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Insektenkunde für Kinder: Tipps und Erfahrungen

Die Hummel liegt in den Kinderhänden und wird genau beobachtet

Jeder kennt das: Eine Fliege oder Stechmücke schwirrt herum, die Fliegenklatsche wird ausgepackt und man haut zu. Als unser Sohn zwei Jahre alt war, fragte er mich, was ich da gemacht habe. In dem Moment wurde mir erst bewusst, dass ich gerade überhaupt kein gutes Vorbild war. Natürlich möchten wir keine Fliegen in der Wohnung haben, aber sie zu töten, ist auch keine Lösung. Seitdem werden alle Insekten gerettet, die sich in unsere Wohnung verirren. Meistens werden sie zur kurzen Beobachtung eingefangen mit unserem Schnappi, wie ihn unser Sohn nennt. Das ist ein Insektenfänger, mit dem man die Tierchen behutsam wieder in die freie Natur entlassen kann. Oft finden die kleinen Falter, Fliegen, Bienen und anderen Käfer den Weg nach draußen fast von alleine wieder. Noch spannender ist es, den unterschiedlichen Insekten bei der Arbeit zu zuschauen. In einem Naturgarten findet sich ganz schön viel zum Staunen und Beobachten. Und damit kommen natürlich auch viele Fragen bei den Kindern auf: Warum sind manche Insekten bunt? Wieso haben sie so viele Beine? Was machen die den ganzen Tag? Warum wollen wir Erwachsene sie nicht in der Wohnung haben? Der Fragenkatalog ließe sich beliebig lang fortsetzen … Zeit für eine kleine Insektenkunde für Kinder!

Auf der sternförmigen weißen Blüte sitzen drei verschiedene Hummeln und eine kleine dunkelrote Spinne. © Constanze L.

Wer sitzt denn hier alles auf der Blüte? Bei Insekten muss man sich die Zeit nehmen, genau hinzuschauen, dann gibt es viele davon im Naturgarten zu entdecken.

Insektenkunde für Kinder: Warum sind Insekten so wichtig?

Bienen und viele andere Insekten sind gefährdet und die Hälfte aller Insekten ist vom Aussterben bedroht. Alle zusammen leisten sie aber eine enorme Arbeit, um unser natürliches Ökosystem aufrecht zu erhalten. Wir möchten unserem Sohn erklären, warum es so wichtig ist, achtsam mit der Natur umzugehen. Am einfachsten geht das natürlich, wenn man beobachtet und versteht, am lebenden Objekt sozusagen. Kinder sind von Natur aus neugierig, unvoreingenommen und interessiert, so dass die meisten Fragen beim Erforschen und Beobachten von ganz alleine kommen.

Wir konnten bei unserer selbst gebauten Regenwurmbeobachtungsstation schon ganz toll erleben, wie sich unser Sohn interessiert und Zusammenhänge verstanden hat. Bei Insekten kommt natürlich eine Komponente dazu, die auch unabhängig von der Entwicklung von einem Verständnis für die Natur wichtig ist: Manche sind giftig, können stechen und schlimmstenfalls einen allergischen Schock hervorrufen. Da ist es gut, wenn Kinder wissen, mit welchem Tierchen sie es zu tun haben.

Eine grüne Heuschrecke sitzt auf einem grünen Blatt. © Constanze L.

Perfekt angepasst. Doch warum tarnen sich manche Insekten, während andere versuchen mit grellen Farben aufzufallen?

Insektenkunde für Kinder als Anlass, den Kreislauf der Natur einfach zu erklären

Dieses Jahr hatten wir durch die feuchte Witterung sehr viele Blattläuse an unseren Pflanzen. Dennoch halten wir uns mit Spritzmitteln zurück, Chemie kommt uns erst recht nicht in den Garten. Meistens schafft es der natürliche Kreislauf des Ökosystems ganz von alleine, ein Gleichgewicht wiederherzustellen.

Sehr fasziniert können wir zum Beispiel beobachten, wie sich die Larven der Marienkäfer um das Blattlausproblem kümmern. Zuerst haben wir uns gewundert, was das für kleine Raupen sind und hatten Sorge, dass es den Pflänzchen noch mehr zu schaffen macht, wenn ein neuer Schädling dazu kommt. Dann haben wir aber erlebt, wie sich aus den Raupen recht schnell die hübschen Marienkäfer bilden. Ein wahres Naturschauspiel für unseren Sohn – und uns.

