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Behaartes Schaumkraut – wilde Würze aus dem Garten

Links die gesammelten Blüten, rechts die Pflanze im Garten

Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta) wird manchmal auch Gartenschaumkraut oder auch Vielstängeliges Schaumkraut genannt. Ich finde Gartenschaumkraut den passendsten Namen, denn das kleine Pflänzchen besitzt eigentlich recht wenig Haare, dafür kommt es aber recht häufig in unseren Gärten vor. Die meisten Menschen halten es für ein lästiges Unkraut, das sich seit den 1980er-Jahren explosionsartig vermehrt hat, vor allem in Hausgärten, Weinbergen und Parkanlagen. Es zählt inzwischen zu den häufigsten Garten-Wildkräutern, während es vor 50 Jahren noch eine absolute Seltenheit war.

Überall im Garten zeigen sich im Frühling die saftig grünen Blattrosetten. Der kleine einjährige Kreuzblütler wird 10-20 cm groß und beginnt sehr früh im Jahr zu blühen, meist schon Ende Februar / Anfang März. Die Stängel sind mit kleinen weißen Blüten besetzt, woraus sich nach der Befruchtung kleine Schoten bilden, in denen die winzigen Samen heranreifen. Die meisten Gärtner kennen das Kraut aufgrund der auffallenden Vermehrungsart: Bei geringster Berührung platzen die Schotenfrüchte auf und schleudern den reifen Samen weit davon. Kein Wunder, dass sich die Pflanze so schnell verbreitet hat, denn der Samen kann über 1 m weit davongeschossen werden.

©Rudi Beiser

Selbst im Winter kann man das vitaminreiche Behaarte Schaumkraut sammeln.

Behaartes Schaumkraut: Scharf wie Kresse

Ab sofort können Sie sich über das lästige Gartenunkraut freuen: Gehen Sie raus in den Garten und probieren Sie eines der jungen Blätter! Es ist eine geschmackliche Überraschung, denn der pfeffrig-scharfe Geschmack erinnert deutlich an die bekannte Kresse. Das vitaminreiche „Unkraut-Gewürz“ eignet sich ideal um Kräuterbutter, Kräuterquark, Salatsoßen, Smoothies und Pesto aufzupeppen. Oder Sie genießen es feingeschnitten wie Kresse auf Butterbrot. Am besten kommt es roh zur Geltung, aber es würzt auch vorzüglich Suppen, Soßen und Eierspeisen. Geben Sie es aber erst zum Schluss an warme Speisen, denn zu viel Hitze lässt das feine Aroma verschwinden.

Die Blätter des Gartenschaumkrauts schmecken allerdings nur vor der Blüte und zu Blühbeginn. Wenn die Pflanze voll erblüht ist und schon Samenschoten angesetzt hat, dann verlieren die Blätter ihre angenehme Schärfe und werden immer bitterer und herber. Sie sollten also schon sehr früh im Jahr mit dem Sammeln beginnen, in milden Gegenden auch schon im Winter. Solange die Schötchen, die nach der Blüte erscheinen, noch grün sind können sie als pfeffriges Gewürz verwendet werden – einfach kleinschneiden und unter die Speisen mischen. Aus den kleinen reifen Samen könnte theoretisch Senf hergestellt werden, allerdings ist die Ernte sehr aufwendig und wenig ergiebig.

Das Schöne an dem „Unkraut“ ist, dass die Saison nicht gleich im Frühling vorbei ist, denn überall im Garten geht ganzjährig Samen auf und man findet somit immer wieder junge zarte Pflänzchen.

© Rudi Beiser

Je mehr das Wiesenschaumkraut seine Blüten öffnet, desto bitterer schmecken die Blätter.

Leckere Verwandtschaft des behaarten Schaumkrauts auf der Wiese

Das Gartenschaumkraut hat noch eine „Schwester“, die feuchte Wiesen bevölkert: Das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) kann zur Blütezeit (April bis Mai) eine Wiese mit seinen zartlila Blüten kurzfristig dominieren. Die vier Blütenblätter weisen feine violette Äderchen auf und die gut sichtbaren Staubblätter sind gelb. Sie können die kurzlebigen Blüten als würzige Verzierung für Salate oder Kräuterquark verwenden. Ein besonderer Leckerbissen sind die knospigen Blütentriebe des Wiesenschaumkrauts, kurz bevor die Blüte beginnt. Wenn Sie die feine Kresseschärfe lieben, dann können Sie die Knospen roh knabbern oder Sie verfeinern damit ihre belegten Brote. Sollten Sie zu viel davon gesammelt haben, dann werden sie zu Hause wie Brokkoli ganz kurz in Butter gedämpft und mit Genuss verspeist.

Heilkunde zum Wildkraut

Egal ob Gartenschaumkraut oder Wiesenschaukraut, alle Schaumkräuter sind sehr mineralienreich, vor allem Kalzium, Magnesium und Kalium sind vertreten. Aber auch Vitamin C und das Spurenelement Eisen gehören zu der guten Nährstoffausstattung. Bei den pharmakologisch wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen stehen die schwefelhaltigen Glucosinolate (Senfölglykoside) im Vordergrund, die zur Grundausstattung aller Kreuzblütler gehören. Diese wirken stark antioxidativ und antibakteriell. Dementsprechend gelten sie als sogenannte Radikalfänger.

Früher wurden die harntreibenden und stoffwechselanregenden Schaumkräuter vor allem bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Frühjahrskuren zur sogenannten Blutreinigung eingesetzt. Aufgrund ihrer antibiotischen Wirkung eignen sie sich auch für den Einsatz bei Erkältungskrankheiten. Verwenden Sie die Schaumkräuter für Heilzwecke unbedingt frisch und nicht getrocknet.

Rezept für scharfen Smoothie mit behaartem Schaumkraut

Zutaten

  • 2 Handvoll Schaumkrautblätter und –triebe (100-150 g)
  • 2 Äpfel
  • 1 Banane
  • 3 Scheiben frischer Ingwer
  • ½ Zitrone ganz (mit Schale)
  • 150 ml Orangensaft oder Hafermilch

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Mixer geben und solange Pürieren bis ein cremiger Smoothie entstanden ist. Je nachdem wie flüssig er sein soll, variieren Sie mit der Zugabe von Orangensaft bzw. Hafermilch.

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Bildquellen

  • schaumkraut-im-winter: ©Rudi Beiser
  • blueten-des-behaarten-schaumkrauts: © Rudi Beiser
  • behaartes-schaumkraut: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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