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Der richtige Schnitt für Bäume und Sträucher

Eine Gartenschere schneidet einen Ast am Stamm ab.

Bäume und Sträucher benötigen einen regelmäßigen Schnitt. Das fördert die Gesundheit der Gehölze und sorgt dafür, dass sie reichlich blühen und fruchten. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schnitt und was gibt es sonst noch zu beachten? Hier habe ich hilfreiche Tipps für den richtigen Schnitt für Sie zusammengefasst.

Wichtig vor dem ersten Schnitt: Das richtige Werkzeug

Für einen optimalen Schnitt benötigen Sie unbedingt scharfes und sauberes Werkzeug, damit der Baum (oder Strauch) so wenig wie möglich verletzt wird. Schlechte Werkzeuge sorgen für Fransen- und Quetschschnitte, die schlecht verheilen. Mit gutem Arbeitsgerät kann die Wundheilung optimal verlaufen.

Um der Verbreitung von eventuellen Pflanzenkrankheiten vorzubeugen, wird das Schnittwerkzeug regelmäßig desinfiziert. Das ist vor allem wichtig, wenn ein Kontakt mit gefährlichen Pflanzenerkrankungen wie Feuerbrand stattgefunden hat.

Welche Werkzeuge brauchen Sie für den richtigen Schnitt?

Eine Gartenschere eignet sich für Zweige, die bis zu 1,5 cm dick sind. Stärkere Äste werden mit einer Astschere gekappt und größere Äste sollten mit einer guten Baumsäge entfernt werden. Für höhere Gehölze sind Werkzeuge mit Teleskopverlängerung sinnvoll und eine standfeste Leiter. Bei Arbeiten mit einer Motorsäge sollten Sie die Verletzungsgefahr durch richtige Schutzkleidung minimieren. Dazu gehören schnittfeste Kleidung und ein Schutzhelm.

Für einen Formschnitt von Hecken können Sie sehr gut elektrische Heckenscheren einsetzen. Bei Verjüngungsschnitten ins Holz werden durch Heckenschere oder Motorsäge jedoch zu viele Wunden gerissen. Hier ist Handarbeit mit der Säge oder einer Astschere die gehölzschonendere Variante.

©Rudi Beiser

Bei größeren Ästen wird immer zuerst von unten angesägt.

Der richtige Zeitpunkt fürs Schneiden: Hier gibt es sogar ein Gesetz

Theoretisch kann ein Gehölzschnitt zu allen Jahreszeiten durchgeführt werden. In der Regel ist jedoch die Vegetationsruhe im Winter ein geeigneter Zeitraum. Vor allem der Spätwinter (Februar) erweist sich als sehr günstig, denn dann dauert es nicht mehr lange bis die Wachstumsphase beginnt und die Wundheilung einsetzen kann.

Hinzu kommt, dass Sie beim Schneiden auch die Gesetzgebung einbeziehen müssen. So sind radikale Rückschritte (zum Beispiel das „Auf Stock setzen“ einer Hecke) nur vom 1. Oktober bis zum 28. Februar erlaubt. Dies ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt und dient vor allem dem Schutz der Vögel. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt, also beispielsweise das Herausschneiden von einzelnen Baumästen oder das Abschneiden von aus einer Hecke herausragenden Zweigen, ist ganzjährig erlaubt.

Grundsätzlich sollte nicht bei Frost geschnitten werden, da sonst die Schnittwunden schlecht heilen. Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad sind optimal. Am besten Sie wählen einen trockenen Tag.

Hier wurde ein Ast direkt am Stamm entfernt, die Schnittkante ist hell. © Rudi Beiser

Beim Entfernen von Ästen immer direkt am Stamm ansetzen.

Mehr zum Optimalen Schnittzeitpunkt: Differenzierte Schnittzeiten je nach Gehölzart

Der optimale Schnittzeitpunkt hängt auch maßgeblich davon ab, um welches Gehölz es sich handelt:

Laubbäume und laubabwerfende Sträucher werden in der Regel in der Ruhezeit (Oktober bis März) beschnitten. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen: Beispielsweise beginnt bei Ahornbäumen der Saftstrom oft schon Ende Dezember. Deshalb ist es sinnvoll, bei Schnittmaßnahmen, die größere Wunden verursachen, diese schon im November durchzuführen. Die Bäume können zwar nicht „verbluten“, aber sie werden zumindest geschwächt. Ähnliches gilt für die Birke, die ebenfalls einen starken Saftstrom besitzt und deshalb im Januar und Februar nicht beschnitten werden sollte.

