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Kinderseifen: Sanfte Saubermacher für die ganze Familie

Neben dem Emaille-Becken mit Wasser liegen verschiedene Seifenstücke, in Männchenform und mit Prägung.

An den Badezimmern lässt es sich ablesen, das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit: Viele Familien haben ganze Batterien von Plastikflaschen, -tiegeln und -tuben vom Waschbecken und Badewannenrand verbannt und viel Platz gewonnen. Wo früher Flüssigseife und für jedes Familienmitglied ein eigenes Duschgel standen, liegt in vielen Fällen nur noch ein Stück feste Seife. Das spart jede Menge Plastik – super für die Umwelt. Aber eignet sich dieselbe Seife wirklich für alle, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen? Wer sich damit beschäftigt, stößt schnell auf Kinderseifen, die mehrere Hersteller anbieten. Was ist das, wofür sind Kinderseifen gut – und braucht man sie?

Kinderhaut ist besonders

Dass Kinder nicht einfach kleine Erwachsene sind, merkt man schon an ihrer wunderbar glatten, weichen Haut. Gerade an Babys begeistert das Eltern so sehr, dass sie am liebsten gar nicht mehr aufhören würden, sie zu streicheln. – Das ist von der Natur durchaus so beabsichtigt, denn diese Liebkosungen braucht ein Baby für eine gute Entwicklung. Aber ihre Zartheit macht die Babyhaut auch empfindlich. Es wird Jahre dauern, bis die sie ihre Funktion als Schutzbarriere für den Körper vollständig erfüllen kann.

Das liegt zum einen daran, dass Baby- und Kinderhaut sehr viel dünner ist als die Haut von Erwachsenen. Zudem nehmen die Talgdrüsen erst allmählich ihre Arbeit auf, sodass noch kein Fettfilm vor dem Austrocknen schützt. Und auch das Mikrobiom muss sich erst entwickeln: Das ist die riesige Gemeinschaft von Mikroorganismen aller Art, die unseren Körper besiedeln und auf der Haut dafür sorgen, dass ein Großteil der schädlichen Erreger schon an der Eingangspforte abgewimmelt wird.

Die beiden Hände halten die Babyfüßchen nebeneinander, deutlich sichtbar ist die trockenere Babyhaut. © CC0 / tung256

Die Haut von Babys und kleinen Kindern ist viel zarter als die von Erwachsenen. Und damit auch empfindlicher …

Der Säureschutzmantel und die Seife

Dieses Mikrobiom braucht ein leicht saures Milieu, um zu gedeihen – den vielzitierten Säureschutzmantel. Der pH-Wert der menschlichen Haut liegt mit 4,7 bis 5,5 ganz natürlicherweise im sauren Bereich. Die Säuren helfen dabei, Feuchtigkeit zu binden. Sie selbst entstehen bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen.

Die mikrobielle Schutzpolizei fühlt sich in ihrem sauren Milieu pudelwohl und tut ihren Dienst – bis wir mit Wasser und Seife anrücken. Schon Trinkwasser ist leicht basisch und neutralisiert Säuren. Seife aber liegt mit einem pH-Wert zwischen 8 und 11 eindeutig tief im basischen Bereich und spült mit dem Säureschutzmantel auch Bakterien, Viren und anderen Mikroorganismen einfach weg. Was durchaus beabsichtigt ist: Nicht ohne Grund predigen Eltern schließlich ihren Kindern, nach jedem Toilettengang die Hände zu waschen (und tun es hoffentlich auch selbst).

Leider unterscheidet Seife nicht zwischen nützlichen und schädlichen Mikroben, sondern entfernt sie alle. Die Haut nimmt beim Waschen die basischen Eigenschaften der Seife an und braucht danach eine Weile, um ihren Säureschutzmantel wieder aufzubauen. Zudem löst Seife mit Schmutz und Schmier auch den körpereigenen Fettfilm, der vor dem Austrocknen schützt. Kein Wunder, dass sich die Haut nach einer gründlichen Seifenwäsche in den ersten Momenten so trocken anfühlt!

