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Jauchen für den Garten: Rezepte und Tipps zur richtigen Anwendung

Grüne Blätter werden mit einem Holzstock in Wasser umgerührt.

Im Frühsommer und Sommer beginnt es im Garten zu grünen, zu blühen und zu fruchten. Nun steigt aber auch die Gefahr, dass unsere Gartenpflanzen durch Schädlinge oder Krankheiten geschädigt werden. Deshalb beginnt man jetzt im Biogarten damit, die Gartenpflanzen und das Bodenleben durch Spritzungen zu stärken. Dazu gehören auch die Kräuter-Jauchen, die je nach verwendeten Kräutern ganz unterschiedliche Wirkungen haben können: So hemmen beispielsweise Knoblauch- und Zwiebel-Jauchen Pilzerkrankungen, mit Rhabarber- und Rainfarn-Jauchen können Schädlinge vertrieben werden und der Allrounder Brennnessel-Jauche stärkt unter anderem die Widerstandskraft der Pflanzen. Alle Jauchen, egal welche Kräuter Sie dafür verwenden, sind zudem ein vorzüglicher organischer Flüssigdünger.

©Rudi Beiser

Die Brennnessel ist die beliebteste Jauchepflanze. Sie fördert die Widerstandskraft der damit versorgten Pflanzen.

Die vergorene Jauche – das Grundrezept

Was ist nun das Besondere einer Kräuter-Jauche? Im Gegensatz zu einer Brühe (z.B. Schachtelhalm-Brühe), wofür die Kräuter ausgekocht werden, handelt sich es bei der Jauche um einen Gärungsprozess. Einen Hinweis zu Kräuter-Brühen finden Sie am Seitenende.

Für die Jaucheherstellung benötigen Sie 1 Kilo frische oder 200 Gramm getrocknete Pflanzen. Geben Sie diese grob zerkleinert in einen Steinguttopf, in ein Holz- oder Kunststofffass. Metallgefäße sind ungeeignet. Das Ganze übergießen Sie nun mit 10 Litern Wasser, vorzugsweise Regenwasser, Wasser aus dem Bach oder abgestandenes Leitungswasser. An einem warmen, sonnigen Platz beginnt der Gärungsprozess (Schaumbildung) schon nach 2 Tagen. Bei kühler Witterung dauert es etwas länger. Nicht nur Wärme, sondern auch Sauerstoffzufuhr fördert die Gärung. Deshalb sollten Sie den Behälter nicht luftdicht verschließen und etwa zweimal täglich kräftig umrühren. Nach 12-16 Tagen ist die Gärung abgeschlossen, das heißt die Jauche hat eine dunkle Farbe angenommen und schäumt nicht mehr. Die Jauche können Sie nun bis zum Ende der Gartensaison verwenden.

Mit der Schere werden die Blätter grob zerkleinert.

©Rudi Beiser

Die frischen, grob geschnittenen Brennnesseln werden ins Wasser gegeben. In etwa 2 Wochen ist die Gärung abgeschlossen.

Manche Gärtner geben die zerkleinerten Kräuter in einen durchlässigen Sack oder binden sie in einen netzartigen Stoff (z.B. alte Gardinen), damit die Gärungsrückstände später nicht die Gießkannendüsen verstopfen. Wenn Sie die Kräuter lose in den Behälter geben (was der Gärung durchaus zuträglich ist), muss die Jauche durch ein feines Sieb in Gießkanne oder Spritzgerät gefüllt werden.

Jauchen – nicht gut für feine Näschen!

Bei der Gärung der Kräuter entwickeln sich durchaus sehr unangenehme Gerüche. Der Name Jauche gibt eigentlich schon einen Hinweis, denn er beschreibt in erster Linie ein flüssiges Gemisch aus Urin und Kot von Tieren. Die Herstellung der Kräuter-Jauche sollte also in gebührendem Abstand zu Sitzterrassen und Nachbargrundstücken stattfinden. Auf keinen Fall jedoch im Haus oder auf dem Balkon. Die Gerüche lassen sich durch das Einrühren von ein paar Handvoll Steinmehl oder Bentonit etwas mildern. Das können Sie während der Gärung zwei- bis dreimal wiederholen. Dadurch erhöht sich gleichzeitig der Gehalt an Spurenelementen in der Jauche.

Jauchen richtig anwenden: Unbedingt verdünnen!

Zum Düngen: Wenn die Gärung abgeschlossen ist, werden die Jauchen 1:10 verdünnt und im Wurzelbereich um die Pflanzen herum ausgebracht. Das bedeutet: Ein Teil Jauche wird mit zehn Teilen Wasser aufgegossen. Der beste Zeitpunkt ist der frühe Morgen oder abends, zu beiden Zeiten möglichst bei bedecktem Himmel. Die verdünnte Jauche sollten Sie nicht direkt über die Blätter gießen, denn es besteht aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes „Verbrennungsgefahr“. Falls Sie auch die Blätter als Blattdüngung überbrausen wollen, dann müssen Sie die Jauche stärker verdünnen (1:30).