Kernobst (z.B. Äpfel, Birnen) erhält optimalerweise von Januar bis Februar seinen Winterschnitt. Steinobst (z.B. Mirabelle, Pflaume) wird im Gegensatz zu Kernobst nicht in der Vegetationsruhe geschnitten, sondern im März und April. Eine Ausnahme sind allerdings Aprikosen, Pfirsiche und Kirschen, die erst im Sommer nach der Ernte geschnitten werden. Für das Erlernen des Schnittes von Obstgehölzen, ist es sinnvoll sich entsprechende Fachliteratur anzueignen oder Kurse zu besuchen. Dort werden die richtigen Schnittmaßnahmen erklärt, um optimale Ernteergebnisse zu erzielen.

Beerensträucher wie Brombeeren, Johannisbeeren oder Himbeeren, haben ganz unterschiedliche Vorgaben wann und wie geschnitten werden soll. Auch hier macht auf jeden Fall Sinn, sich in Büchern oder im Internet sachkundig zu machen. So werden beispielsweise Stachelbeeren und Johannisbeeren im Sommer nach der Ernte geschnitten, während Herbsthimbeeren erst im März des Folgejahres zurückgeschnitten werden.

Rosen sollten Sie optimalerweise im Februar oder März schneiden. Altes krüppeliges Holz wird dann entfernt und etwa vier frische Triebe werden stehen gelassen.

Frühjahrsblühende Ziergehölze, wie Forsythie oder Magnolie, werden erst nach der Blüte beschnitten. Sie blühen am zweijährigen Holz, das heißt die Knospen haben sich schon im Vorjahr ausgebildet. Direkt nach der Blüte (Mai) werden also alle abgeblühten Zweige um die Hälfte eingekürzt. Dann bilden sich kräftige neue Triebe, die im nächsten Frühling reichlich blühen. Altes Holz wird am besten ganz entfernt.

Ziergehölze, die im Sommer blühen, werden dagegen am Ende des Winters (Februar, März) geschnitten. Dazu gehören Spierstrauch, Weigelie, Sommerflieder, Roseneibisch und Falscher Jasmin. Der frühe Schnitt sorgt für einen guten Neuaustrieb. An den frischen Trieben bilden sich die Blütenknospen, denn diese Sträucher blühen am diesjährigen Holz.

Immergrüne Gehölze haben andere Schnittzeitpunkte als laubabwerfende Gehölze. Die „Immergrünen“ werden am besten im Sommer geschnitten (Mai-August). Schneidet man später, dann bilden sich noch junge Triebe, die nicht mehr frosthart werden und im Winter erfrieren. Zu diesen Sträuchern gehören zum Beispiel Kirschlorbeer, Thuja, Eibe und Stechpalme, aber auch Kleinsträucher wie Lavendel, Rosmarin oder Salbei. Frostschäden und abgestorbenen Triebe sollten Sie allerdings schon im März entfernen. Auch bei eventuell notwendigen Verjüngungsschnitten (siehe unten) werden die immergrünen Sträucher im Frühjahr auf Stock gesetzt (März, April).

Einige Sträucher werden gar nicht gerne zurückgeschnitten, sodass Sie am besten nur so viel wie unbedingt nötig eingreifen, etwa wenn Äste die Grundstücksgrenzen überragen. Dazu gehören vor allem Rhododendren, Azaleen und Zaubernuss.

Die Schere setzt oberhalb der Knospe an. ©Rudi Beiser

Beim Einkürzen der Zweige wird knapp über der Knospe geschnitten.

Verschiedene Schnittarten oder warum soll geschnitten werden?

Zunächst stellt sich die Frage, was Sie mit dem Schnitt erreichen wollen: Soll der Baum oder die Hecke in einer besonderen Form wachsen? Soll die Hecke verjüngt werden? Benötigt der Baum eine Auslichtung, damit er wieder gut fruchten kann? Oder geht es nur um das Zurückschneiden, weil die Hecke über den Zaun wächst?

Der Erziehungsschnitt oder Pflanzschnitt wird direkt nach dem Einpflanzen ausgeführt. Er ist vor allem bei jungen Obstbäumen nötig, damit sich die Krone richtig entwickelt. Für den Kronenaufbau genügen ein nach oben führender Leittrieb und drei bis vier Seitenäste. Man sucht sich also drei bis vier Äste aus, die etwa auf gleicher Höhe ansetzen. Alles andere wird abgeschnitten. Die Äste werden dann noch um etwa ein Drittel eingekürzt. Auch frisch gepflanzte Sträucher werden ausgelichtet und die verbliebenen Äste um ein Drittel eingekürzt.

