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Pflanzenporträt: Liebstöckel – Gewürz und Heilpflanze

Liebstöckel hat dreizackige Blätter, die als Gewürz verwendet werden.

Der Liebstöckel (Levisticum officinale) war in der Antike und im Mittelalter ein sehr beliebtes Gewürz. Noch vor hundert Jahren war das Küchenkraut in jedem Bauerngarten vertreten. Heute ist der Klassiker der Suppengewürze eher selten zu finden. Der bis zu 2 m hohe Doldenblütler ist jedoch nicht nur ein interessantes Gewürz, sondern auch eine wirksame Heilpflanze. Außerdem erfreut sich am blühenden Liebstöckel die Insektenwelt, denn er ist ein vorzüglicher Pollen- und Nektarlieferant.

Liebstöckel – Ein Einzelkämpfer im Garten

Der mehrjährige, winterharte Liebstöckel ist eine großwüchsige Staude mit sellerieartigen Blättern. Sie wird 1,50–2 m hoch und ist sehr pflegeleicht. Das Laub friert im Winter ab und treibt im Frühjahr wieder aus. Liebstöckel verträgt Sonne und Halbschatten und liebt einen leicht kalkhaltigen, tiefgründigen, gut mit Kompost versorgten Boden. Im Wurzelbereich sollten Sie ihn gleichmäßig feucht halten und regelmäßig gießen. Wenn er zu trocken steht, ist er anfällig für Blattläuse. Auch Schnecken knabbern gern an den jungen Trieben, weshalb Sie vor allem den Frühlingsaustrieb schützen sollten.

Aussaat und Ernte von Liebstöckel

Vermehrt wird durch Aussaat ab Mitte März oder durch Wurzelstockteilung. Es ist aber auch Herbstaussaat möglich. Bedecken Sie den Dunkelkeimer 1 cm dick mit Erde. Achtung: Der Samen sollte frisch sein, denn er verliert schon innerhalb eines Jahres seine Keimfähigkeit.

Liebstöckel benötigt viel Platz. Weil er außerdem seine Nachbarn im Wachstum behindert, sollten Sie ihm einen Einzelstand verordnen. Das bedeutet, dass im Umkreis von 60 cm keine andere Pflanze stehen sollte. Auch mit sich selbst verträgt er sich nicht so gut: Bei Neu- oder Umpflanzungen sollte er an einen Platz kommen, an dem die letzten vier Jahre kein Liebstöckel stand.

Für einen normalen Küchenhaushalt genügt in der Regel eine Pflanze. Das frische Kraut können Sie immer ernten, wobei es vor der Blüte am besten schmeckt. Mit Blühbeginn schmecken die Blätter immer bitterer. Sie können die Blütenbildung durch Ausschneiden des Blütenstängels verhindern. Dann ist allerdings eine Ernte der Früchte nicht mehr möglich. Die Früchte ernten Sie im Herbst, indem Sie die ganzen Dolden trocknen und später ausdreschen. Auch die Wurzelernte findet im Herbst (Oktober) statt.

Die Früchte des Liebstöckel sind gelb-braun und gerippt. © CC0 / conny_sf

Die Früchte des Liebstöckels sind im Herbst erntereif. Sie kommen zum Beispiel als Brotgewürz zum Einsatz.

Woher stammt der Liebstöckel ursprünglich?

Wenn man von der Beliebtheit des Liebstöckels in den Gärten unserer Großeltern ausginge, könnte man denken, es handle sich um ein heimisches Würzkraut. Dem ist aber nicht so, denn er kommt ursprünglich aus Persien. Von dort breitete er sich im ganzen Mittelmeerraum aus. Vor allem bei den Römern war er äußerst beliebt und verbreitete sich deshalb im gesamten Römischen Reich. Nach Deutschland kam der Liebstöckel allerdings erst im achten Jahrhundert mit den aus Italien stammenden Benediktinermönchen. Als wichtige Pflanze der Klostergärten fand er schließlich den Weg in die Bauerngärten.

Liebstöckel für die Liebe?

Liebstöckel hatte im Mittelalter den Ruf, aphrodisierend zu wirken – darauf weisen die alten Namen „Luststecken“ oder „Liebesröhre“ hin. Aus den Wurzeln braute man Liebestränke oder man trug sie als Amulett bei sich. Junge heiratswillige Frauen nahmen die aromatische Wurzel mit ins Badewasser. So parfümiert, glaubten sie, würden sie auf die Burschen unwiderstehlich wirken. Dieser Zauber funktionierte aber nur, wenn man die Wurzel in einer Johannisnacht ausgegraben hatte. Zudem legte man früher die Blätter in die Schuhe, um die vom Wandern müden Füße zu erfrischen. Vielleicht auch, um damit ein Schweißdüftchen zu übertönen? Der Name „Liebstöckel“ hat übrigens nichts mit Liebe zu tun (wie man vielleicht denken könnte). Er entwickelte sich sprachgeschichtlich aus dem lateinischen libisticum.

Das Maggikraut in der Küche

Weil der würzige Geschmack von Liebstöckel viele Menschen an ein Suppengewürz namens „Maggi“ erinnerte, bekam er den Spitznamen „Maggikraut“. In dieser industriell hergestellten Würzsoße befindet sich allerdings kein Liebstöckel. Julius Maggi produzierte sie erstmals im Jahre 1886 auf der Basis von Leguminosen.

Ideal für kräftige Eintöpfe

Liebstöckel schmeckt kräftig würzig, mit einem ganz typischen Geruch, etwas sellerieähnlich und hefeartig. Zum Würzen eines Gerichtes reichen oft schon wenige Blätter. Zu viel Liebstöckel kann ein Gericht unangenehm dominieren. Die Blätter haben vor der Blüte das beste Aroma.