Am Anfang reicht Wasser

Bei gesunden Erwachsenen und vernünftigem (also sparsamem!) Einsatz von Seife ist das alles kein Problem: Das natürliche Gleichgewicht ist schnell wieder hergestellt. Bei Kindern mit ihrer viel empfindlicheren Haut sieht das schon anders aus. Babyhaut sollte deshalb gar nicht mit Seife oder anderen Hautreinigungsprodukten in Berührung kommen.

Aber irgendwann ist der Moment da, in dem das Kinderlächeln hinter einer Mischung aus Tomatensauce, Spielplatzsand und Fingerfarbe kaum noch zu erkennen ist und ein feuchter Waschlappen allein nichts mehr bringt. Und sobald das Kind die Toilette benutzt, gehört das Händewaschen selbstverständlich dazu.

Die Nahaufnahme zeigt ein Kind mit Seifenschaum um den Mund © CC0 / Val14

Muss es Seife sein oder reicht noch pures Wasser? Die Frage sollten sich besonders Eltern von ganz kleinen Kindern stellen.

Flüssigseife oder feste Seife?

Saubermacher müssen also auch für Kinder sein – aber, so hieß es lange, nicht unbedingt Seife. Wenn schon reinigender Schaum, dann lieber Flüssigseife und Duschgel. Beide enthalten zwar genau wie Seife Tenside, die Schmutz binden und entfernen. Aber die flüssigen Waschsubstanzen können so hergestellt werden, dass sie einen ähnlichen pH-Wert haben wie die menschliche Haut. Auf dem Etikett heißt es dann „pH-hautneutral“ und dass so der Säureschutzmantel erhalten bliebe.

Das hat allerdings seinen Preis. Durchaus einen in Euro und Cent: Bedenkt man, dass die flüssigen Saubermacher zu ca. 85 Prozent aus Wasser bestehen, lassen sich die Hersteller die waschaktiven Substanzen ganz schön teuer bezahlen. Auch die Umwelt zahlt drauf, schließlich fällt jede Menge Plastik an, zumal manche Produkte auch noch Mikroplastik enthalten. Aber der größte Nachteil ist der Inhalt, der in diesen Plastikflaschen daherkommt. Weil Flüssigkeiten schnell verkeimen, werden Konservierungsstoffe zugesetzt, außerdem jede Menge Farb- und Duftstoffe.

Wir erinnern uns: Kinderhaut ist besonders dünn, weshalb Substanzen aller Art leichter eindringen können als bei Erwachsenen – auch schädliche. Gerade unter den Duft- und Konservierungsstoffen stehen einige im Verdacht, Allergien auszulösen. Viele Eltern entscheiden sich daher dafür, für ihre Haut und die ihrer Kinder lieber feste Seife zu verwenden als einen Chemiemix aus der Plastikflasche. Womit sich wieder die Frage stellt: Brauchen Kinder Kinderseife?

Kinderseifen – was nicht drin sein sollte

Die Begriffe Kinderseife und Babyseife sind nicht geschützt. Sprich: Was sich dahinter verbirgt, ist keineswegs eindeutig geregelt. Klar ist allerdings, was Eltern von einer Baby- oder Kinderseife erwarten: dass sie speziell empfindliche Kinderhaut möglichst sanft reinigt und keine schädlichen oder Allergie auslösenden Bestandteile enthält. Da reicht es nicht, wenn das Seifenstück Bärchenform hat.

Denn auch feste Seifenstücke können mit künstlichen Zusätze wie Duft- und Farbstoffen versehen sein. Stark parfümiert sind vor allem billige Seifen, die auf Basis von Rindertalg hergestellt werden, denn dieser Stoff verströmt pur einen unangenehmen Geruch. Kinderseifen sollten dagegen so wenig wie möglich duften – der angenehme Geruch ist für die Elternnasen gedacht, für die Kinderhaut aber überflüssig bis schädlich.

Auch Erdölprodukte wie Paraffine (in den Zutatenlisten als Paraffinum Liquidum, Petrolatum oder Cera Microcristallina aufgeführt) möchten viele Eltern lieber nicht an die Kinderhaut lassen. Sie stehen im Ruf, sie auf Dauer eher auszutrocknen – und für die Umwelt sind sie problematisch, weil sie im Abwasser nicht biologisch abgebaut werden können.

