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foodsharing – Engagement gegen Lebensmittelverschwendung

Vier Vertreter des Vereins foodsharing stehen neben Infotafeln über ihr Engagement

Mehr als 20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich allein in Deutschland in der Mülltonne. Um diese unfassbare Verschwendung einzudämmen, gründeten engagierte Lebensmittelretter 2012 den gemeinnützigen Verein „foodsharing“, der nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land aktiv ist. Unter dem Motto „Verteilen statt wegwerfen“ setzen sich rund 32.000 Ehrenamtliche täglich dafür ein, Lebensmittel vor dem Abfall zu bewahren. Profitieren und mitmachen kann jeder: Nachbarn, Menschen auf der Straße, gemeinnützige Projekte, Vereine, Tafeln, Suppenküchen und Freunde.

Mona F. aus Emmendingen bei Freiburg ist eine der „Heldinnen“, die sich dafür einsetzen, dass Lebensmittel gegessen und nicht weggeworfen werden. „Die Idee entstand in einer Notsituation“, beschreibt die sympathische 35-Jährige ihren Eintritt bei foodsharing. „Ich habe einen Weg gesucht, trotz des sehr knappen Budgets gesunde Lebensmittel zu konsumieren, und ich habe einen gefunden.“ Als sie von „foodsharing“ hörte, erwarb sie eine Berechtigung, als Foodsaver zu arbeiten, und hatte dadurch Zugang zu ausrangierten Lebensmitteln – auch aus kontrolliert biologischem Anbau. Inzwischen sammelt Mona seit drei Jahren mit Gleichgesinnten auf dem Wochenmarkt und in Geschäften Obst, Gemüse, Brot und hin und wieder auch Fleischprodukte. Diese teilt sie mit ihrer Foodsaver-Gruppe oder bringt sie an die Verteilerstellen, zu denen jeder Zugang hat.

Das Ziel des Vereins „foodsharing“ – Lebensmittelverschwendung eindämmen

Die vielen Leute posieren für ein Abschlussfoto vor dem alten backsteingebäude.

©foodsharing e.V.

Treffen des Vereins foodsharing in Berlin

Anders als bei den Tafeln besteht der Sinn der Initiative Foodsharing darin, dass essbare Lebensmittel gegessen werden, egal von wem. Trotz des offenen Zugangs für alle, konkurriert foodsharing nicht mit den rund 900 Tafeln in Deutschland, die ihr Angebot ausschließlich Bedürftige richten. Im Gegenteil: „Mit foodsharing ist es möglich, durch ein dezentrales Netzwerk und eine Internetplattform überschüssige Lebensmittel kurzfristig anzubieten“, macht Raphael Fellmer, Mitgründer von foodsharing, deutlich. „Gemeinsam mit den Tafeln kommen wir dem Ziel der ganzheitlichen Reduktion der Lebensmittelverschwendung näher. Ziel ist es, die Wertschätzung für Lebensmittel zu steigern, Menschen für das Thema zu sensibilisieren und im Internet unter foodsharing.de eine Plattform gegen die Verschwendung zu etablieren, auf der Privatpersonen, Händler, Vereine und Produzenten überschüssige Lebensmittel kostenlos anbieten können“, fügt der Aktivist hinzu, der sich seit vielen Jahren mit seinem Konsumstreik gegen die Verschwendung von Ressourcen einsetzt.

Für viele ein erster Anstoß zum Umdenken: Der Film „Taste the Waste“

Für den Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren, war auch Intention von Valentin Thurn. Das hat den Autor und Regisseur 2011 verlasst, mit einem Film auf das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. In „Taste the Waste“ zeigt Thurn unterschiedlichste Orte, an denen Essbares zu Müll degradiert wird. Unter anderem eine Schweizer Bäckerei, die ihre Öfen mit Brotresten heizt, und einen Kartoffelbauern, der rund 50 Prozent seiner Ernte vernichtet, weil die Knollen nicht dem Industriestandard entsprechen. Er war in sogar in Japan, wo das Haltbarkeitsdatum in Stunden angegeben wird, um aufzuzeigen, wie weit der Wahn geht. Der Film war ein Weckruf und hat bei vielen den Anstoß zum Umdenken gegeben. Der im Jahr darauf gegründete Verein foodsharing geht zwar nicht auf den Film zurück, profitierte jedoch direkt von der Aufmerksamkeit, die er dem Thema bescherte. Für viele Menschen ist „Taste the Waste“ zum Anlass geworden, sich erstmals mit Lebensmittelproduktion überhaupt auseinanderzusetzen.

