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Pflanzenporträt: Hopfen – mehr als nur Bier

Hopfen wächst frei in der Natur und wird von der Sonne angestrahlt.

Echter Hopfen (Humulus lupulus) ist eine Kletterpflanze, die nicht nur angebaut wird, sondern auch in Auwäldern und an Waldrändern wild wachsend zu finden ist. Die mehrjährige Schlingpflanze hat einige botanische Besonderheiten anzubieten. Die mit steifen Kletterhaaren übersäten Ranken der Hopfenpflanzen sind rechtswindend, was selten vorkommt. Das schnelle Wachstum der Hopfenpflanzen ist beeindruckend. Innerhalb eines Sommers können die Pflanzen sechs bis neun Meter hochranken. Wenn der Hopfen im Frühjahr aus dem Wurzelstock austreibt, legt er ein unglaubliches Tempo vor – er wächst 30 Zentimeter am Tag. So schnell ist keine andere Pflanze Europas.

Echter Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse, ist also ein naher Verwandter des Hanfs. Der Hopfen ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Nur die weiblichen bilden die begehrten Hopfenzapfen aus, die „Hopfendolden“ genannt werden. Die Zapfen sind hellgrün und tragen Deckblätter, die wie Dachziegel übereinanderliegen. Die Blüten der männlichen Pflanzen sind grüngelbe Rispen, die recht unscheinbar aussehen.

Es gibt zahlreiche Sorten von Hopfen. Eine Übersicht der Hopfensorten, die allein in Deutschland beheimatet sind, finden Sie beispielsweise in der Hopfensortenmappe der CMA.

Hopfen – Biergewürz der Mönche mit dämpfender Wirkung

Bier ist ein uraltes Getränk, das auf eine über 6000 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Allerdings ist der Hopfen noch nicht lange im Bier. Vermutlich waren es die Benediktinermönche, die den Hopfen im achten Jahrhundert für die Bierbrauerei entdeckten. Lange Zeit hatten die Pflanzen Konkurrenz durch andere Bierkräuter, denn man nutzte damals auch Bilsenkraut, Gundermann, Dost, Johanniskraut und Schafgarbe. Erst mit dem bayerischen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 waren Hopfen und Bier untrennbar miteinander verbunden. Der Hopfen gibt dem Bier nicht nur das Aroma, sondern er verbessert auch die Schaumfestigkeit und die Haltbarkeit.

Geerntete Hopfenzapfen liegen zum Trocknen aus. © Rudi Beiser

Die weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen, werden im September geerntet und getrocknet.

Dass die Mönche gerade den Hopfen favorisierten, hatte bestimmte Gründe. Diese machen den regelmäßigen Biergenuss überdenkenswert. Hopfen stand damals im Ruf, die sexuelle Erregbarkeit der Männer zu dämpfen, was die Einhaltung des Zölibats erleichtern sollte. Diese Nebenwirkung des Bieres auf die Männerwelt führt man auf die östrogenähnlichen Wirkstoffe von Hopfen zurück. Zu diesem Thema existiert ein nettes Gedicht:

„Ein kühles blondes Bier
schadet weder ihm noch ihr.
Doch trinkt er täglich davon mehr,
wird es schaden ihm gar sehr:
ein dicker runder Kugelbauch, ’nen sanften Busen kriegt er auch
und Sex mit Frauen macht kein’ Spaß,
drum rat ich dir: Es reicht eine Maß!“

Hopfen kann wie Spargel verwendet werden

Was die wenigsten wissen: Bevor die Hopfenpflanze als Bierzutat Karriere machte, wurde sie von Feinschmeckern verwendet. Schon der Römer Plinius beschreibt den Hopfen als Leckerbissen. Der italienische Arzt Mattioli rühmt ihn im 16. Jahrhundert: „Im Frühling lassen die Leckermäuler die jungen Hopfenspargen zum Salat bereiten.“ Gemeint sind mit den „Hopfenspargen“ die jungen Sprossen vom Hopfen. Diese treiben von Mitte März bis Mitte April unter der Erde aus dem Wurzelstock. Über 100 Wurzelsprossen können das pro Wurzelstock sein. Weil die weißen, unterirdischen Triebe wie Spargel genutzt werden, nennt man sie auch „Hopfenspargel“.

