Schützt, was Ihr liebt!

Der Salbei – ein unbedingtes Muss im Garten

Die zarten lila Blüten recken sich empor.

Der Salbei ist eine beliebte Pflanze für den Kräuter- oder Steingarten. Doch viele Salbeibesitzer wissen gar nicht, wie vielseitig die aromatisch duftenden Blätter in Küche und Hausapotheke eingesetzt werden können. Den Wenigsten ist auch bekannt, dass man nicht nur den „echten“ Salbei mit dem botanischen Namen Salvia officinalis im Garten kultivieren kann, sondern dass es weltweit über 800 Salbeiarten gibt, die teilweise außergewöhnliche Düfte und Aromen in sich tragen.

Der Standort: Am liebsten nimmt Salbei ein Sonnenbad

Obwohl der Salbei (Salvia officinalis) aus dem Mittelmeerraum stammt, kann er auch bei uns im Freien angebaut werden. In ungünstigen rauen Lagen benötigt er allerdings etwas Frostschutz. Der mehrjährige verholzende Strauch hat durchaus Ziercharakter: Seine immergrünen, graugrünen Blätter ergeben einen schönen Kontrast zu grünlaubigen Stauden und die wunderschönen meist blauvioletten Lippenblüten locken im Sommer viele Bienen an.

Salbei benötigt für gute Aromen volle Sonne, viel Wärme und gut durchlässigen, trockenen sowie kalkhaltigen Boden. Er ist sehr genügsam bezüglich Düngung und Feuchtigkeit. Er eignet sich deshalb ideal für Kräutermauern und Kräuterspiralen. Es ist sogar von Vorteil, wenn er kaum gedüngt wird und relativ trocken steht, denn dann entwickelt er besonders viele Heilkräfte.

Pflege und Erntezeit: Wann soll Salbei geschnitten werden?

Alle drei bis vier Jahre sollten Sie den Strauch im Frühjahr kräftig ins alte Holz zurückschneiden, das sorgt für einen kompakten Wuchs und längere Lebenserwartung. Im Herbst wird allerdings auf keinen Fall mehr geschnitten, denn das verschlechtert die Winterhärte.

Blick von oben auf die typischen Blätter des Salbei. © Rudi Beiser

Die aromareichen Blätter werden geerntet, sobald sich die ersten Blüten öffnen.

Die beste Erntezeit ist bei Blühbeginn im Mai und Juni, dann sind die Aromen in den Blättern am ausgeprägtesten. Dieser Schnitt besitzt den höchsten Gehalt an ätherischem Öl. Im August können Sie noch ein zweites Mal schneiden; dieser Schnitt ist dann besonders reich an Gerbstoffen. Die beste Qualität wird erreicht, wenn Sie die Blätter unzerkleinert im Schatten an einem warmen Ort trocknen. Salbeiblätter geben das Wasser nur schwer ab und trocknen deshalb sehr langsam.

Grenzenlose Salbei-Vielfalt

Innerhalb der Gattung Salvia gibt es weltweit über 800 Salbeiarten! Viele davon nutzt man für Räucherzwecke, beispielsweise den Indianischen Räucher-Salbei (Salvia apiana). Sehr viele Arten kommen aus den tropischen Regionen Süd- und Mittelamerikas und werden deshalb bei uns nur als Kübelpflanze gehalten. Sie sind frostempfindlich und müssen hell überwintern. Sie zeichnen sich meist durch eine sehr späte Blüte im Herbst oder Winter aus. Zudem lieben sie eher halbschattige Standorte und brauchen sehr viel Feuchtigkeit. Einige dieser Salbeiarten möchte ich Ihnen hier vorstellen:

Der Frucht-Salbei (Salvia dorisiana) aus Honduras ist großblättrig wie eine Zimmerlinde. Die Blätter verströmen einen berauschenden Duft nach Ananas, Guave und Mango. Er kann bis zu zwei Meter hoch werden und benötigt sehr viel Wasser. Die rosa Blüten erscheinen erst im Winter.

Nahaufnahme der Knospen und Blätter. © Rudi Beiser

Der Fruchtsalbei hat wohlduftende große Blätter und benötigt sehr viel Wasser.

Der Honigmelonen-Salbei (Salvia elegans) aus Mexiko und Guatemala hat einen Duft zwischen vollreifer Honigmelone und Guave. Die wunderschönen tiefroten Blüten erscheinen schon etwas früher als bei den anderen amerikanischen Arten.

