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Do it yourself: Insektenhotel bauen

Das aus Paletten uns Naturmaterialien gebaute Hotel.

Dass Insekten in den letzten Jahren immer seltener geworden sind, können vor allem diejenigen bestätigen, die schon seit einigen Jahrzehnten ein Auto besitzen. Vor 20 Jahren musste die Windschutzscheibe noch sehr regelmäßig von plattgedrückten Fliegen und Co. gereinigt werden. Insektenverschmierte Scheiben sind heute kein großes Thema mehr.

Verantwortlich für das schleichende Insektensterben sind die menschlichen Eingriffe in die Natur: Zum einen durch die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und chemischen Spritzmitteln. Fast 50.000 (!!) Tonnen Pestizide werden in Deutschland jährlich versprüht. Zum anderen sorgt unser Ordnungsdrang dafür, dass immer mehr natürliche Lebensräume der Insekten verschwinden. Denn Insekten benötigen bunte und artenreiche Blumenwiesen statt monotones Einheitsgrün. Ihre Wohnungen (alte Mauern, Totholz, Hohlwege, Lehmtrockenhänge) sind in der aufgeräumten Natur selten geworden. Deshalb sind sie auf unsere Überlebenshilfe angewiesen: Mit Insektenhotels bieten wir ihnen Möglichkeiten zum Überwintern und zum Nestbau.

Bevor wir ein Insektenhotel bauen: Wozu benötigen wir Insekten überhaupt?

Viele Insekten, vor allem jene die wir mit einem Insektenhotel fördern, sind sehr wertvoll für das Ökosystem: So fressen beispielsweise Florfliegen, Marienkäfer, Schwebfliegen und Ohrkneifer Pflanzenschädlinge wie Blattläuse und einige Wespenarten dezimieren die Stechmücken. Außerdem sind viele „Hotelbesucher“ wichtige Bestäuber unserer Blütenpflanzen. Nicht nur Honigbienen sorgen für die Bestäubung, sondern auch zahlreiche Wildbienenarten und Hummeln sind daran beteiligt, dass wir reichlich Obst und Gemüse ernten können. Wildbienen sind übrigens ungefährlicher als Honigbienen, da ihre Stacheln zu schwach sind, um unsere Haut zu durchdringen. Im Gegensatz zu den staatenbildenden Honigbienen leben die Wildbienen alleine.

Auch die Vogelwelt profitiert von einer großen Insektenpopulation, denn sie sind vor allem in der Aufzuchtphase der Jungen eine wertvolle Nahrungsquelle.  

Ein Hotelzimmer ohne Verpflegung macht keinen Sinn

In den Zwischenräumend er gestapelten Paletten entstehen die "Zimmer".

©Rudi Beiser

Die Paletten werden aufeinandergestapelt und mit verschiedenen „Hotelzimmern“ ausgestattet.

Die eigentliche Gefährdung der Insektenwelt liegt nicht in erster Linie am Fehlen der Nistmöglichkeiten, sondern vor allem im Verlust der Nahrungspflanzen. Deshalb macht es Sinn artenreiche Wildblumenwiesen anzulegen und diese teilweise erst im Herbst zu mähen. Und auch eine Hecke aus heimischen Sträuchern wie Hundsrose, Schlehe, Weißdorn oder Haselnuss ist ein Eldorado für die Nützlinge. Ein Zugang zu Wasser (beispielsweise einem Teich) erhöht die Attraktivität des Insektenhotels. Etwas feuchter Lehm wird von Wildbienen gerne genommen, um die Brutröhren zu verschließen.

Der beste Standort für das Insektenhotel: Ein Platz an der Sonne

Das Insektenhotel benötigt einen sonnigen Platz, damit die Gäste genügend Wärme bekommen. Eine Seite des Hauses sollte also möglichst vollsonnig in Richtung Süden ausgerichtet sein. Das ist vor allem für Wildbienen wichtig. Florfliegen lieben allerdings eher eine schattige Seite, sodass deren Nisthilfe (Stroh) beispielsweise auf der Ostseite des Hauses platziert wird. Wichtig ist, dass die Bewohner gut vor Regen und Wind geschützt sind. Daher sollte das Haus überdacht stehen oder selbst ein regenschützendes Dach (Dachpappe, Ziegel) haben.

Werden Sie Upcycling-Bauherr: Aus alten Paletten entsteht ein Luxus-Insektenhotel

Der Aufbau des Hauses ist relativ einfach und günstig. Aus gebrauchten Paletten lässt sich im Sinne von „Upcycling“ ein äußerst großes und luxuriöses Hotel bauen, das im Naturgarten zu einem echten „Hingucker“ werden kann. Gebrauchte Paletten, vor allem Einwegpaletten, werden von vielen Firmen sehr günstig oder gar geschenkt angeboten.

Ganz oben wird das Hotel mit Ziegeln abgedeckt.

©Rudi Beiser

Damit das Regenwasser gut ablaufen kann, wird für die Ziegel oder die Dachpappe eine Auflattung nötig.

Das Hotel ist in Kürze aufgebaut: Dazu stapeln Sie einfach fünf bis sechs Paletten aufeinander. Die oberste Palette wird mit Ziegeln oder Dachpappe regendicht gemacht. Dabei muss etwas aufgelattet werden, damit das Regenwasser in eine Richtung ablaufen kann. Das heißt, dass Sie eine Schräge herstellen. Nun können Sie die Zwischenräume der Paletten von mehreren Seiten mit Nistmaterialien bestücken. Natürlich müssen es nicht unbedingt Paletten sein, ein ähnliches Upcycling ist auch mit alten Obst- oder Weinkisten möglich.   

