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Johanniskraut und Johanniskrautöl: Infos und Tipps

strahlend gelbe Blüten liegen übereinander.

Pünktlich zur Sommersonnwende (21.6.) und zu Johanni (24.6.) beginnt das Johanniskraut (Hypericum perforatum) in vielen Regionen zu blühen. Es ist eine Pflanze, die gerne in der vollen Sonne steht und die Sommerhitze liebt. Mit seinen leuchtend gelben Blüten scheint das Johanniskraut die Sonnenenergie förmlich aufzusaugen. Seit Urzeiten wird das blühende Kraut für medizinische Zwecke genutzt, vor allem die Herstellung des Johannikrautöls oder „Rotöls“ hat eine lange Tradition. Lesen Sie hier, wie Sie diesen Ölauszug richtig herstellen.

Das richtige Johanniskraut sammeln

Es gibt weltweit über 400 Johanniskrautarten, davon sind in Deutschland neun heimisch. Das medizinisch genutzte Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat verschiedene Erkennungsmerkmale, die eine Unterscheidung zu anderen Johanniskräutern möglich machen: Sie erkennen es an den wie „perforiert“ aussehenden Blättern. Bei den durchscheinenden Punkten, die man gut sieht, wenn man das Blatt gegen das Licht hält, handelt es sich um kleine mit ätherischem Öl gefüllte Drüsen. Die dunklen Punkte in den gelben Blüten und Knospen enthalten das rotfärbende Hypericin. Zerreiben Sie zur Probe die Blüten zwischen den Fingern, die sich dann rot verfärben. Charakteristisch für die Arzneipflanze sind außerdem die beiden sich gegenüberliegenden kantigen Längsleisten des Stängels, die man mit den Fingern gut spüren kann. Auffallend sind auch die die etwas asymmetrisch angeordneten Blütenblätter, die einem Windrad ähneln. Wenn Sie all diese Merkmale erkennen, dann haben Sie das richtige Johanniskraut gefunden.

Im Gegenlicht gut erkennbar scheinen winzige Löchlein durch das Blatt © Rudi Beiser

Die Öldrüsen in den Blättern lassen das Licht durchscheinen.

Traditionell ein wertvolles Arzneimittel: Wann kann Johanniskraut helfen?

Bekannt geworden ist das Johanniskraut vor allem durch seine antidepressive, stimmungsaufhellende und angstlösende Wirksamkeit. Nachdem diese Wirkung vor etwa 30 Jahren wissenschaftlich belegt werden konnte, wurde das Kraut zum „Shooting-Star“. Inzwischen gehört es zu den meistverkauften pflanzlichen Arzneimitteln. Nach neueren Untersuchung sind Extrakte aus Johanniskraut bei mittelschweren Depressionen ähnlich wirksam wie ein synthetisches Antidepressivum und im Gegensatz zu diesem wesentlich besser verträglich. Die nötige hohe Dosierung kann allerdings nicht mit einem selbst gemachten Johanniskraut-Tee erreicht werden, sondern nur mit konzentrierten Fertig-Arzneimitteln aus Johanniskraut. Da diese hochdosierten Präparate auch die Wirkung bestimmter Arzneimittel beeinflussen können, sollte deren Einnahme unbedingt mit einem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker besprochen werden.

© Rudi Beiser

Der rote Farbstoff Hypericin zeigt sich beim Zerreiben der Blüten, er gibt dem johanniskrautöl auch den Namen Rotöl.

Johanniskrautöl: Ein Balsam für die wunde Haut

Das Johanniskraut besitzt noch weitere Heilwirkungen, die vor allem für die äußerliche Anwendung interessant sind. Es wirkt wundheilungsfördernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, antibakteriell und schmerzlindernd.

Das wunderbare Johanniskrautöl sollte also in keiner Hausapotheke fehlen. Es hilft als Einreibung bei Gelenk- und Muskelschmerzen sowie bei Prellungen, Verstauchungen, Verrenkungen und Blutergüssen. Zum Behandlungs-Repertoire gehören auch Sonnenbrand, Nervenschmerzen, Hexenschuss, Wundliegen, Narben und Ekzeme.

Das hilfreiche Öl können Sie sehr leicht selbst herstellen (siehe Rezept). Allerdings sollten Sie dabei einige Dinge beachten, damit am Ende ein gutes und lange haltbares Produkt herauskommt.

© Rudi Beiser

Johanniskraut und Lavendel wird kleingeschnitten und in Öl eingelegt. Wichtig ist der atmungsaktive Verschluss, damit sich kein Kondenswasser bildet.

Warum schadet zu viel Sonne dem Johanniskrautöl?

Neuere Studien haben gezeigt, dass bei der traditionellen Herstellung des Johanniskrautöles in der Sonne einige Fehler gemacht werden, die sich negativ auf das Ergebnis auswirken. So stellte man früher zum Beispiel das Öl vier Wochen in die volle Sonne, vermutlich um eine Lunation einzubeziehen (von Vollmond zu Vollmond). Heute weiß man, dass das Sonnenlicht den wichtigen Wirkstoff Hyperforin stark schädigt. Das Hyperforin ist für die antibakterielle, entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung des Öles hauptverantwortlich.

