Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Im Herbst ist Zeit für die Haselnuss

Haselnüsse liegen im Gras.

Im September und Oktober fallen die reifen Haselnüsse vom Strauch. Vielleicht haben Sie das Glück eine Haselnuss im Garten zu haben oder Sie entdecken beim Spaziergang in einer Hecke oder am Waldrand einen wildwachsenden Haselstrauch. Die frisch gesammelten Nüsse müssen zunächst in der Sonne oder an der Heizung getrocknet werden. Sie werden in der Holzschale belassen und können in dieser Form dann ein Jahr lang gelagert werden. Bei Bedarf knacken Sie die Nüsse frisch.

Haselnuss: Lebensraum und Nahrung für die Tierwelt

Es macht durchaus Sinn sich die Haselnuss in den Garten zu holen, denn der Strauch ist ökologisch sehr wertvoll. Allerdings sollten Sie mindestens zwei Haselsträucher im Garten haben, denn aufgrund der getrenntgeschlechtlichen Blüten ist vorzugsweise Fremdbestäubung gewünscht.

Nahaufnahme der Knospe. © Rudi Beiser

Die weiblichen Blüten sind sehr klein aber wunderschön. Aus ihnen entstehen die Nüsse.

Die Haselnuss ernährt 33 Säugetierarten, die es vor allem auf die energiereichen Nüsse abgesehen haben. Auch 10 Vogelarten wie Buntspecht, Kernbeißer und Kleiber, haben die Nüsse zum Fressen gern. Für Pollen, Blätter, Zweige und Nüsse interessieren sich aber auch 112 Insektenarten, darunter viele Käfer, Wanzen und Kleinschmetterlinge. Der Frühblüher ist mit seinen Kätzchen außerdem ein sehr wichtiger Pollenlieferant für Bienen und Hummeln. Die Haselnuss ist somit eine der wichtigsten Nahrungspflanzen für die heimische Tierwelt. Nicht für jeden ist die Hasel jedoch eine Wohltat: Ein Haselstrauch produziert in den Blütenkätzchen bis zu 600 Millionen Pollen, die leider bei empfindlichen Menschen Allergien (Heuschnupfen) auslösen können.

Die langen gelben Würmchen hängen von noch kalten Ästen. © Rudi Beiser

Die männlichen Blütenkätzchen versorgen im Frühling Bienen und Hummeln mit Pollen. Allerdings lösen die Pollen auch bei vielen Menschen Allergien aus.

Seit Urzeiten ist die Haselnuss hochgeachtet

Die fettreichen Haselnüsse waren schon bei unseren steinzeitlichen Vorfahren eine wertvolle Sammelnahrung. Deshalb war die Hasel Jahrtausende lang ein hochgeachteter Baum, der schon bei den Kelten als heilig verehrt wurde. Dem Holz schrieb man außergewöhnliche Zauberkräfte zu: Man verwendete gegabelte Haselzweige als Wünschelruten um Wasseradern und Quellen zu finden. Man nahm die Wünschelrute nicht nur zum Wassersuchen, sondern auch um verborgene Schätze, Erze, Metalle, verirrtes Vieh oder sogar Verbrecher aufzuspüren.

Aber das Holz des Haselstrauchs bot auch Schutz vor Gewitter und Schlangen. Deshalb schlug man drei Stifte aus Haselholz ins Dachgebälk, um Blitze abzuleiten. Oder man warf sieben Haselkätzchen ins Herdfeuer und der aufsteigende Rauch vertrieb das Gewitter. Nach einer christlichen Legende bekam die Hasel ihre Abwehrkräfte durch die Gottesmutter Maria, die einst unter einem Haselstrauch Schutz vor einem Gewitter fand. Daraufhin bat sie Gott, er möge den Haselstrauch zum Dank auf ewige Zeiten vom Blitz verschonen.