Unterschiedliche Gäste benötigen unterschiedliche Zimmer

Die Zwischenräume werden mit verschiedenen Materialien befüllt.

©Rudi Beiser

Die verschiedensten Materialien machen das Hotel für unterschiedlichste Besucher attraktiv.

Die einzelnen Stockwerke bestücken Sie nun mit den verschiedensten Materialien, um die individuellen Bedürfnisse der Insekten zu befriedigen. Denn nicht nur Wildbienen und Hummeln wollen ein Zimmer buchen, sondern auch Florfliegen, Ohrkneifer, Schwebfliegen, Marienkäfer und Laufkäfer sind an einer Unterkunft interessiert. Sobald die Hotelzimmer eingerichtet sind, müssen sie nur noch auf die Gäste warten.   

Einrichtungstipps für das Insektenhotel

Hohlziegel/Gitterziegel: Die Löcher der Hohlziegel werden nur angenommen, wenn sie entsprechend befüllt sind. Nutzen Sie dafür Schilfhalme und hohle Pflanzenstängel. Füllen Sie außerdem einen Teil der Löcher mit etwas Lehmputz. Bevor er ganz aushärtet, bohren Sie mit einer Stricknadel ein Paar Löcher hinein. Diese Wohnungen werden gerne von verschiedenen Mauerbienen und Lehmwespen angenommen. Die Mauerbienen sind allein lebende Solitärbienen, von denen es bei uns etwa 50 Arten gibt.

Schilfhalme, Bambusrohr, Markhaltige Pflanzenstängel (wie Holunder und Königskerze): Sie werden gebündelt, mit Blumendraht zusammengebunden und in Blumentöpfen oder Blechdosen fixiert, damit sie nicht von Vögeln herausgezogen werden können. Der Durchmesser sollte so gewählt sein, dass das Bündel in die Zwischenräume der Paletten passt. Die Löchertiefe der Halme sollte acht bis zehn Zentimeter betragen. Deshalb müssen eventuell beim Bambus Verhärtungen im Stängel (Halmknoten) durchbohrt werden. Auch die Zwischenräume zusammengerollter Wellpappe werden gerne angenommen. Viele Wildbienenarten und Grabwespenarten suchen sich in solchen Bündeln den geeigneten Nistplatz.

Getrocknete Baumscheiben und Hölzer: Hier bohren Sie Löcher mit verschiedenen Stärken (zwei bis zehn Millimeter) hinein, damit es sich unterschiedliche Insekten gemütlich machen können. Bohren Sie so tief wie die Bohrerlänge ausreicht, aber mindestens sechs bis zehn Zentimeter. Achten Sie darauf, dass Holzfasern die Bienen nicht am Einschlüpfen hindern! Von den fast 600 Wildbienenarten in Deutschland freuen sich sehr viele über die vorgefertigten Bohrlöcher, beispielsweise Maskenbienen, Löcherbienen, Mauerbienen, aber auch solitär lebende Wespen.

In den lehmtöpfen sind kleine Löcher für die Insekten.

©Rudi Beiser

Vor der Aushärtung noch ein paar Löcher einstechen.

Lehmputz oder Ton: Mit dem Material aus dem Bau- oder Bastelgeschäft können Sie auch Dosen oder Blumentöpfe befüllen und vor dem Aushärten mit verschieden großen Löchern (drei bis sechs Millimeter) versehen. Nutzen Sie dazu unterschiedlich große Stricknadeln oder Nägel. Eine ganze Reihe von Wildbienenarten und Solitärwespen finden solche Hohlräume sehr attraktiv für ihre Eiablage.

Stroh oder Holzwolle: Diese werden gerne von Florfliegen angenommen. Da sie sich von rötlichen Farben angezogen fühlen, eignen sich damit ausgestopfte Tontöpfe. Aber auch Marienkäfer, Ohrwürmer und andere Käfer suchen gerne solche Plätze auf.

Kiefern- und Fichtenzapfen: Drücken Sie diese in Behälter oder verkeilen sie zwischen den Paletten. Solche Zapfen werden gerne von Marienkäfern und Ohrwürmern als Unterschlupf angenommen.

Dünne Äste, Reisig, Rindenstücke und Heu: Das alles eignet sich als Füllmaterial, um andere Nisthilfen (wie Bruthülsen) in der Palette zu fixieren. Auch leere Schneckenhäuser eignen sich als Füllmaterial und werden gerne von Wildbienen angenommen.

Morsches Holz: Dieses ist besonders attraktiv für die Blattschneiderbiene und die Holzbiene. Auch Steinbienen, Wespen und verschiedenste Holzkäfer nutzen Totholz und Faulholz. 

 

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Bildquellen

  • Insektenhotel seitlich: ©Rudi Beiser
  • Insektenhotel-Dach: ©Rudi Beiser
  • fuellmaterial: ©Rudi Beiser
  • Insektenhotel Lehmtöpfe: ©Rudi Beiser
  • Insektenhotel: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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  1. Mittrücker

    13 Februar

    Da hier nur Holz mit Bohrungen in der Schnittseite (Hirn-/Stirnholz) zu sehen sind, hier ein sinnvoller Tip:
    https://amazingnature.de/fehler-insektenhotel/
    Vielleicht könnten Sie das noch ergänzen? Natürliche Löcher gibt ja auch nur seitlich in den Stamm hinein…

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