Aber auch das Öl selbst leidet unter dem Sonnenlicht. Durch die direkte Sonneneinstrahlung und durch den Sauerstoffkontakt beginnen im Öl sehr schnell Zersetzungsprozesse. Die Stabilität des Öles geht verloren und die Haltbarkeit wird herabgesetzt. Versuche haben ergeben, dass selbst das stabile Olivenöl (ohne Kräuterzusatz) schon nach zwei bis drei Tagen ranzig war. Durch die direkte Sonneneinstrahlung und durch den Sauerstoffkontakt beginnen im Öl sehr schnell Zersetzungsprozesse.

Es ist übrigens das beigefügte Johanniskraut, das den Ölauszug nicht vorzeitig ranzig werden lässt. Das Heilkraut bietet dem Öl antioxidative Schutzstoffe an. Allerdings verliert das Johanniskraut durch diese Schutzfunktion selbst seine Wirkstoffe. Wenn wir also ein Johanniskrautöl herstellen, dann bauen sich die ausgezogenen Wirkstoffe in gleichem Maße ab, wie das Öl durch Sauerstoff, Wärme und Sonnenlicht oxidativ gestresst wird.

Als zusammenfassendes Fazit kann man also sagen: Lange Sonnenauszüge (vier bis sechs Wochen) ergeben einen Ölauszug mit wenig Wirkstoffen und kurzer Haltbarkeit! Deshalb wird das Öl auf keinen Fall länger als drei bis sechs Tage in die Sonne gestellt!

Selbst gemachtes Johanniskrautöl: Tipps und Hinweise

Tipps zu Erntezeit

Beim Ansatz des Öls können Sie noch weitere Dinge beachten: Das Johanniskraut sollte unbedingt frisch verwendet werden, da der wichtige Wirkstoff Hyperforin beim Trocknen verloren geht. Außerdem ist das meiste Hyperforin in den grünen Samenkapseln vertreten, sodass Sie das Kraut am besten erst gegen Blühende ernten, wenn ein Teil der Blüten schon abgeblüht ist. Warten Sie also mit der Ölzubereitung bis im Monat Juli die ersten grünen Samenkapseln sichtbar werden.

Überhaupt sollten Sie darauf achten, dass möglichst viele verschiedene Pflanzenorgane in das Öl kommen, da jeder Pflanzenteil besondere Wirkstoffe enthält: Die Blätter liefern ätherisches Öl, die Blüten und Knospen enthalten den roten Farbstoff Hypericin sowie Flavonoide, während die grünen Samenkapseln das entzündungshemmende Hyperforin beisteuern. Verwenden Sie also komplett die oberen 20 cm der Pflanze, damit Blüten, Knospen, Blätter und grüne Samenkapseln ins Öl kommen.

Die Hand hält eine Johanniskrautblüte mit blühenden und schon verwelten Blüten. © Rudi Beiser

Unter den braunen verwelkten Blüten erscheinen die hyperforinreichen Samenkapseln

Hinweise zur Lichteinstrahlung

Weiterhin ist es wichtig, dass Sie das Öl vor direkter Lichteinstrahlung schützen, denn Licht zerstört den Wirkstoff Hyperforin. Deshalb ist ein Ölauszug in Braunglas oder Blauglas sinnvoller als in Weißglas. Falls Sie mangels Alternativen trotzdem einen Behälter aus weißem Glas nutzen wollen, dann decken Sie diesen mit einem dünnen Baumwolltuch ab oder stellen Sie das Glas statt in die direkte Sonne, lieber an einen warmen schattigen Platz.

Interessanterweise haben unsere Vorfahren alles richtiggemacht: Sie stellten das Johanniskrautöl zwar in die Sonne, aber in lichtundurchlässigen Steinguttöpfen. Außerdem nahmen sie nicht nur die Blüten, sondern auch die Samenkapseln wie es beispielsweise der Arzt Tabernaemontanus im Jahre 1588 beschrieb: „Zuletzt stoß die Hülsen samt dem Samen und lege sie auch in das Öl“. Und der Mediziner Johann Schröder (1600-1664) sagte: „Man nehme die oberen Spitzen mit den Blumen, wenn sie bald schier Samen beginnen zu tragen.“

Tipps zur Haltbarkeit: Vorsichtsmaßnahmen bezüglich des Wassers

Frisches Johanniskraut hat einen hohen Wassergehalt, der bei unsachgemäßer Handhabung zu Schimmel und zu einer Verringerung der Haltbarkeit des Öls führen kann. Deshalb sollten Sie das Johanniskraut auf keinen Fall waschen, da sich dadurch die Wassermenge noch erhöht. Das setzt voraus, dass Sie beim Sammeln darauf achten, nur saubere und gesunde Pflanzenteile zu ernten.

