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Eine Kuh auf Bestellung: Ist Crowdbutching nachhaltiger Fleischkonsum?

EIne kleine Herde Kühe steht auf einer Wiese, die ins Morgenlicht getaucht ist.

Der weltweit zunehmende Fleischverbrauch hat dramatische Folgen: Er belastet Klima, Böden und Grundwasser, befeuert Artensterben und Waldrodungen und führt dazu, dass Millionen Nutztiere unter unwürdigen Bedingungen leben und sterben. Das Beste ist es, komplett auf Schnitzel und Co. zu verzichten. Realistisch ist das aber nicht. Denn noch verspeist die Mehrheit der Bevölkerung Fleisch. Die berechtigte Frage ist deshalb: Wie können wir unseren Fleischkonsum nachhaltiger und ethischer gestalten? Eine mögliche Antwort darauf liefert das Crowdbutching. Ziel ist es, dass wir Fleisch wieder auf dem Bauernhof einkaufen und die Fleischproduktion somit transparenter und regionaler wird. Hält das Prinzip diesen Anforderungen stand und ist es auch nachhaltig und ethisch vertretbar? Wir haben uns das mal näher angeschaut. 

Was ist Crowdbutching?

Das Prinzip ist einfach: Kühe, Schweine, Hühner und teilweise auch Wild werden von einem Anbieter auf einer Website angeboten. Dort kauft eine unbekannte Gemeinschaft, die sogenannte Crowd, Anteile an dem Tier, bevor dieses geschlachtet und unter den Käufern und Käuferinnen verteilt wird. Man bekommt seinen Anteil – in der Regel zwischen drei und acht Kilogramm – gekühlt und portionsweise vakuumiert nach Hause geliefert. Je nach Bedarf kann man sein Fleisch dann einfrieren und auftauen.  

Wer bietet Crowdbutching an? 

Crowdbutching ist eigentlich nichts Neues. Denn früher war es üblich, eigene oder vom ansässigen Bauernhof aufgezogene Tiere zu schlachten und unter der Familie sowie den Nachbarinnen und Nachbarn aufzuteilen. Es gab keine Megaställe und kein Importfleisch. Auch beim Crowdbutching stammen die Tiere aus heimischen, meist kleinen landwirtschaftlichen Betrieben. Allerdings bieten nur wenige Bauernhöfe diese Form der Direktvermarktung in Eigenregie an. In der Regel sind es Plattformen, die Fleisch von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region vermarkten und sich um die Logistik kümmern. Damit leben alte Strukturen wieder auf: Betriebe, die mit den Dumpingpreisen der Massentierhaltung nicht konkurrieren können, erzielen ein Einkommen. Und Verbraucherinnen und Verbraucher, die keinen Bauernhof und keine traditionelle Metzgerei mehr vor Ort haben, können Tiere von heimischen Erzeugern mit anderen teilen. Fast wie in alten Zeiten, aber eben über das Internet. 

In einem offenen Hühnerstall auf einem Bauernhof haben sich ein paar Hühner versammelt. © CCo / Brett Jordan

Regional und artgerecht: kleinere Betriebe werden durch Crowdbutching gefördert

Ökologisch und/oder extensiv: die Tierhaltung

Zur Crowdbutching-Philosophie gehört es, den Tieren ein angenehmes Leben zu ermöglichen und sie respektvoll zu behandeln. Bevor ein landwirtschaftlicher Betrieb seine Tiere über eine Plattform verkaufen kann, überzeugen sich die Anbieter vor Ort, wie es den Tieren geht. Viele Anbieter arbeiten nur mit Betrieben zusammen, die bei der Haltung ökologische Richtlinien befolgen. Andere wiederum wollen auch kleine Erzeugerbetriebe unterstützen, für die sich ein teures Biosiegel nicht rechnet. Dass diese ihre Tiere nicht schlechter behandeln und teils über die Bio-Mindeststandards hinausgehen, zeigt zum Beispiel die Rinderhaltung. Soweit es sich überblicken lässt, ist die Haltung bei allen extensiv. Das bedeutet: Die Tiere genießen Weidehaltung – oft ganzjährig – und bekommen Heu und Heulage als Zufütterung. Extensiv bedeutet zudem, dass die Kälber bei ihren Müttern bleiben dürfen und von ihnen gesäugt werden.  

Tierwohl-Mindestvorgabe: artgerechte Haltung 

Auch wenn sich die Haltungsformen von Plattform zu Plattform und von Hof zu Hof im Detail unterscheiden: Die Vorgabe ist immer eine artgerechte Haltung. In der Regel heißt das: Die Tiere haben viel Platz in eingestreuten Ställen, sie können ins Freie laufen und ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben. Sie bekommen artgerechtes Futter aus heimischem, meist sogar hofeigenem Anbau. Die Bewirtschaftung der hofeigenen Flächen haben die Anbieter ebenfalls im Blick. Für die Bio-Tierhaltung ist ohnehin eine ökologische Landwirtschaft maßgebend. Ansonsten ist eine möglichst nachhaltige Bewirtschaftung die Vorgabe. Bei der Plattform „Grutto“ etwa müssen sich die Partnerbetriebe dem regenerativen Landbau verpflichten. 