Der Erhaltungsschnitt oder Auslichtungsschnitt dient dazu, dass die Gehölze ihre Wuchs- und Blühkraft beibehalten. Er wird jährlich durchgeführt. Vor allem fruchttragende Obstbäume brauchen in der Krone viel Licht und Luft. Ein alter Gärtnerspruch verbildlicht dies: „Durch eine Obstbaumkrone muss man seinen Hut werfen können, ohne dass er sich verfängt“. Deshalb wird bei Bäumen und Sträuchern zunächst alles entfernt, was krank, erfroren oder abgestorben ist. Abgebrochene Äste sollten Sie möglichst zeitnah entfernen, sonst dringen über die Stümpfe Pilze ein. Außerdem schneiden Sie die nach innen wachsenden Äste und Zweige heraus. Entfernen Sie auch Äste, die sich überkreuzen und eventuell aneinander scheuern können. Auch die sogenannten „Wasserschosse“ werden abgenommen. Wasserschosse sind senkrecht nach oben wachsende Triebe, die den Baum unnötig Kraft kosten, aber kaum Früchte tragen. Zum Schluss werden die Triebe des vergangenen Jahres um zwei Drittel eingekürzt.

Bei Heckensträuchern und Ziergehölzen spricht man eher vom Formschnitt oder Pflegeschnitt. Das beinhaltet das Zurückschneiden der äußeren und oberen Äste, um die gewünschte Form und Größe zu erhalten. Er kann jährlich durchgeführt werden. Ein regelmäßiger Pflegeschnitt erhält die Vitalität und Blühfreudigkeit der Hecke. Außerdem verdichtet sie sich dadurch. Vor allem Wildhecken verkraften einen ordentlichen Rückschnitt.

Der Verjüngungsschnitt ist ein radikaler Rückschnitt, der vor allem bei Hecken und Sträuchern angewendet wird. Dabei werden die Sträucher alle 6-10 Jahre etwa 30-40 cm über dem Boden eingekürzt („auf Stock gesetzt“). Dadurch werden die schlafenden Augen an der Basis aktiviert und die Sträucher treiben erneut aus. Schlafende Augen sind unter der Rinde angelegte Knospen.

Beim radikalen Rückschnitt von Hecken ist es wichtig zu wissen, wie schnittverträglich die Büsche sind. Einige Sträucher wie Lebensbaum, Goldregen, Zwergmispel, Zaubernuss oder Besenginster werden durch einen Verjüngungsschnitt geschädigt. Sie können dadurch eventuell eingehen. Die meisten Sträucher wie Eibe, Hainbuche, Flieder, Hasel, Kirschlorbeer, Liguster oder Wildrosen vertragen jedoch sehr gut Rückschnitte ins alte Holz. Vor allem Wildhecken, auch Vogelhecken genannt, mit heimischen Sträuchern sind sehr gut schnittverträglich. Wildhecken, die von der Vogelwelt dringend benötigt werden, sollten jedoch immer abschnittsweise auf Stock gesetzt werden. So haben die Heckentiere noch Rückzugsmöglichkeiten.

©Rudi Beiser

Hier hat sich unter dem künstlichen Wundverschluss Fäulnis gebildet. Es ist besser, man überlässt die Heilung dem Gewächs selbst.

Grundlegende Regeln für den richtigen Schnitt im Überblick

  • Beim Entfernen von Ästen ist es wichtig, direkt am Stamm anzusetzen. Sogenannte Kleiderhaken können nämlich nicht vom Wundgewebe des Stammes umschlossen werden. So können Pilze eindringen und es kommt zu einer Faulstelle im Stamm. Man schneidet oder sägt also auf „Astring“, das heißt direkt am Ast!
  • Beim Absägen von größeren Ästen sollten Sie immer erst von unten ansägen, damit Risswunden am Stamm vermieden werden.
  • Eingekürzte Zweige und Äste werden immer knapp über einer nach außen weisenden Knospe (Auge) abgeschnitten, damit der neue Trieb ins Licht wächst. Beim Formschnitt mit der elektrischen Heckenschere ist dies natürlich nicht möglich. Deshalb werden solche Schnitte möglichst in der Vegetationsphase durchgeführt (Frühling-Sommer), damit die Schnittstellen gut verheilen können.
  • Wunden werden in der Regel nicht mit einem Wundverschlussmittel versorgt, denn dies schadet dem Baum mehr, als es nützt. Unter dem Verschluss kann sich Feuchtigkeit bilden und das Pilzwachstum begünstigen. Fachgerecht geschnitten, sorgt der Baum selbst für den Wundverschluss.

 

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Bildquellen

  • baumsaege-im-einsatz: ©Rudi Beiser
  • nah-am-stamm-schneiden: © Rudi Beiser
  • an-der-knospe-schneiden: ©Rudi Beiser
  • schlecht-verheilter-schnitt: ©Rudi Beiser
  • richtig-schneiden: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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