Auf vier grünen Blättern sitzen die verschieden weit entwickelten Marienkäfer. © Constanze L.

Von der Larve zum Käfer: So entwickelt sich ein Marienkäfer. Mit etwas Geduld kann man im Garten meistens die verschiedenen Stadien der Marienkäfer-Entwicklung finden.

Jedes Insekt spielt seine Rolle in der Natur. Die Blattläuse schwächen die Pflanzen, dennoch haben andere Insekten, nämlich die Ameisen, ihren Nutzen von ihnen. Sie melken die Blattläuse und ernähren sich von dem süßen Tau, den sie ausscheiden. Sie leben in einer Symbiose miteinander. Auch Ameisen können lästig sein. Der Wert der Ameisen sollte aber im Ökosystem nicht unterschätzt werden. Sie beseitigen im Garten pflanzliche Abfälle und tote Tiere, vertilgen Eier von Insekten und Schnecken. So findet jeder seinen sinnvollen Platz in der Natur.

Fressen und gefressen werden – auch das gehört zur Insektenkunde für Kinder

Das ist für kleine Kinder gar nicht so einfach zu verstehen. Es bedarf viel Einfühlungsvermögen die kleinen Weltentdecker und Tierfreunde an das Thema „gefressen werden“ heranzuführen. Die kleine Fliege, die sich im Spinnennetz verfängt, will auch gerne gerettet werden. Doch versteht unser Sohn ebenso, dass die Spinne Nahrung benötigt.

Wir konnten beobachten, dass sich bienenähnliche Fliegen vor unserem Insektenhotel tummeln. Wir dachten zuerst, dass eine ganz besonders seltene Wildbiene bei uns eingezogen ist. Nach genauer Betrachtung und Forschung haben wir aber herausgefunden, dass es sich um Schwebfliegen handelt. Genauer gesagt um eine spezielle Art, nämlich um die Trauerschweber. Den Namen verdankt diese Art wohl dem schwarzen Körper mit feinen weißen Linien.

Zweigeteiltes Bild: Links ein schwarzes Insekt mit weit auseinandergestreckten Flügeln im ins Holz gebohrten Loch, Rechts eine Nahaufnahme des Insekts. © Constanze L.

Die Trauerschweber leben auf Kosten der Wildbienen im Insektenhotel.

Aus Sicht der Bienen sind die Schweber echte Schurken. Sie werfen ihre Eier im hubschrauberartigen Flug in deren Nisthöhlen. Die Larve des Trauerschwebers ernährt sich wiederum von der Brut der Bienen. Ganz schön gemein, wo wir uns so über unser fast ausgebuchtes Bienenhotel gefreut haben. Aber etwas Gutes hat es dennoch, denn alle Arten der Schwebfliegen sind ganz fleißige Bestäuber. So haben die kleinen Räuber ebenso eine wertvolle Aufgabe in unserem Garten übernommen. Vor allem haben sie eine gute Tarnung. Oft verwechselt man sie mit Bienen und Wespen, doch stechen können sie nicht.

Wie Sie mit Ihren Kindern Insekten unterstützen können

So ein Insektenleben kann sehr kurz sein. Da passiert es oft, dass wir eine kleine Beerdigung abhalten, um den noch so kleinen Käfer, eine Hummel oder eine Stechmücke würdevoll verabschieden zu können. Wir nutzen aber immer die Gelegenheit, um das Insekt genau zu studieren. Wie sonst kann man es so genau betrachten. Falls Sie aber eine kraftlose Hummel oder Biene entdecken, zögern Sie nicht ihr etwas Zuckerwasser anzubieten. Um im Hochsommer genügend sichere Wasserstellen für Bienen, Hummeln und Wespen bereitzustellen, haben wir außerdem eine kleine Wasserstelle gebaut. Das geht super einfach: Einen glasierten Tonuntersetzer mit Glasmurmeln und anschließend mit Wasser befüllen. So haben die Insekten eine sichere Landestelle, können trinken ohne zu ertrinken. Oder Sie bauen diese Bienentränke von Hobby-Imker Thilo: Hier gehts zur Anleitung.

