Pflanzenporträt: Die Minze – vielfältig und wandelbar

Blätter einer grünen Bergamotte-Minze

Die Pfefferminze gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Kräutern für Tee. Aber es gibt unglaublich viele Sorten und Züchtungen mit den unterschiedlichsten Geschmacksnuancen. Die Vielfalt der Minze ist so verwirrend, dass schon der Abt Wahlafried Strabo im 9. Jahrhundert resigniert niederschrieb, dass es einfacher wäre, die Fische im Roten Meer und die Funken des Vulkans Ätna zu zählen als die Minzen. Im folgenden kleinen Einblick in die Botanik der würzigen Pflanzen werden die besten Sorten vorgestellt und Tipps für deren Anbau im Garten gegeben. Vor allem Teeliebhaber sollten sich verschiedene Minzen in den Garten holen, denn die Duftvielfalt der zahlreichen Sorten bereichert die Teeküche und die Würzküche. Lassen Sie sich von der Aromavielfalt verführen, die von den klassischen scharfen Minzdüften bis hin zu fruchtigen Zitrusaromen reicht.

Wie alles begann – der Ursprung der Minze

In der antiken griechischen Mythologie war eine Nymphe namens Minthe die Geliebte des Unterweltgottes Hades. Seine Gattin Persephone erwischte die beiden „in flagranti“ und zerriss die Nymphe in tausend Stücke. Diese wurden von Hades im Gebirge ausgestreut. Nachdem die Vegetationsgöttin Persephone zunächst den Winter in der Unterwelt bei ihrem untreuen Gatten verbrachte, erweckte sie bei ihrem alljährlichen Aufstieg in die Oberwelt die zerstückelte Minthe als Pflänzchen zum Leben. So entstand im Frühling aus der Nymphe Minthe die duftende Minze. Die Nymphe Minthe, die bei den Römern übrigens Mentha hieß, wurde also zu Namensgeberin aller Minzen. Allerdings handelte es sich bei dieser Geschichte nicht um die Pfefferminze, sondern um die leicht giftige Poleiminze.

Die Pfefferminze entstand nämlich nicht aus einer zerstückelten Nymphe, sondern eher zufällig in einem Minzfeld in der Nähe von London, wo sich mithilfe einer Biene die dort angebaute Grüne Minze (Mentha x spicata) mit einer wilden Wasserminze (Mentha aquatica) kreuzte. Der herbeigerufene Botaniker John Ray beschrieb im Jahre 1696 diese erste Pfefferminze, aus der alle heute verfügbaren Pfefferminzzüchtungen hervorgegangen sind. Da es sich um eine Kreuzung aus zwei Arten handelt, befindet sich im botanischen Namen ein Kreuz: Mentha x piperita. Der Name Pfefferminze entstand wegen dem pfefferartigen scharfen Geschmack, der durch das Menthol hervorgerufen wird. Die Grüne Minze hat dagegen einen Spearmintduft und ist mentholfrei. Das Menthol kam also über die Wasserminze zur Pfefferminze, wobei interessanterweise die neu entstandene Pfefferminze wesentlich mehr Menthol entwickelte.  

Verwirrende Vielfalt

Die Pfefferminze (Mentha x piperita) entstand also durch eine Kreuzung, was in der Gattung Mentha recht häufig vorkommt. Das eine Elternteil namens Grüne Minze (Mentha x spicata) war sogar selbst schon eine Kreuzung aus der wilden Roßminze (Mentha longifolia) und der Rundblättrigen Minze (Mentha suaveolens/ Synonym Mentha rotundifolia). Einen Überblick zur Botanik der Minzen bekommen Sie mithilfe der untenstehenden Tabelle.

Die Kreuzungsfreudigkeit der Minzen hat auch die Züchter inspiriert, weshalb im Handel weit über 600 Varietäten, Sorten und Züchtungen angeboten werden. Nach ihrem Aroma, beziehungsweise nach der Zusammensetzung des ätherischen Öles können wir die Minzen grob in drei Gruppen einteilen.

Pfeffrige Minze

Die „Pfeffrigen“ enthalten in ihrem ätherischen Öl sehr viel Menthol, was den charakteristischen scharfen Geschmack ausmacht. Die Pfefferminze ist die berühmteste Vertreterin dieser Gruppe. Empfehlenswerte Sorten der klassischen Pfefferminze sind z.B. ‚Multimentha’, ‚Mitcham’ und ‚Pluto’. Auch die Ackerminze (Mentha arvensis) und die Japanische Minze (Mentha arvensis var. piperascens) zeichnen sich durch einen hohen Mentholgehalt aus. Ebenso zu den pfeffrigen Minzen zählt man die für Cocktails beliebte Mojito-Minze, die Russische und die Schoko-Minze, mit ihrem unglaublichen „After-Eight-Aroma“.

