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Wildbienen – die unbekannten Helfer

Links im Bild sitzt eine schwarze bläuchlich schimmernde Holzbiene auf einer pinken Blüte, rechts teilen sich eine Hummel und eine Biene eine lila Blüte.

Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt unmittelbar von der Bestäubungstätigkeit der Bienen ab. Honigbienen allein können diese Leistung nicht erbringen. Was viele nicht wissen: Neben den Honigbienen gibt es zahlreiche Wildbienenarten. Um die 30.000 verschiedene Arten sind insgesamt, alleine in Deutschland leben etwa 580 Arten von ihnen.

Warum sind Wildbienen so wichtig?

Die Biene ist schwarz, sitzt aber dafür auf einer gelben Blüte.

©Josef A.

Die Kleine Sandbiene kommt in Blüten, für die Honigbienen zu groß sind.

Wildbienen sind als Blütenbestäuber von sehr großer Bedeutung, da sie andere und für Honigbienen weniger leicht zu erreichende Blüten ansteuern. So fliegen Wildbienen auch Blüten an, die im Bauminneren im Schatten liegen, was Honigbienen eher nicht tun. Diese beschränken sich zudem meist auf die Pflanzen in der Umgebung ihres Stocks, wenn das Angebot dort ausreichend ist. Manche Pflanzen, dazu gehört beispielsweise die Tomate, stehen bei Honigbienen gar nicht auf dem Speiseplan und brauchen andere Bestäuber. Bei wieder anderen Pflanzen verhindert die Anatomie der Honigbienen, dass sie an Pollen und Nektar herankommen. So ist bei manchen ihr Rüssel zu kurz, sie sind zu schwer oder zu groß.

Die verschiedenen Wildbienen mit ihren Spezialisierungen sind daher für die Bestäubung der Pflanzenwelt unverzichtbar. Dennoch steht laut BUND über die Hälfte der Wildbienen in Deutschland auf der Roten Liste. Das liegt unter anderem daran, dass manche Wildbienen auf das Vorkommen ganz bestimmter Blütenpflanzen angewiesen sind. Leider handelt es sich dabei oft um Gewächse, die den Stempel „Unkraut“ aufgedrückt bekommen. Auch deshalb ist es sehr wichtig, Naturräume und die darin vorkommende Pflanzenvielfalt zu schützen.

Unterschiede zwischen Wildbienen und Honigbienen

Der Hinterleib der Biene ist rostrot und hebt sich deutlich vom gelben Blütenstempel und den weißen Blütenblättern ab.

© Josef A.

Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint: Hier sitzt eine Wildbiene, und zwar eine Blutbiene.

Wildbienen werden wegen ihres Aussehens und ihrer Größe oftmals gar nicht als Bienen erkannt. Sie unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe: Die kleinste Wildbiene (Sand-Steppenbiene) misst nur 4 mm, die größte – die Blauschwarze Holzbiene – kann bis zu 25 mm groß werden. Je nach Art haben die Bienen viele oder keine Härchen, sind stärker gestreift oder gar nicht. Blutbienen beispielsweise haben rötliche Körper und erinnern überhaupt nicht an das Bild von Biene Maja.

Außer den Hummeln, die ebenfalls zu den Wildbienen zählen, bilden diese keine Staaten, so wie es Honigbienen tun. Sie leben solitär Bei den meisten Arten baut eine Mutterbiene alleine ein Nest für ihre Nachkommen und legt einen Nahrungsvorrat aus Pollen und Blütennektar an. Die Nester findet man häufig im Boden, in Lößwänden, trockenen Pflanzenstängeln, Totholz oder sogar in Schneckenhäusern. Diese geben einer ganzen Art ihren Namen: Die Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor). Sie verschließt ihre Eier und Vorräte in dem Gehäuse und dreht es so um, dass kein Regenwasser eindringen kann. Eine echte Spezialistin eben.

Wildbienen: Friedliche und nützliche Blumenliebhaber

Da Wildbienen, anders als Honigbienen und Wespen, keinen Staat und keinen Honig zu verteidigen haben, sind sie äußerst friedliche und sanftmütige Insekten. Sie stechen nur dann, wenn sie wirklich in akute Bedrängnis gebracht werden, wenn sie also eingequetscht werden oder zwischen Haut und Kleidung geraten.

Je nach Wildbienenart herrscht ein anderer Lebenszyklus

Auf der lila Blüte sitzt die nur sehr dünn gestreifte Furchenbiene.

©Josef A.

Diese Furchenbiene hat Glück: Sie findet in der Blüte Nahrung.

