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Die Vogelmiere schmeckt nicht nur den Vögeln

Leuchtend grün mit kleinen zarten Blütchen - das ist die Vorgelmiere.

Den meisten Gartenbesitzern dürfte die Vogelmiere (Stellaria media) wie auch der Giersch als „Unkraut“ bekannt sein. Kein Wunder, denn die stickstoffliebende Pflanze ist ein häufiger Gast in Gärten, Weinbergen und in Gewächshäusern sowie auf Äckern. Allerdings hat das zarte Pflänzchen nicht den Namen Unkraut verdient, denn es eignet sich ganz vorzüglich für die Wildkräuterküche, wie sich noch herausstellen wird!

Die Vogelmiere ist kaum zu verwechseln!

Einige Stängel in der Hand zeigen schon, wie verwoben die Vogelmiere wächst.

©Rudi Beiser

Hier lässt sich schon ein Erkennungsmerkmal der Vogelmiere sehen: dünne verworrene Stängel.

Man erkennt die Vogelmiere leicht am dichten Wirrwarr der dünnen Pflanzenstängel, die den Boden durch ihren niederliegenden Wuchs teppichartig überziehen. Ein typisches Erkennungsmerkmal entdecken Sie, wenn Sie einen Stängel vorsichtig auseinanderreißen, dann zeigt sich ein fadenähnliches Leitbündel. Ein genauer Blick auf den Stängel offenbart noch ein weiteres Merkmal: die typische Haarleiste aus weißen Härchen, die in einer Linie herabläuft. Die kleinen sternförmigen Blütchen der Vogelmiere besitzen fünf weiße Blütenblätter. Allerdings sind sie so tief eingeschnitten, dass auf den ersten Blick der Eindruck entsteht es wären 10!

Sollten Sie trotz dieser typischen Merkmale versehentlich eine der ähnlich aussehenden Mieren oder Hornkräuter erwischen, müssen Sie sich keine Sorgen machen: Sie sind nicht giftig, – aber auch nicht besonders lecker. Vorsicht gilt jedoch bei einer anderen Pflanze: Vor der Blüte kann die Vogelmiere mit dem unverträglichen Ackergauchheil (Anagallis arvensis) verwechselt werden, der ähnliche Plätze besiedelt. Er hat einen vierkantigen Stängel und je nach Varietät rote oder blaue Blüten.

Die Vogelmiere: Eine Pflanze für Genießer und Vögel

Sollten Sie die Vogelmiere im Garten haben oder bei einem Spaziergang entdecken und ihr bisher keine Beachtung geschenkt haben, dann pflücken Sie ein paar zarte Blätter und Stängel für einen Geschmackstest. Sie sind erfrischend saftig.

©Rudi Beiser

Lecker sind vor allem die zarten Triebe, die nahezu ganzjährig gezupft werden können.

Das Aroma ist sehr mild. Roh geknabbert, entfaltet sich der Geschmack junger Maiskölbchen. Überhaupt schmeckt sie roh und frisch am besten, deshalb gehört sie unbedingt in einen Wildkräutersalat, einen grünen Smoothie oder als Pesto verarbeitet. Achten Sie beim Rohgenuss darauf, die Vogelmiere in möglichst kleine Stücke zu schneiden. So gehen Sie sicher, dass die Fäden in älteren Stängeln nicht beim Essen stören.

Vogelmiere schmeckt aber auch gedünstet ganz vorzüglich, vor allem als Suppe, unter Aufläufe gemischt oder als spinatartiges Wildgemüse. Wenn die Triebe noch saftig und jung sind, genügen schon wenige Minuten der Erhitzung, um das wilde Gemüse zu genießen. Sie können die kleingeschnittene Vogelmiere zum Beispiel kurz vor dem Servieren unter das Risotto ziehen.

Das Tolle an dieser Pflanze ist die nahezu ganzjährige Verfügbarkeit. Selbst im Winter kann man sie finden. Da ständig neue Pflanzen austreiben, entdecken Sie immer irgendwo knackig-zarte Stängel, Blätter und Blüten. Sie können davon alles verwenden. Bei älteren Pflanzen werden die Stängel jedoch zäh, sodass Sie hier lieber nur die Triebspitzen verwenden.

So lecker es auch ist, essen Sie das Kraut nicht in Übermengen: Die Vogelmiere könnte in diesem Fall aufgrund ihres Saponingehalts bei empfindlichen Menschen den Magen reizen.

VOGEL-Miere – Der Name ist Programm

Die Vogelmiere wird in manchen Gegenden auch „Hühnerdarm“ oder „Hühnerabbiss“, genannt. Das hat einen triftigen Grund, denn Vögel und Hühner lieben diese Pflanze. Schon im 16. Jahrhundert fütterten die reichen Bürger ihre Kanarienvögel damit und die Bauern glaubten ihre Hühner würden dadurch mehr Eier legen. Aber das Vogelkraut wurde damals auch von Menschen gegessen: In Fleischbrühe gekocht galt es als „gesunde Speis“ bei auszehrenden Krankheiten.

Eine grüne Mineralien-Bombe

Zwei Blüten zeigen exemplarisch wie die Vogelmiere aussieht.

©Rudi Beiser

Klein und zarte sind die Blüten der Vorgelmiere, die mitgenutzt werden können.

Mit der Vogelmiere können Sie im Handumdrehen das Mineralstoffdepot Ihres Körpers auffüllen. Sie zeichnet sich durch einen außergewöhnlich hohen Eisengehalt aus. Außerdem enthält sie sehr viel Kalium, das dafür sorgt, dass Herz, Nerven und Muskeln gut funktionieren. Im Vergleich zu Chinakohl enthält die Vogelmiere sage und schreibe 14-mal so viel Eisen, fast 4-mal so viel Kalium und 3-mal so viel Magnesium. Auch die wertvolle Kieselsäure, die Haut, Haare und Nägel gesund erhält, ist reichhaltig vertreten.

Schon vor Jahrhunderten als Heilpflanze bekannt

In der Volksheilkunde der vergangenen Jahrhunderte war die Vogelmiere eine bekannte Heilpflanze. Man legte das zerquetschte Kraut äußerlich auf Wunden und Hauterkrankungen. Der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp empfahl das Gartenunkraut bei Husten. Das war aus heutiger Sicht eine sinnvolle Verordnung, denn die Pflanzen enthält schleimlösende Saponine. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben einige Überraschungen zutage gefördert: Die Vogelmiere kann leicht erhöhten Blutdruck senken und sich positiv auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirken, woran unter anderem die enthaltenen Fettalkohole beteiligt sind.

Rezept für einen Power-Smoothie mit Vogelmiere (vegan)

Zutaten

  • 2 Handvoll Vogelmiere
  • 2 Bananen
  • 1 Apfel
  • 1 Kiwi
  • Saft einer halben Zitrone
  • nach Bedarf 100–200 ml Wasser, Saft, Reismilch oder Hafermilch

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Mixer geben und solange pürieren bis ein cremiger Saft entstanden ist. Je nachdem wie „smooth“ er sein soll, variieren Sie mit der Zugabe von Wasser, Saft bzw. Hafermilch. Der Powertrunk deckt locker den Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralien.

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Bildquellen

  • staengel-der-vogelmiere: ©Rudi Beiser
  • zarte-pflaenzchen: ©Rudi Beiser
  • zarte-bluetchen: ©Rudi Beiser
  • vogelmiere: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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