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Pflanzenporträt: Melisse – ein zitroniges Kraut

Die grüne Melisse wächst zahlreich in diesem Garten.

Die Melisse (Melissa officinalis) wird manchmal wegen ihres Duftes auch Zitronenmelisse genannt. Sie stammt ursprünglich aus Vorderasien, genauer gesagt aus der Türkei, dem Irak und dem Iran. Aber schon vor über 2.000 Jahren wurde sie von den Griechen und Römern in die Gärten geholt. 

Dort nutzte man sie nicht nur als Heilpflanze, sondern sie war auch wichtig für die Imker. Daher kommt der botanische Name „Melissa“, der im Griechischen „Honigbiene“ bedeutet. Die Melisse hat in der Tat eine besondere Beziehung zur Bienenwelt. Man nutzte sie damals jedoch nicht als Nektarpflanze, denn bezüglich der Trachtwerte gibt es wesentlich attraktivere Kräuter. Die alten Römer und Griechen glaubten aber, dass man mit dem Saft der Melissenblätter eine Königin aus dem Schwarm locken könne. Imker verrieben an den Bienenkörben Melissenblätter, um die Bienen am Stock zu halten. 

Heute weiß man, woher die Liebe der Bienen zur Melisse stammt: Sie markieren ergiebige Futterquellen mit einem Drüsensekret, das ähnlich wie die Melisse duftet. Selbst bei Bienenstichen kann Melisse „Erste Hilfe“ leisten: Der Saft aus den zerquetschten Blättern lindert den Schmerz.

Von Mönchen gebracht

Mit den Benediktinermönchen kam die Melisse vermutlich erst im neunten Jahrhundert über die Alpen und wurde in den Klostergärten kultiviert. Der lateinische Name „Melissa“ wurde eingedeutscht zu „Melisse“.

Da die Mönche gegenüber alkoholischen Tropfen nicht abgeneigt waren, nutzten sie die wohlduftenden Blätter als Grundstoff für eine Vielzahl klösterlicher Liköre und Heilmittel. Dazu gehörten beispielsweise Karmelitergeist, Chartreuse und Bénédictine. Auch der von der Nonne Marie Clementine Martin ab 1826 in Köln produzierte „Klosterfrau Melissengeist“ enthält neben zahlreichen Gewürzen sehr viel Melisse.

Die Melisse: pflegeleicht und winterfest

Die Zitronenmelisse gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist eine pflegeleichte, mehrjährige Gartenpflanze. Trotz südlicher Herkunft ist sie winterfest. Sie liebt Sonne und Wärme, benötigt jedoch einen feuchten Fuß. Das bedeutet regelmäßiges Gießen, aber keine Staunässe. Der Boden sollte etwas kalkhaltig und durchlässig sein. Schwere, tonige Gartenerde können Sie notfalls mit etwas Sand vermischen.

Am besten in Vorkultur ziehen

Melisse zieht man am besten in Vorkultur unter Glas. Säen Sie den Lichtkeimer ab März/April – er keimt langsam. Einfacher ist es, eine alte Pflanze durch Teilung des Wurzelballens zu vermehren oder Stecklinge zu machen. 

Anti-Aging-Kur für die Melisse: die Wurzelstockteilung

Alle vier Jahre benötigt die Melisse eine Anti-Aging-Kur, das heißt eine Verjüngung durch Wurzelstockteilung und anschließendes Umpflanzen an einen neuen Standort. Graben Sie den Melissenstock aus und teilen Sie ihn mit Messer oder Spaten in mehrere Teile. Das verbessert die Lebenserwartung – und vor allem das Aroma.

Melisse zum optimalen Zeitpunkt ernten

Die Melisse verliert mit der Blüte, die im Juni beginnt, einen Großteil ihrer Heilwirkung. Ernten Sie Melissenblätter für die Trocknung deshalb am besten kurz vor der Blüte, und zwar um die Mittagszeit – dann sind die Aromen und Wirkstoffe optimal vertreten. Die Stängel werden eine Handbreit über dem Boden geschnitten. Die Blätter streifen Sie vorsichtig ab, ohne fest zu drücken. Sonst verfärben sie sich beim Trocknen schwarz! Je nach Klima sind zwei bis drei Ernteschnitte möglich. 

Falls die Melisse schon Blüten trägt und dadurch ihr Aroma und ihre Heilkraft verliert, schneiden Sie sie einfach eine Handbreit über dem Boden zurück, um einen Neu-Austrieb anzuregen. Dieser wird dann vor der Blüte geerntet. 

Tipp: Das zarte Zitronenaroma lässt sich beim Trocknen nur erhalten, wenn Sie die Blätter als Ganzes trocknen und lagern. Ansonsten verduften die ätherischen Öle durch die Bruchstellen.

Die Blätter der Melisse werden auf einem Gitter getrocknet. © Rudi Beiser

Getrocknete Melisseblätter können als leckerer Tee aufgebrüht werden.

Kostbares Melissenöl

Die Melissenblätter haben ihren feinen Duft von dem darin enthaltenen ätherischen Öl. Allerdings ist der Gehalt im Vergleich zu anderen Ätherisches-Öl-Pflanzen sehr gering. Man benötigt deshalb 7.000 Kilogramm Blätter, um nur ein Kilogramm ätherisches Öl zu destillieren. Deshalb kostet ein Milliliter Melissenöl – das entspricht ungefähr 20 Tropfen – etwa 20 Euro! Es ist somit eines der teuersten ätherischen Öle. 

Da fragt man sich zu Recht, welcher Duft in den billigen Melissenschaumbädern und -shampoos enthalten ist. Man benutzt dafür häufig das ähnlich duftende ätherische Öl eines asiatischen Grases: Das Zitronengras oder Lemongras (Cymbopogon citratus) liefert der Kosmetik- und Parfümindustrie einen billigen Ersatzstoff.