Zur Schädlingsbekämpfung: In der Regel verwendet man vergorene Jauchen, aber zur Schädlingsabwehr oder -bekämpfung wird manchmal eine gärende Jauche eingesetzt. Sie wird hauptsächlich aus Brennnesseln zubereitet und gegen Blattläuse und Spinnmilben eingesetzt. Die Brennnesseln werden wie bei der vergorenen Jauche in Wasser gelegt und zwei bis vier Tage an die Sonne gestellt. Diese ätzende Jauche sollten Sie 1:50 verdünnt auf die befallenen Pflanzenteile sprühen.

Verschiedene Jauchen und wofür sich welche eignet

Die helllila Blüten in der Nahaufnahme.

©Rudi Beiser

Jauchen aus Beinwell oder englisch Comfrey sind außerordentlich reich an Kalium.

Kräuter-Jauchen wirken durch ihren Stickstoffgehalt wie ein milder Flüssig-Dünger. Sie regen das Bodenleben an und fördern das Wachstum der Pflanzen. Durch ihren Mineralienreichtum und die in den Kräutern enthaltenen Wirkstoffe stärken alle Jauchen die Abwehrkräfte der Pflanzen.

Die wichtigsten „Jauchepflanzen“ für den Kräuteranbau sind Brennnessel und Beinwell. Beide steigern Frosthärte und Widerstandskraft der damit versorgten Pflanzen (1:10 verdünnt). Unverdünnt über den Kompost gebraust, fördern sie den Rotteprozess, sodass sich der Kompost schneller umsetzt.

Die Beinwell-Jauche ist außergewöhnlich kalireich. Sie eignet sich also vorzüglich zur Düngung von Pflanzen, deren Wurzeln oder Knollen verwendet werden (Karotten, Kartoffeln, Schwarzwurzeln, Rettich), denn Kalium fördert das Wurzelwachstum!

Holunderblätter-Jauche vertreibt Wühlmäuse. In diesem Fall wird sie unverdünnt in die Gänge gegossen.

Löwenzahn-Jauche fördert die Aktivität der Bodenorganismen und stärkt das Immunsystem der Pflanzen. Bei dieser milden Jauche genügt eine Verdünnung von 1:5.

Knoblauch- oder Zwiebel-Jauche erhöht die Widerstandskraft gegen Pilzerkrankungen. Vor allem zur Vorbeugung von Kraut- und Braunfäule kann die 1:10 verdünnte Jauche bei Kartoffeln und Tomaten eingesetzt werden. Auf Möhrenbeete gegossen verhindert sie die Eiablage der Möhrenfliege.

Die Jauche aus Wermut zeigt bei verschiedenen Schädlingen und Krankheiten eine positive Wirkung. Sie hilft gegen Ameisen, Blattläuse, Raupen und Rostpilze (Johannisbeersäulchenrost). Hier nimmt man 300 frisches oder 30 g getrocknetes Kraut auf 10 Liter Wasser und spritzt ausnahmsweise unverdünnt.

Eine Jauche aus Wurmfarn oder Adlerfarn (1:10 verdünnt) kann gegen Blattläuse eingesetzt werden. Auf den Boden gesprüht hat diese Jauche eine Abwehrwirkung gegen Schnecken (unverdünnt). Der Farn ist zudem reich an Kalium.

Verjauchte Rhabarberblätter sind unverdünnt ein gutes Mittel gegen Blattläuse und Lauchmotten. Auf den Boden gesprüht hat die Jauche eine Abwehrwirkung gegen Schnecken.

Aus den Blättern der Eiche lässt sich eine Jauche gegen kleine Insekten herstellen. Sie wird vor dem Ausbringen 1:5 verdünnt.

Fertigen Sie nach dem Jäten aus den bunt gemischten Gartenunkräutern eine Jauche: Sie trägt auf jeden Fall zur Düngung der Pflanzen bei und verbessert die Bodenlebendigkeit.

Kräuter-Brühen: Ein Grundrezept und Anwendungshinweise

Um Kräuterbrühen herzustellen, werden die Pflanzen zunächst 24 Stunden eingeweicht und dann bei schwacher Hitze 15-20 Minuten geköchelt. Auf 5 Liter Wasser benötigen Sie 500 g frische oder 100 g getrocknete Kräuter. Gießen Sie die Brühe nach dem Kochen durch ein feines Sieb und lassen Sie sie gut abkühlen. Besprühen Sie damit die Pflanzen.

Typische Pflanzen für Brühen sind Schachtelhalm (1:5 verdünnt gegen Pilze), Queckenwurzel (1:3, aber unverdünnt gegen Pilze), Rhabarberblätter (unverdünnt gegen Läuse), Meerrettichwurzel und Blätter (unverdünnt gegen Monilia) und Quassiaholz (1:3 verdünnt gegen Läuse und kleine Insekten).

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Bildquellen

  • brennnesseln: ©Rudi Beiser
  • brennnessel-schneiden: ©Rudi Beiser
  • beinwell: ©Rudi Beiser
  • Jauche: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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