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(Heil-)Fasten: Erfahrungsbericht und Praxistipps

Eine Frau trinkt während des Heilfastens Tee und sitzt dabei gemütlich auf ihrem Sofa.

Immer mehr Menschen stehen unter Stress und sehnen sich nach einer Art Reinigung für Körper und Seele. Enthaltsamkeit ist in vielen Lebensbereichen daher schon seit einer ganzen Weile angesagt. Ich habe vor einiger Zeit das Fasten, genauer gesagt das Heilfasten, für mich entdeckt. Dabei verzichte ich regelmäßig ganz bewusst und höre auf diese Weise intensiv in meinen Körper und Geist hinein. Beim Fasten geht es für mich nicht primär um die Ernährung. Vielmehr ist es eine Verhaltensweise, um mich selbst zu spüren und neue Erkenntnisse zu sammeln. Weil ich selbst so begeistert davon bin, möchte ich meine Erfahrungen mit dem Heilfasten sowie generelle Gedanken zum Thema Fasten gern mit Ihnen teilen.

Was bedeutet „Fasten“ eigentlich? 

Das Wort „Fasten“ leitet sich vom althochdeutschen fasten ab, was ursprünglich wohl bedeutete „an den (Fasten)geboten festhalten“. Es geht darum, über einen festen Zeitraum hinweg auf Nahrung oder Genussmittel zu verzichten. 

In vielen Kulturen wird das Fasten zelebriert. So beginnt die Fastenzeit im christlichen Glauben traditionell am Aschermittwoch und geht bis zum Ostersonntag. Neben dem religiösen Fasten entscheiden sich jedoch viele Menschen generell dafür, das Fasten als bewusste Pause in ihr Leben einzubauen. Sie verzichten etwa auf Süßigkeiten oder Nikotin – oder beim sogenannten Digital Detox auf digitale Medien und Geräte. Nicht einfach, wo heutzutage schon die ganz Kleinen im Homeschooling mit dem Laptop arbeiten müssen …

Die richtige Fastenmethode finden

Von Intervallfasten über Saftkuren bis hin zum Heilfasten gibt es verschiedene Methoden. Überlegen Sie vorab, was Sie mit dem Fasten bewirken wollen, und berücksichtigen Sie immer Ihre individuelle körperliche Verfassung. Vielleicht ist es sinnvoller, zunächst auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, wie zum Beispiel auf tierische Produkte oder Zucker. Wenn Sie sich entscheiden, feste Nahrung für einen bestimmten Zeitraum ganz wegzulassen, sollten Sie sich am besten mit Hausarzt oder -ärztin abstimmen. 

Bunte Säfte zum Fasten in rot, gelb und grün sind in Gläser gefüllt. © CC0 / Skitterphoto

Wenn Sie beim Fasten auf feste Nahrung verzichten, sollten Sie immer gut auf Ihren Körper hören.

Bedenken Sie generell, dass sich das Fasten nicht eignet, um innerhalb einer Woche alle ernährungsbezogenen „Sünden“ der letzten Jahre auszugleichen. Stattdessen sollten Sie diese Auszeit eher als Anstoß für eine bewusstere Lebensführung oder als Impuls für eine generelle Ernährungsumstellung betrachten. 

Für mich das richtige: Heilfasten

Beim Heilfasten verzichten Sie über einen gewissen Zeitraum auf feste Nahrung. Lediglich Wasser, Tee, Saft oder Gemüsebrühe sind erlaubt. Der Verzicht soll Körper, Geist und Seele reinigen und das Wohlbefinden steigern. Viele Menschen berichten auch von einer Art Bewusstseinserweiterung. 

Heilfasten nach Buchinger

Der wohl bekannteste Begriff ist das Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger. Nach zwei Operationen und der Einnahme von Medikamenten wollte ich meinem Körper etwas Gutes tun. Ich hatte das Gefühl, ich muss mich reinigen – körperlich, aber auch, um meine Sinne zu schärfen. Hierfür erschien mir das Heilfasten besonders geeignet. Vor dieser Art des Fastens ist es sinnvoll, medizinischen Rat einzuholen. Ich habe mich hierzu mit meinem Hausarzt beraten. 

Fester Bestandteil des Heilfastens: die Darmentleerung

Zu einer Heilfastenkur gehört gleichermaßen das Thema Darmentleerung. Sie können mit Glaubersalz abführen oder einen Einlauf machen. Das Equipment dazu bekommen Sie in der Apotheke. Ebenso können Sie sich dort beraten lassen. Wenn der Darm leer ist, werden Sie keinen Hunger und keinen „knurrenden“ Magen haben. Ich habe mich nach der Darmentleerung immer sehr gut gefühlt.

