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Lavendel – der Sommerduft der Provence

Nahhaufnahme von Blüten

Die himmelblauen Lavendelfelder in der Provence zieren unzählige Postkarten und Fotokalender und haben so manches Fernweh nach dem Süden ausgelöst. Inzwischen ist das südländische Gehölz auch bei uns etabliert und zaubert in so manchen Garten ein mediterranes Flair. Was unsere Gärten und Parks bevölkert ist jedoch oft nicht der Echte Lavendel. Selbst auf den Feldern der Provence ist er sehr selten anzutreffen. Weshalb ist der Echte Lavendel ins Hintertreffen geraten und wer ist an seine Stelle getreten? Ich habe Ihnen viel Wissenswertes rund um den Lavendel zusammengetragen.

Lavendel ist nicht immer Lavendel: Die verschiedenen Arten

Auf den Feldern der Provence und in vielen Kräutergärten wächst nicht der Echte Lavendel, sondern zu fast 90 Prozent eine Hybride aus zwei Lavendel-Arten. Die beiden „Eltern“ dieser Kreuzung sind der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) und der Speick-Lavendel (Lavandula latifolia). Das „Kind“, das beim Techtelmechtel der beiden Lavendel-Arten herauskam, ist der sterile Lavendin (Lavandula x hybrida), den man überwiegend für die Parfümindustrie nutzt. Wie unterscheiden sich nun die verschiedenen Lavendelarten?

Der Echte Lavendel

Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) hat seine ursprüngliche Heimat in der Hochprovence in Höhen von 800-2000 m. Der halbkugelförmige Strauch wird 50-70 cm hoch und seine Hauptblütezeit ist von Mitte Juni bis Mitte Juli. Nur diese Lavendelart ist von den Arzneibüchern als Heilpflanze anerkannt. (siehe großes Bild oben)

Der Speick-Lavendel

Der Speick-Lavendel (Lavandula latifolia) wird etwas größer (80-90 cm hoch) und besitzt zudem größere und breitere Blätter („latifolia“ bedeutet breitblättrig) als der Echte Lavendel. Seine langen Blütenähren erscheinen etwa vier Wochen später, also erst im August. Er ist wärmebedürftiger als der Echte Lavendel und wächst deshalb nicht über 1000 m Höhe. Sein Blütenduft ist weniger blumig, sondern mehr kampferartig.

© Rudi Beiser

Der große Speick-Lavendel wirkt nicht beruhigend, sondern ist eher ein Wachmacher.

Der Lavendin

Der Lavendin (Lavandula x hybrida) sieht im Vergleich zu seinen „Eltern“ vor allem dem Speik-Lavendel ähnlich. Er wird etwa 1 m groß und hat sehr lange Blütenähren. Lavendin ist allerdings eine sterile Hybride, ist also unfruchtbar und muss deshalb vegetativ über Stecklinge vermehrt werden. Heutzutage wird der Nachwuchs im Labor aus Pflanzenzellen geklont. Die dadurch entstehende genetisch einheitliche Rasse erklärt den gleichförmigen Eindruck der Lavandinfelder in der Provence. Der Lavandin brachte der industriellen Landwirtschaft entscheidende Vorteile, weshalb er den Echten Lavendel verdrängte: Die Hybride ist sehr ertragreich und durch die längeren Blütenstängel leicht mit Maschinen zu ernten. Die Pflanze ist sehr robust und kann auch in niedrigen Lagen problemlos angebaut werden. Die Ölausbeute ist viel höher, die Duftqualität gilt allerdings als minderwertiger.

Ein Busch Lavendin in voller Größe. © Rudi Beiser

Typisch für den Lavendin: sehr lange Ähren.

Welchen Lavendel haben Sie?