Eine Biene sitzt auf kleinen weißen Blüten. © Constanze L.

Wenn Bienen nicht genug zu fressen finden, kann man ihnen mit etwas Zuckerwasser über die Runden helfen.

Farbenlehre in der Insektenkunde: Feuerkäfer tanzen durch den Garten

Die auffälligsten Tiere sind nicht immer die gefährlichsten. Oft trügt der Schein sogar. Unsere heimischen Feuerkäfer, auch Feuerwanzen genannt, signalisieren mit ihrem stark leuchtend roten Panzer: Bleib fern! Vögeln reicht diese Warnfarbe oft aus, denn die Feuerwanzen haben kaum natürliche Fressfeinde. In Wirklichkeit sind sie aber ganz zahm. Sie können zwar ein unangenehm riechendes Sekret ausstoßen, wenn man sie ärgert. Dieses ist aber weder ätzend noch in anderer Form giftig. Unser Sohn schaut den kleinen Käfern sehr oft und lange zu. Vor allem während der Paarungszeit tanzen sie zu zweit und aneinander gekettet über den Erdboden.

Links im Bild ein Marienkäfer auf Basilikum, rechts ein Feuerkäfer auf Rosmarin. © Constanze L.

Marienkäfer und Feuerwanzen tragen die Warnfarbe Rot. Trotzdem braucht man vor ihnen keine Angst haben. Aber das müssen Kinder erst einmal verstehen.

An den Feuerwanzen und Schwebefliegen lässt sich Kindern sehr gut das Prinzip „Mimikry“ erklären. Dabei handelt es sich um eine starke Ähnlichkeit von harmlosen Tier- und Pflanzenarten mit solchen, die giftig sind. Es lohnt sich also in jeder Hinsicht, ganz genau hinzuschauen.

Gefährliche Krabbler: Insektenkunde für Kinder schützt

Wirklich gefährliche Insekten gibt es in unseren Breitengraden zum Glück nicht. Natürlich gilt das nicht für Allergiker. Ausgenommen werden müssen hier auch die Insekten, die als Überträger von Krankheiten gefährlich werden. Also solche Arten, die an sich harmlos sind, aber deren Stich oder Biss durch Viren und Bakterien zum Gesundheitsrisiko werden können.

Umgang mit Bienen, Hummeln und Wespen

Vor allem wenn man sie in Ruhe lässt, geht kaum eine Gefahr von ihnen aus. Doch muss man bedenken, dass kleine Kinder oft panisch reagieren, wenn ihnen eine Biene oder Wespe zu nahekommt. Das liegt vielleicht daran, dass sie es von den Großen imitieren. Es fällt Ihnen sicher nicht leicht, bei einem Erkundungsflug von Bienen oder Wespen locker zu bleiben. Vor allem wenn Sie wissen, wie sehr ihr Stich schmerzt. Oder wenn Sie gar allergisch auf das Sekret reagieren. Aber Ruhe zu bewahren, ist ganz wichtig, dann schwirren sie schnell wieder ab. Wegpusten oder mit den Händen verscheuchen sehen sie dagegen schnell als Angriff und wollen sich wehren.

Eine Wespe baut ein Nest. © Constanze L.

Wespen sind nicht nur nervig, sie können auch aggressiv sein. Gut, wenn Kinder wissen, wie sie sich dann am besten verhalten. Den Bau eines Wespennestes sollte man möglichst verhindern.

Tipps, wie Sie mit Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen im Garten ein friedliches Leben führen können

