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Gründüngung im Garten – Nahrung für den Boden und mehr

Auf einer Wiese wachsen Pflanzen, die sich für die Gründüngung im Garten eignen.

Die Gründüngung ist in vielen landwirtschaftlichen Betrieben ein fester Bestandteil der Kulturfolge. Vor allem im biologischen Landbau ist die Gründüngung eine wichtige Stickstoffquelle. In den Hausgärten wird die wertvolle Bodenpflege durch Gründüngung im Garten jedoch leider viel seltener angewendet. Was die Gründüngung bewirkt und wieso sie auch im eigenen Garten eingesetzt werden sollte, erfahren Sie hier.

Gründüngung zur Bodenverbesserung – so funktioniert’s

Bei der Gründüngung werden spezielle Pflanzen ausgesät, um eine Bodenverbesserung zu erreichen. Das Wort Düngung ist dabei etwas irreführend, da es sich eigentlich nicht um Dünger handelt, sondern eher um einen „Bodenpfleger“. Zum Dünger wird das Ganze erst mit einer Verzögerung, nämlich dann, wenn die Pflanzen später dem Boden zugeführt werden. Das heißt, die Gründüngung wird irgendwann abgemäht, eventuell zerkleinert und in den Boden eingearbeitet. Nach der Einarbeitung in die oberste Bodenschicht wird die Pflanzenmasse vom sogenannten Bodenleben (Edaphon) in wertvollen Humus umgewandelt. Die Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Bakterien, Pilze, Algen und viele mehr sind der Garant für einen gesunden und fruchtbaren Gartenboden.

Die Vorteile der Gründüngung

Die Gründüngung ist wie das Mulchen viel mehr als nur Düngung. Ihre Stärken liegen in der Verbesserung des Bodens. Dieser erhält Schatten und dadurch wird das wertvolle Bodenleben vor Temperaturschwankungen und UV-Licht geschützt. Die Gründüngung als Bodenbedecker ist sozusagen eine lebendige Alternative zum Mulch, der schließlich nicht immer in genügender Menge zur Verfügung steht.

Außerdem schützt Gründüngung vor Verschlämmung, während die Wurzelmasse der Pflanzen den Boden lockert und belüftet. Vor allem schwere, tonige Böden können durch tiefwurzelnde Pflanzen aufgebrochen werden. Bei schnell wachsenden Gründüngern, wie etwa Senf oder Phacelia, wird auch das Aufgehen von Unkräutern unterdrückt. In Hanglagen ist sie ein guter Schutz gegen Erosion und Nährstoffauswaschung. Bei der Nutzung von Leguminosen, wie zum Beispiel Klee oder Wicken, wird zudem der Boden mit Stickstoff angereichert.

An einer Phacelia sitzt eine Honigbiene. © CC0/ Nennieinszweidrei

Im Herbst endeckt man die Phacelia auf vielen landwirtschaftlich genutzen Feldern.

Tipp: Sehr zu empfehlen ist eine Gründüngung im Garten bei der Neuanlage des Gartens. Vor allem in Neubaugebieten, wo der Boden durch Baumaschinen verdichtet wurde und das Erdreich sehr humusarm ist.

Gründüngung im Garten: ein grüner Teppich für brachliegende Flächen

Wenn auf einem Beet in Ihrem Garten eine längere Anbaupause entsteht, dann schlägt die Stunde der Gründüngung. Je nach Gründüngungspflanze kann von März bis Oktober ausgesät werden (siehe Tabelle). Die Beete werden zur Aussaat der Gründüngung genauso feinkrümelig vorbereitet wie für andere Aussaaten. Alle brachliegenden Flächen sollten unbedingt mit Gründüngung eingesät werden, selbst wenn sie nur sechs Wochen brachliegen. Für eine solche Zwischengründüngung eignet sich dann eine schnell wachsende Gründüngerpflanze wie Senf oder Kresse. Diese begrünen eine Fläche schon innerhalb von zwei Wochen. Nach ein bis zwei Monaten haben sie sich zu einem dichten grünen Teppich entwickelt.

Die Regeln des Fruchtwechsels beachten

Gründünger muss nicht auf Brachflächen begrenzt bleiben. Man kann ihn wie eine Mulchschicht auch zwischen den Kräuterreihen aussäen. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass sich die Gründüngerpflanzen mit der Hauptkultur vertragen. Es gelten hier die Regeln des Fruchtwechsels. Also kombiniert man beispielsweise nie die Gründüngerpflanzen Senf und Ölrettich mit Meerrettich, Rucola oder Radieschen, da alle zur Familie der Kreuzblütler gehören. Gerade Kreuzblütler besitzen viele spezifische Schädlinge, wie etwa Nematoden oder Erdflöhe, und werden von Krankheiten befallen. Wenn Sie beispielsweise Kohl anbauen, sollten Sie deshalb zum Schutz vor der Pilzkrankheit Kohlhernie in den Anbaupausen nicht mit Senf „gründüngen“.

Gründüngung im Garten: zerkleinern, anwelken lassen, einarbeiten

Einjährige Gründüngungspflanzen erfrieren meist über Winter und können dann als Mulchschicht auf der Fläche liegen bleiben. Frostharte Gründüngerpflanzen werden im Frühjahr abgemäht und zerkleinert. Ideal ist natürlich ein Rasenmäher, weil er die Pflanzen so stark zerkleinert, dass sie sehr gut verrotten. Nach dem Anwelken (wichtig!) arbeitet man sie oberflächlich in den Boden ein. Das geschieht möglichst zwei bis drei Wochen vor der geplanten Pflanzung oder Saat. Die abgemähte Gründüngung lässt sich aber auch als Mulchmaterial verwenden oder verkompostieren.

