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Kleine Kürbiskunde: Anbau und Verwertung von Speisekürbis

Ein weißer, ein orangener Kürbis und eine helle Zucchini liegen beisammen.

Vor 50 Jahren nutzte man bei uns Kürbisse hauptsächlich als Schweinefutter oder in den USA ausgehöhlt als Halloween-Accessoire. Damals waren Speisekürbisse, wie beispielsweise der Hokkaidokürbis, in Deutschland kaum bekannt. Heute gibt es jedoch zahlreiche tolle Kürbissorten, die uns geschmackliche Highlights bescheren und die auch im eigenen Garten wachsen können. Damit der Anbau gelingt und die Verwertung ein Genuss wird, hilft es die Gewächse genauer kennenzulernen.

Ein bisschen Kürbisgeschichte

Der Ursprung der Speisekürbisse liegt in Amerika, wo schon vor 10.000 Jahren die ersten Sorten kultiviert wurden. Von den Wildformen konnte man anfangs nur den Samen nutzen, denn das Kürbisfleisch war bitter und ungenießbar. Aber den präkolumbianischen Ackerbauern gelang schon recht früh die Auslese von nichtbitteren Kürbissorten, die dann als Gemüse gegessen werden konnten.

Mit Christoph Kolumbus gelangte der Kürbis nach Europa und verbreitete sich recht schnell. Das neue Gemüse wurde schon 1543 von dem Botaniker Leonhart Fuchs in seinem Kräuterbuch ausführlich beschrieben. Die essbaren Kürbisse aus Amerika verdrängten dann die bis dahin in Europa kultivierten Flaschenkürbisse (Gattung Lagenaria) aus den Gärten. Diese stammen ursprünglich aus Afrika und wurden in Klostergärten hauptsächlich für medizinische Zwecke und für die Nutzung als Gefäße angebaut.

Fast grellgelb leuchten die kleinen Kürbisse an der Pflanze. © Constanze L.

Der Sweet Dumpling gehört noch zu den unbekannteren kleinen Gartenkürbissen.

Ein bisschen Botanik zu den Kürbissorten

Aus Sicht der Botanik ist die Kürbisfrucht eine Beere, und zwar eine Panzerbeere, weil die Außenhaut im reifen Zustand sehr hart wird. Keine andere Pflanze entwickelt größere Beeren. Von der Gattung Curcurbita gibt es 15 Arten, wovon vor allem drei Arten kultiviert werden: Der Garten-Kürbis (Curcurbita pepo), der Riesen-Kürbis (Curcurbita maxima) und der Moschuskürbis (Curcubita moschata). Aus diesen drei Arten wurden viele Hundert Kürbissorten gezüchtet. So gehören zum Beispiel der Hokkaidokürbis zu den Riesenkürbissen, der Butternut-Kürbis zu den Moschuskürbissen und der Steirische Ölkürbis, der Spaghettikürbis und die Zucchini zu den Garten-Kürbissen. Ja, sie haben richtig gelesen; die Zucchini sind auch Kürbisse. Die zahlreichen auf dem Markt befindlichen Kürbissorten sind sehr vielfältig: Sie unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe oft erheblich. Manche Sorten können extrem groß werden, weshalb sie bei seltsamen Wettbewerben zum Einsatz kommen: Der aktuelle Weltrekordkürbis brachte im Jahr 2016 1190 kg auf die Waage!

Der einjährige Kürbis hat männliche und weibliche Blüten, die in der Regel goldgelb blühen. Kürbisse gehören zu den wasserreichsten Gemüsearten. Deshalb haben sie einen geringen Nährwert und enthalten auch nicht allzu viele Vitamine und Mineralien. An gesundheitlich förderlichen Stoffen zeichnen sie sich durch einen hohen Gehalt an Carotinoiden aus.