Leider wird der Lavendin fälschlicherweise sehr oft als Lavendel angeboten. Schauen Sie sich deshalb ihren Lavendel im Garten mal genauer an. Wenn die Blüten auf sehr langen Stängeln sitzen und die Ähre eher eine zugespitzte Form hat, dann ist es vermutlich nicht der Echte Lavendel. Der hat nämlich kürzere Ähren und die Form des Blütenköpfchens ist eher abgerundet (siehe Fotovergleich). Ein weiterer Abgrenzungspunkt ist die Blütezeit, denn Lavendin beginnt erst mit der Blüte, wenn der Echte Lavendel schon abgeblüht ist. Auch der Duft des Echten Lavendels viel blumiger. Die Blütenfarbe selbst ist allerdings kein Unterscheidungsmerkmal: Aus dem Echten Lavendel sind inzwischen sehr viele Züchtungen mit unterschiedlicher Blütenfarbe entstanden. Die Variationen reichen von fast weiß (‘Nana Alba’) über rosa (‘Miss Katherine’, ‘Rosea’) zu blau (‘Cecilia’, ‘Munstead’) bis hin zu tiefem Dunkelviolett (‘Hidcote Blue’, ‘Royal Purple’). Die Farbe der Blüten hat keinen Einfluss auf die Heil- und Duftqualität.

Jeweils drei Blütenstängel mit Beschriftung © Rudi Beiser

An der Form der Blütenähren kann man die verschiedenen Lavendelarten unterscheiden.

Letztendlich ist es nicht weiter schlimm, wenn sie einen „falschen“ Lavendel im Garten haben, denn alle Lavendelarten sind wunderschöne Blüten- und Duftpflanzen und werden gleichermaßen von den Bienen geliebt. Lediglich in der Heilwirkung unterscheiden sie sich, da vor allem das ätherische Öl eine andere Zusammensetzung hat (siehe unten).

Jeder Lavendel braucht Sonne und Kalk

Egal welchen Lavendel Sie besitzen, die Standortansprüche aller Arten sind sehr ähnlich. Der Südländer ist eine ideale Pflanze für Steingärten, Kräuterspiralen oder Kräutermauern. Der winterfeste, immergrüne Strauch liebt es vollsonnig und warm. Am besten entwickelt sich der mediterrane Gast auf durchlässigen, sandigen und kalkhaltigen Böden. Der Kalkgehalt ist beim Lavendel besonders wichtig, um viele duftende Blüten auszubilden. Vom Kalkgehalt des Bodens ist auch die günstige Entwicklung der Inhaltsstoffe abhängig. Außerdem bevorzugt Lavendel trockene Standorte und ist sehr anspruchslos bezüglich der Düngung. An feuchten und gut gedüngten Plätzen wird er nicht sehr alt und bildet auch weniger ätherisches Öl aus.

Tipps zur Blütenernte und richtiger Schnitt

Der ideale Erntezeitpunkt des Lavendels ist erst dann, wenn fast alle Blüten eines Blütenstandes geöffnet sind. Im unteren Drittel der Scheinähren sind die Blüten nun teilweise schon verwelkt. Meist ist dieser Zustand schon Ende Juni erreicht. In diesem Stadium ist der Ölgehalt am größten und die Zusammensetzung und das Aroma des ätherischen Öles am besten.

Die Trocknung der Blüten erfolgt schonend bei mäßiger Wärme. Damit die Farbe erhalten bleibt, darf nur im Schatten getrocknet werden. Die Blühtriebe können zum Trocknen als locker gebundene Büschel aufgehängt werden oder man legt sie in dünnen Schichten auf Trockensiebe.

Die Lavendelsträucher werden nach der Blütenernte im Juli kuppelförmig zurückgeschnitten. Dabei wird aber nicht ins Holz geschnitten. Der Rückschnitt sollte nicht später als Ende September erfolgen, da sonst die Winterhärte herabgesetzt wird. Ins Holz geschnitten wird allerdings beim Verjüngungsschnitt: Ältere Pflanzen sollten Sie alle 3-4 Jahre im Frühling kräftig zurückschneiden, um einen buschigen Wuchs anzuregen.

