Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Basilikum selbst anbauen: Expertenwissen rund um das Würzkraut

Lila und grüne Blätter in einem Weidenkorb.

Wer kennt nicht das berühmte Basilikum-Pesto aus Ligurien, das jedes Pastagericht zu einem Genuss werden lässt. Geschmacklich ist Basilikum wirklich ein tolles Kraut. Allerdings sind die käuflichen Basilikumpflänzchen nicht die beste Qualität. Sie sind meist so instabil, dass sie nur ein Plastikhäubchen am Umfallen hindert. Geben Sie sich also nicht mit der Basilikum-Massenware zufrieden, denn das ist nur ein Abklatsch von dem, was beim eigenen Anbau an Qualität möglich ist. Richtig gepflanzt, gepflegt und geerntet wird das Basilikum seinem alten Namen Königsbalsam alle Ehre machen und wahrhaft königliche Aromen ausbilden. Auch der botanische Name Ocimum basilicum gibt ähnliche Hinweise bezüglich des Aromas: Er bedeutet „königlich duftend!“

Erster Tipp für den Anbau von Basilikum: Bloß keine Kälte

Basilikum kommt aus den tropischen Gebieten Asiens und Afrikas und ist deshalb ist sehr kälteempfindlich. In nasskalten Jahren hat es Basilikum im Freiland schwer, denn unter 12  C wächst es nicht. Die allermeisten Sorten sind einjährig. Mehrjährige Arten können Sie wegen der Frostempfindlichkeit nicht im Freien kultivieren. Geben Sie Ihrem also Basilikum möglichst sonnige, warme und geschützte Plätze. Der Boden sollte humusreich, gut durchlässig, aber gleichmäßig feucht sein. Trotz Wasserbedürftigkeit verträgt es keine Staunässe. Basilikum gehört zu den Kräutern, die etwas mehr Nährstoffe benötigen. Geben Sie ihm deshalb ins Pflanzloch eine kräftige Portion Kompost.

© Rudi Beiser

Die durch „Streicheln“ robust gewordenen
Basilikum-Setzlinge dürfen ins Freiland.

Basilikum muss im Warmen vorgezogen werden. Das geschieht ab März in Saatschalen. Der Lichtkeimer wird nicht mit Erde bedeckt, sondern in feuchte Erde gesät und lediglich angedrückt. Nun wird das Saatgut lediglich feucht gehalten, dann keimt es schnell und zuverlässig. Um die Sämlinge robust zu machen und um das Immunsystem zu trainieren, werden sie täglich kräftig „gestreichelt“. Auf diese Reize reagieren die Pflänzchen mit Schutzstoffen, mit denen sie sich später im Freien besser gegen Schädlinge und Krankheiten durchsetzen können. Sobald sich die ersten Blattpaare gebildet haben, werden die Pflänzchen einzeln in kleine Töpfchen pikiert. Dort entwickeln sie sich zu kräftigen Pflanzen, die dann erst nach den Eisheiligen ins Freie dürfen.

Basilikum richtig ins Freie pflanzen

Setzen Sie die Pflänzchen am besten in Reihen, auf 25 cm Abstand. Den ersten erscheinenden Blütenansatz, den Hauptblütentrieb, brechen Sie heraus, damit der Wuchs buschiger wird und sich mehr Blattmasse entwickeln kann. Ernten Sie keine einzelnen Blätter, sondern immer ganze Triebe, die gerade zu blühen beginnen. Bei Blühbeginn ist das Aroma am besten. Die aromareichen Lippenblüten werden mitverwendet. Am besten Sie schneiden den blühenden Busch zur Erntezeit zwei Handbreit über dem Boden ab. Das ermöglicht einen kräftigen Neuaustrieb und eine zweite Ernte im September. Probleme gibt es im Anbau vor allem mit Schnecken und Pilzerkrankungen.

Blick auf eingepflanzten Setzling, der angegossen wurde. © Rudi Beiser

Die Setzlinge werden im Abstand von 25 cm in der Reihe ausgepflanzt.

Basilikum eignet sich auch sehr gut für den Topfgarten. Vermeiden Sie aber, zu viele Pflanzen in einen Topf zu säen, denn diese können sich in Konkurrenz nicht zufriedenstellend entwickeln. Am besten Sie setzen immer nur eine Pflanze in einen Topf mit mindestens 10 cm Durchmesser.

