Schützt, was Ihr liebt!

Effektive Mikroorganismen in der Landwirtschaft und im Garten?

Mit Erde bedeckte Hände greifen in ein Hochbeet.

Der Begriff „Effektive Mikroorganismen“ (EM) ist untrennbar mit dem Namen Teruo Higa verknüpft. Der japanische Gartenbau-Professor und auf Nachhaltigkeit spezialisierte Agrar-Experte ist der Entdecker beziehungsweise Erfinder des EM-Konzeptes. 

Unter EM versteht man flüssige oder in Pellets gepresste Mischungen aus verschiedenen Mikroorganismen, wie sie in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Diese Mischungen können dem Bodensubstrat zugeführt werden oder zum häuslichen Kompostieren mittels sogenannter Bokashi-Eimer verwendet werden. Dabei bieten sie eine Reihe von Vorteilen, darunter eine reduzierte Geruchsbildung und die Produktion natürlicher Mittel zur Rohrreinigung.

Teruo Higas regenerative Mikroben: Was sind effektive Mikroorganismen?

Es ist kein Geheimnis, dass die industrielle Landwirtschaft mit massiven Nachteilen für Mensch und Umwelt daherkommt. Landwirtschaftliche Böden enthalten heute immer weniger gesunde organische Bestandteile. Kunstdünger und künstliche Pflanzenschutzmittel führen zur Zerstörung der Pflanzen- und Tiervielfalt, machen die Böden ärmer, verschmutzen das Wasser und haben gleichzeitig dramatische Auswirkungen auf die Konsumentinnen und Konsumenten und auch auf die landwirtschaftlichen Betriebe selbst.

Dieses Problem hat längst ein globales Ausmaß erreicht. So untersuchte auch ein japanischer Professor für Gartenbau in den 1980er Jahren natürliche und ganzheitliche Möglichkeiten zur Pflege und zum Schutz des Bodens. Sein Name: Teruo Higa. Professor Higa fand heraus, dass bestimmte Mischungen von Mikroorganismen einen fruchtbaren und lebendigen Boden fördern konnten. Diese Mischung bekam den Namen Effektive Mikroorganismen (EM). 

Wie wirken sich Effektive Mikroorganismen auf den Boden aus?

Professor Higa teilt die im Boden aktiven Mikroorganismen in drei Kategorien ein: 

  • positive oder regenerative Mikroben – fördern die Bodengesundheit
  • negative oder degenerative Mikroben – fördern Fäulnisprozesse
  • opportunistische oder neutrale Mikroben – verhalten sich unterstützend

Je nach Gleichgewicht, so Professor Higa, beeinflussen diese Mikroorganismen die Bodengesundheit, wobei die opportunistischen dabei immer die dominanten regenerativen oder degenerativen Mikroorganismen unterstützen. 

Mikro ist das Stichwort

Die Wichtigkeit eines gesunden Mikrobioms – einer aus Mikroorganismen bestehenden Flora – ist in jüngster Zeit in vielen Bereichen deutlich geworden. Auch die Böden haben selbstverständlich ein bestimmtes Milieu, zu dem diverse Mikroorganismen dazugehören. Mit bloßem Auge sind die Mikroorganismen nicht zu erkennen, bestimmen aber in hohem Maße die Gesundheit ihrer jeweiligen Umwelt. 

In der konventionellen oder industriellen Landwirtschaft definiert sich das Bodenmilieu vor allem durch degenerative Mikroorganismen. Solche schwachen Böden können mit dem Ertrag gesünderer Böden nicht mithalten. Folglich verlangen sie nach noch mehr künstlichen Düngern und noch mehr künstlichen Insektiziden sowie Pestiziden. Mit dramatischen Folgen wie der zunehmenden Bodenerosion, steigender Nahrungsmittelknappheit und immer intensiverer Umweltverschmutzung. Die These von Teruo Higa: Versetzt man die schwächelnden Böden mit regenerativen EM, verschieben diese das Gleichgewicht günstig und stärken das Bodenmilieu. 

Ein Traktor fährt über einen Acker, der mit Effektiven Mikroorganismen behandelt wird. © CC0 / Chris Ensminger

Durch Effektive Mikroorganismen können stark beanspruchte Böden wieder ins Gleichgewicht kommen.

Für die EM-Lösungen kreierte Professor Higa entsprechende Mischungen aus unterschiedlichen regenerativen Mikroorganismen. Ihr Einsatz sollte die Bodengesundheit fördern, indem er die bereits im Boden enthaltenen „guten“ Mikroben unterstützt – für eine Verbesserung der Bodenqualität und der Pflanzengesundheit. 

