Ihre Infos und Tipps zu weniger Müll und Plastik finde ich super,es sollten sich alle mehr Gedanken machen wie es mit der Umwelt aus sieht wenn wir so weiter machen,was mich etwas stört das soviel von dem Plastik müll ins Meer geworfen wird und die Tiere es verschlucken und dann elendig daran Versticken.Für den Müll auf den Schiffen muss man sich etwas anderes einfallen lassen,ein Flugzeug oder ein Schiff auf den Weg/Rute schicken um den Müll abholen oder reduzieren.Ich nehme zum Einkaufen nur Taschen wo ich auch mehrfach verwenden und Waschen kann.

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