Der Duft von Sauberkeit: Wie der Lavendel in den Schrank kam

Der Echte Lavendel wird von den antiken Autoren erstaunlicherweise nicht als Heilpflanze erwähnt, sondern als Badezusatz und Wäschebedufter. Vor allem in der römischen Badekultur spielten Lavendelblüten wegen dem frischen Geruch eine wichtige Rolle. Sogar der deutsche Name Lavendel erinnert noch an diese alte Verwendungsweise. Er ist von dem lateinischen Gattungsnamen „lavandula“ abgeleitet. Dieser wiederum kommt vom lateinischen „lavare“ = „waschen“. Man glaubte damals, dass der Lavendelduft Ungeziefer wie Motten, Milben und Läuse vertreiben würde. Auch die Klosterfrau Hildegard von Bingen rühmte seine starke Wirkung gegen Läuse. Daher kommt der Brauch, Lavendelsäckchen in den Wäscheschrank zu legen. Dort sorgt er für duftende Wäsche und hält Motten fern. Doch Vorsicht: Lavendelduft vertreibt leider nur Kleider-Motten; Lebensmittel-Motten, die sich gerne in Getreide, Kräutern und Trockenfrüchten einnisten, werden dadurch angelockt!

Ein Stapel lila Lavendelsäckchen © CC0 / hoeldino

Beliebtes Urlaubsmitbringsel aus der Provence, aber auch ein hübschen Weihnachtsgeschenk mit getrocknetem Lavendel aus dem eigenen Garten.

Eine Wohltat fürs Nervensystem: Lavendel als Heilpflanze damals und heute

Erst im späten Mittelalter wurde der Lavendel als Arznei beliebt. Interessanterweise findet man aber kaum Hinweise auf die heutige Nutzung als beruhigende und entspannende Heilpflanze. Damals verwendeten ihn die Ärzte als harntreibendes Mittel, gegen Blähungen, zur Menstruationsförderung sowie bei Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und Schlaganfall.

Heute steht die Wirkung des Lavendels auf das Nervensystem im Vordergrund, denn diese sind wissenschaftlich anerkannt. Dabei nutzt man nur die Blüten des Echten Lavendels. Er wirkt beruhigend, entspannend, nervenstärkend und krampflösend. Es ist sozusagen die ideale Heilpflanze bei Stress, nervöser Erschöpfung, Einschlafproblemen, nervösen Magenbeschwerden und Spannungskopfschmerzen. Für einen Tee nimmt man 2 TL Blüten auf eine Tasse heißes Wasser und lässt 5-10 Minuten ziehen. Entspannung pur bringt eine Teemischung aus 2 Teilen Melisse und 1 Teil Lavendelblüte. Man kann den Lavendel auch als Duftsäckchen und Badezusatz nutzen.

Die Tatsache, dass nur der Echte Lavendel medizinisch genutzt wird, heißt noch lange nicht, dass die anderen Lavendelarten unwirksam sind. Sie wirken aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung des ätherischen Öls allerdings nicht beruhigend: Der Speick-Lavendel wirkt antibakteriell und schleimlösend. Er ist deshalb besonders wirkungsvoll bei Erkrankungen der Atemwege. Wegen des hohen Kampferanteils verfügt er über keine sedierenden Eigenschaften, sondern er macht eher wach! Auch der Lavandin ist kein schlaffördernder Lavendel. Sein ätherisches Öl eignet sich aber sehr gut zur Wunddesinfektion und Wundheilung.

Die Heilkraft des Lavendelöls – unterschiedliche Qualitäten beachten!

Bekannt geworden ist Lavendel vor allem wegen seinem ätherischen Öl. Dafür wird er in der Provence schon seit dem 16. Jahrhundert in großen Mengen angebaut. Das kostbare Öl ist Bestandteil vieler berühmter Parfüms geworden. Doch das ätherische Öl ist nicht nur gut für Kosmetik, es ist auch maßgeblich an der Heilwirkung des Lavendels beteiligt. Es ist durch Studien belegt, dass das ätherische Lavendelöl stimmungsaufhellende und angstlösende Wirkungen besitzt. Es wirkt aber nicht nur im Bereich der Psyche, sondern es ist auch antimikrobiell, wundheilungsfördernd und schmerzstillend. Besonders hervorzuheben ist dabei die Wirkung bei Verbrennungen. Das ätherische Öl kann pur aufgetragen werden. Die Schmerzen lassen schnell nach. Der Heilungsprozess wird angeregt und die Bildung neuer Hautzellen beschleunigt. Dieses Wundermittel bei Verbrennungen und Sonnenbrand gehört als „Erste-Hilfe-Öl“ in jede Hausapotheke.

