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Vogelhecken: Lebensraum für Gefiederte und Insekten pflanzen

Das Rotkehlchen sitzt zwischen Blättern auf einem Ast.

Hecken sind nicht nur Gestaltungselement und ästhetische Bereicherung des Gartens und der Kulturlandschaft, sondern erfüllen zahlreiche weitere Aufgaben: So verbessen sie beispielsweise das Kleinklima, filtern Staub und Abgase aus der Luft, dämpfen Lärm und bieten Sichtschutz. Außerdem sind sie wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tiere. Vogelhecken tragen auch zum ökologischen Gleichgewicht im Garten in der Landwirtschaft bei, indem sie Nützlinge anlocken, die zum Beispiel den Schädlingsdruck geringhalten oder für die Bestäubung der Obstgehölze sorgen. Vor allem sind sie eben für Vögel ein wichtiger Lebensraum: als Singwarte, als Nistplatz, zum Schutz vor Feinden, Nässe und Kälte und als Nahrungsquelle.

Was wächst in Vogelhecken? Heimische Sträucher, die Artenvielfalt fördern

Die Auswahl der Heckensträucher ist von großer Bedeutung, wenn Sie damit die Tierwelt unterstützen wollen. Die meisten Gärten sind leider mit exotischen Sträuchern bestückt. Und diese Ziersträucher offenbaren oftmals ein Problem: Sie bieten der heimischen Tierwelt nur wenig verwertbare Nahrung an. Entweder sind sie durch die Züchtung unfruchtbar geworden wie die Zierkirsche und der gefüllte Schneeball oder ihre Früchte reifen in unserem Klima kaum aus, wie beim Rhododendron und der Scheinhasel. Selbst wenn die Exoten Früchte liefern, werden sie von der heimischen Tierwelt oftmals nicht verwertet. Im Gegensatz dazu versorgen unsere heimischen Sträucher wesentlich mehr Tiere. Kein Wunder, denn in der jahrtausendelangen Entwicklungsgeschichte konnten sich heimische Tiere und heimische Pflanzen optimal aufeinander einspielen.

©Rudi Beiser

Die Vogelbeere ist der Liebling aller Vögel. Auch für uns ist die vitaminreiche Frucht interessant.

Einige Beispiele verdeutlichen den großen ökologischen Nutzen unserer Wildgehölze: Die Früchte des heimischen Weißdorns werden von 32 Vogelarten gefressen, während der verwandte exotische Scharlachdorn nur von zwei Arten genutzt wird. Der heimische Wacholder ernährt 43 Vogelarten, wogegen der in Ziergärten häufig angepflanzte Chinesische Wacholder nur einen einzigen Abnehmer hat, nämlich die Alpenkrähe, die in unseren Gärten gar nicht vorkommt.

Ähnlich sieht es mit den beliebten Ziersträuchern Deutzie, Forsythie oder Weigelie aus, die ebenfalls nur von einer Vogelart besucht werden. In einer Rhododendron- oder Thujahecke findet kein einziger Vogel etwas zu beißen. Von der wilden Vogelbeere oder vom Schwarzen Holunder ernähren sich dagegen jeweils über 60 Vogelarten und auch viele Säugetiere naschen von den wertvollen Früchten (siehe unten die Top Ten für die Vogelwelt). Unsere heimische Berberitze wird von 19 Vogelarten besucht, während die rotblättrige Thunbergs-Berberitze nur sieben Vögel mögen. Ähnlich verhält es sich im Vergleich von Rotem Hartriegel (24 Vogelarten) mit dem Weißen Hartriegel (Acht Vogelarten).

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Die Thunbergs-Berberitze setzen Vögel im Vergleich zur heimischen Berberitze nur ungern auf den Speiseplan.

Vogelhecken helfen auch Insekten

Was für die Vögel gilt, trifft auch für die Insektenwelt zu, denn auf heimischen Gehölzen leben mehr Insektenarten als auf exotischen. Zahlreiche Läuse, Käfer, Wildbienen und Schmetterlinge sind auf die Blüten und Blätter der Sträucher angewiesen. Salweide, Weißdorn und Schlehe sind beispielsweise jeweils für über hundert Insektenarten eine wichtige Nahrungsquelle. Alleine 77 Kleinschmetterlinge besuchen die Salweide (siehe unten die Top Ten für die Insektenwelt). An den Ziergehölzen sind Schmetterlingsraupen jedoch kaum interessiert: So ist der beliebte Sommerflieder als Raupenfutterpflanze völlig wertlos, obwohl der fertige Schmetterling dann durchaus gerne den Nektar der hübschen Blüten saugt. Bei uns in Deutschland gibt es noch keine vergleichenden Untersuchungen, aber in den USA hat man auf den heimischen Sträuchern 15-mal mehr Schmetterlingsarten festgestellt.

