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Ameisen im Garten – nützlich oder schädlich?

Ameisen im Garten krabbeln auf grünen Blättern.

In unseren Häusern können Ameisen sehr lästig sein, vor allem wenn sie zucker- oder eiweißhaltige Lebensmittel entdeckt haben. Dann gibt es regelrechte Ameisenstraßen zu den leckeren Nahrungsquellen und eine Bekämpfung wird dringend nötig. Aber wie sieht es draußen aus – gehören Ameisen im Garten auch zu den Schädlingen? Und wie kann man sie nötigenfalls auf natürliche Weise bekämpfen?

Ameisen im Garten sind Bestandteil der Ökosysteme

Wenn sich jemand über Ameisen ärgert, dann bezieht sich der Ärger meist auf die Schwarze Wegameise (Lasius niger). Dies ist die Art, die man von März bis Oktober am häufigsten im Garten, in Blumenkübeln und auf Terrassen findet. Und diese Art ist es auch, die bei der Nahrungssuche – vor allem im Frühjahr – durchaus gern einmal in die Häuser wandert. 

Die Kolonie: ein faszinierendes System

Über 10.000 Arbeiterinnen kann eine Kolonie beherbergen. Ein Ameisenbau ist ein faszinierendes System mit einer unglaublichen Ordnung und Arbeitsteilung. In jedem Nest lebt in der Regel nur eine Königin, die 20 Jahre alt werden kann.

Ameisen im Garten bieten viele Vorteile

Im Ökosystem spielen die Ameisen eine wichtige Rolle und erfüllen viele Aufgaben. So werden die Samen vieler Wildpflanzen hauptsächlich durch Ameisen verbreitet. Auch an der Lockerung des Bodens sowie der Umsetzung von organischem Material, also an der Humusbildung, sind sie beteiligt. Außerdem dienen sie zahlreichen anderen Tieren als proteinreiche Nahrung.

Zwei Ameisen im Garten zersetzen ein totes Insekt. © CC0 / Pragyan Bezbaruah

Ameisen zersetzen organisches Material wie dieses tote Insekt.

Ameisenforscher gehen davon aus, dass ohne Ameisen ganze Ökosysteme zusammenbrechen würden. Deshalb sollten Sie vor einer eventuellen Bekämpfung unbedingt abwägen, ob die Tiere im Garten wirklich stören.

Ameisen sind eigentlich keine Schädlinge

Ameisen sind im Garten keine direkten Schädlinge. Nur selten fressen sie an süßen Früchten und meist auch nur dann, wenn diese schon von anderen Schädlingen beschädigt wurden. 

Ameisen und Blattläuse

Zum Problem werden sie erst in Verbindung mit Läusen. Denn die Ameisen leben mit ihnen in einer Art Symbiose. Sie betrillern die Blattläuse, damit diese schneller saugen und somit mehr süßen Honigtau ausscheiden. Für diesen Honigtau, den die Ameisen am Hinterteil der Blattläuse „melken“, schützen sie die Blattläuse vor ihren natürlichen Feinden. Damit sorgen die Ameisen also für eine schnell wachsende Läusekolonie.

Da Ameisen im Frühling und Sommer vor allem dort auftauchen, wo sich viele Blattläuse angesiedelt haben, sollten Sie die ökologische Bekämpfung von Läusen ins Auge fassen. Bei lausanfälligen Bäumen und Sträuchern lassen sich die Ameisen mithilfe von Leimringen abfangen. Dabei handelt es sich um Klebebänder, die um den Stamm herum befestigt werden und Ameisen am Heraufkrabbeln hindern. So können die Ameisen die Läuse nicht unterstützen.      

Wie kann man Ameisen im Garten bekämpfen?

Da Ameisen im Garten keine Schädlinge sind, sollten Sie auf das Töten der kleinen Tiere verzichten. Im Vordergrund steht das Vertreiben, sodass sie freiwillig Reißaus nehmen und sich an anderer Stelle niederlassen. Damit die Maßnahmen wirklich helfen, müssen Sie tiefgreifend das gesamte Staatensystem stören. Die Bekämpfung einzelner Arbeiterinnen bringt nichts.

Den Ameisenbau umsiedeln

Die effektivste Maßnahme ist die Umsiedlung des gesamten Baus. Dabei muss unbedingt die Königin erwischt werden, die für die Eiablage verantwortlich ist. 

