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Imkern als Hobby: Honig selber machen und Bienen retten

Der Hobby-Imker betrachtet in Schutzkleidung gehüllt eine Platte aus dem Bienenstock.

Summ, summ, summ: Für Thilo aus dem Waschbär-Team ist das der Soundtrack zu seinem Hobby, dem Imkern. Seit fünf Jahren halten er und sein Vater Honigbienen im elterlichen Garten. Im Frühsommer herrscht hier reger Flugverkehr: Dann starten und landen unermüdlich die Arbeitsbienen. „Vollgepackt“ mit Nektar und Pollen schwirren die Heimkehrerinnen in den Bienenstock, wo die kostbare Fracht in Waben zu Honig heranreift. Sind die Waben voll und der Honig reif, können Thilo und sein Vater „ernten“. Für Thilo war das süße Gold, das seine fünf Bienenvölker ihm bescheren, jedoch nicht der eigentliche Grund für den Start ins Imkerleben. „Als Ausgleich zu meinem Job am Computer wollte ich eine Beschäftigung in und mit der Natur. Mit Bienen kann man Naturabläufe im Kleinformat bestaunen: Wie die Königin Eier legt, wie Bienen schlüpfen und sich zu Tausenden perfekt organisieren.“

Hobby-Imkern: Gut für die Bienen, gut für uns 

Das Modul mit darauf wimmelnden Bienen wird vom Hobby-Imker inspiziert. ®Tilmann Spellenberg

Alles in Ordnung im Bienenstaat? Hobby-Imker Thilo beim routinemäßigen Check.

Spaß und Freude steht im Vordergrund und man ist zufrieden, wenn Honig für den Eigenbedarf abfällt: Das Freizeit-Imkern boomt. Seit einigen Jahren steigen die Mitgliedszahlen im Deutschen Imkerbund kontinuierlich. Ende 2015 waren dort 103.370 Imker registriert, rund 80 Prozent von ihnen sind wie Thilo Hobby-Imker. Neben dem Wunsch nach einer naturnahen Freizeitgestaltung ist auch das weltweite Bienensterben ein Grund, warum immer mehr Menschen das Imkern für sich entdecken. Wer Bienen hält, sichert deren Bestand – und leistet obendrein einen Beitrag zum Naturschutz. Allein die Honigbiene, eine von rund 560 heimischen Bienenarten, bestäubt von der Karotte bis zum Apfel einen Großteil unserer Nutzpflanzen und viele Wildpflanzen. Damit sorgen die fleißigen Insekten für biologische Vielfalt – und für die Vielfalt auf unseren Tellern. Fleißige Bienen kann es daher nicht genug geben. Doch ebenso kann es nicht genug Imker geben – denn ohne diese haben die Bienen heute kaum noch Überlebenschancen. 

Warum Bienen Imker brauchen

Ein wesentlicher Grund für das Bienensterben ist die Varroa-Milbe. Unsere Honigbienen sind dem aus Asien eingeschleppten Parasiten fast hilflos ausgeliefert; nur der Imker kann sie schützen. Zweimal im Jahr behandelt Thilo seine Bienenstöcke mit Ameisen-, Milch- oder Oxalsäure, um einen Befall mit der Killer-Milbe zu verhindern. Das Wichtigste jedoch, was ein Imker für seine Bienen tut: Er gibt ihnen eine Beute, so nennt sich im Fachjargon das Bienen-Zuhause. Natürliche Nistplätze finden Bienen heute nämlich kaum noch. Und selbst wenn: Ist die Milbe im Spiel, hat ein wildes Bienenvolk keine Chance. Dass dem Hobby-Imker trotz guter Fürsorge und sicherer Beherbergung selbst im Sommer Bienen wegsterben können, musste Thilo im letzten Jahr erfahren. „Vor einem meiner Bienenstöcke sammelten sich hunderte toter Bienen. Einer erfahrenen Imkerkollegin von mir war sofort klar: Meine Bienen hatten eine frisch gespritzte Tracht (fachsprachlich für alles, was Bienen an Nektar, Pollen und Honigtau in den Stock bringen/d. Red.) angeflogen.“

Die Standortfrage: Ist genug „Futter“ da?

Die Biene sitzt in einer gelben Blüte. ©Tilmann Spellenberg

Nektar- und pollenhaltige Blüten liefern den Bienen Nahrung.