Liebstöckel ist das ideale Gewürz für kräftige Eintöpfe, Suppen, Gemüse und Braten. Die intensiv duftenden Blätter vertragen im Gegensatz zu vielen anderen Kräutern sehr gut Hitze und können deshalb mitgekocht werden. An der ligurischen Küste in Westitalien findet man Liebstöckel noch häufig in der Küche. Dort verarbeitet man ihn traditionell in Tomatensauce und in Minestrone.

Die Blätter des Liebstöckel sind saftig grün und wachsen hier in seperaten Töpfen. © CC0 / Andreas Goellner

Die Blätter des Liebstöckels werden vor allem in der italienischen Küche bei würzigen Saucen eingesetzt.

Außer den Blättern können Sie auch die jungen, saftigen Stängel nutzen. Man dünstet sie als Gemüse oder schneidet sie in Suppen. Früher kandierte man sie sogar. Die aromatischen Früchte (Samen) können Sie als Gewürz für Brot und salziges Gebäck nehmen oder als Würze für Likör. Sie spielten in der altrömischen Küche eine wichtige Rolle als Fleisch- und Fischgewürz. Der kräftige Wurzelstock eignet sich als würzige Zutat für Gemüse und Suppen.

Küchentipp: Verwenden Sie am besten das frische Kraut, auch wenn sich Liebstöckel sehr gut zum Trocknen eignet. Damit die Blätter beim Trocknen nicht gelb werden, sollte es sehr schnell gehen.

Heilkräftige Wurzel

Liebstöckel war in der Antike und im Mittelalter eine bekannte Heilpflanze – hauptsächlich als Mittel gegen Schlangenbisse und gegen Halsschmerzen. Bei Halsschmerzen musste man den hohlen Stängel der Pflanze als Trinkrohr benutzen und heiße Milch aufsaugen. Man nannte ihn deshalb auch „Schluckwehrohr“. Diese Anwendung sollte gleichermaßen bei Husten hilfreich sein. In einigen Gegenden zündete man bei Husten und Halsschmerz den hohlen Stängel an einem Ende an und zog den Rauch wie aus einer Zigarette ein. Ob das wohl geholfen hat? Außerdem nutzte man Liebstöckel gegen Blähungen, weil er „den Wind aus den Därmen treibt“, und als menstruationsförderndes Kraut, das „den Frauen ihre Zeit bringt“.

Hilfreich bei Harnwegsinfekten

Heute stehen vor allem harntreibende, appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkungen im Vordergrund. Die gute Wirkung bei Harnwegsinfekten ist wissenschaftlich belegt, denn Liebstöckel sorgt nicht nur für eine Durchspülung der Harnwege, sondern wirkt auch antibakteriell – neueren Studien zufolge vor allem das ätherische Öl. Außerdem konnte man antikarzinogene und schmerzhemmende Eigenschaften feststellen.

In der Heilkunde verwendet man selten die Blätter und Früchte, sondern in erster Linie den kräftigen Wurzelstock, der die meisten ätherischen Öle enthält. Man nimmt auf eine Tasse Tee einen TL zerkleinerte Wurzel und lässt das ganze zehn Minuten ziehen. Bei Nierenerkrankungen und während der Schwangerschaft sollte man Liebstöckel nicht als Medizin nutzen.

Rezept für selbst gemachte Kartoffelsuppe mit Liebstöckel

Zutaten

  • 1 Zwiebel
  • ½ TL zerstoßenen Kümmel
  • 3 EL Butter
  • 80 g junge Liebstöckelblätter
  • 40 g Petersilienblätter
  • 500 g mehlig kochende Kartoffeln
  • 1 ¼ l Gemüsebrühe
  • 2 EL Grünkern
  • Pfeffer
  • Salz
  • Auf Wunsch Crème fraîche

Zubereitung

  1. Braten Sie die gehackte Zwiebel und den zerstoßenen Kümmel in Butter an.
  2. Klein geschnittene Kräuter zufügen und kurz mitgaren.
  3. Dann klein gewürfelte Kartoffeln und Grünkernmehl dazugeben und mit Gemüsebrühe aufgießen. In 15 Minuten gar kochen.
  4. Mit Pfeffer und Salz abschmecken und vom Herd nehmen. Falls gewünscht, mit einem Klecks Crème fraîche garnieren.

Rezept für selbst gemachten Liebstöckel-Tomaten-Reis

Zutaten

  • 2 Tassen Reis
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 Bund junge Liebstöckelblätter (ca. 70 g)
  • 2 Tassen Gemüsebrühe
  • 2 Tassen Tomatensoße (fertig gewürzt aus dem Glas)
  • Je ½ TL Pfeffer und Liebstöckelsamen

Zubereitung

  1. Die klein geschnittene Zwiebel in etwas Olivenöl rösten.
  2. Liebstöckel fein hacken und kurz mitdünsten.
  3. Reis hinzufügen und mit Gemüsebrühe und Tomatensoße aufgießen. Je nach Reissorte 10–20 Minuten garen, sodass die Flüssigkeit aufgesogen wird.
  4. Kurz vor Schluss mit den frisch gemörserten Gewürzen abschmecken.

Mit etwas Sommergemüse ist dies eine komplette Mahlzeit, oder man gibt es nach altrömischer Tradition als Beilage zu gebratenem Huhn. Die Römer kannten zwar schon den Reis, nahmen als Kochgetreide aber meist Dinkel. Der Reisanbau in Italien begann erst im 16. Jahrhundert.

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Bildquellen

  • liebstoeckel-fruechte: © CC0 / conny_sf
  • liebstoeckel-blaetter: © CC0 / Andreas Goellner
  • liebstoeckel: © Annett Seidler - stock.adobe.com

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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