Bekannte Kürbissorten im Überblick

Hokkaido – ein Riesen-Kürbis in Miniatur-Form

Hokkaido-Kürbisse zählen zu den bekanntesten und beliebtesten Kürbissorten. Die Züchtung stammt von der japanischen Insel Hokkaido. Obwohl sie botanisch zu den Riesen-Kürbissen zählen: Die handlichen Früchte werden in der Regel nur zwischen 0,5 und 3 Kilogramm schwer. Das Tolle beim Hokkaido – die knallig-orangene Schale wird beim Dünsten weich und kann mitgegessen werden. Außerdem hat das orangefarbene Fruchtfleisch ein ausgesprochen feines Aroma: mehlig, leicht süßlich, nussig und esskastanienähnlich. Der Hokkaido eignet sich vorzüglich für Creme-Suppen, Ofengemüse und Aufläufe. Das süßliche Fruchtfleisch lässt sich auch zum Backen einsetzen, beispielsweise für Kuchen oder Muffins.

Butternut – ein nussiger Moschus-Kürbis

Die Butternuss-Kürbisse, die in Amerika Butternuts heißen, gehören zu den wärmeliebenden Moschus-Kürbissen. Sie zeichnen sich durch ihre birnenähnliche Form und durch ihr sehr kleines Kerngehäuse aus. Deshalb enthalten sie relativ viel Fruchtfleisch, das im Vergleich zu anderen Kürbissen recht blass daherkommt. Das butterzarte Fruchtfleisch hat einen mild-nussigen Geschmack. Auffallend ist die im Vergleich zu anderen Kürbissen eher untypische glatte und dünne Schale, die bei jungen Exemplaren ebenfalls mitverwendet werden kann. Auch von der Größe her sind sie sehr handlich, meist haben sie ein Gewicht von 1-3 kg. In den USA werden die Butternusss-Sorten gerne zum Backen zum Beispiel für Pumpkin Pie verwendet.

Ein länglicher Butternutkürbis liegt mit einem Hokkaido-Kürbis und ein paar Zwiebeln in einem Korb. © Rudi Beiser

Der helle Butternut-Kürbis eignet sich auch zum Backen.

Muscade de Provence – ein Riese unter den Moschus-Kürbissen

Die berühmte französische Züchtung Muscade de Provence hat ihren Namen nicht umsonst, denn das saftige orangene Fruchtfleisch hat ein süßlich-nussiges Aroma mit einer sehr feinen Muskatnote. Er eignet sich wunderbar für Suppen und Püree. Allerdings wird er mit einem Gewicht von 8-20 kg relativ groß und unhandlich. Außerdem hat der Kürbis eine stark gerippte Schale, die das Schälen erschwert. Wie alle Moschus-Kürbisse benötigt er für eine gute Entwicklung viel Wärme.

Spaghetti-Kürbisse – der Name ist Programm!

Die länglichen Spaghetti-Kürbisse zählen botanisch zu den Garten-Kürbissen. Die Züchtungen haben ihren Ursprung in Japan. Bekannt wurden sie erst über den Umweg nach Amerika, wo sie als „Vegetabel Spaghetti“ Karriere machten. Und da sind wir auch schon bei der Besonderheit dieser Sorten: Ihr hellgelbes Fruchtfleisch hat eine faserige Struktur, die beim Kochen in spaghettiähnliche dünne Steifen zerfällt. Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Sorten sind Spaghetti-Kürbisse weniger aromatisch. Aber das ist nicht weiter schlimm, wenn Sie die „Gemüse-Spaghetti“ mit einer würzigen Tomatensoße servieren. Mit einem Gewicht von 1-3 kg gehören die Spaghetti-Sorten zu den kleineren Kürbissen.

Der Ölkürbis – hier geht es um den Samen

Die Ölkürbisse, wie beispielsweise der Steierische Ölkürbis, gehören zu den Garten-Kürbissen. Die Besonderheit liegt im Samen: Dieser besitzt im Gegensatz zu den anderen Kürbissamen keine Samenschale und kann deshalb unkompliziert geknabbert werden. Die Samen werden gerne genutzt für Brot und Gebäcke oder man streut sie leicht geröstet über den Salat. Außerdem wird aus dem Samen ein wertvolles Öl gepresst. Die Vitamin E haltigen Kürbiskerne sind auch für ihre Heilwirkung bekannt, denn sie helfen Blasenleiden zu lindern und Prostatavergrößerung vorzubeugen.

Kürbisse im Garten anbauen

Zwei leuchtende Kürbisse an der Pflanze. © Constanze L.