Füllen Sie dazu einen großen Blumentopf mit etwas Holzwolle und lockerer Erde und stellen Sie ihn einfach auf das umzusiedelnde Nest. Ameisen lieben diese warme Behausung und werden schon nach wenigen Tagen mit dem Einzug beginnen. Warten Sie zwei bis drei Wochen, bis der Umzug komplett abgeschlossen ist. Nun schieben Sie einen Spaten unter den Topf und tragen das Ganze an einen Ort, an dem die Ameisen nicht mehr stören. Um sicherzugehen, dass Sie das ganze Nest erwischt haben, können sie zusätzlich noch etwas Erde unter dem Topf ausstechen. Achten Sie darauf, dass der neue Platz mindestens 30 Meter vom alten Bau entfernt ist. Sonst könnte es passieren, dass die fleißigen Krabbler zurückkommen.

Ein Tontopf steht auf dem Rasen und ist mit Holzwolle gefüllt. © Rudi Beiser

Der gefüllte Tontopf ist für die Ameisen eine willkommener Unterschlupf.

Ameisen abschrecken mit natürlichen Mitteln

Statt einer Umsiedlung können Sie den Ameisenstaat durch verschiedene Maßnahmen so nerven, dass er freiwillig umzieht. Es gibt nämlich einige Gerüche, die Ameisen derart verwirren, dass sie sich nicht mehr richtig zurechtfinden. Denn Ameisen orientieren sich an pheromonhaltigen Duftstoffen, die sie selbst ausbringen, um Futterquellen sowie das eigene Nest zu finden. Zu den Düften, die Ameisen irritieren, gehören Essig, Pflanzenjauchen und ätherische Öle von verschiedenen Kräutern und Gewürzen.

Jauchen

Es gibt verschiedene Rezepte für Jauchen. Bei den vergorenen Pflanzenjauchen ist insbesondere eine Jauche aus Wermut oder Rainfarn hilfreich. Lassen Sie 300 Gramm frische oder 30 Gramm getrocknete Kräuter zwei Wochen in zehn Litern Wasser vergären. Diese Jauche gießen Sie mehrfach über Nest und Ameisenstraßen.

Düfte – von Lavendel bis Zitrone

Ebenfalls hilfreich sind die Düfte von Zitronenschalen, Zimt, Nelken, Lavendel und Thymian. Kochen Sie daraus einen Tee – 20 Gramm auf sechs Liter sollten es sein. Verstärken Sie diesen Tee dann noch mit fünf bis zehn Tropfen des dazu passenden ätherischen Öls. Auch diese Mischung sollten Sie mehrfach wöchentlich über Nest und Ameisenstraßen sprühen. Am besten bei trockenem Wetter, denn nach einem Regen sind die Duftstoffe schnell verschwunden. Statt eines Tees können Sie auch Essig mit ätherischem Öl beduften und diese Mischung mit einem Pumpzerstäuber über die betroffenen Flächen sprühen. Den Duft von Tomatenblättern mögen die Ameisen ebenfalls gar nicht gerne.

Es gibt auch käufliche Sprays, die mithilfe von Duftstoffen Ameisen vertreiben. Man sollte sie aber nicht mit Sprays verwechseln, die Insektizide enthalten und somit Ameisen und andere Insekten abtöten.

Algenkalk

Ein natürlicher Stoff, den Ameisen ebenfalls nicht mögen, ist Algenkalk. Stäuben Sie diesen an trockenen Tagen regelmäßig auf die Nester.

Ameisen im Garten bekämpfen: bitte grausame Hausmittel meiden

Sehr häufig werden in der Literatur Hausmittel gelistet, mit denen die Ameisen getötet werden sollen. Dazu gehört zum Beispiel mit Puderzucker vermischtes Backpulver oder mit Honig gemischte Frischhefe. Diese Hausmittel führen zum qualvollen Tod vieler Arbeiterinnen, aber die Königin wird davon nicht betroffen. Das Backpulver führt beispielsweise dazu, dass die Ameisen durch das freigesetzte Kohlendioxid platzen, bevor sie überhaupt den Bau erreichen. Außerdem ziehen solch süße Lockmittel auch andere Insekten wie Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge an, denen dann das gleiche Schicksal droht.

Auch die oft angepriesene Methode, kochendes Wasser über die Nester zu gießen, trifft nur selten die tiefer in der Erde sitzende Königin. Daher sorgt diese Variante nur für ein oberflächliches Massaker.

 

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Bildquellen

  • ameisen-zersetzen-toten-kaefer: © CC0 / Pragyan Bezbaruah
  • tontopf-mit-holzwolle: © Rudi Beiser
  • ameisen-auf-blatt: © CC0 / Paul Knut

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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