Erschreckend, welche Lebensmittel im Müll landen

Der junge Mann streckt seine Daumen in die Höhe und posiert vor geretteten Lebensmitteln.

©foodsharing e. V./Raphael Fellmer

Es ist ein tolles Gefühl, die Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet zu haben.

Obwohl es die Lebensmittelretter-Initiativ schon seit mehr als fünf Jahren gibt, kennen viele sie nicht. „Eine Freundin hat mir von foodsharing erzählt, bis dahin hatte ich noch nichts davon gehört. Entsorgte Lebensmittel auszusortieren und kostenlos zu beziehen, war mir bis dahin nicht in den Sinn gekommen. Das war mir wohl zu unhygienisch“, erinnert sich Mona. „Ich war völlig verblüfft, als ich gesehen habe, wie viele hochwertige und leckere Lebensmittel einfach weggeworfen werden. Voll intakte Waren müssen aus rechtlichen Gründen aussortiert werden, weil ein Stichtag erreicht ist oder bald erreicht sein wird. Dann wird einfach provisorisch ausgesondert. In Verpackungen genügt eine gequetschte Tomate, um das ganze Paket auszusortieren. Manchmal kostet es schon ein wenig Überwindung, Genießbares von Ungenießbarem zu trennen. Deshalb sollten Foodsaver keine zu niedrige Ekelgrenze haben.“

Foodsaver werden? Ja, aber mit einer kleinen Prüfung

Mona wusste, worauf sie sich einlässt, denn schon vor der Aufnahme als Freiwillige in das große Team der Foodsaver gibt es einen guten Einblick in die Praxis, die Vor- und Nachteile werden klar aufgezeichnet. Wer Foodsaver werden möchte, muss im Vorfeld ein Quiz absolvieren, um deutlich zu machen, dass er verstanden hat, worum es geht. „Beim ersten Mal habe ich die Fragen nicht ausreichend beantwortet und bin durchgefallen“, gesteht Mona. „Beim zweiten Mal hat es geklappt und dann habe ich ein paar Mal einen Kollegen begleitet, der mir gezeigt hat, worauf es bei den Abholungen ankommt.“

Zuverlässige Abholung ist eine Bedingung bei „foodsharing“

©Mona F.

Foodsaverin Mona lädt Kürbisse nach Halloween ein, die sonst einfach auf den Kompost wandern würden.

Mit Bestehen dieser Aufnahmeprüfung erhielt sie ihren Foodsaver-Ausweis und die Berechtigung, Lebensmittel in vorgegebenen Betrieben abzuholen. Es folgte ein Upgrade als „Betriebsverantwortliche“ des Wochenmarktes in ihrem Wohnort. In dieser Position ist sie dafür verantwortlich, dass die Abholungen pünktlich erfolgen und alle aussortierten Lebensmittel mitgenommen werden. „Wir wissen nie genau, was uns erwartet. Manchmal ist die Ausbeute klein und es reicht wirklich nur für ein paar wenige Leute. Es gibt aber auch Tage, an denen ich Unterstützung brauche, weil ich es allein nicht packe. Pünktliche Abholungen sind wichtig, sonst laden die Lebensmittel im Müll.“

foodsharing als Teil eines großen Umdenkprozesses im Umgang mit Lebensmitteln

Seit der Vereinsgründung sind viele Aktionen gelaufen und neue Geschäftsideen entstanden. Immer mehr Menschen unterstützen die Initiative zur Lebensmittelrettung. Inzwischen gibt es Unverpackt-Läden, Restaurants, Cafés und sogar Supermärkte, die sich einzig aus geretteten Lebensmitteln speisen. „Es ist unglaublich, wie sehr die Idee Foodsharing boomt“, freut sich Mona. „Irgendwann möchte ich in einem dieser netten Restaurants essen gehen und mich mit einem feinen Menü verwöhnen lassen, dessen Zutaten ich nicht selber gerettet habe.“

Hier finden sie weitere Informationen zum Verein foodsharing.

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Bildquellen

  • foodsharing-festival-2016: ©foodsharing e.V.
  • gerettete-lebensmittel: ©foodsharing e. V./Raphael Fellmer
  • kuerbisse-einladen: ©Mona F.
  • foodsharing: ©foodsharing/Benjamin Schmitt

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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