Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Upcycling – Neues Leben für aussortierte Produkte

Zusammengestelltes Bild aus Model mit Hemd, Geldbeutel in Papierschiff und einem vollen Einkaufsbeutel.

Manchmal kann ein defektes Produkt nicht repariert werden, um wieder seinen ursprünglichen Zweck zu erfüllen. Das muss nicht heißen, dass es am Ende seines Lebenszyklus angelangt ist. Beim Upcycling werden ausrangierte Produkte oder Rohstoffe neu kombiniert und so einem neuen Zweck zugeführt. Ein Beispiel: Das Berliner Hilfsprojekt mimycri stellt aus alten Gummibooten – die von Flüchtenden zur Fahrt über das Mittelmeer genutzt worden sind – Rucksäcke, Taschen und Portemonnaies her. Das Team reinigt mit seiner Initiative gleichzeitig die Strände in Griechenland, führt die Rohstoffe einer neuen Bestimmung zu und schafft Arbeitsplätze.

In einem Papierschiffchenist das schwraz-rote Portemonnaie drapiert. ©Sandra M.

Das Portemonnaie ist aus gestrandeten Flüchtlingsbooten gefertigt.

Die Upcycling-Bewegung umfasst viele Lebensbereiche: Alte Kaffeesäcke eignen sich als Dekoration ebenso wie zur Herstellung von Hüten und Mützen. Ausrangierte Fahrradreifen werden zu Gürteln, alte Weinkisten zu neuen Wohnzimmertischen, Schallplatten zu verschiedensten Deko-Objekten und Getränkeverpackungen zu Recycling-Taschen.

Upcycling ganz groß gedacht führt zur Kreislaufwirtschaft

Man kann die Idee noch weiterdenken und ein ganzes Haus nach diesem Prinzip betreiben. In Berlin hat sich das Team von CRCLR (sprich: Circular) der Kreislaufwirtschaft verschrieben. Die Beteiligten haben im ersten Schritt im Stadtteil Neukölln einen Co-Working-Space aus bereits vorhandenen Materialien aufgebaut. Jetzt sind sie regelmäßig Gastgeber von Veranstaltungen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Im gemeinschaftlich genutzten Büro beherbergen sie Projekte und Initiativen, die sich ebenfalls mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Sei es das Start-up, das aus Kaffeesatz Geschirr herstellt, der Mate-Hersteller, der mit dem Verkauf seines Produkts Geflüchtete unterstützt oder das Label aluc, das aus Stoffresten neue Hemden und Blusen macht. Arianna Nicoletti, eine der Gründerinnen von aluc, hat uns erklärt, was ihr Team unternimmt, um wertvolle Stoffe vor dem Wegwerfen zu bewahren:

„In der Modeindustrie werden für Kataloge Stoffrollen als Farb- und Musterproben verwendet. Manchmal sind nur zwei bis drei Meter eines Stoffes vorhanden, manchmal bis zu 60 Meter. Aufgrund der hohen Lagerhaltungskosten werden die Stoffrollen normalerweise schnell entsorgt. Das gibt uns die Möglichkeit, Stoffe relativ günstig zu kaufen. Der Preis berechnet sich pro Kilogramm oder Meter und beläuft sich oft auf ein Viertel oder die Hälfte des regulären Preises. Wir stellen vor Ort die Farbpalette und Styles zusammen und entscheiden dann, welche Stoffe wir kaufen.“

Nicht nur das Material auch die Fertigung soll nachhaltig sein

Eine Seite des Hemdes ist dunkel- die andere hellblau. Der junge Mann trägt es mit Stil. ®aluc

Kaum zu glauben, dass es sich bei dem Hemd von aluc um ein Upcycling-Produkt handelt.