  • Lassen Sie süße Lebensmittel oder Getränke nicht offen herumstehen. Am besten nutzen Sie ein Glas mit einem Deckel, wenn Sie etwas Süßes trinken möchten. Auf jeden Fall sollten Sie Getränke überprüfen, ob sich nicht doch schon eine Biene oder Wespe niedergelassen hat.
  • Nach dem Trinken von Säften ist es wichtig, dem Kind den Mund, das Gesicht und die Hände zu säubern, falls etwas verkleckert wurde. Sonst werden sie zum Magnet für die hungrigen  Pollenjäger.
  • Damit sich keine Wespen an Ihrer Terrasse ansiedeln, können Sie sich eine Wespennest-Attrappe aufhängen. Das geht ganz einfach: Eine große braune Papiertüte auseinanderfalten und wie ein Nest formen. So denken Wespen, dass dort schon ein Wespenvolk wohnt und suchen sich einen anderen Platz zum Nestbau aus.
  • Im Haus aber auch im Garten können natürliche Öle und Pflanzen wie Pfefferminze, Nelke oder Lavendel die Tierchen fernhalten.
  • Wenn die Wespen im Spätsommer auf Futtersuche für den Nachwuchs sind, können sie besonders schnell unangenehm werden. Vor allem fliegen sie auf Grillfleisch. Versuchen Sie es mal mit einer Ablenkfütterung. An einem ruhigen Platz im Garten können Sie Weintrauben oder ähnliches aufstellen.

 

Am Dackbalken ist ein ballonförmiger Lampion angebracht. © MARTIN_FOERG

Sieht aus wie ein Lampion, ist aber eine Wespennest-Attrappe.

Besonders gefährliche Krankheitsüberträger: Zecken

Verhindern können wir nicht, dass sie da sind. Und leider können wir uns nur zum Teil vor ihren gefährlichen Trittbrettfahrern FSME und Borreliose schützen. Doch es hilft schon, sich der Gefahr durch Zecken bewusst zu sein. Erklären Sie Ihrem Kind am besten, warum man besonders genau schauen muss, ob irgendwo am Körper ein solcher Krabbler unterwegs ist. Suchen Sie sich und Ihr Kind nach dem Toben im Freien gründlich ab. Wir reiben uns zusätzlich immer mit Kokosöl ein. Dies soll helfen, weil angeblich Zecken den Geruch nicht mögen. Auch soll eine Ernährung mit Schwarzkümmelöl helfen.

Unbedingt Abstand halten: Eichen-Prozessionsspinner

Diese kleinen Raupen werfen ihre Brennhaare ab, die zu Quaddeln, Knötchen und Hautentzündungen führen können. Das Einatmen der Brennhaare kann die Bronchien reizen. Unser Sohn liebt Raupen, deswegen schauen wir immer zweimal hin, wenn er wieder eine gefunden hat. Wenn Sie sich in der Nähe von Eichen aufhalten, sollten Sie also darauf achten, welche Raupe ihr Kind gerade untersucht und ihm vorab erklären, warum es besonders vorsichtig sein muss.

 Nacktschnecken sind keine Insekten, …

… dennoch möchte ich gerne eine tolle Entdeckung mit Ihnen teilen, die wir im Zuge der Insektenkunde für Kinder gemacht haben: Wir töten keine Lebewesen, auch nicht jene, die uns unseren frisch gesetzten Salat wegessen wollen. Wir sammeln Nacktschnecken ab und verfrachten sie in den Wald. Letztes Jahr hatten wir fast keine Schäden durch den großen Hunger der Schnecken. Ein wenig verwundert, aber froh waren wir natürlich darüber.

Eine hellbraune gepunktete Nacktschnecke © Constanze L.

Gern gesehener Gast: Der Tigerschnegel frisst die Nacktschnecken.

Wir haben dann den Grund entdeckt. Den Tigerschnegel! Eine Schneckenart, die die Eier und sogar ausgewachsene Exemplare der braunen, heimischen Nacktschnecke frisst. Hätten wir mit Gift im Garten gearbeitet, wären auch die nützlichen Schnegel diesem zum Opfer gefallen. So hat sich die Schneckenplage auf ganz natürliche Art und Weise selbst reguliert. Das genaue Hinschauen lohnt sich also auch beim Schnecken sammeln.

 

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Bildquellen

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Constanze lebt inzwischen schon seit 15 Jahren in der Waschbär-Welt und ist zurzeit im Einkauf mit der Mission „Grüner Daumen“ befasst. Im eigenen kleinen Garten beweist sie bei jeder Gelegenheit den Mut zum Ausprobieren und geht mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Freund der immer neuen Frage nach, wo was herkommt. Ist eine Antwort gefunden, genießt die kleine Familie die Schönheit der Natur oder sorgt für die Unterhaltung ihrer zwei Katzen.

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