Beim Wandern trug man einen Haselstecken bei sich, der giftige Schlangen abwehren konnte. Schon die leichteste Berührung mit einem Haselzweig genügte, um sie zu töten. Verantwortlich war dafür der Legende nach wieder einmal die Muttergottes: Sie wurde einst im Wald beim Erdbeerenpflücken von einer Natter angegriffen. Da versteckte sie sich hinter einer Haselstaude und war gerettet. Dann sprach sie auf dem Heimweg: „Wie die Haselstaude mein Schutz gewesen ist, so soll sie es in Zukunft auch anderen Menschen sein.“

Ein Symbol der Fruchtbarkeit

Die Haselnuss ist ein uraltes Symbol für Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Deshalb assoziierte man die Nüsse in der Volkserotik mit Sexualität. Die einzelne Haselnuss galt als Vulvasymbol, während zwei paarweise zusammenstehende Nüsse als Hoden gedeutet wurden. In der Volksmagie nutzte man die Nüsse als Gegenmittel für Impotenz und Lustlosigkeit. Ein Mann, der keine Kinder zeugen konnte, sollte vor dem Geschlechtsakt drei Nüsse in die Tasche stecken, dann würde die Frau sogleich empfangen.

© Rudi Beiser

Paarweise zusammenstehende Nüsse haben unsere Vorfahren mit Hoden assoziiert.

Im Mittelalter galt der Ausdruck „Nüsse knacken“ als Synonym für die „Entjungferung“ der Frau, was uns in vielen derben Sprüchen und Volksliedern überliefert ist. Auch die Redewendung „in die Haseln gehen“ war eine deutliche Anspielung auf vorehelichen Geschlechtsverkehr. Einer jungen Frau, der man nachsagte, dass man mit ihr schnell „in die Haseln gehen konnte“, bekam am 1. Mai keinen Birkenmaien vor das Haus gestellt, sondern einen Haselstrauch. Dieser Brauch wurde schon im Jahr 1393 in der Normandie dokumentiert. Ihr Fehltritt wurde sozusagen öffentlich gemacht, was zeigt, dass schon im Mittelalter kräftig gemobbt wurde! Sprüche wie „Der ist wohl aus einer Haselstaude entsprungen“ oder „Viel Hasel, viel Kinder ohne Vater“ sind deutliche Anspielungen auf uneheliche Kinder.

Wirksame Volksmedizin mit Haselnuss

In der Volksmedizin der neueren Zeit werden vor allem Blätter und Blütenkätzchen für Heilzwecke verwendet: Die männlichen Blütenkätzchen gelten als schweißtreibendes und fiebersenkendes Erkältungsmittel und können sehr gut mit Holunderblüten oder Lindenblüten zu einem Erkältungstee kombiniert werden. Dazu werden die männlichen Kätzchen im Februar während der Blütezeit gesammelt. Sie werden mit heißem Wasser überbrüht und 5 Minuten ziehen gelassen (1 EL auf 200 ml Wasser).

Die Blätter setzt man wegen der zusammenziehenden Wirkung der zahlreich enthaltenen Gerbstoffe bei Wunden, Hauterkrankungen und Durchfall ein. Außerdem nutzt man sie zum Gurgeln bei Entzündungen in Mund und Rachen. Die Blätter wirken stark antioxidativ und antimikrobiell, denn sie enthalten viele Phenolsäuren. Sie wirken zudem stoffwechselanregend und sind deshalb oft Bestandteil von „Blutreinigungstees“. Gesammelt werden sie am besten im Mai. 2 TL auf eine Tasse Wasser ergeben einen wirksamen Tee.

Gesunde Küche mit Haselnuss

Ab September reifen die leckeren Nüsse. Sie sind ganz oder gemahlen vielseitig einsetzbar: in Studentenfutter, Energieriegel oder Müsli gemischt, als Backzutat für Kuchen und Brote oder für Nussmus, Nusspesto und Nussbutter. Es gibt auch kleine Haushalts-Ölpressen, mit denen Sie aus den Haselnüssen ein wunderbares Öl pressen können. Mit gerösteten Nüssen lässt sich auch ein Likör aromatisieren (siehe Rezept). Überhaupt intensiviert das Rösten im Backofen (10-15 Minuten bei 100 °C) das feine nussige Aroma. Außerdem löst sich dabei die braune Außenhaut, die etwas bitter schmeckt. Um sie komplett loszuwerden, werden die Nüsse nach dem Rösten in ein Geschirrtuch gelegt und darin gerieben.

Bei den Haselnüssen lässt sich sehr gut Genuss und Gesundheit vereinen: Die feinen Nüsse helfen nachweislich bei mangelnder Konzentration und Vergesslichkeit. Man nennt sie nicht umsonst Brainfood, also Hirn- und Nervennahrung. Vermutlich aus diesem Grund landeten sie im sogenannten Studentenfutter, das schon seit dem 17. Jahrhundert aus Nüssen und Trockenfrüchten gemischt wird.