Die unterirdischen, weißen Triebe des Hopfen werden ausgegraben. © Rudi Beiser

Die unterirdischen weißen Wurzeltriebe nennt man Hopfensprossen oder Hopfenspargel.

Man kann die Wurzeltriebe roh in Salat schneiden. Am besten schmecken die Hopfensprossen aber, wenn man sie wenige Minuten in Butter dünstet. In dieser Form eignen sie sich wunderbar als Füllung von Pfannkuchen. Der Geschmack ist einzigartig und liegt irgendwo zwischen Brokkoli und Spargel.

Hopfen – Zubereitung der Wurzeltriebe

Sobald die Hopfensprossen im April aus der Erde treiben, erscheinen sie zunächst rötlich und werden dann grün. Auch diese dünnen, zart beblätterten Zweiglein können in der Küche Verwendung finden. Sie erinnern nun geschmacklich ein bisschen an Spinat. Ältere Triebe werden schnell unangenehm bitter und holzig.

Die oberirdischen Austriebe des Hopfen sind rötlich gefärbt. © Rudi Beiser

Die ab April aus der Erde treibenden dünnen Triebe sind anfangs noch rötlich und haben eine spargelähnliche Form.

Die Anfang September reifenden Hopfenzapfen eignen sich nicht nur für Heilzwecke, sondern auch für die Likörherstellung. Die getrockneten Hopfenzapfen bauen während der Lagerung ihre Wirkstoffe schnell ab, weshalb man sie nicht länger als ein Jahr lagern sollte.   

Hopfen – beruhigend und schlaffördernd

Im Mittelalter galt der Hopfen vor allem als harntreibende und blutreinigende Medizin. Erst im 18. Jahrhundert trat die Bedeutung als Beruhigungsmittel in den Vordergrund. Die entspannende und schlaffördernde Wirkung ist heute das Haupteinsatzgebiet der Hopfenzapfen in der Pflanzenheilkunde. Man verordnet Hopfen deshalb bei Schlafstörungen, aber auch bei innerer Unruhe, Anspannung, Nervosität und Stress. Besonders wirksam ist er in Kombination mit Baldrian, vor allem, wenn man Probleme beim Einschlafen hat.

In der Volksmedizin spielt der Hopfen wegen der enthaltenen Bitterstoffe eine Rolle bei Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen. In der Frauenheilkunde nutzt man die Hopfenzapfen wegen ihrer östrogenähnlichen Eigenschaften bei Wechseljahrbeschwerden. Aufmerksam wurde man auf die östrogenähnliche Wirkung schon früher, als das Hopfenpflücken noch Handarbeit war. Die Pflückerinnen beobachteten während der Erntezeit verstärkte Blutungen und Zyklusstörungen.

Für die Heilwirkung der Pflanze ist in erster Linie jener Stoff verantwortlich, der die Bierbrauereien interessiert: das goldgelbe Drüsenmehl, das sich auf der Innenseite der dachziegelartig angeordneten Deckblätter der Hopfenzapfen bildet. Hier lagern die wichtigsten Hopfenwirkstoffe, nämlich das bittere Harz mit den Hopfenbitterstoffen Humulon und Lupulon sowie das aromatisch duftende ätherische Öl. In Hopfenanbaugebieten wird streng darauf geachtet, dass keine männlichen Pflanzen in der Nähe wachsen, denn befruchtete weibliche Blüten würden weniger Bitterharze produzieren.

Das gelbe Drüsenmehl des Hopfen ist aus den Hopfenzapfen ausgetreten und liegt neben den Zapfen auf einem Brett. © Rudi Beiser

Unter den Deckblätter befindet sich das gelbe harzige Drüsenmehl.

Verwendung von Hopfen als Dekoration für den Garten

Der mehrjährige, winterharte Hopfen ist eine wunderbare, schnell wachsende Pflanze für den Garten, mit der man Rankgitter, Sichtschutzelemente und Rosenbögen begrünen kann. Außerdem hat man einen Zusatznutzen als Gemüse – durch die Hopfensprossen –, als Heilpflanze oder als Zutat für selbst gebrautes Bier. Wichtig ist es, die weiblichen Pflanzen zu besorgen, ansonsten fällt die Ernte an Hopfenzapfen aus. Die männliche Pflanze setzt  man lediglich als Zierpflanze im Garten ein.

