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Spitzwegerich – eine Wiesen-Pflanze mit Pilzgeschmack

Lecuhtend grün recken sich die spitzen Blätter der Sonne entgegen.

Es gibt wohl kaum eine Wiese auf der uns nicht der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) begegnet. Er ist gut erkennbar und kaum zu verwechseln. Die schmalen lanzenförmigen Blätter mit den typischen parallelen Blattnerven stehen in einer Rosette zusammen. Ab Mai erscheinen dann die langen Blütenstängel mit der kolbenartigen Blütenähre. Auf Feldwegen und verdichteten Flächen begegnet uns sein großer Bruder namens Breitwegerich (Plantago major). Er hat große eiförmige Blätter, die meist dicht am Boden liegen. 

Die längliche Knospe ist ein dunkler Kontrast zu den hellgrün leuchtenden Blättern.

©Rudi Beiser

Sammeln Sie nur die ganz jungen dunklen Blütenknospen. Sie besitzen das feine Pilzaroma.

Wiesenpflanze mit Pilzgeschmack – darauf sollten Sie bei der Ernte und Zubereitung achten

Spitzwegerich und Breitwegerich haben in ihren Blättern und Blüten eine kleine Überraschung: ein pilzähnliches Aroma. Am stärksten vertreten ist es in den noch knospig verschlossenen Blüten. Sie können direkt auf der Wiese eine Geschmacksprobe machen, indem Sie eine kleine Blütenähre roh knabbern. Achten Sie bei der Ernte darauf, dass die Spitzwegerich-Blüten eine dunkle Farbe besitzen, dann sind sie noch ganz jung und schmecken wie frische Champignons. Sobald die typischen weißen Staubfäden erscheinen, schmecken die Blüten nicht mehr gut. Sammeln Sie also nur die jungen knospigen Blütenähren. Diese dünsten Sie zusammen mit Zwiebeln in etwas Butter oder Öl an und würzen das Ganze mit Salz und Pfeffer. Damit lassen sich verschiedene Speisen mit Pilzaromen bereichern, und zwar ohne Pilze. Geben Sie beispielsweise die gedämpften Knospen in ein Eieromelett. Die langen grünlichen Fruchtstände des Breitwegerichs können Sie genauso verwenden.

Die breiten Blätter des Breitwegerichs breiten sich auf dem Boden aus.

©Rudi Beiser

Der Breitwegerich lässt sich durch die Blattform gut vom Spitzwegerich unterscheiden.

Im Gegensatz zu den jungen Knospen geben die Wegerich-Blätter ihre Pilzaromen erst frei, wenn sie einige Zeit gedünstet werden (nach ca. 10 Minuten). Mit diesem Wissen können Sie sich aus den Blättern eine Pilzcremesuppe ohne Pilze zaubern (siehe Rezept unten). Wichtig ist auch hier, dass die Blätter möglichst jung sind. Ältere Blätter werden nämlich zäh und vor allem bitter.

Zarte junge Blätter eignen sich auch für den Rohgenuss als Beimischung in Salaten. Für Rohkost werden die Blätter quer zu den Blattnerven in dünne Streifen geschnitten. Ernten Sie aber möglichst vor der Blüte von März bis Mai und nehmen Sie nur die ganz jungen Blätter aus der Rosettenmitte. Wenn die Wiesen regelmäßig gemäht werden, treibt der Wegerich erneut aus und Sie können erneut sammeln. Die Blätter aller Wegericharten sind sehr mineralstoffreich und enthalten viel Vitamin C.

Spitzwegerich in der Volksheilkunde: Gut für Husten und als Wiesenpflaster

Der Spitzwegerich ist nicht nur essbar, sondern zudem eine anerkannte und bewährte Pflanze bei Erkältungskrankheiten sowie Entzündungen und Reizungen der Atemwege. Ein bekanntes Hausmittel ist der süße Spitzwegerich-Hustensirup. Die bitter schmeckenden Iridoide, die vor allem in älteren Blättern zu finden sind, wirken entzündungshemmend und antibiotisch. Für Heilzwecke werden dementsprechend die älteren Blätter im Sommer geerntet.

Im Mittelalter spielten die Wegerichblätter eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Wunden und als Gegenmittel bei Bissen giftiger Tiere. Diese alte Tradition macht den Wegerich zum Erste-Hilfe-Kraut für unterwegs. Haben Sie sich beim Spaziergang eine kleine Schürfwunde, eine Brennnesselquaddel oder einen Insektenstich zugezogen? Dann zerreiben Sie einige Blätter so lange fest zwischen den Handflächen, bis Saft austritt. Diesen tupfen Sie auf die betroffene Stelle. Das lindert Schwellungen und Juckreiz.

Wegerich: Die Orakelpflanze des Mittelalters

In früheren Zeiten war der Breitwegerich eine beliebte Pflanze um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Sehr verbreitet waren Liebesorakel mit dem breiten Blatt: Dazu riss man es quer durch und betrachtete, wie viele der zähen Leitbündel als Fäden herausragten. An der Zahl der sichtbaren Fäden analysierten die jungen Frauen beispielsweise wie viele Kinder sie bekommen würden oder wie oft ihr Schatz eine andere geküsst hatte. Zum Glück war das Ergebnis nach oben hin begrenzt, denn mehr als sieben Blattnerven besitzt der Breitwegerich nicht!

In Dem grünen Schälchen leuchtet die grüne Suppe gleich doppelt.

Lecker mit Kräutern aus der Natur: Spitzwegerich-Suppe oder auch Pilzcremesuppe ohne Pilze

Rezept für Pilzcremesuppe ohne Pilze

(für 4 Personen)

Zutaten

  • 2 EL Olivenöl oder Butter
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Dinkelmehl
  • 80-100 g junge Spitzwegerichblätter
  • 50 g Taubnesselblätter (ersatzweise Brennnessel)
  • 1 Liter Gemüsebrühe
  • Pfeffer
  • Sojasauce
  • 3 EL Creme fraîche

Zubereitung

  1. Feingehackte Zwiebel in Fett andämpfen, mit dem Mehl bestäuben und anschwitzen lassen (Mehlschwitze).
  2. Mit Brühe aufgießen und zum Kochen bringen.
  3. Die klein geschnittenen Kräuter dazugeben und 10 Minuten köcheln lassen.
  4. Die Suppe mit Pürierstab oder Mixer pürieren und mit Pfeffer und Sojasauce abschmecken. Vom Herd nehmen, Creme fraîche unterheben und servieren.

Tipp: Sie können die Kräuter statt in einer mehlgebundenen Suppe auch in einer Kartoffelsuppe unterbringen. Kartoffeln haben für Einsteiger in die Wildkräuterküche den Vorteil, dass sie den eventuell ungewohnt herben Geschmack von Wildpflanzen angenehm abmildern.

Hier können Sie das Rezept für Spitzwegerich-Suppe als PDF herunterladen.

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Bildquellen

  • spitzwegerich-knospe: ©Rudi Beiser
  • breitwegerich-mit-bluete: ©Rudi Beiser
  • spitzwegerich: ©Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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