Der Winterraps bedeckt den Boden und fungiert als Gründüngung. © CC0 / Hans

Die Pflanzen schützen und verbessern über die kalten Wintermonate den Boden.

Die Qual der Wahl: jede Pflanze hat ihre spezifische Wirkung

Es gibt sehr viele Gründüngungspflanzen, die alle eine unterschiedliche Wirkung auf den Boden haben. So bewirken Sonnenblume, Lupine oder Ölrettich mit ihren tiefen Wurzeln eine gute Lockerung und Durchlüftung. Tagetes und Ringelblumen können Fadenwürmer (Nematoden) vertreiben. Die sogenannten Leguminosen, wie zum Beispiel Klee, Wicken oder Lupinen, liefern dem Boden Stickstoff. Bei diesen Pflanzen gehen Knöllchenbakterien eine Symbiose mit den Wurzeln ein und sammeln aus der Bodenluft Stickstoff. Dies zeigt sich durch die Knöllchenbildung an den Wurzelhaaren. Nach dem Einarbeiten dieser Pflanzen und der Zerlegung durch die Bodenorganismen steht dieser Stickstoff in organischer Form als Dünger zur Verfügung.

Wieder andere Gründünger sind winterhart, zum Beispiel der Inkarnatklee, und eignen sich für das Bedecken der Beete über den Winter. Das ist sehr sinnvoll, denn so wird der Stickstoff gebunden und vor der Auswaschung ins Grundwasser gerettet. Die Einarbeitung der Gründüngung in die Erde erfolgt dann im Frühjahr.

Gründüngerpflanzen mit Mehrfachnutzen

Viele Gründünger haben sogar einen Mehrfachnutzen. Sie lassen sich beispielsweise für Tee verwenden, wie beispielsweise Ringelblume, Malve oder Sonnenblume. Andere sind essbar, wie etwa Senf, Kresse, Feldsalat, Spinat oder Erbsen. Wieder andere sind hilfreich für unsere Nützlinge und Insekten, so zum Beispiel Sonnenblumen, Malven, Phacelia, Klee oder Senf.

Gründüngung im Garten: fertige Gründüngermischungen

Es gibt im Handel auch sehr viele Gründüngermischungen aus verschiedenen Pflanzen, die Sie am besten gemäß den Angaben der Hersteller einsetzen. Bekannte Mischungen sind beispielsweise das „Rotenburger Kombigemenge“ (mit Stickstoffsammlern), das „Landsberger Gemenge“ (mit Leguminosen), die Mischung „Grün-Aktiv“ für schwere Böden oder die „Alexandriner-Perserkleemischung“. Häufig sind auch Pflanzen untergemischt, deren Blüten als Bienenweide dienen.

Überblick über die verschiedenen Gründüngungspflanzen

Pflanze Saatzeit Kulturdauer in Wochen Saatmenge (g/m²) Bemerkungen
Ackerbohne (Leguminose) März–Juni 8 20–25 Stickstoffsammler, Tiefwurzler, winterhart
Buchweizen Mai–August 8 5–10 Bienenweide, rasche Bodenbedeckung
Feldsalat August–September bis Frühjahr 6 winterhart, viel Wurzelmasse
Gelbsenf (Kreuzblütler) März–September 4–5 4–5 schnellwachsend, gute Durchwurzelung
Hafer März–August 8–12 16  
Kresse (Kreuzblütler) März–September 3–5 4–5 schnellwachsend
Inkarnatklee (Leguminose) März–August bis Frühjahr 6 winterhart, Stickstoffsammler
Lein April–Juli 8-12 4–5 gute Bodenlockerung
Lupinen (weiß, gelb oder blau) (Leguminose) April–August 12–15 20 Stickstoffsammler, Tiefwurzler (2 m)
Ölrettich (Kreuzblütler) Mai–September 6–9 5 Tiefwurzler (2 m), viel Grünmasse
Persischer Klee (Leguminose) April–August 12–15 5 Stickstoffsammler, Bienenweide
Phacelia März–September 6–9 2–3 Bienenweide
Ringelblume März–August bis Frostbeginn 6 hilft gegen Nematoden
Sommerwicke (Leguminose) Mai–August 6–8 20 Unkrautunterdrückung, Stickstoffsammler
Sonnenblume April–Juli 14–16 4–6 Tiefwurzler
Spinat März–September bis Frühjahr 10 winterhart
Tagetes Mai–August bis Frostbeginn 2–3 hilft gegen Nematoden
Winterraps (Kreuzblütler) September–Oktober bis Frühjahr 4–5 Tiefwurzler (1 m), winterhart
Winterroggen September–Oktober bis Frühjahr 20 winterhart, gute Durchwurzelung
Zottelwicke (Leguminose) September–Oktober bis Frühjahr 10–12 winterhart, Stickstoffsammler

 

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Bildquellen

  • phacelia: © CC0/ Nennieinszweidrei
  • winterraps-gruenduengung: © CC0 / Hans
  • gruenduengung-blumenwiese: © CC0 / rihaij

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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