Die Zahl der Insekten hat in den letzten Jahrzehnten drastisch um 80 Prozent abgenommen, sodass man heute von einem Insektensterben spricht. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt, die sich überwiegend von Insekten ernährt. So ist in den letzten Jahren auch die Zahl der Vogelbrutpaare gesunken: In nur 12 Jahren hat Deutschland 12,7 Millionen Brutpaare verloren!

Vogelhecken sind auch für Gärtner toll: Unsere Wildhecken sind aber nicht nur ökologisch wertvoller, sondern auch viel anspruchsloser und widerstandsfähiger. Sie sind an die lokalen Gegebenheiten angepasst und robuster gegen Kälte und Schädlinge. Zudem sind einheimische Sträucher in den Baumschulen sehr günstig zu haben.

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Wild gemischte Hecken sind ökologisch besonders wertvoll. Bis sie allerdings so groß ist wie diese hier, kann es etwas dauern.

Bevor Sie eine Hecke pflanzen: Wie ist die rechtliche Lage dazu?

Bevor Sie eine Hecke pflanzen, macht es Sinn einen Blick auf die rechtlichen Belange zu werfen. Da Hecken oftmals Grundstücksgrenzen markieren, muss das Recht der Nachbarn geachtet werden. Deshalb müssen bei der Pflanzung bestimmte Abstände eingehalten werden. Leider ist das Nachbarschaftsrecht Ländersache, sodass unterschiedliche Regelungen existieren. Je nach Bundesland und Höhe der Hecke werden Grenzabstände zwischen 25 cm und 2 Meter gefordert.

Auch das Schneiden der Hecken ist durch das Gesetz reglementiert: Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet das Schneiden oder auf Stock setzen von Hecken und Gebüschen zwischen dem 1. März und 30. September. Das soll vor allem dem Schutz brütender Vögel dienen. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind jedoch ganzjährig erlaubt.

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Haselnusssträucher sind für 33 Säugetierarten und 112 Insektenarten interessant. Sie ist ein echter Gewinn im Naturgarten.

Vogelhecken richtig pflanzen: Das gilt es zu beachten

Die beste Pflanzzeit für alle laubabwerfenden Gehölze ist in den Herbstmonaten Oktober und November oder im zeitigen Frühling von März bis April. Lediglich die immergrünen Gehölze sollten schon im Spätsommer (August, September) gesetzt werden, damit sie sich vor dem Winter noch gut einwurzeln können.

Pflanzen Sie die einzelnen Sträucher in einem Abstand von etwa 1,5 Metern. Die Pflanzgrube sollte möglichst doppelt so groß wie der Wurzelballen des Strauches sein. Der Strauch wird nun in das Loch gestellt und locker aufgefüllt. Die Zugabe von etwas Kompost ist sinnvoll. Nach dem Pflanzen wird der Strauch mit reichlich Wasser angegossen und die Erde im Pflanzloch gut festgetreten. Schwachwüchsige Sträucher und kleine Sträucher werden sinnvollerweise in Gruppen (3-4 Pflanzen) zusammengefasst und eher ans Ende einer Hecke gepflanzt, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Dazu gehören zum Beispiel Schlehen und Weißdorne.

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Die herben Schlehenfrüchte eignen sich nicht nur als Vogelfutter, sondern auch für Likör und Marmelade.

Pflege einer Vogelhecke: Darauf kommt es an

Eine Naturhecke kommt nicht ohne Pflegemaßnahmen aus, weshalb sie alle 1–2 Jahre regelmäßig zurückgeschnitten werden sollte. Nach etwa 5 Jahren erfolgt ein starker Rückschnitt ins alte Holz. Bei schnittverträglichen Sträuchern (z.B. Hasel, Hainbuche, Liguster) ist ein radikaler Rückschnitt möglich: Man kann sie etwa 30 Zentimeter über dem Boden „auf den Stock setzen“. Es sollten aber immer nur einzelne Abschnitte einer Hecke auf den Stock gesetzt werden, damit noch genügend Versteckmöglichkeiten für die Tiere verbleiben. Auch gelten teilweise rechtliche Vorgaben zum Zeitpunkt des Schnitts (siehe oben).

Welche Sträucher gehören in die Vogelhecke? Ganz klar: Die Mischung macht’s

Je artenreicher Sie eine Hecke gestalten, desto größer ist der ökologische Wert. Besonders wertvoll sind breit angelegte Hecken (5–8 m), die zwei- oder gar dreireihig gepflanzt werden. Hier finden sich wesentlich mehr Tiere ein, da breite Hecken mehr Deckung bieten als einreihige schmale Hecken. Dornige Hecken (Berberitze, Weißdorn, Schlehe, Wildrose) sind bei Vögeln besonders beliebt, da sie katzensichere Verstecke und Brutmöglichkeiten bieten. Zu einer Naturhecke zählen auch unterschiedlich hohe Sträucher und in großen Gärten darf durchaus auch ein Baum darin Platz finden. So ist beispielsweise die Vogelkirsche bei Vögeln und Bienen sehr beliebt.

