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Tomaten selbst ziehen: vom Samen bis zur fertigen Pflanze

An Tomatenpflanzen im Garten hängt eine reiche Ernte.

Tomaten sind in Deutschland das beliebteste Gemüse. Fast 28 Kilo verspeist jeder und jede von uns im Jahr. Bei Karotten sind es beispielsweise nur elf Kilogramm pro Person. Geschmacklich lässt die Qualität der handelsüblichen Tomaten jedoch zu wünschen übrig. Das können wohl alle bestätigen, die ihre eigenen Tomaten kultivieren. Die allerbeste Tomatenqualität bekommen Sie, wenn Sie die Tomaten selbst ziehen – aus Saatgut für Tomatenpflanzen. Das ist nicht nur günstiger als der Kauf von Tomatenjungpflanzen im Handel, sondern es steht auch eine unglaubliche Sortenvielfalt zur Verfügung. Denn es gibt Tausende verschiedene Tomatensorten, unter anderem auch sehr seltene und alte Sorten, die eine kaum vorstellbare Aromavielfalt präsentieren.

Tomaten aus Samen selbst ziehen

Damit Sie in diesem Sommer Ihren Garten oder Balkon mit selbst gezogenen Tomaten bestücken können, bekommen Sie nachfolgend von unserem Gartenexperten Rudi Beiser eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Sie werden staunen, wie einfach das Ganze ist.

Tomaten selbst ziehen – am Anfang steht der Samenkauf

Um Tomaten mit richtig gutem Tomatengeschmack zu bekommen, sollten Sie handelsübliche Einheitstomaten sowie Hybrid-Saatgut außer Acht lassen. Es gibt eine Vielzahl von wunderbaren alten und samenechten Sorten, die robust sind und ein tolles Aroma besitzen. Darunter finden sich auch viele Sorten, die sich gut für den Freilandanbau eignen. Die Auswahl ist unglaublich groß und das Tolle an samenechten Sorten ist, dass Sie im Folgejahr das eigene Saatgut verwenden können.

Als Anregung soll hier eine kleine Auswahl von besonders empfehlenswerten Sorten genannt werden, die für die ersten Anzucht-Experimente genügen sollten:

  • Die „Ananas-Tomate“ ist eine gelbe Fleischtomate mit rötlicher Marmorierung. Sie besitzt einen tollen fruchtig-süßen Geschmack, ist allerdings sehr wärmebedürftig.
  • Eine weitere empfehlenswerte Fleischtomate ist die Sorte „Ochsenherz“. Die rosarote aromatische Tomate hat ihren Ursprung vermutlich in Russland.
  • Die fruchtig-süße Fleischtomate „Berner Rose“ wurde in der Schweiz gezüchtet. Sie benötigt unbedingt einen Regenschutz.
  • Aus Peru stammt die Flaschentomate „Andenhorn“. Sie ist feinwürzig und fruchtig-süß. Die Früchte erinnern an Spitzpaprika.
  • Die leuchtend rote und fruchtige Freilandtomate „Matina“ wurde in Süddeutschland gezüchtet. Sie besitzt ein kartoffelähnliches Laub.
  • Ebenfalls gut fürs Freiland geeignet ist die robuste Sorte „De Bearo“, die ihren Ursprung in Russland hat.
  • Die amerikanische Kirschtomate „Black Cherry“ ist violettfarben und hat einen außergewöhnlich guten Geschmack. Zudem ist sie sehr ertragreich.
  • Die Cocktailtomate „Zuckertraube“ produziert massenhaft leckere Früchtchen. Sie ist außergewöhnlich starkwüchsig.
  • Die Kirschtomate „Besser“ ist eine robuste, ertragreiche Züchtung aus Freiburg. Sie wurde schon im 18. Jahrhundert kultiviert.

 

Die Ernte von selbst gezogenen Tomaten liegt auf einem Gartentisch. © Waschbär

Alte, samenfeste Tomatensorten sind herrlich aromatisch und abwechslungsreich.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Säen?