Langsam anfangen und vorsichtig wieder einsteigen

Starten Sie mit einem kurzen Zeitraum, um zu testen, wie Sie mit dem Entzug von fester Nahrung zurechtkommen. Rechnen Sie vor den Fastentagen zwei Entlastungstage und nach dem Fasten mindestens zwei Aufbautagen ein. An den Entlastungstagen vor der Kur sollten Sie auf zu viel Zucker, Koffein und Nikotin verzichten. Essen Sie „leichte“ Lebensmittel mit wenig Fett, zum Beispiel gedünstetes Gemüse. Verzichten Sie bestenfalls auf tierische Lebensmittel. 

Die Aufbautage sollten ebenfalls ganz sanft verlaufen. Ähnlich wie an den Tagen vor der Kur essen Sie möglichst keine tierischen Lebensmittel und verzichten auf stark verarbeitete Speisen. Kauen Sie jeden Bissen gründlich. Magen und Darm brauchen jetzt eine schonende „Wiedereingliederung“ nach der Pause.

Bunte Paprika wird auf einem Schneidebrett aus Holz in feine Streifen geschnitten. © CC0 / RF._.studio

Gewöhnen Sie Ihren Körper mit Schonkost wie gegartem Gemüse an feste Nahrung.

Nach dem Fasten kommt das Fastenbrechen

„Jeder Dumme kann Fasten, aber nur ein Weiser kann das Fasten richtig abbrechen.“ Dieses Zitat, das dem Schriftsteller George Bernard Shaw zugesprochen wird, begleitet mich bei jeder Fastenkur – seitdem ich bei meiner ersten Kur wieder viel zu schnell im normalen Essverhalten gelandet bin. Der Stoffwechsel, der Darm, der Magen, kurzum der ganze Körper müssen sich langsam an den Übergang vom Trinken auf das Essen gewöhnen. Aber auch die Seele braucht Zeit für die Umstellung, denn das Ende des Fastens ist eine Art Neubeginn für Körper, Geist und Seele. Ich zelebriere das Fastenbrechen immer mit einem in Spalten geschnittenen, gedünsteten Apfel, den ich ganz langsam kaue – mindestens 30 Mal. Eine Geschmacksexplosion, der Sie viel Aufmerksamkeit schenken dürfen. 

Meine persönlichen Tipps fürs Heilfasten

  • Werfen Sie einen Blick auf Ihre Regale und in Ihren Kühlschrank. Nach einer Fastenkur wird es Ihnen leichtfallen, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Da wäre es schade, wenn direkt ungesunde Verlockungen in der Küche lauern. Verschenken Sie die Lebensmittel, denen Sie auch weiterhin entsagen möchten. In unserem Dorf gibt es beispielsweise einen „Fairteiler“, bei dem jeder und jede nicht mehr benötigte Lebensmittel abgeben kann.
  • Falls Sie eine Familie versorgen müssen, bitten Sie um Unterstützung. Vielleicht verzichten die Familienmitglieder ja für Sie auf die Tüte Chips oder die Tafel Schokolade?
  • Trinken Sie ausreichend. Zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßter Tee sollten es pro Tag sein. Gönnen Sie sich zur Belohnung doch einmal ganz besondere Teesorten, zum Beispiel spezielle Fastentees.
  • Ich habe regelmäßig Leberwickel gemacht, um dieses wichtige Organ zu unterstützen. Dafür legen Sie einen feuchten Waschlappen auf den rechten Oberbauch – da, wo die Leber sich befindet. Hierauf legen Sie eine Wärmflasche mit heißem Wasser und das Ganze umwickeln Sie dann mit einem größeren Handtuch. Entspannen Sie sich und legen Sie sich für 20 bis 30 Minuten hin, am besten mit einer Decke zugedeckt. Falls Sie gesundheitliche Beschwerden haben, sollten Sie sich jedoch erst ärztlich beraten lassen.
  • Trockenbürstenmassagen fördern die Durchblutung und bringen den Lymphfluss in Schwung. 
  • Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, bei einer moderaten Hitze in einer Sauna das Schwitzen in Gang zu bringen. 
  • Sollten Sie Kreislaufprobleme haben, helfen ein bis zwei Teelöffel Honig im Tee.
  • Gegen den pappigen Geschmack im Mund können Sie Zitronenspalten lutschen. 
  • Bereiten Sie eine klare, ungesalzene Gemüse- oder Hühnerbrühe zu. Diese können Sie mittags oder abends löffeln. Sie spendet Wärme und Energie und sorgt für geschmackliche Abwechslung.
  • Falls Sie rauchen (ich selbst war während der ersten Fastenkuren noch Raucherin), versuchen Sie auf ein Minimum an Nikotin herunterzufahren. Bedenken Sie, dass Sie die Selbstreinigung des Körpers damit stören.
  • Achten Sie auf die Zeichen Ihres Körpers und suchen Sie im Zweifel den Rat eines Arztes oder einer Ärztin.

Alternative Möglichkeiten: Plastikfasten, Digital Detox und Co.

