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Pflanzenporträt: Die Schafgarbe – eine heilkräftige Wiesenblume

Blühende Schafgarbe auf der Wiese.

Ab Juni beginnt die Blüte der Schafgarbe, die oftmals bis in den Herbst hinein dauert. Bestimmt ist Ihnen beim Spaziergang der cremeweiße Blütenstand schon einmal aufgefallen, denn die Schafgarbe findet sich häufig auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern. Blätter und Blüten riechen beim Zerreiben sehr aromatisch, sodass man sich gut vorstellen kann, daraus einen wohlschmeckenden Kräutertee zu kochen.

Ein (Super-)Held gab ihr den Namen

Die Schafgarbe trägt den botanischen Namen Achillea millefolium. Der botanische Gattungsname „Achillea“ ist eindeutig auf den griechischen Helden Achilles zurückzuführen, dem durch Homers Beschreibung des Trojanischen Krieges ein Denkmal gesetzt wurde. Als Schüler des heilkundigen Zentauren Chiron lernte Achilles die wundheilende Kraft der Schafgarbe kennen. Die Zentauren waren wilde Tiermenschen mit einem Pferdeunterkörper. Die Schafgarbe war damals ein wichtiges Kraut der Soldaten, die damit die Blutungen ihrer Wunden zu stillen versuchten. Einer Legende nach soll Achilles mit diesem Kraut den König Telephos geheilt haben, den er selbst im Kampf verwundet hatte. Der Artname „millefolium“ heißt so viel wie „Tausendblatt“. Er bezieht sich auf die vielen kleinen, zierlichen Blattfiedern des Schafgarbenblattes. Der deutsche Name „Schafgarbe“ setzt sich aus dem Wort „Schaf“ und dem althochdeutschen Wort „garwe“ zusammen, was „gesundmachen, heilen “ bedeutete. Die Pflanze stand im Ruf, die Schafe gesundzumachen.

Das Blatt der Schafgarbe ist fein gefiedert. © Rudi Beiser

Die mehrfach fein gefiederten Blätter sind ein typisches Merkmal der Schafgarbe. So entstand der Artname millefolium (Tausendblatt).

Die Schafgarbe für Wundversorgung in vergangenen Zeiten

Die Schafgarbe hatte im Altertum und im Mittelalter eine bedeutsame Rolle als Pflanze zur Blutstillung und Wundheilung. Darauf beziehen sich alte Volksnamen wie „Blutstillkraut“, „Soldatenkraut“ oder „Beilhiebkraut“. Vor allem bei Hieb- und Stichwunden sollten Umschläge aus Schafgarbenkraut besonders gut helfen. Die Tatsache, dass man die blutstillende Wirkung auch noch mit dem mythischen Helden Achilles verband, trug mit Sicherheit zur Verstärkung der Heilwirkung bei. In die gleiche Richtung zielt eine christliche Legende, die der Schafgarbe die Namen „Josefskraut“ und „Zimmermannskraut“ bescherte. So soll der heilige Joseph, der ja Zimmermann war, sich bei seiner Arbeit verletzt haben. Da brachte ihm sein göttlicher Pflegesohn Jesus die Schafgarbe, mit deren Hilfe sich die Wunde schnell verschloss.

Die Heilwirkungen der Schafgarbe

Die Schafgarbe hat nicht nur eine lange Tradition als Wundheilmittel, sondern auch als Frauenkraut. Dass die Schafgarbe in der Frauenheilkunde zu Hause ist, spiegelt sich auch in dem alten Sprichwort: „Schafgarbe im Leib tut wohl jedem Weib.“ Noch heute gilt die krampflösende Schafgarbe als gutes Mittel bei Bauchkrämpfen und schmerzhafter Menstruation. Man nutzt das Kraut in diesem Fall als Tee oder als Sitzbad. Durch ihre ausgleichende Wirkung kann die Schafgarbe sowohl bei einer zu starken als auch bei einer zu schwachen Menstruationsblutung verabreicht werden.

Aber damit nicht genug: Die Schafgarbe wirkt auch entzündungshemmend und verdauungsfördernd. Deshalb eignet sich der Tee, wenn Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl oder leichte krampfartige Schmerzen im Magen-Darm-Bereich auftreten.

Sollten Sie in der Natur unterwegs sein und sich verletzen, fungiert die wundheilende und blutungsstillende Schafgarbe als „Wiesenpflaster“: Einfach das Kraut zwischen den Händen zerreiben und direkt auf die Wunde aufbringen – das hilft selbst bei Nasenbluten schnell und zuverlässig.

Rezepte für Schafgarbentee

Für Schafgarbentee benötigen Sie 2 TL auf ¼ Liter heißes Wasser. Den Tee sollten Sie 8 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Durch Kombination mit anderen Heilkräutern können Sie die Wirkung je nach Indikation verstärken.

Tee bei schmerzhafter Menstruation

Mischen Sie 20 g Schafgarbenblüten mit jeweils 10 g Frauenmantelblättern und Gänsefingerkraut. Trinken Sie von diesem Tee kurz vor und während der Menstruation täglich drei Tassen.

Ein Glas mit dampfendem Schafgarbentee. © Rudi Beiser

Der krampflösende Schafgarbentee tut gut bei Bauchkrämpfen und schmerzhafter Menstruation.

Tee bei Magen-Darm-Beschwerden

Bei empfindlichem Magen, Völlegefühl und Verdauungsstörungen hilft ein Tee aus Schafgarbenblüten, Kamillenblüten und Pfefferminze. Mischen Sie die drei Kräuter zu gleichen Teilen.