Tomaten werden nicht direkt im Freien ausgesät, sondern im Haus vorgezogen und später ab Mitte Mai ins Freie gepflanzt. Aber erst, sobald die letzten Fröste vorbei sind! Die beste Aussaatzeit ist von Anfang März bis spätestens Anfang April.

Frühere Aussaaten im Januar oder Februar bringen wenig Vorteile. Es dauert dann einfach zu lange, bis die Pflanzen ins Freie können. Vor allem, wenn die Aussaaten auf der Fensterbank vorgenommen werden, müssen wir uns bewusst machen, dass die lichthungrigen Tomaten an diesem Platz nicht mehrere Monate lang stehen können. Ihr Wuchs wird mit zunehmender Dauer geilwüchsig, so bezeichnet man die unter Lichtmangel entstehenden dünnen, instabilen Triebe. Wer nicht über helle Fensterplätze verfügt, sollte sich eventuell über die Anschaffung von speziellen Pflanzenleuchten Gedanken machen.

Tomaten selbst ziehen – welche Erde ist die richtige?

Für die Aussaat in Saatschalen oder Anzuchttöpfen nehmen Sie am besten eine fertige Anzuchterde, auch Aussaaterde genannt. Solche Erden enthalten wenig Nährstoffe, um die Wurzelbildung der Keimlinge anzuregen. Mit einer Mischung aus Gartenerde, Kompost und Sand lässt sich Anzuchterde selbst herstellen. Wenn nach den beiden Keimblättern die ersten Laubblätter erscheinen, dürfen Sie die Tomaten in eine nährstoffreiche Erde umpflanzen, wie weiter unten beschrieben.

Wie sollte man Tomaten aussäen?

Die Aussaaterde sollten Sie zunächst gut anfeuchten. Dann verteilen Sie die Samen auf der feuchten Erde, sodass sie etwa zwei Zentimeter Abstand zueinander haben. Der Samen wird nun ungefähr 0,5 bis einen Zentimeter dick mit Erde bedeckt. Dann drücken Sie das Ganze mit der Hand oder einem Brettchen vorsichtig an und besprühen die Erde mit einem Pumpzerstäuber. Ein zu starker Wasserstrahl würde die Samen wieder an die Oberfläche spülen.

Die Erde wird im Topf über der Saat mit der Hand festgedrückt, damit man erfolgreich die Tomaten selbst ziehen kann. © Rudi Beiser

Drücken Sie die Erde über der Saat an und befeuchten Sie alles.

Tomaten selbst ziehen im Mini-Treibhaus

Nun spannen Sie eine Frischhaltefolie über Saatschale oder Töpfchen und stellen es an einen warmen Ort. Alternativ können Sie zum Abdecken auch eine Glasscheibe verwenden. Die Folie sorgt dafür, dass die Erde feucht bleibt, und fungiert als Mini-Treibhaus. Tomatensamen haben es beim Keimen nämlich nicht nur gern gleichmäßig feucht, sondern auch warm.  Alternativ zur Folie gibt es spezielle Anzuchtschalen mit Deckel, die für ein feuchtes Mikroklima sorgen. Während der Keimphase darf die Erde nämlich auf keinen Fall austrocknen.

Tomaten selbst ziehen – die ideale Keimtemperatur

Die ideale Keimtemperatur liegt bei etwa 20 bis 24 °C. Dann beginnt die Keimung schon nach acht bis zehn Tagen. Zuerst erscheinen die beiden länglichen Keimblätter. Nach der Keimung sind kühlere Temperaturen von Vorteil. Bei 15 bis 16 °C kommt es seltener zum Geilwuchs, da die Tomaten sich langsamer entwickeln. In der Regel gibt es im Haus ja immer Zimmer, die weniger beheizt werden, wie etwa die Schlafräume.

Während die kleinen Keimlinge heranwachsen, sollten Sie sie mehrmals täglich mit der flachen Hand berühren. Durch diese Reize wachsen sie viel kräftiger und stabiler heran. „Gestreichelte“ Tomaten sind später im Freien wesentlich robuster. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Magazin-Beitrag Startschuss für die Aussaat.

