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Zitronenverbene – Die Königin des Kräutertees

Die länglichen grünen Blätter bedecken den Korbboden vollständig.

Die Blätter der Zitronenverbene besitzen einen unglaublichen Zitronenduft, weshalb die Pflanze zu den Lieblingen der Kräuterteefans zählt. Das Aroma ist wesentlich intensiver als bei den meisten Pflanzen, die nach Zitronen riechen. Schon beim sanften Streifen an den Blättern verströmen sie eine wunderbare Duftwolke. Bis vor einigen Jahren war die Zitronenverbene, die manchmal auch Zitronenstrauch genannt wird, bei uns in Deutschland kaum bekannt. Dagegen ist sie in Frankreich, Spanien und der Schweiz eine sehr populäre und beliebte Teepflanze. Es lohnt sich also, die Pflanze näher kennenzulernen und eventuell auch in den Garten zu holen oder als Topfpflanze zu kultivieren. Denn frisch gepflückte Blätter schmecken noch erheblich spritziger und zitroniger als getrocknete. Brühen Sie sich damit einen erfrischenden Tee auf, in dem Sie 6-8 Blätter in eine Tasse geben, mit heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen.

Herkunft der Zitronenverbene: Ein Mitbringsel der spanischen Eroberer

Die Zitronenverbene (Alysia citrodora/ syn. Aloysia triphylla) ist ein verholzender Strauch aus den subtropischen Gebieten Südamerikas, der dort 2-3 Meter hoch werden kann. Er gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse. Wildvorkommen gibt es vor allem in Argentinien, Chile und Peru. Die Spanier lernten die Pflanze kennen, als sie im 16 Jahrhundert die Reiche der Inkas und Azteken eroberten. Allerdings gelangte die Zitronenverbene erst 1780 nach Spanien, wo sie im Königlichen Botanischen Garten ausgestellt wurde. Schon bald wurde der Zitronenstrauch als Luisenkraut (hierba luisa) bekannt, benannt nach Marie Luisa, der Ehefrau des spanischen König Carlos IV. Auch der botanische Name Aloysia bezieht sich auf die Königin Luisa. Zu ihren Lebzeiten (1751–1819) wurde der Strauch in Spanien bekannt und man erzählte sich, dass sie den Duft sehr mochte.

Schon bald verbreitete sich die Pflanze in den botanischen Gärten Europas und wurde auch in Bürgerhäusern als Kübelpflanze kultiviert. Damals verarbeitete man die fremde Pflanze vor allem in duftenden Blumensträußen und setzte sie in der Parfüm- und Seifenherstellung ein. Als Kübelpflanze fand die Zitronenverbene ihren Weg auch nach Deutschland, wo sie in reichen Bürgerhäusern noch vor 100 Jahren sehr beliebt war. Doch dann geriet sie unverständlicherweise in Vergessenheit. In Frankreich und in der Schweiz dagegen ist sie als „verveine“ in jedem Haushalt bekannt.

Die Pflanze im Terrakotta-Topf ist nicht üppig. © Rudi Beiser

In einem kleinen Topf (wie hier im Bild) kann sich die Verbene nicht optimal entwickeln. Geben Sie ihr einen möglichst großen Topf, umso üppiger wird sie gedeihen.

Genusstee mit Heilwirkung

Als Tee- und Heilpflanze machte die Zitronenverbene vor allem in Frankreich Karriere, wo sie heute als „verveine odorante“ in fast jeder Hausapotheke zu finden ist. Der berühmte französische Kräuterkundige Maurice Mességue nannte den daraus zubereiteten Tee „einen verlässlichen Freund des Magens“. Deshalb verordnete er ihn bei Verdauungsstörungen, Blähungen, Völlegefühl, Magenkrämpfen, Magenübersäuerung und Übelkeit. Die Blätter der Zitronenverbene wirken aber nicht nur verdauungsfördernd und krampflösend, sondern ähnlich wie die Melisse auch entspannend und beruhigend. Deshalb mischte Mességue die heilsamen Blätter in den sogenannten Glückstee, in dem außer Verbene auch Lindenblüten, Kamille und Pfefferminze enthalten sind. Der Glückstee soll sich ganz besonders für Kinder eignen, die ständig überdreht sind, keinen Moment zur Ruhe kommen und nicht durchschlafen können.

Die Blätter der Zitronenverbene frisch oder getrocknet: Zitrusduft pur

Es gibt viele zitronenduftenden Pflanzen, aber keine hat einen so intensiven frischen Zitronenduft wie die Verbene. Vor allem die frischen Blätter riechen ungewöhnlich rein und erfrischend. In erster Linie nutzt man die Blätter zum Beduften von Getränken. Sie können daraus nicht nur einen wunderbaren Tee zubereiten, sondern auch Säfte, Milchshakes, Sirup, Limonaden und Liköre mit dem Duft bereichern. Legen Sie beispielsweise eine Handvoll Blätter in Apfelsaft und lassen Sie sie dort 2-3 Stunden ausziehen. Mit spritzigem Mineralwasser aufgegossen, bekommen Sie ein vorzügliches Erfrischungsgetränk! Oder Sie machen das Gleiche mit Milch oder Sahne und stellen dann daraus einen Pudding oder Eis her. Die fein geschnittenen Blätter passen auch wunderbar in Obstsalat, Gelee oder Konfitüre.