Die Melisse – Heilpflanze zum Lernen und Entspannen

Der römische Militärarzt Dioskurides empfahl die Melisse gegen Hundebisse und Skorpionstiche. Der Arzt Paracelsus (1493–1541) bezeichnete die Pflanze als „Lebenselixier“ und traute ihr sogar zu, einen auf dem Sterbebett liegenden Menschen zum Leben zu erwecken. Er hielt sie auch für „die beste Pflanze für das Herz“. 

Der englische Schriftsteller John Evelyn beschrieb die Melisse im 17. Jahrhundert als „unübertroffen für das Gehirn, das Gedächtnis stärkend und die Schwermut mit Macht vertreibend“. Damit charakterisierte er treffend im Jahre 2004 in England getätigte wissenschaftliche Untersuchungen. Diese bestätigen, dass Melisse Gehirnleistung und Denkfähigkeit verstärkt. Außerdem wurde in der Northumbria University festgestellt, dass Melisse nicht nur den Geist wach macht, um Informationen zu speichern, sondern auch den Stress von Prüfungssituationen mildert. Die Pflanze steigert zudem die Aktivität von Acetylcholin, einem Gehirnbotenstoff, der bei Alzheimer-Patienten und -Patientinnen lediglich in geringen Mengen vorhanden ist. 

An der Melisse blühen kleine weiße Blüten. © Rudi Beiser

Wenn die Melisse blüht verliert sie sowohl Aroma als auch Heilkräfte.

Anwendung von Melisse als Tee oder Tinktur

Die gut verträgliche Melisse kann aber noch mehr: Als Tee oder Tinktur eingenommen, wirkt sie beruhigend, entspannend, schlaffördernd, krampflösend und verdauungsfördernd. Sie wird also eingesetzt bei Einschlafstörungen, Stress, Unruhe und Reizbarkeit sowie bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden. Aufgrund der antiviralen Wirkung nutzt man sie zudem äußerlich bei Lippenherpes (Herpes simplex).

Für einen Melissentee geben Sie zwei Teelöffel zerkleinerte Melissenblätter in eine Tasse, übergießen sie mit heißem Wasser und lassen das Ganze sechs bis acht Minuten bedeckt ziehen.

Einfach zitronig

Die Zitronenmelisse ist den meisten Menschen als Tee- und Heilkraut bekannt – und nur sehr selten als Gewürz. Sie verfeinert jedoch mit ihrem zarten, frischen Zitronenschalenaroma eine Vielzahl von Gerichten. Das Aroma sitzt vor allem in den jungen Blättern, ältere Blätter werden etwas bitter. 

Am besten kommt das Aroma zur Geltung, wenn man frische Melissenblätter verwendet, und zwar unbedingt geerntet, bevor die Blüte beginnt. Lassen Sie die Blätter gar nicht oder nur kurz mitkochen, sonst verlieren sie ihr zartes Aroma. Würzen Sie damit Salate, Kräuterbutter, Kräuterquark, Pesto, Saucen, Suppen, Eiergerichte, Fisch und Geflügel. Sehr gut passt das Zitronige der Melisse in Obstsalate, Desserts, Konfitüren, Gelees und Kompott oder aromatisieren Sie damit Weißwein, Apfelsaft, Milch, Sirup und Essig. 

In einer Reihe im Garten stehen viele Melissepflanzen, teilweise bereits geerntet. © Rudi Beiser

Ende Mai bis Anfang Juni beginnt die Ernte der Melisse

Probieren Sie auch einen Tee aus frisch gepflückten Melissenzweigen mit ein paar Tropfen Zitronensaft.

Rezept für selbst gemachten Melissenlikör

Zutaten

  • 150 g frische Melisse
  • 1 Zimtstange
  • 1 Zitrone
  • neutral schmeckender Alkohol wie Korn oder Wodka
  • 400 g Zucker
  • 300 ml Wasser

Zubereitung

  1. Die Melissenblätter und die Zimtstange grob zerkleinern. 
  2. Die Zitrone in Scheiben schneiden, mit Melisse und Zimt in ein Glas füllen und sofort mit Alkohol übergießen. Zwei Wochen ziehen lassen. 
  3. Die Melisse und die Zitronenscheiben durch ein feines Sieb abfiltern. 
  4. Den Zucker in Wasser aufkochen und die Mischung zehn Minuten köcheln lassen.
  5. Die Zuckerlösung abgekühlt zum Melissenansatz geben und in Flaschen füllen. 
  6. Vor dem Genuss zwei Wochen lagern.

Rezept für selbst gemachte erfrischende Melissenlimonade

Zutaten

  • 6–8 Stängel frische Melisse
  • 1 l Apfelsaft
  • Saft einer ½ Zitrone
  • 1 Flasche kohlensäurehaltiges Mineralwasser

Zubereitung

  1. Die Blätter von den Melissenstängeln abstreifen, in eine große Kanne geben und mit Apfelsaft übergießen. 
  2. Das Ganze drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, dann absieben. 
  3. Den Zitronensaft zugeben und alles mit gekühltem Mineralwasser aufgießen. 

Kinder lieben dieses Getränk!

 

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Der Autor ist jedoch kein Arzt oder Apotheker. Die im Beitrag gegebenen Informationen sind nicht als Gesundheitsberatung zu verstehen. Besprechen Sie eine Anwendung der Tipps mit gesundheitlichem Bezug daher bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. 

 

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Bildquellen

  • melisse-blaetter-trocknen: © Rudi Beiser
  • bluehende-melisse: © Rudi Beiser
  • melisse-ernten: © Rudi Beiser
  • melisse-im-garten: © CC0 / planet_fox

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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