Im Naturgarten macht es Sinn, die Hecke mit weiteren Maßnahmen aufzuwerten. Dazu gehört, dass Sie das welke Laub im Herbst unter den Hecken liegenlassen oder eventuell auf kleine Haufen zusammenrechen. Das schafft Unterschlüpfe für zahlreiche kleine Tiere. Das Rotkehlchen siedelt sich nur dort an, wo Falllaubschichten ihnen ein ausreichendes Nahrungsangebot liefern. Auch das Schnittholz und Bruchholz kann an einigen Stellen in der Hecke angehäuft werden und als Überwinterungsmöglichkeit für Gartentiere dienen (z.B. Igel, Kröten, Spitzmäuse, Blindschleichen).

Eine artenreiche Hecke ist mit den unterschiedlichen Blüten und Blättern ein Genuss fürs Auge. Außerdem sind zahlreiche Wildfrüchte nicht nur für Vögel nutzbar, sondern auch für uns eine Bereicherung des Speiseplanes (siehe Top Ten für die menschliche Ernährung). Die Wildfrüchte enthalten außergewöhnlich viele Vitamine und Mineralien. So besitzen die Früchte der Wildrosen etwa 20-mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone.

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Hagebutten werden von 27 Vogelarten gefressen und sind gleichzeitig für uns Menschen richtige Vitaminbomben.

Tipps für die Auswahl der Gehölze für die Vogelhecke

Da einige der Vogelgehölze für uns Menschen giftig sind, sollten sie nicht in der Nähe von Spielplätzen und Kindergärten gepflanzt werden. Dazu gehören beispielsweise die sehr giftigen Pfaffenhütchen und Eiben sowie die leicht giftigen Arten Liguster, Heckenkirsche, Faulbaum und Kreuzdorn. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass auch zahlreiche exotische Ziergehölze sehr giftig sind, z.B. Kirschlorbeer und Goldregen.

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Für uns Menschen ist der Liguster leicht giftig, aber Vögel und Insekten sind auf ihn angewiesen.

Einige Sträucher können Überträger von Krankheiten sein. Deshalb gehören Weißdorne, Wildbirnen, Mehlbeeren und Vogelbeeren nicht in die Nähe von Obst- und Walnussbäumen (Feuerbrand). Den Wacholder sollten Sie nicht in die Nähe von Birnbäumen (Birnengitterrost) pflanzen und die Berberitze gehört nicht in die Nähe von Getreidefeldern (Getreideschwarzrost).

Wichtig ist bei der Auswahl der Gehölze, dass Sie die unterschiedlichen Standortansprüche bezüglich Boden, Feuchtigkeit und Sonnenlicht berücksichtigen. So bevorzugen Gemeiner Schneeball, Pfaffenhütchen, Traubenkirsche, Faulbaum und Weide eher feuchte Standorte, während Hundsrose, Kornelkirsche, Sanddorn, Weißdorn, Schlehe und Vogelbeere lieber trockene Standorte besiedeln. Besonders kalkliebend sind Berberitzen, Liguster, Schneeball, Schlehen, Kreuzdorn und Wildrosen.

Vogelhecken: Lebensraum und Futterquelle: Top Ten im Überblick

Top Ten der Heckensträucher für die Vogelwelt

In Klammern sehen Sie, wie viele Vogelarten die Pflanzen besuchen.

Vogelbeere (63), Schwarzer Holunder (62), Traubenholunder (47), Gemeiner Wacholder (43), Faulbaum (36), Weißdorne (32), Wilde Brombeere (32), Hundsrose (27), Roter Hartriegel (24), Europäisches Pfaffenhütchen (24)

Top Ten für die Insektenwelt

In Klammern sehen Sie, wie viele Insektenarten die Pflanzen besuchen.

Salweide (213), Weißdorn (163), Schlehe (137), Haselnuss (112), Wildrosen (103), Wilde Brombeere (85), Faulbaum (45), Kreuzdorn (45), Rote Heckenkirsche (40), Roter Hartriegel (32)

Top Ten für die menschliche Ernährung

Die Reihenfolge dieser Top Ten ist eher zufällig. Alle Wildsträucher-Früchte sind eine Bereicherung für unsere Ernährung.

Wildrosen (Hagebutten), Sanddorn, Vogelbeere, Schwarzer Holunder, Haselnuss, Wilde Brombeere, Schlehe, Gemeine Berberitze, Kornelkirsche, Gemeine Traubenkirsche

Die mattschwarzen Beeren hängen an rötlichen Zweigen. ©Rudi Beiser

Den roten Hartriegel naschen Vögel gern. Für uns Menschen ist er ungenießbar. Kein Wunder also, dass dieser Strauch nur in den oberen zwei Top Ten vertreten ist.

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Bildquellen

  • vogelbeere: ©Rudi Beiser
  • thunbergs-berberitze: ©Rudi Beiser
  • vogelhecke: ©Rudi Beiser
  • haselnuss: ©Rudi Beiser
  • schlehe: ©Rudi Beiser
  • hagebutten: ©Rudi Beiser
  • liguster: ©Rudi Beiser
  • hartriegel: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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