Der Ananas-Salbei (Salvia rutilans) hat prächtige röhrenförmige rote Blüten und stammt aus Mexiko. Auch er kann in einem großen Kübel fast zwei Meter hoch werden. Die Blätter duften, wie der Name schon kündet, nach frischer Ananas.

Die länglichen feuerroten Blüten heben sich von den erbsengrünen Blättern ab. © Rudi Beiser

Der rotblühende Ananassalbei
verströmt beim Berühren der Blätter einen wunderbaren Ananasduft.

Es gibt aber auch einige empfehlenswerte europäische Salbei-Arten: Zum Beispiel der aus Südeuropa kommende zweijährige Muskateller-Salbei (Salvia sclarea). Er bildet im ersten Jahr eine Blattrosette, aus der sich im zweiten Jahr imposante Blütenstände empordrängen. Im Gegensatz zum Echten Salbei lieben ihn allerdings Schnecken. Früher hat man ihn genutzt, um dem Wein ein Muskatelleraroma zu verleihen. Das ätherische Öl wird in der Aromatherapie eingesetzt. Es gilt als krampflösend, entspannend und man vermutet eine östrogenähnliche Wirkung. Auch der heimische Wiesensalbei (Salvia pratensis) eignet sich als Zier- und Insektenpflanze im Hausgarten. Man kann ihn auch als Kräutertee nutzten. 

Die hellen fast weißen Blüten in der Nahaufnahme. © Rudi Beiser

Der Muskatellersalbei hat einen Duft, den nicht alle Menschen mögen.

Salbei gilt als starke Heilpflanze

Der Name Salbei wurde aus dem lateinischen in die deutsche Sprache übernommen. Das lateinische Salvia kommt von „salvus“ (=gesund, heil) und „salvare“ (= retten), was einen deutlichen Hinweis auf die Wertschätzung als Heilpflanze gibt. Der botanische Artname officinalis ist ebenfalls ein Hinweis auf die Bedeutung in der Heilkunde. Offizin ist ein alter Ausdruck für Apotheke. Nach Mitteleuropa kam der Salbei im Reisegepäck der Benediktinermönche, die im 8. Jahrhundert ihre ersten Klostergärten jenseits der Alpen anlegten.

Damals glaubte man sogar, mit Salbei könne man das Leben verlängern oder gar den Tod besiegen. Diese Erwartungen kann der Salbei zwar nicht erfüllen, aber er verfügt trotzdem über einige erwähnenswerte Heilwirkungen. Am bekanntesten ist er als Mittel zum Gurgeln bei Entzündungen in Mund und Rachen, denn er wirkt antibakteriell und adstringierend. Außerdem wirkt Salbeitee schweißhemmend und östrogenähnlich. Das macht ihn zu einer wunderbaren Heilpflanze zur Linderung der Hitzewallungen während der Wechseljahre. Dabei werden am besten innerliche (Tee) und äußerlichen Anwendungen (Waschungen) kombiniert. Wichtig ist jedoch, dass der Tee in diesem Fall kalt oder lauwarm getrunken wird – keinesfalls heiß, denn das würde die Hitze noch zusätzlich fördern!

Aber damit nicht genug: Salbei wirkt auch verdauungsfördernd, entzündungshemmend und außergewöhnlich antioxidativ, weshalb er auch als „Radikalfänger“ bezeichnet wird. Begünstigt durch falsche Ernährung und Umweltgifte bilden sich im Körper ständig sogenannte „Freie Radikale“. Diese aggressiven Stoffe erhöhen beispielsweise das Risiko von Krebserkrankungen. Die Antioxidantien im Salbei zerstören die zellschädigenden Radikale.

Bedingt durch seine antivirale Wirkung kann Salbei, ähnlich wie Melisse, auch bei Lippenherpes (Herpes simplex-Virus) angewendet werden. Gleich bei den ersten Anzeichen, also einem Kribbeln oder Spannen der Lippen, werden die betroffenen Stellen mit Salbeisaft betupft. Dazu zerreiben Sie die Blätter so lange zwischen den Handflächen, bis Saft austritt.