Erntetipps fürs Selbersammeln

Die Schafgarbe können Sie gut selbst sammeln und trocknen. Der optimale Erntezeitpunkt ist, wenn sie in voller Blüte steht, denn dann enthält sie am meisten ätherisches Öl. Die besten Sammelmonate sind Juni, Juli und August. Ernten Sie die Blüten beziehungsweise die oberen 20 cm des Krauts an einem trockenen Tag während der Mittagsstunden. Am besten, Sie trocknen die Zweige als Ganzes im Schatten bei Temperaturen unter 35 Grad. Zerkleinern Sie die Blüten und Blätter erst kurz vor der Nutzung, dann bleiben während der Lagerung alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Sind die Blüten beziehungsweise das Kraut trocken, sollten Sie sie in saubere Schraubgläser füllen und an einem dunklen und kühlen Ort aufbewahren.

Blühende Schafgarbe, auf der ein Insekt sitzt. © Rudi Beiser

Ab Juni beginnt die Blüte der Schafgarbe. Die cremeweißen Korbblüten haben einen angenehm würzigen Duft.

Menschen mit sehr empfindlicher Haut sollten beim Ernten der frischen Schafgarbe vorsichtig sein. Die sogenannte Schafgarbendermatitis ist zwar selten, aber für die Betroffenen unangenehm. Bei Hautkontakt mit der frischen Pflanze können in Verbindung mit Sonnenschein juckende Hautentzündungen mit Bläschenbildung ausgelöst werden.

Schafgarbe für kräftige Frühlingswürze

Bei Schafgarbe denkt man eher an Heilkraut und weniger an Wildgemüse. Dabei waren die jungen Blättchen bei unseren Vorfahren sehr begehrt, um im Frühling die Folgen der vitaminarmen Winterkost auszugleichen. Zusammen mit Brennnessel, Wegerich, Giersch und Löwenzahn kochte man daraus kräftigende Suppen. Die jungen, feinwürzigen Blätter schmecken am besten im Frühjahr (März bis April), bevor der Blütenstand emporwächst. Sie eignen sich fein geschnitten als aromatisches Gewürz für Salat, Suppen, Eierspeisen, Bratkartoffeln, Quark oder Kräuterbutter.

Ältere Blätter sind etwas bitter. Sie können sie zusammen mit den Blüten für einen wohlschmeckenden Tee nutzen. Die herb duftenden Blüten eignen sich auch für Likör oder Sirup.

Rezept für selbst gemachten Schafgarbensirup

Zutaten

  • 1 kg Zucker
  • 1 l Wasser
  • 2 Zitronen
  • 1-l-Messbecher gefüllt mit Schafgarbenblüten

Zubereitung

  1. Sammeln Sie 1 l (Messbecher) Blütenschirmchen der Schafgarbe mit möglichst wenig Stängelanteil.
  2. Zucker und Wasser zum Kochen bringen und 10 Minuten köcheln lassen.
  3. In Scheiben geschnittene Zitronen dazugeben und vom Herd nehmen.
  4. Jetzt Blüten dazugeben und zugedeckt über Nacht durchziehen lassen (12 Stunden).
  5. Durch ein feines Sieb abgießen. Sirup nochmals aufkochen und in sterile Flaschen füllen.

Anmerkung: Es genügt 1 EL Sirup, um ein Glas Tee, Saft, Wasser oder Sekt mit dem Blütenduft zu verfeinern. Sie können damit auch Eis oder Desserts veredeln.

Ein Kraut für blutige Nasen

Aus dem Jahre 1692 ist uns ein kurioser Brauch zur Schafgarbe überliefert, der von Kindern ausgeführt wurde, die des Schulgehens überdrüssig waren. Sie steckten sich steife Schafgarbenblätter in die Nase und schlugen so lange mit dem Zeigefinger auf die Nasenflügel, bis die Spitzen der Blättchen die Nase zum Bluten brachten. Mit Nasenbluten durfte man damals vermutlich den Unterricht verlassen. Auch Hieronymus Bock berichtet 1551 von dem bewusst herbeigeführten Nasenbluten: „Dies Kraut ist einer widerwärtigen Natur, also wenn man das Kraut zerknirscht und auf blutige Wunden legt, so stoppt das Blut, wiederum wenn man ein Blättlein in die Nase tut, über eine kleine Weile folgt das Blut hernach.“

Eine Schafgarbenpflanze in der Seitenansicht. © CC0 / Ipheos

Die Blätter der Schafgarbe wurden von Kindern früher gerne genutzt, um ihre Nasen bluten zu lassen – kurios, da die Schafgarbe doch auch zur Blutstillung verwendet wurde.

In England war das Schafgarbenblatt in der Nase ein Liebesorakel. „Nosebleed“ nannte man es damals in manchen Gegenden Englands. Man steckte das Blatt in die Nase, drehte es darin dreimal um und dachte dabei an den Liebsten. Wenn die Nase blutete, dann würde man zusammenkommen. Manchmal wurden dazu bestimmte Reime aufgesagt: „Green arrow, green arrow, you bear a white blow. If my love love me, my nose will bleed now. If my love don’t love me it ’ont bleed a drop.“ (Grüne Schafgarbe, grüne Schafgarbe, du hast eine weiße Blüte. Wenn mich mein Liebster liebt, wird meine Nase jetzt bluten. Wenn er mich nicht lieb hat, wird kein Tropfen Blut kommen.).

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Bildquellen

  • schafgarbenblatt: © Rudi Beiser
  • schafgarbentee: © Rudi Beiser
  • bluehende-schafgarbe: © Rudi Beiser
  • schafgarbenpflanze: © CC0 / Ipheos
  • schafgarbe: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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  1. Beyer

    15 August

    Ein sehr schöner und interessanter Beitrag!

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