Die selbst gesäten Tomaten beginnen in kleinen Anzuchttöpfen zu keimen. © CC0 / Markus Spiske

Aus den frischen Keimblättern werden mit etwas Pflege kräftige Tomatenpflanzen.

Tomaten pikieren – was bedeutet das?

Sobald die Tomaten die ersten richtigen Blätter nach den Keimblättern bekommen, sollten Sie sie pikieren. Das sorgt für mehr Platz und ein kräftiges Wurzelwachstum. Pikieren bedeutet, dass Sie die einzelnen Tomatenpflänzchen vorsichtig mit einem Holzstäbchen aus der Erde heben und dann in einen eigenen Topf umpflanzen. Bitte achten Sie darauf, die Wurzeln dabei nicht zu beschädigen.

Sie sollten die Tomatensetzlinge in ihrem neuen Standort etwas tiefersetzen, als sie vorher gewachsen sind. Das Tiefersetzen sorgt für zusätzliche Wurzelbildung – eine Grundvoraussetzung für gute Ernte-Erträge. Danach natürlich gut angießen. Immer darauf achten, dass die wärmeliebenden Tomaten kein eiskaltes Wasser bekommen.

Tomaten freuen sich über viel Dünger und Wasser

Der neue Topf sollte einen Durchmesser von neun bis elf Zentimetern haben und mit Universalerde oder gut gereiftem Kompost gefüllt werden. Denn jetzt benötigen die Tomaten eine gute Nährstoffversorgung. Tomaten zählen zu den Starkzehrern, das heißt, sie benötigen auch nach dem Auspflanzen ins Freie viel Dünger. Ein guter organischer Flüssigdünger ist beispielsweise die Brennnesseljauche. Ebenso benötigen die durstigen Gesellen regelmäßig viel Wasser.

Die selbst gezogenen Tomaten auspflanzen

Ab Mitte Mai werden die Tomaten im Garten oder auf dem Balkon ausgepflanzt. Auch hier gilt, dass die Jungpflanzen etwas tiefer in die Erde kommen. Ins Pflanzloch sollten Sie eine gute Portion Kompost geben, um die Bedürfnisse der nährstoffgierigen Pflanze zu erfüllen. Die Tomaten benötigen einen Abstand von 50 bis 60 Zentimetern, um Pilzkrankheiten vorzubeugen.

Die ausgepflanzte, junge Tomatenpflanze wächst in einem Beet mit Erde und Dünger. © CC0 / Markus Spiske

Sobald hier erste Tomaten reifen, wächst die Freude über die selbst gezogenen Tomaten nochmal an.

Tomaten selbst ziehen – natürlicher Schutz vor Pilzkrankheiten

Wegen der großen Empfindlichkeit gegen Pilzerkrankungen, zum Beispiel Braunfäule, sollten Sie die Tomaten nur im Wurzelbereich gießen und nicht das Wasser über die Blätter brausen. Auch ein Schutz vor Regen durch eine Überdachung oder ein Gewächshaus ist ein sicherer Garant für weniger Pilzerkrankungen. Mit entsprechenden Spritzungen können Sie die Tomatenpflanzen vorbeugend gegen Pilze stärken.

Das Wachstum der Tomaten fördern – Seitentriebe ausgeizen

Um das Wachstum der Tomaten zu fördern, sollten Sie in den Blattachseln entstehende Seitentriebe regelmäßig „ausgeizen“, also am besten einfach mit den Fingern abknipsen.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei Ihrer Tomatenzucht und eine reife Ernte!

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Bildquellen

  • verschiedene-tomaten-sorten: © Waschbär
  • erde-ueber-saat-festdruecken: © Rudi Beiser
  • keimende-tomaten: © CC0 / Markus Spiske
  • ausgepflanzter-tomatenstrauch: © CC0 / Markus Spiske
  • tragende-tomatenpflanzen: © CC0 / Markus Spiske

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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