Schützt, was Ihr liebt!

Materialkunde Jeans: Bio-Jeans vs. konventionelle Jeans

Ein Mädchen sitzt im Schneidersitz mit einem Buch in der Hand auf einem Teppich und trägt eine Bio-Jeans.

Ihren Ursprung hatten Jeans – damals noch „Nietenhosen“ genannt – als besonders robuste und strapazierfähige Arbeiterhosen bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Vor über sechzig Jahren hat die „Blue Jeans“ dann ihren Siegeszug in die privaten Kleiderschränke angetreten. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes gekommen, um zu bleiben. Fast kein anderes Kleidungsstück hat es geschafft, sich über so viele Jahre immer wieder neu zu erfinden und modisch aktuell zu sein. Und auch jetzt gehen Jeans wieder mit der Zeit: Bedingt durch den Klimawandel wächst der Wunsch vieler Kundinnen und Kunden nach nachhaltigen, ressourcenschonenden und menschenwürdigen Herstellungsprozessen. Die Textilindustrie reagiert darauf mit einem immer größer werdenden Angebot an nachhaltiger Mode, wie zum Beispiel Bio-Jeans. Wir haben genauer hingeschaut und einen Vergleich von Bio-Jeans vs. konventionelle Jeans angestellt.

Wofür genau steht das „Bio“ bei Bio-Jeans?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Jeans wird bei der Produktion von Bio-Denim bereits beim Aussäen der Baumwolle auf Umweltschutz geachtet. Nur schädlingsresistentes Saatgut findet dabei Verwendung. Kontrolliert biologischer Anbau bedeutet vor allem, dass auf den Feldern weder chemische Pflanzenschutzmittel noch Pestizide oder Gentechnik zum Einsatz kommen. In der Produktion konventioneller Jeans sind diese hingegen gebräuchlich. Bio-Baumwolle als Grundstoff der Bio-Jeans ist also schadstofffrei.

Bio-Jeans vs. konventionelle Jeans: Herstellung und Veredlung im Vergleich

Auch bei der weiteren Verarbeitung von Bio-Baumwolle zu Jeans bleibt Nachhaltigkeit oberstes Gebot. Bei herkömmlichen Methoden kommen fast immer Chemiefasern wie beispielsweise Elastan als Stretch-Anteil oder Mischgewebe mit erdölbasierten Kunststoffen zum Einsatz. Darauf wird bei der Verarbeitung von Bio-Baumwolle zu Jeans weitestgehend verzichtet. Auch im Wasserverbrauch während des Herstellungsprozesses unterscheiden sich die Verarbeitungsweisen deutlich: Bei einer konventionellen Jeans beträgt der Wasserverbrauch je nach gewünschter Waschung etwa 40 bis 160 Liter. Hinzu kommt, dass die Bestrahlung der Jeans mit Quarzsand für die Arbeiterinnen und Arbeiter extrem gesundheitsschädlich ist. Dieser Prozess sorgt zum Beispiel für die sogenannten Destroyed-Effekte bei der Jeans.

Bei Bio-Jeans kommen für den „Used-Look“ schonende Lasertechniken zum Einsatz. Dadurch lassen sich alles in allem bis zu 70 Prozent Wasser einsparen. Und das – im Gegensatz zu herkömmlichen Jeans – ohne das Abwasser und damit das Grundwasser durch giftige Chemikalien zu kontaminieren. Auch das Färben von Bio-Jeans erfolgt mit gesundheitlich unbedenklichen, umweltfreundlichen Farbstoffen, wie zum Beispiel Pflanzenfarben.

Die Arbeitsbedingungen: Bio-Jeans vs. konventionelle Jeans

Bei konventionell hergestellten Jeans sind die Arbeiterinnen und Arbeiter im Produktionsprozess oft gesundheitsgefährdenden Chemikalien und anderen Schadstoffen ausgesetzt. Zudem erhalten sie selten angemessene Löhne. Die Arbeitsverhältnisse kann man zu Recht als ausbeuterisch und unwürdig bezeichnen. Kinderarbeit ist hier ebenfalls keine Seltenheit.

Faire und nachhaltige Mode, zu der unter anderem Jeans aus Bio-Baumwolle gehören, wird nicht nur ressourcenschonend hergestellt. Auch in ihren Herstellungsprozessen ist sie durchgängig transparent. Neben einem respektablen Umgang mit der Umwelt sind gerechte Löhne sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen zentral. Das beinhaltet selbstverständlich auch, dass faire Textilunternehmen Kinderarbeit nicht dulden.

Sind konventionelle Jeans gesundheitsschädlich?

Alle in herkömmlichen Prozessen hergestellten Jeans erhalten eine Behandlung mit giftigen Chemikalien und Allergenen. Diese belasten nicht nur die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsstätten gesundheitlich stark. Auch diejenigen, die diese Jeans später tragen, sind von den Auswirkungen betroffen. Viele wissen nicht, dass zum Beispiel Bleichmittel wie Chlor oder Kalium-Permanganat an den Jeansstoffen haften. Diese können beim Tragen auf der Haut Allergien und sogar Krebs auslösen.

Synthetisch hergestelltes Indigoblau wird bei konventionellen Jeans für die Blaufärbung verwendet. Dieser Farbstoff enthält jedoch Anilin als Grundlage. Anilin steht im Verdacht, krebserregend zu sein und sogar Gendefekte zu verursachen. Daher sollten Sie herkömmliche Jeans unbedingt vor dem ersten Tragen waschen. Aber auch dann können Sie diese Jeans nicht bedenkenfrei tragen, denn die genannten Schadstoffe gelangen in unser Grundwasser. Dort können sie nur schwer oder teilweise gar nicht abgebaut werden.