Allerdings enthält Salbei im ätherischen Öl relativ viel Thujon. Dieser Stoff gilt als abortiv und sollte deshalb nicht in hoher Dosierung von Schwangeren eingenommen werden. Das betrifft allerdings nicht den Salbeitee und auch nicht Salbei als Gewürz, sondern nur alkoholische Extrakte (Tinktur) oder das reine ätherische Öl.

Nahaufnahme der violetten Blüten des Salbei. © Rudi Beiser

Im Juni entfaltet der Salbei seine Blütenpracht und lockt viele Insekten. Die Heilwirkung des Salvia officinalis überzeugt aber auch Menschen.

Salbeitee richtig zubereiten

Bei der Teezubereitung und Dosierung ist es wichtig zu wissen, wofür Sie den Salbei benötigen, denn dadurch steuern Sie die Wirkstoffherauslösung. Für die innerliche Anwendung bei Erkältungskrankheiten oder Verdauungsbeschwerden benötigen Sie ca. 1 TL auf ¼ Liter Wasser, während Sie beim Einsatz gegen Hitzewallungen die Dosis verdoppeln (2 TL). Sie lassen Salbei nur 4-5 Minuten ziehen, damit nicht zu viele Gerbstoffe in den Tee gelangen.

Für äußerliche Anwendungen wie zum Gurgeln oder zur Wundbehandlung wird ein stark aufgebrühter Tee verwendet (2 TL), wobei die Ziehzeit nun 10 bis 15 Minuten beträgt, denn jetzt ist die Gerbstoffwirkung gefragt.

Wer Salbei im eigenen Garten hat, nimmt von Mai bis September die frischen Triebspitzen, um einen Tee aufzubrühen. Tee aus frischen Blättern ist schmackhafter und auch weniger bitter.

Mythen und Legenden rund um Salbei: Mit Magie die Liebe erwecken

Salbei spielte auch in der mittelalterlichen Magie eine große Rolle. Da er auch als Aphrodisiakum galt, war er im Liebeszauber sehr beliebt. Für ein recht einfaches Rezept vermischte man den christlichen Glauben mit magischen Handlungen: „Um die Liebe einer Person zu erwecken, nimm 3 Salbeiblätter und schreib auf das erste Adam + Eva, auf das andere Jesus + Maria und auf das dritte deinen und ihren Namen. Brenn diese Blätter zu Pulver und bring dies der Person beim Essen oder Trinken bei.“

Zaubersprüche oder magische Handlungen begleiten die Heilkunde seit Urzeiten, denn Magie und Heilen waren untrennbar verbunden. In diesem Fall nahm man die Magie sogar körperlich ein, was die Wirksamkeit noch wesentlich erhöhen musste.

Im Mittelalter galt Salbei als Allheilmittel für alle möglichen Leiden. Sehr eindrucksvoll ist die Überlieferung von einer Pestepidemie in Toulouse (Frankreich). Als 1630 dort die Pest wütete, plünderten vier Diebe die Leichen der Pestkranken ohne Angst vor Ansteckung. Als sie gefasst wurden, versprach man ihnen Straffreiheit, wenn sie ihr Geheimnis verrieten. Daraufhin gaben sie das Rezept eines Essigs preis, in dem sie antiseptische Kräuter wie Rosmarin, Raute, Salbei, Thymian und Lavendel ausgezogen hatten. Sie hatten sich zum Schutz mit diesem Essig eingerieben, der als „Essig der vier Diebe“ in die Geschichte einging.

Einer christlichen Legende zufolge soll der Salbei seine außergewöhnliche Kraft von Maria erhalten haben. Als sie sich mit Josef und dem Jesuskind auf der Flucht vor Herodes befand, war der Salbei der einzige Strauch, der ihnen Zuflucht anbot. Er wölbte sich über die Flüchtenden und wurde mit folgendem Ausspruch Marias belohnt: „Von nun an, bis in Ewigkeit wirst du eine Lieblingsblume der Menschen sein. Ich gebe dir die Kraft, die Menschen zu heilen von jeder Krankheit; errette sie vom Tode, wie du es auch an mir getan hast.“

Salbei als Gewürz: dominant und einzigartig

Im Mittelalter war Salbei eine der beliebtesten Würzpflanzen, inzwischen ist er ein Gewürz von geringer Bedeutung geworden. Lediglich in Italien ist Salbei in einigen Speisen unverzichtbar, beispielsweise in dem Gericht Saltimbocca alla romana, einer Spezialität aus Kalbfleisch, würzigem Parmaschinken und Salbeiblättern. Salbeiblätter sind hocharomatisch, der Geschmack ist würzig-bitter mit einer Prise Kampferduft. Er hat ein so intensives Aroma, dass er in der Regel als Solist eingesetzt wird, da er Partnergewürze ohnehin übertönt. Lediglich Knoblauch eignet sich zur Kombination.