Verwirrende Vielfalt aus allen Kontinenten

Es gibt weltweit etwa 65 Basilikum-Arten. Vor allem die Art Ocimum basilicum spaltet sich in viele Varietäten und von Menschenhand selektierte Sorten auf. Deshalb gibt es innerhalb dieser Art unglaubliche Schwankungen in der Zusammensetzung des ätherischen Öls. Man nennt solche Varianten Chemotypen. Genauso wie der Duft, so kann auch die Blüten- und Blattfarbe variieren. Es gibt weiße, rosa und violett blühende Sorten. Die Anzahl der Sorten und Arten ist außergewöhnlich verwirrend, sodass selbst Botaniker den Überblick verlieren können.

In gut sortierten Kräutergärtnereien bekommen Sie ein großes Angebot an Samen und Pflanzen, sodass Sie sich ein wahres Basilikum-Paradies anlegen können. Im Folgenden stelle ich Ihnen einige empfehlenswerte Sorten vor.

Geertete Zweige liegen übereinander © Rudi Beiser

Verschiedene Sorten Basilikum nach der Ernte: Von wegen nur grün – Basilikum ist alles andere als eintönig.

Besonders empfehlenswerte Basilikum-Sorten im Überblick

Das in Europa üblicherweise genutzte grünblättrige Basilikum (Ocimum basilicum var. majus) ist ein Mittelmeertyp, mit dem klassischen Pestoaroma. Empfehlenswerte Sorten, die diesen großblättrigen Typus repräsentieren sind beispielsweise ‚Genoveser‘, ‚Großes Grünes‘, ‚Crispum‘, ‚Neapolitanisches‘ oder ‚Green Ruffles‘.

Das gleiche Aroma wie der Mittelmeertyp besitzen die roten Sorten (Ocimum basilicum var. purpurascens), oft sind sie sogar noch etwas kräftiger im Geschmack. Rotes Basilikum wie ‚Amethyst‘, ‚Dark Opal‘, ‚Osmin‘, ‚Purple Ruffles‘ oder ‚Rubin‘ hat durch die purpurroten Blätter einen erstaunlichen Zierwert, der sich nicht nur im Gartenbeet, sondern auch auf dem Teller bemerkbar macht.

Nachaufnahme der dunkel-lila Blätter © Rudi Beiser

Rotes Basilikum (Sorte Osmin)

Das Griechische Buschbasilikum (Ocimum basilicum var. minimum) hat kleine Blätter und ein kräftiges Aroma. Es ist im Anbau sehr robust und eignet sich besonders für den Topfgarten. In Griechenland wird es zur Fliegenabwehr gerne an Türen und Fenster gestellt. Bei uns wird es einjährig kultiviert, in warmen Gefilden ist es mehrjährig.

Das Zimt-Basilikum (Ocimum basilicum var. cinnamomum), manchmal auch Mexikanisches Gewürzbasilikum genannt, ist eine wunderschöne robuste Pflanze für den Anbau. Sie besitzt ein süßlich-warmes Zimtaroma, das auch sehr gut in Genuss-Tees zur Geltung kommt.

Das bekannteste Thai-Basilikum namens Horapha (Ocimum basilicum var. thyrsiflorum) hat eine süßlichen Anis-Lakritz-Duft, weshalb es auch als Anis-Basilikum gehandelt wird. Sein Duft entströmt in Vietnam und Thailand fast jedem Kochtopf. Empfehlenswerte Sorten dieser Varietät sind ‚Siam Queen‘, ‚Thai Magic‘ und ‚Purple Crown‘.

Zitronig duftendes Basilikum kommt, je nach zuordnendem Botaniker, entweder aus den Arten Ocimum americanum, Ocimum citriodorum oder Ocimum pilosum. Wie dem auch sei, die verschiedenen Sorten haben ein feines Zitronenaroma mit einem Hauch Thymian im Hintergrund. Sie sind überall zu gebrauchen, wo Zitronendüfte gewünscht sind. Insbesondere eignen sie sich auch wunderbar für Tee.

© Rudi Beiser

Das dunkel-lila blühende Zimt-Basilikum sieht auch optisch schön aus.

Mehrjährige Basilikum-Arten mit herben Aromen

Von den mehrjährigen Arten ist vor allem das Kampfer-Basilikum (Ocimum kilimandscharicum) bekannt geworden. Wie alle afrikanischen Basilikums hat es ein strenges Kampferaroma. Die beliebteste Sorte ist die Züchtung ‚African Blue‘ mit dunklem Laub. Durch das intensive herbe Aroma ist es für die Küche zunächst gewöhnungsbedürftig. In diesem Fall gebe ich Mittelmeertypen wie dem ‚Genoveser‘ den Vorzug.