Das Fleisch lässt sich bis zur Weide zurückverfolgen 

„Verzichte auf anonymes Massenfleisch und sieh, von welchem Tier das Fleisch stammt, das Du isst.“ Dieser Slogan von der Plattform „Mein Bio Rind“ zeigt, dass es sich bei den Haltungsbedingungen nicht nur um leere Versprechungen handelt. Denn jedes Paket lässt sich bis zum Landwirt und in der Regel via individueller Tiernummer sogar bis zum Einzeltier zurückverfolgen. Man erfährt, von welchem Bauernhof das zum Verkauf stehende Tier stammt, wie dort gewirtschaftet wird und wie das Tier gelebt hat. Theoretisch kann man beim Landwirt vorbeischauen und sich vor Ort von der Tierhaltung überzeugen – wozu einige Anbieter auch einladen. Damit schafft Crowdbutching Transparenz. Und setzt einen Kontrapunkt zur konventionellen Fleischproduktion, wo Herkunft und Haltungsform meist unklar sind.

Eine braun-weiße Kuh steht auf einer grünen Wiese, im Hintergrund kann man Berge erkennen. © CC0 / Lucas Allmann

Wissen, wo das Fleisch herkommt: beim Crowdbutching lässt sich das bis zur Weide zurückverfolgen.

Wo findet die Schlachtung statt?

Kuh, Schwein, Huhn und Co. müssen gut gelebt haben. Aber auch ein „würdiges Schlachten“ gehört beim Crowdbutching zu einer artgerechten Haltung. Es gibt keine industriellen Massenschlachtungen. Im Gegenteil: Alle Anbieter kooperieren mit kleinen Schlachtereien, die noch handwerklich arbeiten und aus der gleichen Region wie die Partner-Landwirte stammen. Auf den kurzen Wegen zum Schlachtbetrieb bleiben die Tiere in kleinen Gruppen und kommen so möglichst stressfrei an. Oft begleiten die Bauern und Bäuerinnen ihre Kühe und Schweine selbst zum Schlachter. Hühner werden meist hofgeschlachtet. Wer wissen will, wo genau die Schlachtung stattgefunden hat, kann das bei den meisten Anbietern nachlesen. Damit lässt sich die gesamte regionale Wertschöpfungskette des bestellten Fleisches nachvollziehen. 

Ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Essen ist wertvoll. Vor allem, wenn ein Tier dafür sein Leben lassen musste. Wenn aber Fleischüberschüsse als Abfall enden und nur noch Filets auf unseren Tellern landen, hat das mit Wertschätzung wenig zu tun. Die Crowdbutching-Bewegung will das ändern und unnötige Verschwendung von Tierleben und Fleisch vermeiden. Das Prinzip: Geschlachtet wird erst dann, wenn sich genügend Käufer und Käuferinnen gefunden haben und das ganze Tier verkauft ist. Es wird also kein Fleisch im Voraus produziert, das man später wegwerfen muss. Außerdem kann man nicht nur die Edelstücke eines Tieres bestellen. Stattdessen erhält jeder Käufer und jede Käuferin den jeweiligen Kilogramm-Anteil als Paket, das mit verschiedenen Fleischteilen gefüllt ist und manchmal auch Beinscheiben und Markknochen enthält. Einige Plattformen bieten sogar die Möglichkeit, das Paket mit Innereien und anderen Teilstücken zu ergänzen. Diese kommen normalerweise als Schlachtnebenprodukte in Form von Tierfutter und Ähnlichem zum Einsatz.

Info: In der Nachkriegsgeneration war es noch selbstverständlich, Blutwurst, Kuttelsuppe, Zunge, Leber, Eisbein und Ochsenschwanz zu servieren. Mit dem Konzept „Nose-to-Tail“, was so viel bedeutet wie „Vom Kopf bis zum Schwanz“, erfährt diese traditionelle Küche eine Renaissance. Wer ein Tier schlachtet, muss es auch ganz verwerten, postuliert die Nose-to-Tail-Küche. Das sei eine Frage des Respekts.

Wie verpackt und versendet man nachhaltiges Fleisch? 

Das Fleisch wird im Schlachtbetrieb portioniert, meist auch dort verpackt und mit spezialisierten Logistikpartnern an die Käufer und Käuferinnen ausgeliefert. Womit wir bei einem der Knackpunkte des Konzepts sind: dem Einzelversand. Wer den CO2-Fußabdruck seiner Bestellung verringern will, kann Plattformen wählen, deren Partnerbetriebe in der eigenen Region ansässig sind. So lässt sich der Transportweg zumindest verkürzen. Manche Anbieter und Höfe bieten zudem Selbstabholung an. Damit lässt sich zusätzlich Verpackungsmüll einsparen. Denn das ist natürlich das nächste Problem: Fleisch muss gekühlt ankommen. Wer regionales Fleisch aus artgerechter Haltung verkauft, der versendet seine Ware nicht in Styroporverpackungen. Soweit es sich überblicken lässt, liefern alle Anbieter das Fleisch in Kartons aus, die mit einer Stroh- oder Hanfisolierung ausgekleidet sind. Hinzu kommen wiederverwendbare Kühlelemente. 