Nachdem festgelegt ist, wie die neue Kollektion aussieht, geht es an die Produktion. Diese liegt auf jeden Fall in Europa. Wo genau, hängt davon ab, wie viele Stücke in welcher Zeit benötigt werden. Stammkunden sind vom Konzept überzeugt und oft bereit, länger auf ihr neues Kleidungsstück zu warten. In diesen Fällen lässt aluc in einer Näherei für Menschen mit Behinderung in Niedersachsen fertigen. Dieser Betrieb kann monatlich sechs bis sieben Teile produzieren. Kunden warten dann bis zu drei Monate auf ihre neuen Stücke. Werden größere Mengen benötigt, steht eine familienbetriebene Näherei in Polen zur Verfügung.

Wandel in der Upcycling-Branche

Für den Vertrieb hat aluc zunächst auf einen eigenen Laden in Berlin und auf die eigene Website gesetzt. Das Geschäft gibt es inzwischen nicht mehr, den Onlineshop dagegen schon. Der Laden war zwar gut besucht, etablierte sich aber eher als kulturelles Zentrum für Upcycling-Interessierte denn als Verkaufsplattform. Dann stand eine Verlängerung des Mietvertrags um vier Jahre an. Die Gründerinnen entschieden sich dagegen, um mehr Zeit für weitere nachhaltige Projekte und ihre Familien zu haben.

Ein Schwarz-weiß-Porträt der jungen Frau ©aluc

Arianna Nicoletti, Co-founder von aluc

Arianna stellt generell fest, dass sich die Upcycling-Branche langsam verändert: „Upcycling hatte seinen Boom in den Jahren 2013 und 2014, aber die Produkte waren nicht unbedingt marktbereit. Der Spaß an der Sache stand über dem Kommerz. Mittlerweile folgen die Anbieter dem Markt stärker und das müssen sie auch tun, wenn sie vom Upcycling leben wollen.“

Dennoch geht es beim Upcycling nach wie vor nicht um den maximalen Profit. Ein Hemd kostet bei aluc etwa 130 Euro. Da bei einem Hemd der Kragen meist als Erstes kaputtgeht oder unansehnlich wird, ist er beim Upcycling-Hemd abtrennbar. Für 12 Euro gibt es einen neuen – ebenfalls aus Stoffresten hergestellten – Kragen, der dem Kleidungsstück wieder Chic verleiht.

Upcycling hilft, Müll zu vermeiden

Die Einkaufstasche aus blau-weißen Beuteln ist mit Einkäufen gefüllt.

Upcycling-Tasche aus Plastikbeuteln. In Afrika werden diese für Wasser verwendet, hier bekommen die Beutel ein neues Leben.

Upcycling verhilft also nicht nur eigentlich ausgedienten Dingen zu einem längeren Leben, es führt vor allem zu weniger Abfall. Wie notwendig eine Reduzierung des Abfalls ist, zeigen die aktuellsten Zahlen des Umweltbundesamtes: In Deutschland „stieg das Aufkommen der haushaltstypischen Siedlungsabfälle […] von 37,6 Mio. t im Jahr 2000 auf 45,9 Mio. t im Jahr 2015 stark an. Pro Einwohner waren das im Jahr 2000 noch 458 kg, 2015 waren es 559 kg/Ew.“

Es ist also höchste Zeit, um zu handeln. Wenn Sie selbst Erfahrungen mit Upcycling gemacht haben, freuen wir uns, wenn Sie Ihre Tipps in den Kommentaren teilen. Je mehr Menschen von gut umzusetzenden Ideen erfahren, desto mehr Abfall können wir gemeinsam vermeiden.

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Bildquellen

  • portemonnaie-mimycri: ©Sandra M.
  • hemd-von-aluc: ®aluc
  • arianna-nicoletti: ©aluc
  • upcycling-titel: ©aluc // Sandra M.

Sandra interessiert sich besonders dafür, wie gesellschaftliche Herausforderungen mit nachhaltigen Geschäftskonzepten gelöst werden können. Deshalb ist sie regelmäßig bei Veranstaltungen rund um Berlins nachhaltige Startup-Szene zu finden.

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  1. Memis

    21 Februar

    Jeans Einkaufstasche mit regenschirm. ( Stoff Kaputes schirmdach) innen Tasche , ist wasser dicht läuft nichts. mehr aus . Zu Empfehlen.:))

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