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Der Rainkohl – unscheinbar, aber lecker

Links die grünen Grundblätter, rechts die gelb blühende Pflanze

Im März und April beginnt in der Pflanzenwelt der Frühling und viele Wildkräuter strecken ihr zartes Grün ins Sonnenlicht. Das ist die beste Zeit für das Sammeln von Wildkräutern, denn jetzt schmecken sie noch mild und zart und enthalten gleichzeitig viele gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe.

Ich möchte Ihnen nachfolgend den Gewöhnlichen Rainkohl (Lapsana communis) ans Herz legen, eine unscheinbare Pflanze, die sehr häufig in Gärten, auf Ackerflächen und an Weg- und Waldrändern zu finden ist.

Rainkohl war Unkraut und Arme-Leute-Essen

Der Rainkohl liebt stickstoffreiche Standorte, weshalb er gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen wächst. Die Silbe Rain- gibt einen eindeutigen Hinweis auf den Verbreitungsort, die Weg- und Ackerränder. Er war schon in der Jungsteinzeit ein häufiges „Unkraut“ auf den Rodungen der ackerbautreibenden Menschen. Verkohlte Rainkohlreste in neolithischen Siedlungen belegen, dass er damals gesammelt und gegessen wurde.

Auch aus der Zeit der Römer gibt es Hinweise für seine Nutzung als Nahrungspflanze. Im alten Rom gab es den Ausspruch „Lapsana vivere“, was so viel heißt wie „von Rainkohl leben“. Allerdings hatte das Sprichwort eine negative Bedeutung, denn es wurde dann verwendet, wenn man nicht viel zu essen hatte. Es scheint also eine Speise der Armen oder eine Notnahrung in Hungerszeiten gewesen zu sein. Auch der Name Kohl ist ein Hinweis auf den gemüseähnlichen Gebrauch. Die alte Nutzung ist heute in Vergessenheit geraten, der gelbe Korbblütler wird von den meisten Menschen nur als lästiges Unkraut angesehen und ausgerupft. Dabei lohnt es sich das schmackhafte und gesunde Wildgemüse in die Küche zu holen.

Der Geschmack von Rainkohl: Angenehme Bitterkeit

Der einjährige Rainkohl war für mich persönlich eine der großen Entdeckungen im Bereich der Wildgemüse, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich ihn jahrzehntelang unbeachtet aus meinem Garten herausgehackt hatte. Am feinsten sind die jungen Blätter, die man im Herbst schon überall aus der Erde spießen sieht. Eine Ernte lohnt sich mengenmäßig aber erst im folgenden Frühjahr, wenn sich die bodenständigen Grundrosetten entfalten. Die zarten Rosettenblätter können den ganzen Frühling gesammelt werden, bis sich der Blütenspross entwickelt. Der Geschmack ist salatartig mit einer angenehmen Bitternote, vergleichbar mit Chicorée. Aber die jungen Blätter und zarten Triebe sind nicht nur eine wunderbare Salatzutat, sie eignen sich auch bestens für Gemüse, Suppen, Eierspeisen oder als spinatähnliche Füllung für Teigtaschen oder Quiche. Wer die feine Bitterkeit nicht mag, legt die Blätter vor der Nutzung 10 Minuten in lauwarmes Wasser.

Für die Küche sind nur die jungen Pflänzchen geeignet, denn die Bitterkeit der Blätter nimmt immer mehr zu, je näher die Blüte rückt. Vor allem die Stängelblätter sind sehr herb und auch von der Blattstruktur zäh und faserig.

Die kleinen grünen Blättchen heben sich deutlich von der dunklen Erde ab. © Rudi Beiser

Besonders lecker schmecken die kleinen Grundblätter als Salat oder gedünstet wie Spinat.

Tipps zur Ernte der Rainkohl-Blüten

Die ab Juni erscheinenden Knospen können Sie in Butter andünsten oder als falsche Kapern einlegen. Die geöffneten gelben Korbblüten eignen sich als essbare Dekoration. Entfernen Sie dazu den etwas bitteren Kelch und streuen Sie die gelben Zungenblüten über den Salat. Zum Blütenernten müssen Sie vormittags zwischen 6 und 12 Uhr unterwegs sein, denn nachmittags schließen sich die Blüten bis zum nächsten Morgen.