Die Hokkaido-Kürbisse leuchten orange und sind bereit zur Ernte.

Die Besonderheiten, die beim Kürbisanbau beachtet werden sollten sind: Sie benötigen viel Platz, viel Düngung und viel Wasser, sie sind sehr frostempfindlich und sie entwickeln sich nur gut wenn sie es warm haben. Insbesondere die Moschus-Kürbisse sind sehr wärmebedürftig und können deshalb in kühlen Regionen kaum kultiviert werden.

Dementsprechend lieben Kürbisse Gartenböden, die sich leicht erwärmen und gleichzeitig einen hohen Humusgehalt besitzen. Für eine gute Düngung mit Kompost ((Link zum Kompost-Beitrag)) und auch für das Gießen mit Pflanzenjauchen sind sie sehr dankbar. Außerdem benötigen sie eine gleichmäßige Wasserversorgung, wobei sie keine Staunässe vertragen.

Da Kürbisse sehr kälteempfindlich sind, macht es Sinn, Jungpflanzen in Vorkultur anzuziehen. Säen Sie die Samen im April im Warmen in kleinen Töpfchen aus (Gewächshaus, Fenster). Erst nach den letzten Spätfrösten im Mai dürfen die Pflanzen dann ins Freie. Der Pflanzabstand beträgt mindestens 2 Meter.

Vor allem junge Pflanzen sind draußen einer großen Gefahr ausgesetzt, denn sie gehören zu den Lieblingsspeisen der Schnecken. Deshalb müssen entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Im Sommer erkranken Kürbisse gerne an Mehltau, was mit entsprechenden Spritzungen verhindert werden kann.

Vorsicht bei bitteren Früchten

Falls Sie selbst Saatgut gewinnen, dann sollten Sie bedenken, dass die befruchtenden Bienen durchaus bei anderen Kürbisarten gewesen sein könnten und es somit zu Kreuzungen oder Rückkreuzungen kommen kann. Dabei kommt das genetische Muster der Urahnen wieder zu Vorschein und das Fruchtfleisch wird bitter und giftig: Die Bitterstoffe (Curcurbitacine) verursachen schon in kleinen Mengen heftige Durchfälle und Übelkeit. Verzehren Sie also keine bitter schmeckenden Kürbis- oder Zucchinigerichte. Der extrem bittere Geschmack der Cucurbitacine ist zum Glück schon in sehr niedrigen Konzentrationen wahrnehmbar, so dass man kaum Gefahr läuft, sich zu vergiften.

Rezept für leckere vegane Kürbissuppe

Zutaten

    • 1 Zwiebel
    • 2 EL Olivenöl
    • 400 g Kürbisfruchtfleisch (Hokkaido oder Moschus-Kürbis)
    • 200 g Süßkartoffeln
    • 1 Liter Gemüsebrühe
    • 1/2 TL Curry
    • Frisch geriebener Ingwer (daumengroßes Stück)
    • Pfeffer
    • Salz
    • 100 ml Kokosmilch
    • 3 EL Kürbiskerne

Zubereitung

Beim Kürbis die Kerne entfernen und falls nötig schälen. In kleine Stücke schneiden. Süßkartoffeln schälen und würfeln. Zwiebel fein hacken. Kürbiskerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten und abkühlen lassen.

Zunächst Zwiebel in Öl glasig dünsten. Dann Gemüse dazugeben und anschwitzen. Mit Gemüsebrühe aufgießen und etwa 10 Minuten köcheln lassen. Jetzt im Mixer oder mit dem Pürierstab pürieren. Mit Curry, Ingwer, Salz und Pfeffer abschmecken. Kokosmilch unterrühren. Mit darüber gestreuten Kürbiskernen servieren.

Wer nach dem Kochen noch Fruchtfleisch übrig hat: Hier geht’s zu einem leckeren Rezept für Kürbis-Pesto.

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Bildquellen

  • sweet-dumpling-kuerbis: © Constanze L.
  • butternut-und-hokkaido-kuerbis: © Rudi Beiser
  • hokkaido-kuerbis: © Constanze L.
  • kuerbissorten: © Thilo S.

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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