In unseren Breitengraden schlüpfen die ersten Wildbienen bereits Ende Februar. Andere erscheinen erst im September oder Oktober. Grund dafür ist, dass viele Wildbienenarten auf das Vorkommen ganz bestimmter Blütenpflanzen angewiesen sind, etwa auf Malven, Glockenblumen, Raps, Margeriten, Kamille, Schafgarbe oder Kleearten. Die Blühzeit der Nahrungspflanze muss mit der Lebens- und Flugzeit der Biene zusammenfallen. Werden die Wiesen im Jahr zu früh gemäht, kann das für entsprechend spezialisierte Wildbienenarten tödlich enden. Auch aus diesem Grund sind Wildbienen stark gefährdet und stehen unter Naturschutz.

Natürlich gibt es unter den Wildbienen auch „Generalisten“, die nicht an bestimmte Nahrungspflanzen gebunden sind. Sie sind jedoch ebenso auf eine breite Pflanzenvielfalt in ihrem Flugrevier und zu ihrer kurzen Lebenszeit angewiesen.

Helfen Sie Hosenbiene, Furchenbiene, Hummel und Co.

Wildbienen sind nicht nur fleißige Bestäuber und damit wertvolle Mitarbeiterinnen in der Landwirtschaft. Die friedlichen Insekten gehören zu den spannenden Tierarten vor unserer Haustür, die wir mit ein bisschen Geduld kennenlernen können. Wenn sie den heimischen Hosenbienen, Wollbienen, Langhornbienen, Wespenbienen, Blauschwarzen Holzbienen, Pelzbienen, Blattschneiderbienen, ihren vielen Verwandten und damit der Artenvielfalt unserer Natur etwas Gutes tun möchten, geben wir Ihnen ein paar Tipps. Sie haben weitere hilfreiche Wildbienen-Tipps? Wir freuen uns über Ihre Ergänzungen unten in den Kommentaren.

Die Hosenbiene auf dem Weg in ihr „Zuhause“. Sie lebt solitär, also alleine, in kleinen Erdlöchern im sandigen Boden.

So helfen Sie Wildbienen

  • Bienennahrung pflanzen: Sorgen Sie in Ihrem Garten oder auf Ihrer Wiese für eine breite Pflanzen- und Blumenvielfalt und bieten Sie damit den Wildbienen Nahrung. Die meisten bienenfreundlichen Pflanzen sind wahre Sonnenanbeter. Im Schattengarten freuen sich die kleinen Brummer zum Beispiel über Storchenschnabel und Lerchensporn.
  • Keine pollen- und nektarfreien Pflanzen kaufen: Achten Sie beim Pflanzenkauf darauf, dass ihre Blumen auch bestäubt werden können und Nektar bieten. Inzwischen gibt es Züchtungen, denen diese elementaren Eigenschaften fehlen.
  • Weniger und später mähen: Verzichten Sie auf das regelmäßige Abmähen von Wildblumen und lassen Sie diese mal etwas länger stehen.
  • Ungefüllte Blüten bevorzugen: Setzen Sie in Ihrem Garten nicht nur Pflanzen mit sogenannten „gefüllten“ Blüten, wie es sie bei Dahlien und Rosen gibt. Die vielen Blütenblätter verhindern, dass Bienen an die Pollen kommen.
  • Kräuter pflanzen: Die Blüten von Gartenkräutern sind ebenfalls eine gern gesehene Nahrungsquelle – noch ein Grund mehr für das Anlegen eines kleinen Kräutergartens oder einer Kräuterspirale.
  • Nistmöglichkeiten bereitstellen: Bieten Sie Nistplätze zum Beispiel mit Insektenhotels oder lassen Sie einen Teil Ihres Gartens unbearbeitet. Perfekte Nistplätze für Wildbienen sind Bohrlöcher in Lößwänden und Holzblöcken oder Schilfhalme und Bambusröhrchen.
  • Bewusst einkaufen: Unterstützen Sie mit Ihrem Einkauf Bio-Bauern und kleine Betriebe. Sie sorgen zum Beispiel durch den Anbau von alten – nicht industriell hochgezüchteten – Arten für eine größere Vielfalt und greifen nicht zum chemischen Rundumschlag gegen Insekten.
  • Leben und leben lassen: Wildbienen werden häufig mit Wespen, fliegenden Ameisen oder anderen Insekten verwechselt. Wenn sie also einen unbekannten fliegenden Gast in Ihrem Garten sehen, der sich an den Blüten Ihrer Ringelblumen oder Malven gütlich tut, fühlen Sie sich nicht bedroht, sondern freuen Sie sich über die sympathische Besucherin!

 

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Bildquellen

  • kleine-sandbiene: ©Josef A.
  • blutbiene-sphecodes-albilabris: © Josef A.
  • furchenbiene-halictus-quadricinctus: ©Josef A.
  • wildbienen: © Josef A.

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