Magenfreundliche Minze

Die zweite Gruppe sind die „Magenfreundlichen“, mit ihrem warmen und süßlichen Spearmint-Aroma. Wegen ihrem Geruch und Geschmack werden sie von vielen Menschen mit Kaugummi assoziiert. Sie enthalten kein oder nur ganz wenig Menthol. Der Hauptbestandteil ihres ätherischen Öles ist Carvon, das auch im Kümmel vorkommt. Deshalb gelten diese Minzen als besonders magenfreundlich. Zu dieser Gruppe der Mentha spicata – zählen beispielsweise die Grüne Minze (auch Ährenminze genannt), die Krause, die Marokkanische, die Türkische , die Nane- und die Thai-Minze. Diese Minzen spielen vor allem in der arabischen Küche eine wichtige Rolle.

Fruchtige Minze

Die dritte Gruppe sind die „Fruchtigen“, die ebenfalls mentholarm sind und gleichzeitig einen Hauch von Fruchtaromen liefern. Der Duft nach Bergamotte, Limonen, Ananas oder Erdbeeren, macht diese Minzen zu etwas Besonderem. Botanisch gesehen handelt es sich meist um Varietäten oder Züchtungen aus der Rundblättrigen Minze (Mentha rotundifolia/ Synonom: Mentha suaveolens) oder auch aus der Pfefferminze (Mentha x piperita). Von der Pfefferminze stammen beispielsweise die Erdbeer-, die Limonen-, die Orangen- und die Bergamott-Minze ab, während Apfel- und Ananas-Minze auf die Rundblättrige Minze zurückzuführen sind. Die Bananen-Minze hingegen stammt von der Ackerminze (Mentha arvensis) ab.

Um die Minz-Verwirrung komplett zu machen, gibt es auch noch viele Pflanzen, die zwar den Namen Minze tragen, aber gar nicht zur Gattung Mentha gehören. Das hängt mit ihrem minzeähnlichen Duft zusammen. Dazu gehören beispielsweise die in Südeuropa heimischen Bergminzen (Calamintha spec.) und die nordamerikanischen Bergminzen (Pycnanthemum spec.).

Die grüne Pfefferminze mit dunkelroten Stängel
Typisch für die klassische Pfefferminze ist der rötliche Stängel und der scharfe Mentholgeruch© Rudi Beiser

Botanik von Minzen

Wilde Minzen Sorten und Varietäten
Wasserminze (Mentha aquatica)  
Ackerminze (Mentha arvensis) Japanische Minze (Mentha arvensis var. piperascens), Bananen-Minze
Roßminze (Mentha longifolia) Karoo-Minze (Mentha longifolia ssp. capensis)
Poleiminze (Mentha pulegium)  
Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens /syn. Mentha rotundifolia)    Apfel-Minze, Ananas-Minze

 

Hybrid-Minzen Sorten und Varietäten

Grüne Minze oder Ähren-Minze (Mentha x spicata), entstanden aus einer Kreuzung von Mentha longifolia mit Mentha suaveolens  

Krause Minze, Marokkanische Minze, Türkische Minze, Nane-Minze, Thai-Minze, Guernsey- Minze, Kentucky-Spearmint-Minze, Black Spearmint

Pfefferminze (Mentha x piperita), entstanden aus einer Kreuzung von Mentha aquatica mit Mentha spicata

Varietät piperita: Englische, Thüringische, Russische Minze, Multimentha, Schoko-, Mojito-, Mitcham-Minze

Varietät citrata: Basilikum-, Eau-de-Cologne-, Erdbeer-,  Limonen-, Orangen-, Bergamott-Minze

Mentha x gracilis, entstanden aus einer Kreuzung von Mentha arvensis mit Mentha spicata

Zitronen-Minze, Ingwer-Minze

 

Kärntner Minze (Mentha x carinthiaca) entstanden aus einer Kreuzung von Mentha arvensis und Mentha suaveolens     

 

Grapefruit-Minze (Mentha suaveolens x piperita) entstanden aus einer Kreuzung von Mentha suaveolens mit Mentha x piperita var. citrata   

 

Kentucky-Spearmint (Mentha x cordifolia x spicata) entstanden aus einer Kreuzung von Mentha suaveolens mit Mentha spicata       

 

Hilfreiche Pfefferminz-Medizin

Pfefferminze ist nicht nur ein beliebter Haustee, sondern auch ein Arzneimittel. Medizinisch verwendet wird nur die echte Pfefferminze (Mentha x piperita). Der Tee wirkt krampflösend, verdauungsfördernd, schmerzstillend sowie anregend auf die Gallensaftproduktion. Das im ätherischen Öl enthaltene Menthol wirkt leicht betäubend und vermittelt auf der Haut das Gefühl von Kälte. Dementsprechend wird Pfefferminze als Tee vor allem bei Magen-Darmbeschwerden, bei Übelkeit, bei krampfartigen Beschwerden der Galle und äußerlich in Form des ätherischen Öls bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt (auf Stirn und Schläfen aufgetragen). Auch bei Erkältungen ist Pfefferminze sehr hilfreich, sowohl innerlich als Tee oder auch als ätherisches Öl zum Inhalieren. Bei Dauergebrauch kann Pfefferminze aufgrund des Menthols allerdings den Magen reizen. Die mentholfreien und mentholarmen Sorten (siehe oben) sind magenfreundlicher.