Grobe Faustregel für den Einkauf: Alle Seifen, deren Zutatenlisten allzu lang oder vollkommen unverständlich sind, sowie alle, die stark duften, sollten lieber im Laden liegen bleiben.

Kinderseifen – was drin sein sollte

Wurde die Kinderseife dagegen auf Basis von Pflanzenölen hergestellt, ist das schon mal ein guter Anfang – umso besser, wenn es kaltgepresste sind. Besonders für Kinderseifen geeignet sind sanfte Öle wie Mandelöl, Aprikosenkernöl oder Jojobaöl.

Hier darf es auch gerne ein bisschen mehr sein. Enthält die Seife eine Extraportion Öl, die durch die Lauge nicht vollständig verseift wurde, bezeichnet man das im Fachjargon als Überfettung. Diese Öle kompensieren zum Teil, dass beim Waschen der hauteigene Fett- und Säurefilm dran glauben muss: Sie wirken rückfettend und damit pflegend. Gerade bei Kinderhaut, die ohnehin stark zur Trockenheit neigt, ist das wichtig.

Ebenfalls empfehlenswert, sind Seifen mit Schaf- oder Ziegenmilch oder mit Haferanteil, weil sie ebenfalls sehr sanft zu Werke gehen.

Naturseifen: öko und frei von künstlichen Zusätzen

Wer bei der Auswahl nach Produkten zu zertifizierter Naturkosmetik greift, stellt sicher, dass in dem Seifenstück keine synthetischen Stoffe enthalten sind. Zu erkennen ist solche Naturseife an Siegeln wie BDIH, Ecocert oder Natrue. Sie garantieren außerdem, dass die Grundstoffe aus ökologischem Anbau stammen. Gerade weil viele Seifenhersteller Palm- oder Kokosöl als Basis benutzen, ist das wichtig. Stammt es aus Bio-Anbau, wurde für die Plantagen zumindest kein Regenwald gerodet.

Dennoch: Auch zertifizierte Naturseifen können mitunter stark beduftet sein. Verwendet werden dafür ätherische Öle, die allerdings ebenso wie synthetische Duftstoffe unter Umständen allergische Reaktionen auslösen können. Weniger Geruch ist bei Kinderseifen definitiv mehr!

Die Hände reiben sich gegenseiteig mit Seifenschaum ein. © jackmac34

Seifen, die speziell auf Kinderhaut abgestimmt sind, eigenn sich auch für Erwachsene. Umgekehrt gilt das meist nicht.

Kinderseifen: Sanfte Seifen auch für Erwachsene

Übrigens: Auf Seifen, die für Kinder geeignet sind, muss keineswegs Babyseife oder Kinderseife stehen. Mit einer Naturseife, die aus den genannten Ölen besteht, rückfettend wirkt und nicht oder wenig duftet, kann man wenig falsch machen – zumal dann, wenn man sich an den Grundsatz hält, Kinderhaut grundsätzlich so wenig wie möglich einzuseifen.

Umgekehrt profitieren auch Erwachsene von Reinigung und Pflege durch eine kindergeeignete oder sogar explizit so benannte Kinderseife. Schließlich gibt es jede Menge Menschen über zwölf mit empfindlicher Haut! Denn im Grunde ist Kinderseife nichts anderes als ein besonders sanfter Saubermacher für die ganze Familie.

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Bildquellen

  • kinderhaut-ist-anders: © CC0 / tung256
  • kind-mit-seifenschaum: © CC0 / Val14
  • haende-mit-seifenschaum: © jackmac34
  • kinderseifen: Jurga Jot – stock.adobe.com

Sabine Schlimm schreibt am liebsten über gutes Essen und nachhaltiges Leben, und kreative Ideen kommen der Texterin und Kochbuchautorin gern beim meditativen Gemüseschnippeln. Oder wenn sie aufs Wasser guckt – zum Glück hat sie die Elbe gleich um die Ecke.

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