Das über 1 m hohe Ostindische oder Afrikanische Baum-Basilikum (Ocimum gratissimum) stammt aus den Tropen Asiens und Afrikas. Es besitzt einen sehr interessanten intensiv würzigen Geschmack nach Nelken, Zimt und Piment.

Das Heilige Basilikum (Ocimum sanctum, Syn. Ocimum tenuiflorum) heißt in Indien Tulsi, das bedeutet „die Unvergleichliche“. Die heilige Pflanze der Hindus ist der glücksbringenden Göttin Lakshmi und ihrem Gemahl Vishnu geweiht. Im Garten ist es sehr robust und kennt kaum Schädlinge und Krankheiten. Es wird einjährig kultiviert oder im Winter ins Haus genommen. Es gibt grünblättrige und rotblättrige Varietäten. Tulsi besitzt ein sehr exotisches Aroma mit Zimt, Nelke und Kampfer.

 

Mehrjährige Basilikumarten müssen Sie im Winter ins Haus oder Gewächshaus nehmen und wo sie möglichst bei 15–20 °C an einem hellen Ort überwintern. Sie benötigen in dieser Zeit dann auch etwas weniger Feuchtigkeit. Die meisten ausdauernden Arten besitzen sehr intensive, etwas strenge Aromen, deshalb eignen sie sich auch sehr gut zum Räuchern.

Ein Weltenbummler auf Reisen: Herkunft und Brauchtum des Basilikums

Die meisten Menschen glauben, Basilikum sei ein urwüchsiger Italiener. Dem ist aber nicht so: Einige Basilikumarten haben ihre Heimat in den tropischen Gebieten Afrikas; die meisten kulinarisch genutzten kommen jedoch ursprünglich aus Indien. Die Art Ocimum basilicum wurde dort schon vor 5000 Jahren in Gärten kultiviert. Sie existiert nicht mehr als Wildform, sondern ist eine aus Züchtungen hervorgegangene Kulturpflanze. Von Indien ausgehend hat sich die Gartenpflanze auf der ganzen Welt verbreitet. Schon vor Tausenden von Jahren erreichte sie die alten Hochkulturen rund ums Mittelmeer. So auch Ägypten, wo man in den alten Grabkammern getrocknete Basilikumkränze entdeckte.

© Rudi Beiser

Das exotische, indische Tulsi wächst auch in unseren Gärten.

Da im hinduistischen Indien eine Basilikum-Art namens Tulsi als heilig galt, verbreiteten sich mit dem Basilikum auch viele daran gebundene Bräuche und Rituale. Sie hatten häufig eine Beziehung zum Totenkult, denn schon in Indien gab man den Verstorbenen ein Basilikumblatt mit auf die letzte Reise. So wurde Basilikum in Griechenland zur Friedhofspflanze, die auch Altäre zierte und zum Weihwasser versprengen genutzt wurde. Aber auch bei Liebesritualen hat das Basilikum seit alters her einen hohen Stellenwert. Nicht nur bei den Römern und Griechen, sondern auch in der mittelalterlichen Medizin findet man Hinweise auf die luststeigernde Wirkung. So schrieb der Arzt Tabernaemontanus (1520–1590): „Das Kraut bewegt zu ehelichen Werken und erwecket im Menschen Freude und Mut.“ Na dann: Guten Appetit!

Gut für Magen und Gehirn: Basilikum als Heilpflanze

Basilikum ist nicht nur ein leckeres Gewürz, sondern auch seit altersher als Heilpflanze bekannt: In erster Linie appetitanregend, verdauungsfördernd, entblähend und krampflösend. Außerdem scheint das „Hirnkraut“, wie es früher genannt wurde, die Konzentrationsfähigkeit positiv zu beeinflussen. Als Heilmittel in Verruf geraten ist es vor einigen Jahren wegen den im ätherischen Öl enthaltenen Stoffen Methyleugenol und Estragol. Sie sollen erbgutschädigend und krebserregend wirken. Wie so oft, macht aber hier die Dosis das Gift: Das reine ätherische Öl sollte vorsichtig angewendet werden, aber für Basilikum als Gewürz oder Tee gibt es keinerlei Bedenken. Es gibt es neuere Studien, die zum Ergebnis kommen, dass der Basilikumgenuss absolut unbedenklich ist, da die vielen darin enthaltenen gesundheitsförderlichen Polyphenole das Risiko minimieren.