Nahaufnahme von oben auf die länglichen Blätter. © Rudi Beiser

Die frischen grünen Blätter besitzen einen unglaublichen Zitronenduft.

Die Blätter behalten auch getrocknet ihren Duft sehr lange. Streifen Sie sie im grünen Zustand als Ganzes von den Stängeln. Dann werden sie im Schatten schonend getrocknet. Zerkleinert werden sie erst kurz vor der Zubereitung. Da die getrockneten Blätter jahrelang ihren Duft halten, sind sie eine gute Grundlage für Potpourris und Kräuterkissen. Der Verbenenduft soll auch insektenabwehrend wirken.

Zitronenverbene für den Garten: Es geht auch ohne Topf – der Standort ist entscheidend

Zitronenverbene bekommen Sie als Pflanze bei allen gut sortierten Kräutergärtnereien. Die subtropische Pflanze benötigt viel Sonne und Wärme. Der Boden sollte leicht und durchlässig sein. Sie braucht regelmäßig Wasser, mag aber keine Staunässe. In der Literatur gilt die mehrjährige Zitronenverbene als frostempfindlich und wird deshalb als Kübel- und Topfpflanze gehalten. Im Weinbauklima können Sie jedoch ein Überwintern im Garten probieren. Minus 15 Grad werden durchaus toleriert. Sie dankt die Befreiung aus dem Topf mit einem kräftigen Wachstum, sodass sie im Garten zwei Meter hoch werden kann.

Folgende Maßnahmen verbessern die Winterhärte: Pflanzen Sie nur ältere, gut verholzte Exemplare ins Freie. Schneiden Sie im Spätherbst die verholzte Pflanze auf drei Handbreit über dem Boden zurück und packen alles komplett in Stroh ein. Im Frühling (März) wird das Stroh entfernt. Nun ist Geduld gefordert, denn ein neuer Austrieb aus dem alten Holz erfolgt erst sehr spät im Frühsommer, meist Ende Mai. Man sollte die Pflanze also nicht zu früh aufgeben. Vermutlich wurde schon so mancher Verbenenstrauch von ungeduldigen Gärtnern im Frühjahr ausgegraben, in der Annahme, dass er erfroren sei.

Zarte grüne Blätter wachsen aus dem Stock in Bodennähe. © Rudi Beiser

Erst Ende Mai beginnt die Zitronenverbene aus dem alten Holz auszutreiben

Als Kübelpflanze überwintert die Verbene bei 5-10 Grad im Haus oder Schuppen. Bei Lichtmangel und niedrigen Temperaturen wirft sie im Winter die Blätter ab. Bei Blattabwurf kann auch in einem dunklen Keller überwintert werden. Die Zitronenverbene kennt kaum Krankheiten und Schädlinge.

Geerntet wird im Sommer (Juli bis September), wozu die langen Triebe abgeschnitten werden.

Rezept für Zitronenverbenen-Sirup

Zutaten

  • 125 g frische Zitronenverbene
  • 2 Zitronen
  • 1 Liter Wasser
  • 1 kg Zucker

Zubereitung

Streifen Sie die Blätter von den Stängeln und schneiden Sie die Zitrone in Scheiben. Wasser und Zucker erhitzen und 10 Minuten köcheln lassen. Dann über Verbenenblätter und Zitrone gießen und abgedeckt einen Tag lang ziehen lassen. Danach sieben Sie ab und erhitzen das Ganze nochmal bis zum Sieden. Heiß in sterile Flaschen abfüllen und verschließen. Schmeckt sehr gut in Tee, Mineralwasser oder Sekt.

Zitronenverbenen-Likör

Zutaten

  • 75 g frische Zitronenverbene
  • Schale einer Zitrone
  • ½ Liter Korn
  • 100 g Zucker
  • 75 ml Wasser

Zubereitung

Zitronenverbenenblätter werden klein geschnitten, in einen Topf gegeben und mit Korn übergossen (auf 50° C erwärmt!). Die Zitronenschale zugeben und darauf achten, dass die bittere weiße Innenschale nicht verwendet wird. Nun mit einem Deckel verschießen. Damit der Likör eine schöne grüne Farbe erhält, wird das Ganze nur 2-3 Stunden ziehen gelassen. Dann abfiltern und mit der Zuckerlösung süßen. Die Lösung wird aus 100 g Zucker (Honig) und 150 ml Wasser hergestellt, indem man das Ganze 10 Minuten köcheln lässt. Danach lässt man die Lösung auskühlen und gibt sie zu dem Ansatz dazu. In Flaschen füllen und vor dem Genießen noch einige Tage Wochen reifen lassen.

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Bildquellen

  • zitronenverbene-im-topf: © Rudi Beiser
  • blaetter-der-zitronenverbene: © Rudi Beiser
  • austreibende-zitronenverbene: © Rudi Beiser
  • zitronenverbene: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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