Verwechslungen ausschließen: So erkennen Sie den Rainkohl

Der Rainkohl kann eventuell mit einigen anderen gelbblühenden Korbblütlern verwechselt werden, die jedoch alle essbar sind. Dazu gehören zum Beispiel der

Wiesenpipau (Crepis biennis), das Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) und der Mauerlattich (Mycelis muralis). Es gibt keine Giftpflanzen, mit denen der Rainkohl verwechselt werden könnte.

Eine Besonderheit des Rainkohls ist die Vielgestaltigkeit der Blätter. Im unteren Bereich der Pflanze (Grundblätter) sind sie leierförmig. Das Grundblatt besteht aus mehreren Fiederlappen, wobei der Endlappen an der Blattspitze auffällig groß ist und das Blatt sozusagen dominiert. Die Form des Endlappens erinnert an das antike Zupfinstrument (Leier). Die Seitenfiedern sind dagegen sehr klein. Ganz anders die Stängelblätter: Sie sind anfangs oval-lanzettlich und werden nach oben hin immer kleiner und schmaler. Die Blätter sind am Rand buchtig gezähnt und vor allem auf der Blattunterseite stark behaart.

Der Stängel enthält Milchsaft und ist spärlich behaart. Mit zunehmendem Alter verfärbt er sich rötlich. Die Blüten sitzen in kleinen rispig angeordneten Körbchen mit 8–16 blassgelben Zungenblüten.

Nahaufnahme der grünen Blätter am dunklen Stängel. © Rudi Beiser

Die Stängelblätter des Rainkohls unterscheiden sich von den Blättern der Grundrosette. (Siehe Bild oben)

In Vergessenheit geratene Heilpflanze

Rainkohl ist reich an Mineralien und Vitaminen. Außerdem enthält er in seinen Blättern zahlreiche Sekundäre Pflanzenstoffe, wie Chicorsäure und Kaffeesäurederivate, die eine starke antioxidative Wirkung sowie das Immunsystem stärkenden Effekte besitzen. Außerdem findet man im Rainkohl reichlich Sesquiterpen-Bitterstoffe, die den Appetit anregen, den Gallefluss fördern und unseren Organismus kräftigen.

In der Volksheilkunde vergangener Zeiten war der Rainkohl eine Pflanze, die äußerlich auf entzündete Haut und Wunden gelegt wurde. Man machte vor allem den in der Pflanze enthaltenen Milchsaft für die Heilwirkung verantwortlich. Innerlich wurde Rainkohl bei Verstopfung genutzt, worauf auch der aus dem altgriechischen stammende Gattungsname Lapsana hinweist, was so viel wie „entleeren“ bedeutet. Doch keine Angst, der Genuss als Wildgemüse hat keine entsprechende (Neben-)Wirkung!

Rezept für veganen Rainkohl-Salat

Zutaten

  • 3 EL Kürbiskernöl (oder Olivenöl)
  • 3 EL Balsamico-Essig
  • 2 TL Senf
  • 1 TL Sojasoße
  • 1 EL Mandelmus
  • Salz und Pfeffer
  • 100 g junge Rainkohlblätter
  • 100 g Feldsalat
  • 3 EL Sonnenblumenkerne
  • ½ EL Sojasoße

Zubereitung

  1. Aus Öl, Essig, Senf, Sojasoße und Mandelmus eine Salatsoße rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  2. Rainkohlblätter in Streifen schneiden und mit Feldsalat unter die Soße mischen.
  3. Sonnenblumenkerne ohne Fett anrösten und mit Sojasoße ablöschen. Kräftig rühren bis die Sojasoße verdampft ist und die Kerne trocken sind. Über den Salat streuen und servieren.

Rezept für vegetarisches Rainkohl-Gemüse

Zutaten

  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Butter oder Olivenöl
  • 500 g junge Rainkohlblätter
  • 150 g junge Brennnesselblätter
  • 50 ml Gemüsebrühe
  • 150 g Frischkäse oder Creme fraîche
  • Salz und Pfeffer
  • 2 EL Parmesan

Zubereitung

  1. Kleingehackte Zwiebel und Knoblauch in Butter andünsten.
  2. Grob zerkleinerten Rainkohl und Brennnesseln dazugeben und zusammenfallen lassen. Mit Gemüsebrühe ablöschen, Frischkäse zugeben und einige Minuten ziehen lassen.
  3. Mit Salz, Pfeffer und Parmesan würzen.

Das Rainkohl-Gemüse eignet sich als Beilage oder als herzhafte Füllung für Pfannkuchen und Quiche.

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Bildquellen

  • rainkohl-grundblaetter: © Rudi Beiser
  • rainkohl-staengelblaetter: © Rudi Beiser
  • rainkohl: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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