Wenn Sie ihn sparsam verwenden, bringt er einen einzigartigen Duft in die Speisen. Das volle Aroma entfalten die fleischigen Blätter erst beim Andünsten in Fett oder beim Mitkochen. Man sagt dem Salbei nach, dass er die Bekömmlichkeit schwerer Speisen fördert. Er passt vorzüglich in Suppen, Eintöpfe, zu Kartoffelgerichten, Schweinefleisch, Kalb, Geflügel und Fisch, aber auch zu Tomaten-, Nudel-, Reis- und Eiergerichten. Oder nutzen Sie ihn zum Aromatisieren von Öl, Essig, Wein und Likör, indem Sie die Blätter darin einlegen. Ganz junge Blättchen von den Triebspitzen sind milder als ältere und bereichern Salate, Frischkäse und Kräuterbutter. Salbeiblätter in einen Ausbackteig getaucht und frittiert, haben in manchen Gegenden eine alte Tradition. Die im Juni erscheinenden mildwürzigen Blüten können Sie als essbare Speisedekoration verwenden. Südamerikanische Salbeiarten wie der Ananas-Salbei enthalten süßliche fruchtige Aromen. Sie würzen Mischtees, Obstsalate, Gelees, Kuchen und Getränke. Vor allem ihre großen Blüten eignen sich zum Dekorieren von Süßspeisen.

Rezepte mit Salbei

Rezept für Salbei-Chüechli

Zutaten

  • 2 Eier
  • 150 g Dinkelmehl
  • 175 ml Milch oder Bier
  • 1 Prise Salz
  • 30-40 große Salbeiblätter
  • Fett zum Ausbacken

Zubereitung

Eier trennen und Eiweiß zu Schnee schlagen. Verrühren Sie Eigelb, Mehl, Milch und Salz zu einem flüssigen Teig. Zuletzt ziehen Sie den Eischnee unter. Salbeiblätter in den Teig tauchen und in Öl oder Kokosfett goldbraun ausbacken. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. In der Schweiz werden die Chüechli wegen ihres mauseähnlichen Aussehens auch Muesli (Mäusle) genannt. Wenn Sie es süß mögen, dann können Sie vor dem Servieren Zimtzucker drüberstreuen.

Rezept für Salbeiblütenwein

Zutaten

  • 50 g frische Salbeiblüten und einige Salbeiblätter
  • 0,75 Liter Weißwein

Zubereitung

Blüten in Weißwein 2–3 Tage lang ausziehen lassen. Abfiltern, in kleine Flaschen abfüllen und verkorken. Likörgläschenweise trinken. Gekühlt lagern und innerhalb von 2-3 Wochen verbrauchen. Salbeiwein ist stärkend und aufbauend und hilft bei nervöser Erschöpfung und Müdigkeit.

Rezept für den Essig der vier Diebe

Zutaten

  • 0,75 Liter Weinessig
  • jeweils 20 g frische Triebe von Salbei, Thymian und Rosmarin
  • 10 g frische Lavendelblüten
  • 2 Knoblauchzehen

Zubereitung

Alle Zutaten grob zerkleinern und in ein verschließbares Glas füllen. Mit Weißweinessig übergießen und 2 Wochen ausziehen lassen. Absieben und in kleine Flaschen füllen. Dieser abwehrsteigernde Essig eignet sich wunderbar als Kräuteressig für Salate. Oder Sie nutzen ihn als Gurgelmittel bei Erkältungskrankheiten: 2 EL Essig und 1 TL Honig in einem Glas warmen Wasser auflösen und damit gurgeln.

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Bildquellen

  • salbei-blaetter: © Rudi Beiser
  • fruchtsalbei: © Rudi Beiser
  • ananas-salbei: © Rudi Beiser
  • muskateller-salbei: © Rudi Beiser
  • salvia-officinalis: © Rudi Beiser
  • salbei: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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