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Der Garten im Sommer: Richtig gießen!

Diese Topfpflanzen hier sind gut gewässert und genießen die Sonne.

Wasser ist für Pflanzen, wie auch für uns Menschen, überlebenswichtig. Deshalb müssen sie regelmäßig damit versorgt werden. Gerade im Sommer kann das eine zeitaufwendige Angelegenheit werden, vor allem bei Topfpflanzen, die hohe Verdunstungsverluste aufweisen. Auch wenn das Gießen zu den einfachen Gartentätigkeiten zählt, kann man dabei doch einige Fehler machen. Mit den nachfolgenden Tipps kann allerdings nichts schiefgehen:

Es kommt auf den Durst der Pflanze an: Nicht alle wollen das Gleiche!

Die beiden mediterranen Pflanzen fühlen sich and er warmen Hauswand wohl.

©Rudi Beiser

Mediterrane Pflanzen wie Lavendel oder Rosmarin brauchen auch im Topf weniger Wasser.

Auch bei den Pflanzen gibt es Schluckspechte und Asketen. Wenn Sie Ihre Pflanzen genau anschauen, können Sie den Wasserbedarf leicht an den Blättern erkennen: Pflanzen mit großen, zarten Blättern und weichen Blattoberflächen wie Hortensien, Funkien, Engelstrompete, Ananassalbei oder Kopfsalat verdunsten sehr viel Wasser. Bei diesen durstigen Pflanzen steigt der Wasserbedarf, je heißer es wird. In diesem Fall müssen Sie eventuell sogar zweimal täglich gießen. Pflanzen mit kleinen drahtigen Blättern und harten Blattoberflächen wie Rosmarin, Lavendel oder Thymian sind von Natur aus Hitze und Trockenheit gewohnt. Sie müssen daher viel weniger gewässert werden. Auch stark behaarte Blätter (Königskerze) oder fleischig verdickten Blätter (Fetthenne), weisen darauf hin, dass hier wenig Wasser benötigt wird.

Am besten Sie gießen ihre Schützlinge mit weichem Regenwasser. Leitungswasser sollten Sie auf jeden Fall zuvor etwas stehen lassen, damit es sich erwärmen kann. Denn eine kalte Dusche setzt vor allem Topfpflanzen unter Stress. Bedenken Sie beim Leitungswasser die Wasserhärte (Kalkgehalt). Es gibt einige Pflanzen, die Kalk nicht so gerne mögen wie Arnika, Heidelbeeren oder Rhododendren.

Topfpflanzen sind besonders durstig

In Töpfen und Kästen steht den Wurzeln nur eine begrenzte Menge Erde zu Verfügung. An windigen und sonnigen Plätzen kommt es schnell zur Verdunstung des Wassers und der Topf trocknet aus. Deshalb sollten Sie vor allem in Töpfen regelmäßig die Bodenfeuchtigkeit kontrollieren. Um im Sommer seltener gießen zu müssen, ist man geneigt, kräftig Wasser zu geben. Doch der ständige Wechsel zwischen extrem trocken und extrem nass bedeutet für Topfpflanzen Stress. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig aber mäßig zu gießen. Je nach Standort und Pflanze kann das zweimal täglich oder auch nur einmal wöchentlich sein. Auch die Topfgröße ist entscheidend, denn je mehr Erde, desto mehr Wasser kann gespeichert werden. Noch ein anderer Grund spricht für größere Töpfe: Im Sommer sind die Wurzeln innerhalb des Topfes enormen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Dieser Hitze- und Trockenheitsstress in der Wurzelzone ist dafür verantwortlich, dass Topfpflanzen so häufig mit Läusen befallen werden.

Was Sie tun können, damit das Wasser nicht so schnell verdunstet

©Rudi Beiser

Unter der Mulchschicht bleibt die Erde krümelig und feucht.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Verdunstung des Wassers zu begrenzen. Die traditionelle Methode ist das regelmäßige Hacken der Erde. Dadurch werden die Kapillaren zerstört und die Erde bleibt länger feucht. Die Kapillaren sind hauchdünne senkrechte Kanäle, über die das Bodenwasser an die Oberfläche steigt und verdunstet. Eine alte Gärtnerweisheit sagt: „Einmal hacken spart zweimal gießen.“ Außerdem ist durch das Hacken die Erdoberfläche weniger verkrustet, sodass Gieß- und Regenwasser direkt in den Boden sickern kann. Noch besser lassen sich Feuchtigkeitsverluste durch das Mulchen verhindern. Unter Mulchschichten aus Grasschnitt oder anderen organischen Materialien bleibt die Erde feucht und krümelig. Außerdem verhindert Mulchen den Aufwuchs von unliebsamen „Unkräutern“ und ernährt das wertvolle Bodenleben.

Links wurde frisch Grasschnitt aufgetragen und rechts sieht man, wie das Gras zusammengefallen, trocken und halb verrottet langsam in den Boden übergeht.

©Rudi Beiser

Der Grasschnitt schützt den Boden. Hier sehen Sie links die frisch aufgetragene Mulchschicht und rechts, wie der Zersetzungsprozess fortgeschritten ist. Dieser Bodenschutz ist gleichzeitig ein Düngemittel.

Wasser marsch? Zuviel ist auch nicht gut.

Verwöhnen Sie Ihre Gartenpflanzen aber nicht mit zu viel Wasser, sonst halten sie es nicht für nötig, ein robustes Wurzelsystem aufzubauen. Gießen Sie also nicht zu häufig, aber dafür dann ausreichend. Denn die Gartenerde soll vor allem in den tieferen Schichten durchfeuchtet werden. Dadurch wurzeln Pflanzen wesentlich tiefer und sind auch bei längeren Hitzeperioden noch in der Lage, an tieferliegendes Wasser zu gelangen. Außerdem werden sie dadurch standfester. Wird täglich, aber zu wenig gegossen, verdunstet viel Gießwasser und die Pflanzen wurzeln nur oberflächlich, was sie sehr anfällig bei Hitzeperioden macht. Ein normaler Boden wird von 10 Liter Wasser je Quadratmeter nur 10 cm tief befeuchtet, während 20 Liter schon 20 cm tief sickern.

Morgens? Mittags? Abends? Wann wird gegossen?

Vor allem im Sommer ist es sehr ungünstig, in der Mittagshitze zu gießen, da das Wasser sehr schnell verdunstet. Außerdem können in der vollen Sonne Wassertropfen auf den Blättern wie Brenngläser wirken und die Zellen schädigen. Weit verbreitet ist das abendliche Wässern. Das hat zwei Nachteile: zum einen lockt es während der Nacht Schnecken an und zum anderen fördert es Pilzerkrankungen, da es um die Pflanze herum sehr lange feucht bleibt. Mein Tipp lautet: Früh morgens gießen! In den kühleren Morgenstunden passt die Temperatur der Pflanze, die ja nachts abkühlt, sehr gut zur Temperatur des Wassers. Bis zur Mittagshitze ist das Wasser im Boden versickert und die Pflanzenwurzeln können es zu der Zeit aufnehmen, wenn sie es am dringlichsten benötigen.

 

 

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Bildquellen

  • Mediterrane Pflanzen: ©Rudi Beiser
  • Krümelige Erde: ©Rudi Beiser
  • Mulchen: ©Rudi Beiser
  • Richtig Gießen: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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