Weniger Fleisch, dafür besseres 

Für gute Haltungsbedingungen und eine transparente Wertschöpfungskette zahlt man mehr. Die Kilopreise liegen je nach Anbieter deutlich über den branchenüblichen Preisen von Metzgereibetrieben. Da weder Zwischenhändler noch Fleischindustrie beim Crowdbutching mitmischen und mitverdienen, bleibt ein Großteil des Gewinns beim landwirtschaftlichen Betrieb. Wer also bereit ist, mehr zu zahlen, unterstützt diesen darin, für das Wohl seiner Rinder, Schweine und Hühner zu sorgen und umweltschonender zu wirtschaften. Mit Dumpingpreisen ist das kaum möglich. Saftige Preise sollen ebenso dazu führen, dass der Konsum sinkt und Fleisch eine höhere Wertschätzung erfährt. Das ist auch der Ansatz, den „Grutto“ verfolgt: „Der Aufruf unseres Unternehmens an die Konsumentinnen und Konsumenten: Esst weniger Fleisch, dafür aber nur gutes und zurückverfolgbares!“

Schweine suhlen sich in einer matschigen Pfütze. © CC0 / Samira

Nachhaltiges Fleisch hat seinen Preis – Crowdbutching sorgt für die Wertschätzung von Bauern und Tieren.

Fazit: Ist Crowdbutching nachhaltig und ethisch? 

Crowdbutching ist ein Gegenentwurf zur Massentierhaltung. Die Vorteile sind: eine artgerechte Haltung auf den Höfen, der Verzicht auf importierte Futtermittel, ein schonenderer Landbau sowie eine regionale Wertschöpfungskette. Damit entspricht das Modell im Kern auch dem, was Umweltverbände für mehr Tierwohl sowie Umwelt- und Klimaschutz fordern: nämlich den Fleischkonsum zu halbieren und nur so viele Tiere zu halten, wie die vorhandenen nachhaltig bewirtschafteten Flächen ernähren können. Die Devise lautet also: Weniger Fleisch zu besseren Bedingungen zu produzieren und in Maßen zu essen.

Klar: Am besten ist es, komplett auf Fleisch zu verzichten. Wem das aber schwerfällt, für den ist Crowdbutching eine ethische und nachhaltige Alternative. Sie bietet selbst gegenüber dem Hofladen und dem Metzger vor Ort einen Vorteil: Es wird nicht im Voraus produziert. Damit lassen sich nicht nur Fleischabfälle, sondern auch unnötige Klima- und Umweltbelastungen von vornherein vermeiden. Der einzige Minuspunkt ist der Versand. Das Gute aber: Crowdbutching funktioniert nicht nur online per Versandpaket. Wer einen kleinen Hof in der Region hat, kann nachfragen, ob dieser an eine Einkaufsgemeinschaft aus Familie und Freundeskreis verkauft.  

Plattformen, die Crowdbutching anbieten

  • Das Hamburger Team von besserfleisch bietet Hühner, Rind- und Lammfleisch an 
  • Mein BioRind wurde in Sachsen-Anhalt gegründet und gehört hierzulande zu den ersten Crowdbutching-Anbietern 
  • Unter direktHof Allgäu verkauft ein Landwirt eigene und von Partnerlandwirten aufgezogene Allgäu-Rinder 
  • Bei EinStückLand verkauft ein Paar aus Schleswig-Holstein Rinder, Schweine und Geflügel aus biologischer und extensiver Haltung                                               
  • Wer bei Stadt Land Stall bestellt, bekommt Bio-Fleisch und Wild aus dem Münchner Umland   
  • Grutto Kaufnekuh ist der hierzulande größte Anbieter mit Tieren sowohl aus ökologischer als auch traditioneller Haltung
  • Wer auf nahgenuss.de oder nahgenuss.at bestellt, ordert direkt beim Bauernhof. Die Plattformbetreiber bieten hier lediglich einen Online-Auftritt – alles andere bis hin zum Versand übernehmen die Bauern und Bäuerinnen selbst 

Höfe, die Crowdbutching in Eigenregie anbieten 

 

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Bildquellen

  • huehner-im-stall: © CCo / Brett Jordan
  • kuh-auf-gruener-wiese: © CC0 / Lucas Allmann
  • schweine-im-matsch: © CC0 / Samira
  • kuehe-auf-weide: © CC0 / Lukas Hartmann

Katja Hellmuth ist freie Texterin für grüne Themen. Schokopralinen und Tanzmusik ist sie willenlos ausgeliefert. Die freie Zeit zwischen Texten und Familienalltag verbringt die gelernte Laborantin und Dipl.-Medienwissenschaftlerin am liebsten mit schweißtreibenden Workouts und „inneren Einkehr-Übungen“ für mehr Seelenpower.

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