Aus medizinischer Sicht muss die indische Basilikum-Art Tulsi besonders erwähnt werden. In der ayurvedischen Medizin ist es schon seit langem ein Allheilmittel. Neuere Untersuchungen bestätigen eine stressmindernde Wirkung sowie immunstimulierende Effekte. Außerdem wurden antimikrobielle und antidiabetische Wirkungen nachgewiesen.

Der Duft der mediterranen Küche: Duft und Geschmack

Basilikum zählt bei uns seit einigen Jahren zu den beliebtesten Küchenkräutern. Das bekannte grünblättrige Basilikum hat ein angenehmes pfeffrig-süßliches Aroma mit einem warmwürzigen Hauch von Nelke. Allerdings gibt es inzwischen im Handel unglaublich viele Arten, Sorten und Züchtungen (siehe oben), die alle in der Küche verwertbar sind. Dabei existieren vielschichtige Düfte, die an Anis, Zitrone, Zimt, Nelke oder Kampfer erinnern.

Nahaufnahme der Pflanze © Rudi Beiser

Grünes Basilikum (Sorte Genoveser)

Basilikum hat einer Vielzahl mediterraner Spezialitäten die Tür zur deutschen Küche geöffnet: Wer kennt nicht den Insalata Caprese, einen Tomatensalat mit Mozzarella und zerzupften Basilikumblättern, beträufelt mit einem fruchtigen Olivenöl und einem Hauch Balsamico-Essig. Die berühmteste Spezialität ist das Pesto, eine Spaghettisauce aus Basilikum, Olivenöl, Knoblauch, Parmesan und Pinienkernen. Basilikum passt aber nicht nur zu Tomaten, Pizza und Pasta, sondern auch zu Fisch, Huhn, mediterranem Gemüse, Pilz- und Reisgerichten, Suppen, Salaten, Kräuterbutter, Frischkäse und Eierspeisen. Sie können damit vorzüglich Wein, Tee, Likör sowie Essig und Öl aromatisieren. Zitronige und zimtige Sorten passen auch vorzüglich zu Süßspeisen.

Man nutzt vor allem die frischen Blätter, aber auch Blüten und Knospen sind außerordentlich aromareich. Sie werden immer erst am Schluss über die Speisen gegeben, um möglichst viel des frischen Geschmacks genießen zu können. Reißen Sie die Blätter in grobe Stücke oder schneiden Sie sie in Streifen, dann bleiben mehr Duftstoffe erhalten.

Küchentipp: Basilikum schmeckt am besten, wenn er zu blühen beginnt. Holen Sie sich Basilikum in den Garten, um ihn dann zum Zeitpunkt der Blüte zu ernten. Konservieren Sie ihn durch Einfrieren oder Einlegen in Öl. Beim Trocken verliert er einige seiner charakteristischen Aromen.

Zwei Hände schneiden Pflanzen © Rudi Beiser

Basilikum wird während der Blüte geerntet, denn dann ist das beste Aroma zu .erwarten

Rezept für Pesto Genovese

Zutaten

  • 125 g frisches Basilikum
  • 150 ml Olivenöl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 50 g Parmesan
  • 50 g Pinienkerne oder ersatzweise Sonnenblumenkerne
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 5 g Salz

Zubereitung

  1. Schneiden Sie das Basilikum mit einem scharfen Messer ganz fein und übergießen Sie es gleich mit Öl, damit die Aromen eingefangen werden. Nicht im Mixer pürieren, denn Basilikum hat eine hohe Oxidationsempfindlichkeit. Das Oxidieren der Phenole kann zu erheblichen Geschmackseinbußen führen.
  2. Knoblauchzehen dazupressen und frisch geriebenen Parmesan untermischen.
  3. Mit dem Wiegemesser zerkleinerte Pinienkerne, Zitronensaft und Salz zugeben und alles gut durchrühren.

Im Kühlschrank gelagert ist das Pesto einige Monate haltbar.

 

Lesetipp: Wenn Sie sich für den Anbau und die Verarbeitung von Gewürzen interessieren, empfehle ich Ihnen mein Buch „Kräuterglück“, erschienen beim Ulmer Verlag.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • basilikum-setzlinge: © Rudi Beiser
  • basilikum-ins-freie-pflanzen: © Rudi Beiser
  • verschiedene-basilikum-sorten: © Rudi Beiser
  • rotes-basilikum: © Rudi Beiser
  • zimt-basilikum: © Rudi Beiser
  • tulsi-basilikum: © Rudi Beiser
  • gruenes-basilikum: © Rudi Beiser
  • ernte-von-tulsi-basilikum: © Rudi Beiser
  • basilikum: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.