Beim Fasten geht es um den bewussten Verzicht. Dabei muss es gar nicht immer die Enthaltsamkeit bei Nahrungsmitteln sein. Versuchen Sie doch einmal gezielt, für mehrere Wochen nichts zu kaufen, was in Plastik eingepackt ist. Tipps für das Plastikfasten im Badezimmer finden Sie im Waschbär-Magazin.

Eine Frau kauft im Unverpackt-Laden ein. © jackfrog - stock.adobe.com

Plastikfrei einkaufen klappt prima im Unverpackt-Laden.

Wer viel streamt oder fernsieht, kann sich eine Pause von dieser Dauerberieselung verordnen. Oder Sie betreiben aktives Konsum-Fasten. Kaufen Sie für eine gewisse Zeit nur das, was wirklich lebensnotwendig ist. Sie werden überrascht sein, wie einfach es ist, sich kleinen Gewohnheiten zu entziehen. Die Abstinenz tut Ihnen sicherlich gut und kann Ihnen eine neue Perspektive verschaffen.

Weitere Tipps für eine gute Fastenerfahrung

  • Wenn möglich, nehmen Sie sich in der geplanten Fastenzeit ein paar Tage frei. So können Sie sich viel Ruhe und Zeit für sich selbst und den Körper schenken. Der Alltag sollte möglichst erst mal auf die Seite geschoben werden.
  • Finden Sie einen Ausgleich, der Sie beschäftigt. Ein neues Hobby hilft Ihnen dabei, Ihre Gedanken und Ihre Energie auf andere Dinge zu lenken. Die Ablenkung kann sogar den Verzicht durch das Fasten in den Hintergrund rücken lassen.
  • Kümmern Sie sich bewusst um Ihre Selbstfürsorge, machen Sie etwas Yoga oder meditieren Sie. Falls Sie das Gefühl haben, dass Sie das Fasten schlecht in Ihren Alltag integrieren können, könnte eine Fastenwanderung etwas für Sie sein. 
  • Gehen Sie jeden Tag an die frische Luft und atmen Sie bewusst und tief ein. 
  • Führen Sie ein persönliches Journal, mit dem Sie Ihre Fastenerfahrung begleiten. Halten Sie in dem Tagebuch zum Beispiel fest, wie Sie sich durch den Verzicht währen des Fastens gefühlt haben, welche Gedanken Ihnen kamen und welche positiven Aspekte Sie auch nach der Fastenzeit beibehalten wollen. Das Fasten-Tagebuch hilft, die Gedanken zu ordnen, und kann eine wertvolle Unterstützung in der nächsten Fastenzeit sein.
In einem Tagebuch werden die Erfahrungen zum Fasten niedergeschrieben. © CC0 / lilartsy

Ein Fasten-Tagebuch kann dabei helfen, die Erfahrungen während des Fastens zu verarbeiten.

Was bringt das Fasten?

Der Verzicht auf bestimmte Dinge oder Lebensmittel kann in der heutigen Konsumwelt wieder zu mehr Demut verhelfen. Diese bewusste Auszeit kann vor allem Impulse für das weitere Leben geben. In Bezug auf das Heilfasten habe ich beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass sich der Geschmack ändert. Sie werden feststellen, dass Sie beim Würzen gar nicht mehr so viel Salz oder Zucker brauchen wie vor Ihrer Fastenkur. Wer über mehrere Wochen hinweg auf Plastik verzichtet hat, wird wahrscheinlich auch danach noch auf Mehrwegbehälter und festes Shampoo zurückgreifen. Das Konsum-Fasten kann der Übergang zu einem minimalistischen Lebensstil sein. 

Fazit: Für mich ist das Fasten eine echte Bereicherung

Ein- bis zweimal im Jahr ziehe ich mein Fastenprogramm durch. Es geht mir nicht darum, wie bei einer normalen Diät vielleicht ein paar Kilo zu verlieren. Vielmehr ist es für mich eine Reinigung für Körper und Geist. Ich empfehle Ihnen wirklich, mutig zu sein und eine Methode des Fastens auszuprobieren. Sie werden staunen, welche Änderungen es in Ihrem Bewusstsein bewirken kann. 

Viel Erfolg wünsche ich Ihnen! 

 

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Bildquellen

  • bunte-saefte-zum-fasten: © CC0 / Skitterphoto
  • gemuese-zubereiten: © CC0 / RF._.studio
  • plastikfrei-einkaufen: © jackfrog - stock.adobe.com
  • fasten-journal-schreiben: © CC0 / lilartsy
  • frau-trinkt-tee-auf-sofa: © Waschbär

Constanze lebt inzwischen schon seit 18 Jahren in der Waschbär-Welt und ist zurzeit im Einkauf mit der Mission „Grüner Daumen“ befasst. Im eigenen kleinen Garten beweist sie bei jeder Gelegenheit den Mut zum Ausprobieren und geht mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Freund der immer neuen Frage nach, wo was herkommt. Ist eine Antwort gefunden, genießt die kleine Familie die Schönheit der Natur oder sorgt für die Unterhaltung ihrer zwei Katzen.

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