Woran erkennen Sie eine Öko-Jeans?

Der Preis allein ist kein Garant für eine nachhaltige Bio-Qualität, auch nicht bei hochpreisigen Marken. Oft kommen sogar extrem günstige Jeans und teure Marken-Jeans aus ähnlichen oder gar denselben Produktionsstätten. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich vor dem Kauf genauer informieren. Am besten, Sie achten gezielt auf zertifizierte Öko-Siegel.

Zwei Mädchen sitzen auf einer Parkbank, beide tragen Jeans. © CC0 / Zen Chung

Von außen lässt sich oft schwer beurteilen, ob es sich um eine Bio-Jeans handelt – hier helfen Siegel weiter.

Zertifizierte Öko-Siegel: Ein Garant für Bio-Qualität

Vertrauenswürdige Öko-Siegel sind unter anderem die GOTS-Zertifizierung (Global Organic Textile Standard), die Labels NATURTEXTIL IVN Zertifiziert BEST und MADE IN GREEN by OEKO-TEX®. Diese werden durch unabhängige Institute streng kontrolliert und zeichnen eine sowohl umwelt- als auch arbeiterfreundliche, faire Produktion aus. Wenn Sie den Zusatz „k. b. A.“ in den Materialangaben lesen, dann steht dieser ebenfalls für nach ökologischen Maßstäben angebaute und weiterverarbeitete Bio-Baumwolle.

Sind Bio-Jeans immer automatisch auch fair?

Wenn wir bei Kleidung von dem Begriff „fair“ sprechen, ist meistens „Fair Trade“ gemeint. Dabei geht es also um einen fairen Handel mit sozialverträglichen Arbeitsbedingungen und einer angemessenen Entlohnung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Ein ökologisch nachhaltiger Anbau ist hier jedoch nicht automatisch garantiert. Wichtig ist deshalb zu wissen, dass nicht alle mit einem Öko-Siegel gekennzeichneten Produkte automatisch immer für beides stehen.

Eher kritisch betrachten sollten Sie deshalb zum Beispiel das häufig gesehene Schutzsiegel STANDARD 100 by OEKO-TEX®. Es garantiert zwar ein Endprodukt, das frei von Schadstoffen ist. Den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion oder sozialverträgliche Produktionsbedingungen stellt es jedoch nicht sicher. Im Gegensatz dazu steht das Fairtrade-Produkt-Siegel für Baumwolle zwar für faire Arbeitsbedingungen, gewährleistet aber keine nachhaltige, schadstofffreie Produktion mit Bio-Baumwolle. Es ist also besser, sich vorab detailliert zu informieren, wofür einzelne Öko-Siegel genau stehen.

Bio-Jeans vs. konventionelle Jeans: Der ökologische Fußabdruck

Jeder Mensch hinterlässt auf der Erde seinen ganz eigenen ökologischen Fußabdruck. Was genau bedeutet das? Je mehr Fläche ein Mensch benötigt, um seinen Bedarf an Ressourcen zu decken, desto größer ist sein individueller ökologischer Fußabdruck. Wer nachhaltiger leben möchte, muss also gezielt Entscheidungen treffen, die dazu führen, weniger Ressourcen zu verbrauchen.

Keine Sorge: Ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, ist gar nicht so schwer. Dabei ist – um im Thema zu bleiben – Ihre Entscheidung für eine Bio-Jeans statt einer konventionellen Jeans in jedem Fall die richtige. Aber auch, wie Sie mit Ihrer Jeans nach dem Kauf umgehen, spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Wenn Sie die Hose selten und nachhaltig waschen, sie in der Wäsche auf links drehen und danach nicht in den Trockner geben, machen Sie alles richtig. Hilfreich ist es zudem, wenn Sie die Jeans später nicht einfach entsorgen. Besser ist es, sie auf dem Flohmarkt oder in einem Second-Hand-Shop weiterzuverkaufen oder sie zu spenden.

Eine Bio-Jeans liegt neben einer Schere und einem Reparaturset auf einem Tisch. © CC0 / Mammiya

Die Ökobilanz einer Jeans verlängert sich, wenn Sie kleine Schwachstellen durch Reparaturen ausbessern.

Fazit: Ein klares „Ja“ zur Bio-Jeans

Durch bewussteres Kaufen kann jeder und jede Einzelne durchaus einen Unterschied machen auf unserem Weg zu einer besseren Ökobilanz. Dabei sind es, wie so oft, gerade die kleinen, alltäglichen Dinge, mit denen Sie Ihren individuellen ökologischen Fußabdruck verkleinern können. Zum Beispiel leisten Sie mit Ihrer Entscheidung für eine Bio-Jeans einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und gehen dennoch mit der Mode. Und: Sie können sich auf das gute Gefühl freuen, ein wenig ökologische und soziale Verantwortung übernommen zu haben. Da wird Ihre neue Bio-Jeans schnell zu Ihrem neuen Lieblingsstück.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • maedchen-auf-bank: © CC0 / Zen Chung
  • jeans-reparieren: © CC0 / Mammiya
  • maedchen-in-jeans: © CC0 / George Milton

Seit fast zwanzig Jahren arbeitet Christine Nickel als Texterin und Konzeptionerin. Sie liebt es, sich in immer neue Themengebiete hineinzudenken und den Dingen auf den Grund zu gehen. Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein sind dabei für sie zentrale Aspekte. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, diese mit den Themen Mode und Stilbewusstsein zu vereinen.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.