Gefahr droht den Bienen nicht nur durch Pestizide. Gravierender noch sind die vielen landwirtschaftlichen Monokulturen, die innerhalb weniger Tage abgeerntet werden. Schlagartig entstehen dann grüne Wüsten, in denen die Bienen weder Pollen noch Nektar finden. Hinzu kommt, dass die Bauern ihre Wiesen oft schon vor der Blüte mähen. Wer auf dem Land Bienen halten möchte, etwa im Garten, an Waldrändern oder windgeschützten Wiesen, sollte daher vorab schauen, ob in dem 3-km-Flugradius der Bienen ausreichend Nahrung da ist. Notfalls müssen die Bienen mit Zuckerlösung zugefüttert werden oder man verhilft der näheren Umgebung mit Saatbomben zu blühender Vielfalt. Im eigenen Garten kann man leicht ein Futterparadies für Bienen schaffen, wie Thilo erklärt: „Fast alle Pflanzen, mit denen Bienen nichts anfangen können, haben wir durch nektar- und pollenreiche Blumen, Kräuter und Stauden ersetzt.“ Welche Pflanzen bienenfreundlich sind, verrät die Bienen-App.

Urban Beekeeping: Darauf fliegen Bienen

Wer in der Stadt imkern will, muss sich um Bienenfutter keine Gedanken machen: Für Bienen nämlich sind urbane Siedlungsbereiche ein Eldorado. Ob begrünte Dachterrassen, Kleingärten, Brachflächen, Friedhöfe oder bepflanzte Verkehrsinseln: Irgendwas blüht immer. Die Biene weiß das urbane Flair mittlerweile zu schätzen – auch, weil es hier weniger Pestizidbelastungen gibt. Den Sprung in die Stadt haben die fleißigen Insekten dank der vielen Stadt-Imker geschafft. In den Metropolen dieser Welt liegt das Urban Beekeeping schon seit Längerem im Trend. Hierzulande ist die Initiative Deutschland summt das digitale Standbein dieser Bewegung. In einigen deutschen Städten ist der schwarz-gelbe Bevölkerungszuwachs teils schon so hoch, dass der Imkerbund mahnt, auch zum Schutz benachbarter Bienenvölker die Gesundheit der eigenen Bienen im Auge zu behalten. 

BienenBox: Eigener Honig vom Balkon

©Tilmann Spellenberg

Wenn es draußen blüht, gibt es für die Nektarsammlerinnen kein Halten mehr.

Doch wie bringt man Bienen einfach und naturnah in der Stadt am besten unter? Eine für den urbanen Bereich kompakte Form der Bienenbehausung bietet die BienenBox vom Verein Stadtbienen e.V. Die ist gerade mal etwas mehr als einen Meter lang und 30 Zentimeter breit und kann im Garten, auf dem Dach oder am Balkon aufgestellt bzw. angebracht werden. Der Honigertrag steht beim Imkern mit der Box im Hintergrund – Bienen dürfen hier auch ihre eigenen Waben bauen, während in der konventionellen Imkerei vorgegebene Waben die Bienen zu mehr Honigspeicherung motivieren. Weil Honig den Bienen naturgemäß als Futtervorrat insbesondere im Winter dient, ist auch die Honigernte in der Bienenbox limitiert: Das Konzept sieht vor, dass man einmal im Jahr rund 15 Kilogramm Honig erntet und den Bienen damit genügend Vorräte für den Winter überlässt, sodass nicht oder nur wenig mit Zucker gefüttert werden muss. Neben der Box sind auch andere Behausungen wie die Bienenkiste oder die Mellifera Einraumbeute speziell für die naturnahe, einfache Bienenhaltung konzipiert.

Die Honigfabrik im Magazinbau: Die beste Wahl für professionellere Bienenhaltung

Der golden leuchtende Honig wird gefiltert. ©Tilmann Spellenberg

Die Wahl der Behausung hat auch Auswirkungen auf den Honig-Ertrag.

Hobby-Imker, die mit mehr professionellem Engagement an die Bienenhaltung herangehen wollen, werden früher oder später auf eine andere Option stoßen: Die Magazinbeute, eine klassische Behausung für die honigintensive Imkerei. Obwohl Thilo einen Teil des Honigs seinen Bienen überlässt und auch sonst versucht, steuernde Eingriffe in seine Völker so gering wie möglich zu halten, hat er sich für diese konventionelle Art der Bienenbehausung entschieden. „Bienenvölker sind im Winter kleiner als im Sommer, wenn ein einzelnes Volk mehr als 60.000 Bienen umfassen kann. Mit den Magazinbauten kann man sich optimal auf die Dynamik der Völker einstellen“, erzählt er. Dafür werden je nach Bedarf Module aufgestapelt oder wieder abgenommen. So kann der ambitionierte Hobby-Imker zugleich auch Wohnraum für mehrere Völker schaffen. Ein Nachteil: Weil es unzählige Ausstattungsvarianten gibt, muss man sich beim Magazin-Imkern schon mal mit technischen Details beschäftigen. Und man braucht für die gerade nicht benötigten Module ausreichend Platz. „Wenn man keinen Stadtgarten oder ein Hausdach hat, würde ich Magazine für das Imkern in der Stadt eher nicht empfehlen“, so Thilo.

