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Kleine Lederkunde: Fischleder

Die Struktur der Fischhaut ist im gegerbten Zustand gut erkennbar.

Nachhaltigkeit ist heute in allen Bereichen unseres Lebens angekommen. Wir möchten verantwortungsvoll mit der Umwelt, mit dem Klima und mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Auch bei Schuhen können wir bewusst Schritt für Schritt verantwortungsvoll in die Zukunft gehen.

Mittlerweile gibt es einige Alternativen zu konventionellem chromgegerbtem Leder, bei dessen Herstellung die Umwelt belastet wird – vom pflanzengegerbten Leder über Bio-Leder bis hin zu veganem Material. Es gibt viele innovative Ideen und Materialien, aus denen Öko-Schuhe gemacht werden, die man mit gutem Gewissen tragen kann. Doch alle guten Ideen nutzen nichts, wenn man sie nicht kennt. Das wollen wir hier ändern:

Bei Fischleder trifft altes Handwerk auf modernes Design

Die alte Handwerkskunst, aus der Haut von Fischen Leder herzustellen ist keine Erfindung der Neuzeit; sie ist fast gänzlich in Vergessenheit geraten, bis sie vor ein paar Jahren wiederentdeckt worden ist. Schon früh entwickelten viele vor allem der an den Küsten lebenden Kulturen Gerb- und Trocknungsverfahren, um Fischhäute zu Leder zu verarbeiten. Die Ureinwohner Islands etwa fertigten Schuhe aus der Haut des Seewolfs, in Alaska gab es Taschen, Schmuck und Kleidungsstücke aus Lachshaut. Die Tau, ein indigenes Volk der taiwanesischen Insel Lan Yu, verwendeten Fischhaut für Ihre Rüstungen. Auch die Nanai (auch Hezhen oder Golden genannt) hatten eine Besondere Technik des Gerbens entwickelt und verarbeiteten ihr Fischleder zu Gewändern, Zelten und Taschen weiter. Heute sind sie eine kleine ethnische Minderheit in Russland und China, die vor allem an den Flüssen Amur und Ussuri lebt.

Links sieht man das dunkelblaue Lechsleder im Detail, rechts den ganzen Schuh.

Das Schuppenmuster ist deutlich zu erkennen. Die dänische Firma Greencomfort nutzt für dieses Schuhmodell Lachsleder.

Anatol Donkan, ein in Bayern lebender Künstler aus Sibirien und Nachfahre der Nanai, gelang es, die Gerbtechnik des sibirischen Volkes zu rekonstruieren. Er modernisierte das vegetabile Gerbverfahren, sodass es heute möglich ist, reißfestes, elastisches und durchgegerbtes Fischleder zu gewinnen. Seither hat das Fischleder Einzug in die Mode- und Schuhwelt gehalten. Seine steigende Nachfrage vor allem im Eco-Fashion-Bereich verdankt Fischleder seiner Ähnlichkeit zu Reptilienleder. Es gilt bei Designern als ein guter Ersatz und trägt somit zum Artenschutz in der Reptilienwelt bei. Dennoch kennen viele das Material, seine Eigenschaften und seine Herstellungsbedingungen nicht.

Vom Abfall zum Luxusprodukt – Fischleder ist Zero Waste

Nahaufnahme von graublauen Fischschuppen. © Vidady/fotolia

Die Art und Anordnung der Schuppen bestimmt auch die Struktur des Fischleders.

Fischleder wird aus der Haut von Fischen hergestellt. Diese wird von der Lebensmittelindustrie als Wegwerfprodukt betrachtet. Es ist also ein Nebenprodukt der Fischerei-Industrie und wird nicht extra gewonnen. Bei ökologischen Produkten aus Fischleder können Sie sich außerdem darauf verlassen, dass streng auf den Artenschutz geachtet wird.

Geeignet zur Herstellung von Fischleder sind unter anderem die Häute von Lachs, Karpfen, Rochen oder Dorsch, die beliebte Speisefische sind. Das Leder ist dünner als etwa Kalbsleder, dafür sehr elastisch und reißfest. Die schuppige Struktur bleibt erhalten und gibt dem Leder sein typisches exotisches Aussehen.

Die richtige Pflege von Fischleder

Fischleder besitzt grundsätzlich die gleichen Eigenschaften wie anderes Leder auch. Es ist vergleichbar mit Kalbs- oder Rindsleder, wobei es etwas dünner, dafür aber robust, weich und haltbar ist. Nach dem Waschen und Entfetten der Haut ist der Geruch der gleiche wie bei anderen Lederarten auch. Im weiteren Verlauf wird die Haut eingeweicht und pflanzliche Gerbstoffe wie Kastanien-Rinde oder Mimosa-Rinde werden eingearbeitet. In weiteren Schritten wird das Leder gefärbt, geglättet und anschließend getrocknet. Das Fischleder ist nach dem Gerbprozess zwar gänzlich von Schuppen befreit, das typische Schuppenmuster bleibt aber erhalten, so wirkt das Fischleder exotisch und edel.

Was die Pflege angeht, so behandelt man das Fischleder wie jedes Leder. Meist reicht ein weiches Tuch aus, um Verunreinigungen zu entfernen. Groben Schmutz können Sie mit einer milden Seife und etwas Wasser beseitigen. Ist der Schuh trocken, können Sie auch eine Velourleder- oder Nubukleder-Bürste verwenden, um den Schuh zu säubern.

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Bildquellen

  • fischschuppen: © Vidady/fotolia
  • Fischleder: © igishevamaria/fotolia

Als Online Produkt Manager versieht Angelika die vielen tollen Waren im Waschbär-Onlineshop mit schönen Bildern und Texten. Auch wenn es dabei ringsum hektisch wird, bleibt sie der ruhende Pol. Die Kraft dafür schöpft sie bei der Gartenarbeit und aus den Momenten, wenn alle drei Kinder da sind. Die sind übrigens die Test-Dummys für neue Rezepte. So schön es zu Hause ist, so gerne ist sie in Wald und Flur unterwegs. Zusammen mit ihrem Mann genießt sie dort den Feierabend oder geht im Herbst auf Pilzjagd.

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