Minze mag es feucht und wandert gern

Die mehrjährigen und winterharten Minzen bevorzugt feuchte, humose Standorte in halbschattiger bis sonniger Lage. Je sonniger sie steht, desto mehr Feuchtigkeit benötigt sie. Staunässe verträgt sie allerdings nicht. Die meisten Züchtungen sind sterile Edelminzen, die entweder keinen Samen ausbilden oder sich nach der Aussaat aufspalten und dabei ihre typischen Aromen verlieren. Deshalb vermehrt man diese Minzen aus Gründen der Sortenreinheit durch Wurzelausläufer (Stolonen) oder durch Stecklinge. Die Wurzelausläufer legen Sie etwa 5 cm tief flach in die Erde. Sie sollten mindestens 10-15 cm lang sein. Der Pflanzabstand beträgt 30 cm. Bei samenvermehrbaren Minzen muss darauf geachtet werden, dass es sich um einen Lichtkeimer handelt, der nicht mit Erde bedeckt wird.

Minzen neigen dazu mit ihren unterirdischen Ausläufern aus dem Beet zu wandern. Wenn Sie dies verhindern wollen, müssen Sie sie in Töpfe verbannen oder eine Wurzelsperre anbringen. Das Minzebeet sollte alle 3 Jahre seinen Platz wechseln, denn Minzen sind mit sich selbst unverträglich und fühlen sich am selben Standort nicht lange wohl.

Minze ernten

Geerntet wird recht spät, denn als Langtagspflanze erreicht diese ihr optimales Aroma erst bei Blühbeginn im Juli. Für Verarbeitung und Konservierung ist dies die beste Erntezeit. Sie schneiden sie dann komplett zurück, damit sie noch ein zweites Mal austreibt. Zum Trocknen werden die Blätter von den Stängeln abgestreift und unzerkleinert getrocknet. In feuchten Sommern sind Minzen anfällig gegen Mehltau und Pfefferminzrost. Ein radikaler Rückschnitt ist dann meist hilfreich. Den gesunden Neuaustrieb können Sie dann mit Schachtelhalmspritzungen stärken.

Pfefferminze steht auf süß

Die „Pfeffrigen Minzen“ besitzen den typischen frischen, kühlen und etwas brennenden Mentholgeschmack. Mit diesen Minzen verfeinern Sie am besten Süßspeisen wie Obstsalate, Quarkdesserts und Eis. Vor allem die Kombination mit Schokolade verträgt sich außerordentlich gut mit der kühlenden Mentholschärfe. Schokolieren Sie doch einmal ein Pfefferminzblatt mit Zartbitterkuvertüre. Das erfrischende Aroma der Pfefferminzen eignet sich auch gut für Tee, Sirup und zum Aromatisieren verschiedenster Getränke (Likör, Bowle, Cocktails), aber auch von Essig und Öl. Sehr beliebt sind Gelees mit Minzblättern oder Sie können die Blätter kandieren. Ähnlich einsetzbar wie die Mentholminzen sind die „Fruchtigen Minzen“ wie die Orangen-Minze.

Minzen mit dem typischen Spearmint-Aroma und dem dezenten Nebengeschmack nach Kümmel werden dagegen auch bei herzhaften Gerichten als Gewürz verwendet. In England sind Spearmint-Minzen ein klassisches Gewürz für Lammfleisch und Huhn, in Form der süßlichen Englische Minzsauce. In Österreich würzt man damit Nudeln (Kärtner Minze). Orientalische Länder (Türkei, Libanon, Iran) nutzen sie für Joghurtspeisen, Salate, Tomatengerichte, Taboulé, Gemüse und Hülsenfrüchte.

Arabischer Minz-Dip

Zutaten

  • 250 g griechischer Joghurt
  • ¼ Salatgurke
  • Abgeriebene Zitronenschale
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 6 Stängel Marokkanische oder Türkische Minze
  • 1 Knoblauchzehe
  • Pfeffer
  • Salz

Zubereitung

Hinweis: Griechischer Joghurt enthält weniger Flüssigkeit und ist etwas fester.

  1. Raspeln Sie die Salatgurke oder schneiden Sie sie in Streifen. Etwas Flüssigkeit abpressen und Gurke in den Joghurt geben.
  2. Knoblauchzehe schälen und in den Joghurt pressen.
  3. Minzblätter fein hacken und dazugeben.
  4. Mit Zitrone, Salz und Pfeffer abschmecken.

Pfefferminzsirup

Zutaten

  • 1 Liter Wasser
  • 1 kg Zucker
  • 2 Zitronen
  • 125 g frische Pfefferminz-Blätter

Zubereitung

  1. Zucker und Wasser zum Kochen bringen, 10 Minuten köcheln und dann vom Herd nehmen.
  2. In Scheiben geschnittenen Zitronen zufügen und Pfefferminze einrühren. Über Nacht ziehen lassen und dann durch ein feines Sieb abgießen.
  3. Nochmals erhitzen und vorsichtig in sterile Flaschen füllen. Mit Schraubverschluss dicht verschließen. Der Sirup hält mindestens ein Jahr. 1–2 EL davon genügen um Mineralwasser oder andere Getränke zu aromatisieren.
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