Heute schwören auch viele Hobbygärtnerinnen und -gärtner auf Teruo Higas Entwicklung.

Wofür werden Effektive Mikroorganismen verwendet?

Effektive Mikroorganismen werden als nachhaltiger, holistischer Pflanzenschutz und Düngemittelersatz gesehen. Durch EM gestärkte Böden sollen gesündere, stärkere und resistentere Pflanzen hervorbringen. Wer auf EM setzt, berichtet auch von schmackhafteren Kräutern, üppigeren Ernten und sogar strahlenderen Blüten. 

Auch die Insekten wie Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge danken es den EM-behandelten Böden – schließlich kann man durch den Einsatz Effektiver Mikroorganismen die Verwendung künstlicher Insektizide aufgeben oder zumindest reduzieren.

Die mit EM behandelten Böden zeigen ebenfalls positive Veränderungen. Professor Higa erklärt diese Wirkung unter anderem mit der verstärkten Metabolisierung, die dazu führt, dass der Boden lebendiger und lockerer wird, das Wasser besser aufnimmt und sich somit nach und nach fruchtbarer zeigt. 

Eine Frau hat in einem Holzkorb die Gemüsernte aus ihrem Garten dabei. © Waschbär

Gesunde Böden sorgen für eine reiche Ernte.

Wertvolle Zusammensetzung

EM-Lösungen enthalten Milchsäurebakterien, Hefepilze und Fotosynthesebakterien. Die Milchsäurebakterien sorgen für Fermentationsprozesse, während die Hefepilze Kohlenhydrate und Sauerstoff in wertvolle Vitamine, Enzyme und Säuren verwandeln. Die zur Fotosynthese fähigen Bakterien können unter anderem Giftstoffe abbauen. 

Wer schon immer auf künstliche Dünger verzichten wollte, kann also Effektive Mikroorganismen als Dünger ausprobieren und sich so in nachhaltigem Gartenbau üben. 

Welche Pflanzen kann ich mit Effektiven Mikroorganismen gießen?

Kurz gesagt: Ob Gemüsebeet oder heimischer Rasen, ob Blumenwiese oder Balkondschungel, ob Zimmerpflanzen oder Obstgarten – EM können überall helfen. Es gibt Agrarbetriebe, die EM zur Reinigung der Stallböden nutzen, und Weingüter, die EM für ihre Weinberge verwenden. 

Ein Hochbeet mit jungem Salat wird mit einer Gießkanne mit Effektiven Mikroorganismen gegossen. © Waschbär

Beete und Böden freuen sich über die Behandlung mit Effektiven Mikroorganismen.

Auf dem Markt sind vielfältige EM-Produkte erhältlich, sodass sich für jede Pflanze das richtige finden lässt. Doch EM können sogar noch mehr, was vor allem diejenigen Leserinnen und Leser begeistern wird, die bereits begeistert kompostieren – oder es sich überlegen.

Clevere Alternative zum „aromatischen“ Komposthaufen: der Bokashi-Eimer

Was ist ein Bokashi-Eimer? Und was hat er mit Effektiven Mikroorganismen zu tun? 

Der Bokashi-Eimer ist eine so praktische wie bequeme Alternative zum Komposthaufen oder heimischen Küchen-Kompostierer. 

Unter Bokashi versteht man eine aus Japan stammende Methode, Bioabfälle mithilfe von EM zu fermentieren. So gewinnt man ganz einfach organischen Pflanzendünger und Rohrreiniger. Das Beste: Bokashi zeigt kaum eine Geruchsentwicklung. Durch die von EM ausgelöste Fermentation der Garten- und Küchenabfälle im Bokashi-Eimer riecht der Kompost mild säuerlich – in etwa wie fermentierte Lebensmittel, also beispielsweise Sauerkraut. 

In unserem Magazin-Beitrag erhalten Sie eine komplette Anleitung zu Bokashi.

 

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • acker-in-der-landwirtschaft: © CC0 / Chris Ensminger
  • gemuese-ernte: © Waschbär
  • giessen-mit-effektiven-mikroorganismen: © Waschbär
  • gesunder-boden: © CC0 / Sandie Clarke

Seit über 30 Jahren arbeitet der Waschbär schon als Namensgeber für unseren Versand. Unermüdlich ist er auf der Suche nach seinem Lieblingsfutter: nachhaltigen Themen und ökologischem Bewusstsein. Seine neueste Mission: Leserinnen und Leser mit spannenden, interessanten Beiträgen und Ratschlägen im Waschbär-Magazin zu informieren und zu unterhalten.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.