Das ätherische Lavendelöl ist außerdem sehr wirkungsvoll bei Pilzinfektionen der Haut, denn es wirkt fungizid. Bei Insektenstichen können die Wirkstoffe des Lavendels die Giftstoffe neutralisieren. Das unverdünnte Öl wird dazu direkt auf die Stiche von Bienen, Wespen oder Stechmücken aufgetragen.

Das ätherische Öl des in den Bergen wild geernteten Echten Lavendels wird als „Lavendel extra“ gehandelt und gilt als bestes und wertvollstes Lavendelöl. Es muss mühsam in schwer zugänglichen Gebirgslagen mit Hand geerntet werden. Als „Lavendel fein“ wird das Öl von in niederen Lagen angebautem Echtem Lavendel gehandelt.

Lavendel-Wundtinktur

Zutaten

  • 10 g frische Lavendelblüten
  • 7,5 g frische Johanniskrautblüten
  • 7,5 g frische Ringelblumenblüten
  • 100 ml Alkohol 70% vol.

So geht’s

Die Kräuter werden zusammen mit dem Alkohol in einem Mörser oder einem Mixer zu einem dickflüssigen Brei verarbeitet. Diesen in ein Schraubglas füllen und mit geschlossenem Deckel 10 Tage ziehen lassen und dabei täglich umrühren. Nun wird die Tinktur zunächst durch ein feines Sieb und anschließend durch einen Kaffee- oder Teefilter abgefiltert. Mit dieser Wundtinktur werden kleine Wunden desinfiziert und bei größeren Wunden die Wundränder betupft. Für Umschläge werden 1-2 TL Tinktur mit 100 ml abgekochtem Wasser verdünnt.

Ein Parfüm für die Küche

Lavendel ist ein eher ungewöhnliches Küchen-Gewürz. Lediglich in der provenzalischen Küche findet man zahlreiche Lavendelrezepte. Deshalb sind Lavendelblüten manchmal Bestandteil der Gewürzmischung Herbes de Provence. Die Blüten verströmen einen süßen parfümartigen Duft. Wegen dieser lieblichen Note eignen sie sich als ausgefallene Würze für Konfitüre, Obstsalate, Eis und Gebäck. Dosieren Sie damit sparsam, sonst dominiert im Gericht das Parfümartige. Außerdem können Sie damit Essig, Sirup und Zucker aromatisieren.

Lavendel, Rosmarin und Thymian in einem weißen Teller © CC0 / gate74

Beim Kochen und Backen mit Lavendel muss man die Dosierung gut im Auge behalten, sonst schmeckt es schnell seifig.

Lavendelwölkchen

Zutaten

  • 150 g Butter
  • 110 g Vollrohrzucker
  • 1 Ei
  • 2 EL frische oder 1 EL getrocknete Lavendelblüten
  • 1 Tropfen ätherisches Lavendelöl
  • 1 EL abgeriebene Zitronenschale
  • 180 g Dinkelmehl
  • 1 TL Backpulver

So geht’s

Rühren Sie Butter, Zucker und Ei schaumig. Lavendel, ätherisches Öl, Zitronenschale, Mehl und Backpulver dazurühren. Den Teig setzen Sie teelöffelweise auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech. Genügend Abstand lassen, weil die Häufchen beim Backen auseinanderlaufen. Bei 180° C 10–15 Minuten goldgelb backen.

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Bildquellen

  • speick-lavendel: © Rudi Beiser
  • lavendin: © Rudi Beiser
  • vergleich-lavendelarten: © Rudi Beiser
  • lavendelsaeckchen: © CC0 / hoeldino
  • lavendel-als-kuechenkraut: © CC0 / gate74
  • echter-lavendel: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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