Außerdem wird das Auszugsgefäß atmungsaktiv verschlossen (z.B. Fliegengaze, Baumwollkompresse), damit überschüssiges Wasser verdunsten kann. Bei geschlossenen Gefäßen bildet sich Kondenswasser. Beim Abfiltern des Auszugöls werden die Pflanzen auf keinen Fall ausgepresst, damit der Wasseranteil im Öl nicht zu hoch wird. Das Abpressen ist die größte Fehlerquelle bei der Herstellung von Öl-Mazeraten aus frischen Pflanzen. Gießen Sie das Auszugsöl also in ein großes feines Sieb und lassen Sie das Öl über mehrere Stunden abtropfen. Danach können Sie das Johanniskraut in ein anderes Gefäß abpressen. Aber dieses qualitätsgeminderte (weil verwässerte) Öl sollten sie dann möglichst bald verwenden, da es schnell an Stabilität verliert.

© Rudi Beiser

Der fertige Johanniskrautöl. Die Pflanzenreste sollten nicht ausgedrückt werden, sonst kann zu viel Wasser in das Öl übergehen.

Rezept für Johanniskraut-Lavendel-Öl

Das Johanniskraut-Lavendel-Öl besitzt eine starke wundheilende und entzündungshemmende Wirkung. Es vereint die Heilkraft zweier großer Heilpflanzen, die im Sommer zur gleichen Zeit blühen und sich gegenseitig in der Wirkung verstärken.

Zutaten

  • 500 ml Olivenöl
  • 75 g frisches Johanniskraut
  • 25 g frische Lavendelblüten
  • 20 Tropfen Lavendelöl

So geht’s

  1. Legen Sie die kleingeschnittenen Kräuter in Öl und lassen sie dort 3-6 Tage an einem warmen Ort in einem dunklen Behälter ausziehen. Ideal sind Temperaturen zwischen 30 und 40° C.
  2. Das Öl wird während der Auszugszeit möglichst mehrmals täglich umgerührt, damit die Wirkstoffe gut ins Öl übergehen.
  3. Filtern Sie das Öl nach 3-6 Tagen ab. Nun können Sie das ätherische Lavendelöl zufügen. Möglichst in dunkle Flaschen (Braunglas, Violettglas) abfüllen. So ist es etwa 9 Monate haltbar, danach baut sich das Hyperforin rasch ab.
© Rudi Beiser

Die gehackten Blüten werden in Öl eingelegt.

Johanniskraut im Mittelalter: Hilfreich gegen Hexen und Gewitter

Im Mittelalter hatte das Johanniskraut nicht nur medizinische Verwendung, sondern es war auch eine wichtige Pflanze des Schutzzaubers. An die Wand gehängt, als Amulett getragen oder unter das Kissen gelegt schützte es vor Hexen, Dämonen und dem Teufel. Auch die kirchlichen Hexenverfolger waren von der Wirkung überzeugt. Um die Macht des Teufels zu brechen, flößten sie ihren wehrlosen Opfern während der Folter Johanniskrauttee ein. Bis in die Neuzeit wurden von der katholischen Kirche Johanniskrautzubereitungen beim Exorzismus eingesetzt, um Dämonen auszutreiben.

Die Kraft des Johanniskrautes gegen den Teufel wird in zahlreichen Volkssagen untermauert. So wird beispielsweise von einer jungen Frau erzählt, die den Verführungskünsten des Teufels erlegen war. Eines Tages verfolgte sie der Teufel, um sie ganz in seine Gewalt zu bekommen. In ihrer Not erblickte sie am Wegrand ein blühendes „Hartenau“ (= Johanniskraut). Sie setzte sich schnell auf die gelbe Blume und der Teufel war machtlos. Da schrie er zornig: „Hartenau, du verfluchtes Kraut, du hast mir entführt meine Braut!“

Außerdem hatte das Johanniskraut eine große Bedeutung als Schutzkraut gegen Blitz und Donner. Gegen das Einschlagen des Blitzes wurde es ans Fenster oder unter das Dach gesteckt. In manchen Gegenden wurde das Kraut bei aufziehendem Gewitter im Herdfeuer verbrannt, wozu entsprechende Beschwörungen gesprochen wurden: „Hartenau und Dill/ macht´s Gewitter still.“ oder „Eisenhart (= Eisenkraut) und Hartenau/ Brennt an, dass sich das Wetter stau.“ „Hartenau“ (=hartes Heu) ist ein alter Name des Johanniskrautes, weil die harten Stängel ein schlechtes Heu ergaben.

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Bildquellen

  • oeldruesen-in-johanniskrautblaettern: © Rudi Beiser
  • roter-farbstoff-hypericin-im-johanniskraut: © Rudi Beiser
  • johannisöl-beim-ziehen: © Rudi Beiser
  • samenkapseln-des-johanniskrauts: © Rudi Beiser
  • fertiges-johannisoel: © Rudi Beiser
  • gehacktes-johanniskraut-und-lavendel: © Rudi Beiser
  • johanniskraut: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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