© Rudi Beiser

Hopfen eignet sich im Garten als dekorative Rankpflanze.

Wann muss Hopfen gepflanzt werden?

Der beste Zeitpunkt, um den Hopfen zu pflanzen, ist das Frühjahr. Die Pflanzung zur Herbstzeit ist ebenfalls möglich. In Deutschland werden verschiedene Sorten angeboten, die viele Aroma- und Bitterstoffe enthalten, wie etwa „Hallertauer“ oder „Tettnanger“. Ernten Sie die Hopfenzapfen möglichst Ende August bis Anfang September. Wenn man sie zu reif werden lässt, verlieren sie an Wirkstoffen und an Aroma. 

Rezepte und weitere Informationen rund um den Hopfen

Sowohl die Hopfenzapfen als auch die -wurzeln lassen sich vielfältig verwenden. Hier finden Sie einige Rezeptideen und einen weiteren Tipp, der ein königliches Schlaferlebnis verspricht.

Rezept für die Teemischung „Schöne Träume“ aus Hopfen

Zutaten

  • 50 g Hopfenzapfen
  • 20 g Melissenblätter
  • 20 g Baldrianwurzel
  • 10 g Lavendelblüten

Zubereitung

  1. Von dieser Mischung zwei Teelöffel mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und zehn Minuten bedeckt ziehen lassen.
  2. Eine Stunde vor dem Zubettgehen trinken.

Rezept für Hopfenspargel

Zutaten

  • Hopfensprossen
  • Butter
  • Sahne
  • Kräutersalz
  • Pfeffer

Zubereitung

  1. Hopfensprossen ein bis zwei Minuten in kochender Gemüsebrühe garen.
  2. Danach in der Pfanne kurz in Butter schwenken und mit Sahne, Kräutersalz und Pfeffer abschmecken. Ideal als Füllung für Pfannkuchen.

Rezept für Hopfenlikör

Zutaten

  • 60 g Hopfenzapfen
  • 500 ml Wodka oder Korn
  • eine Vanillestange
  • Schale einer Bio-Zitrone
  • 80 g Zucker
  • 100 ml Wasser

Zubereitung

  1. Hopfenzapfen, Zitronenschale und kleingeschnittene Vanille in ein verschließbares Glas füllen und mit Alkohol übergießen.
  2. Zwei Wochen ziehen lassen und abfiltern.
  3. Zucker in Wasser aufkochen und abgekühlt unter den Hopfenauszug mischen.
  4. In Flaschen abfüllen und vor dem Genuss noch zwei bis drei Wochen reifen lassen. 

Anleitung für ein königliches Schlafkissen

Der von Schlafstörungen geplagte englische König George III. bekam im Jahr 1787 ein Hopfenschlafkissen verordnet und wollte von da an keine Nacht mehr darauf verzichten. Vermutlich hat es ihm gutgetan.

Das brauchen Sie

  • eine kleine Kissenhülle (ca. 20 x 20 cm)
  • Baumwollwatte
  • Hopfenzapfen
  • Lavendelblüten

Und so geht’s

  1. Die Kissenhülle mit einer Mischung aus Baumwollwatte, Hopfenzapfen und Lavendelblüten füllen.
  2. Die Wirkung hält etwa vier bis fünf Wochen an. Danach sollten Sie das Kissen neu befüllen.

 

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Der Autor ist jedoch kein Arzt oder Apotheker. Die im Beitrag gegebenen Informationen sind nicht als Gesundheitsberatung zu verstehen. Besprechen Sie eine Anwendung der Tipps mit gesundheitlichem Bezug daher bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

 

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Bildquellen

  • hopfenzapfen: © Rudi Beiser
  • hopfenspargel: © Rudi Beiser
  • roetliche-hopfentriebe: © Rudi Beiser
  • hopfen-druesenmehl: © Rudi Beiser
  • hopfen-als-zierpflanze: © Rudi Beiser
  • hopfen: © CC0 / Matthias Oben

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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