Bevor es losgeht: Intensive Information und Vernetzung mit anderen Imkern

Egal welche Behausung am Ende das Rennen macht: Wichtig ist, dass man sich vor dem Imkereinstieg mit dem Leben der Bienen und den Grundlagen des Imkerns vertraut macht. Thilo hat sehr viel gelesen und YouTube-Videos geschaut. „Das war erst mal ein Wirrwarr, weil es unzählige Herangehensweisen gibt und jeder behauptet, seine eigene sei die Beste.“ Er empfiehlt daher zusätzlich den Besuch eines Imkerkurses, in denen auch praktisch an Bienenvölkern gearbeitet werde. Thilo selbst hat einen Einsteigerkurs über seinen örtlichen Imkerverein gemacht. Für ihn ist die Vereins-Mitgliedschaft auch in anderer Hinsicht unschätzbar: „Man denkt, man ist gut vorbereitet, dann aber siehst du etwas an deinem Bienenvolk, dass du dir nicht erklären kannst oder wo du einfach unsicher bist. Im Verein kann ich mir von erfahrenen Imkern Rat holen und die kommen auch vorbei, wenn Fragen sind.“ Sich mit „alten Hasen“ zu vernetzen, ist immer gut. Dafür muss man nicht unbedingt in einen Verein eintreten, oft findet sich ein Imker in der Nähe.

Tipp: Eher auf traditionelle Imkerei ausgerichtete Kurse finden sich bei den Imker-Landesverbänden und örtlichen Vereinen (Infos auf der Webseite des Deutschen Imkerbundes). Wer sich hingegen für die naturnahe Bienenhaltung interessiert, kann beispielsweise das Kursangebot der Stadtbienen nutzen. Auch Gleichgesinnte und erfahrene Imkerpaten finden sich dort, ebenso in den Netzwerkkarten von Mellifera e.V. und Bienenkiste.

Imkern: Hobby mit überschaubarem Aufwand

Bienen wimmeln auf Waben ©Tilmann Spellenberg

Toll zu beobachten: Bienen leben zu Tausenden zusammen – und müssen sich daher perfekt abstimmen. Sie können sich sogar über besonders gute Futterplätze austauschen.

Wer jetzt denkt, Imkern sei kompliziert, den kann Thilo beruhigen: „Wer die Anfängerdramen durchlebt und sich eingefuchst hat, hat nicht mehr als 20 Stunden Arbeitsaufwand im Jahr pro Volk.“ Bei einfachen Betriebsweisen wie mit der Bienenbox können es sogar weniger sein.

Aber eigentlich will man das als Hobby-Imker gar nicht, ganz im Gegenteil: „Im Prinzip könnte ich unendlich viel Zeit bei meinen Bienen verbringen. Einfach weil ich ihnen zuschaue, gucke, wie sie mit vollen Taschen nach Hause kommen und im Bienenstock perfekt zusammenarbeiten. Es gibt immer wieder was zum Staunen, allein schon, weil jedes Bienenvolk einen anderen Charakter hat.“

 

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Wie und wann fange ich mit dem Hobby-Imkern an?

Das Bienenvolk sitzt enggedrängt am Stamm eines Baumes. ®Tilmann Spellenberg

Ein seltener Anblick: Ein ganzes Bienenvolk außerhalb des Stocks.

Im Winter ruhen die meisten Aktivitäten im Bienenstock; die Bienen sind jetzt vorrangig damit beschäftigt, sich gegenseitig warm zu halten. Werden die Tage wieder länger, kehrt neues Leben in die Völker ein. Das Frühjahr ist daher auch die Zeit, wann in der Regel die Einsteiger-Kurse starten, sie dauern meistens bis Oktober. Im Winter bleibt dann genügend Zeit, das Bienen-Zuhause und Grundausrüstung wie Arbeitskleidung und Geräte zu besorgen. Dann fehlen nur noch die eigenen Bienen. Die meisten Freizeitimker starten mit 2-3 Bienenvölkern. Diese bekommt man zum Beispiel über den Imkerverein als Ableger – das sind durch imkerliche Eingriffe entstandene neue Völker. Naturschwärme hingegen sind solche, die sich über den natürlichen Schwarmtrieb vermehrt haben. Sie gibt es zum Beispiel über die Schwarmbörse. Mitte April / Anfang Mai kann es dann mit den eigenen Völkchen losgehen. Mit einem Schwarm beginnt man zur Schwarmzeit zwischen Mai und Juni. Für die Bienenhaltung braucht man keine Genehmigung, allerdings muss man Anzahl und Standort seiner Völker beim zuständigen Veterinäramt melden.

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Bildquellen

  • imker-bei-der-arbeit: ®Tilmann Spellenberg
  • biene-in-blüte: ©Tilmann Spellenberg
  • bienen-am-stock: ©Tilmann Spellenberg
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Katja Hellmuth gehört zum Autorenteam von raabengrün. Wenn die freie Texterin nicht gerade Wortakrobatik betreibt, strampelt sie auf dem Fahrrad ihre tägliche Schokoladendosis ab. Sie verschlingt liebend gerne auch Buchstabensuppen und andere epische Werke.

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