Das Bild zeigt gesammelte Haselnüsse. © Rudi Beiser

Die gesammelten Nüsse werden nach dem Sammeln getrocknet und können dann in der Holzschale mindestens 1 Jahr lang gelagert werden.

Die Nüsse sind ein wertvoller Lieferant von Fetten (60 %) und Proteinen (16 %). Sie sind reich an wertvollen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Dadurch regulieren sie den Cholesterinspiegel und beugen Herz-Kreislauferkrankungen vor. Besonders erwähnenswert ist auch der hohe Anteil an Vitamin E sowie Kalium, Magnesium, Kalzium und Eisen. Das für Herz und Muskeln bedeutsame Magnesium deckt mit 158 mg je 100 g mehr als die Hälfte des Tagesbedarfs. Doch aufgrund des hohen Fettgehaltes sollte man sie in Maßen genießen, also maximal eine Handvoll pro Tag. Leider gehören Nüsse zu den allergenen Nahrungsmitteln, die für einige Menschen nicht verträglich sind.

© Rudi Beiser

Haselnüsse sind pur ein leckerer Snack, lassen sich aber auch vielseitig in der Küche verarbeiten.

Haselnuss-Likör

Zutaten

  • 250 g Haselnüsse
  • 1 Vanilleschote
  • 1 Zimtstange
  • 700 ml Wodka oder Korn
  • 175 g Zucker
  • 100 ml Wasser

Zubereitung

Die Haselnüsse bei 100 °C 15 Minuten im Backofen rösten. Ab und zu wenden. Abkühlen lassen und im Mixer grob hacken. Zusammen mit halbierter Vanillestange und zerbrochener Zimtstange in ein verschließbares Glas geben. Alkohol darüber gießen und 4-6 Wochen ruhen lassen. Dann durch ein feines Sieb abgießen. Aus Zucker und Wasser eine Zuckerlösung herstellen (10 Minuten köcheln). Abkühlen lassen und dem Liköransatz zufügen. In Flaschen füllen und vor dem Genießen noch 3 Wochen reifen lassen.

Haselnuss-Milch

Zutaten

  • 250 g Haselnüsse
  • 1 Liter Wasser
  • 2-3 Datteln oder 1 EL Dattelsirup
  • 2 Msp. Vanille

Zubereitung

Die Haselnüsse bei 100 °C 10 Minuten im vorgeheizten Backofen rösten. Abkühlen lassen und etwas enthäuten. Dazu die Nüsse in ein Geschirrtuch geben und darin reiben, sodass sich das Häutchen löst. Mit dem Wasser übergießen und über Nacht einweichen lassen. Zusammen mit Datteln (ohne Stein) und Vanille in einen Mixer geben und auf hoher Stufe einige Minuten mixen. Das Ganze durch ein sehr feines Sieb oder ein Passiertuch abgießen und auspressen. Fertig ist die vegane Haselmilch! Gekühlt hält die Milch 2-3 Tage. Die übriggebliebene Haselnussmasse können Sie zum Backen verwenden.

Haselnuss-Pesto

Zutaten

  • 200 g Haselnüsse
  • 150 ml Olivenöl
  • 70 g getrocknete Tomaten in Öl
  • Saft und abgeriebene Schale 1 kleinen Zitrone
  • 1 Bund Petersilie
  • Pfeffer
  • 1 kleine Chili
  • 1 TL Salz

Zubereitung

Die Haselnüsse in einer trockenen Pfanne oder im Backofen anrösten und abkühlen lassen. Zusammen mit den anderen Zutaten im Mixer pürieren. So eignet es sich als Brotaufstrich oder unter Nudeln gezogen. Bei der Nutzung für Nudeln könne Sie das Pesto mit 100 ml Sahne verdünnen.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • weibliche-haselbluete: © Rudi Beiser
  • maennliche-haselbluete: © Rudi Beiser
  • haselnuesse-am-strauch: © Rudi Beiser
  • haselnuesse-gesammelt: © Rudi Beiser
  • haselnuss-snack: © Rudi Beiser
  • haselnuss: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.