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Die Mehrwegrevolution: RECUP will To-go-Verpackungen abschaffen

RECUP Kaffeebecher wird in einem Auto dem Fahrenden gereicht.

Mit den richtigen Ideen können aus ganz alltäglichen Handlungen viele kleine Beiträge für eine nachhaltigere Welt werden. Eine solche Idee hatte 2016 das bayrische Start-up RECUP: Dessen junge Gründer sagten den Müllbergen des Coffee-to-go-Geschäfts den Kampf an. Inzwischen gibt es ihre wiederverwendbaren RECUP-Becher an 12.000 Ausgabestellen in ganz Deutschland. Und mit ihren Schüsseln, den REBOWLS, mischt das Unternehmen nun auch beim Take-away von Speisen mit. 

Die Entstehung von RECUP: Wie alles begann

Zufall ist, was fällig ist: Fabian Eckert und Florian Pachaly ärgerten sich schon lange über die Unmengen an Coffee-to-go-Bechern, die aus Eile oder Bequemlichkeit überall die Mülleimer füllen. Unabhängig voneinander wendeten sie sich 2016 an die damals 25-jährige Julia Post. Diese zog zu dem Zeitpunkt bereits mit Flyern und Aufklebern bewaffnet durch die Straßen Münchens. Ihr Ziel: die Gastronomie zu motivieren, Getränke auch in die von ihrer Kundschaft mitgebrachten Mehrwegbecher auszuschenken. Mit „Coffee to go again“ ging Julia mutig ihren Weg – und vernetzte ganz nebenbei Florian und Fabian miteinander. Ein Zufall, der definitiv fällig war, wie eine Studie des Umweltbundesamtes kurz darauf bestätigte.

Erschreckende Zahlen

Laut der Studie des Umweltbundesamtes nutzen wir Deutschen jährlich rund 2,8 Milliarden Einwegbecher . Umgerechnet auf alle 62 Millionen in Deutschland lebenden Erwachsenen (Stand Dezember 2020) sind das 45 Becher pro Kopf und Jahr, die für den kurzen Genuss unterwegs vollkommen unnötig im Müll landen. Diese erschreckenden Zahlen stärkten Florian und Fabian den Rücken.

Zwei junge „Weltverbecherer“

2016 starteten die beiden jungen „Weltverbecherer“ in Florians Heimatstadt Rosenheim ein erstes Pilotprojekt mit 26 Gaststätten. „Wir haben beide ein Duales Studium gemacht, hatten also bereits relevante Berufserfahrung in der Wirtschaft gesammelt. Das hat uns sicher dabei geholfen, die Ärmel hochzukrempeln und einfach loszulegen. Als wir das Pilotprojekt starteten, war ich zwar noch nicht ganz mit meinem Bachelorstudium fertig – aber Warten war keine Option“, so der heute 25-jährige Florian. Fabian hatte kurz zuvor in Schweden ein Masterstudium im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement absolviert. „In dem Rahmen hatte ich als Projektarbeit die Einführung eines Pfandsystems an meiner Uni vorgeschlagen. Zu meiner Überraschung wurde der Vorschlag abgelehnt. Die Idee ging mir jedoch nicht aus dem Kopf, und mit Florian habe ich sie dann umgesetzt – deutschlandweit“, erzählt er.

Die Mehrwegrevolution: RECUPs Weg zum deutschlandweiten Pfandsystem

2017 expandierten die jungen Gründer mit ihren Pfandbechern nach München und seither ist ihre Mehrwegrevolution nicht mehr zu stoppen. „Für unsere RECUPs haben wir bereits deutschlandweit mehr als 12.000 Ausgabestellen, darunter Cafés, Bäckereien, Tankstellen, Kioske, Restaurants und Kantinen. Und auch REBOWL, unser Mehrwegsystem für Speisen zum Mitnehmen, nimmt immer mehr Fahrt auf. Um all das zu stemmen, haben wir inzwischen über 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und stellen ständig weitere ein“, erzählt Florian stolz. 

In einen kleinen Kaffeebecher von RECUP wird Kaffee aus einer Siebträgermaschine gefüllt. © RECUP/REBOWL

Die hübschen Mehrwegbecher von RECUP lösen Einwegbecher ab.

Gesetzesänderung ab 2023: verpflichtende Mehrweglösungen

Corona habe vielen Menschen nochmals deutlich vor Augen geführt, wie viel Müll unsere Wegwerfgesellschaft tatsächlich verursacht. „Ab 2023 werden Gastronomiebetriebe ab einer gewissen Größe sogar gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Kundinnen und Kunden Mehrweglösungen anzubieten. Wir sind überzeugt: unsere Vision, Einwegverpackungen im To-go-Bereich komplett abzuschaffen, ist keine Utopie“, so Fabian.

RECUPs und REBOWLs: regional produziert, bruchsicher und recycelbar

Die Becher, Schüsseln und dazu passenden Deckel des Start-ups werden in Deutschland produziert. Sie bestehen zu 100 Prozent aus BPA- und schadstofffreiem, geschmacksneutralem Polypropylen – also aus Kunststoff. Und das soll eine nachhaltige Lösung sein? „Allerdings, denn dadurch sind die Behälter sehr bruchsicher. RECUPs können bis zu 1.000 Mal, REBOWLs bis zu 500 Mal wiederverwendet werden und bleiben so möglichst lange im Kreislauf“, erklärt Florian. 

Monomaterial für verbesserte Recyclingfähigkeit

Haben die Behälter das Ende ihrer Lebenszeit erreicht, können die Gastrobetriebe sie an die RECUP-Produktionsstätten zurückschicken, wo sie recycelt werden. „Für die Recyclingfähigkeit ist es wichtig, auf Monomaterial zu setzen. Sobald verschiedene Kunststoffe miteinander verklebt oder verschmolzen werden, lassen sich diese nur bedingt wiederverwenden“, so Fabian. Zwar sei die Herstellung eines Mehrwegbehälters zunächst energieaufwändiger als die eines Einwegbehälters. Allerdings gleiche sich dies bereits nach kürzester Zeit wieder aus. 

RECUP ist ausgezeichnet mit dem Blauen Engel

Das Unternehmen hat berechnet, dass die während der Herstellung und Reinigung verbrauchten Ressourcen eines RECUPs ab der siebzehnten Verwendung geringer sind als die für die Produktion eines Einwegbechers. Und REBOWLs sind sogar schon nach elfmaliger Nutzung nachhaltiger als eine Einwegverpackung. Ihre Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit haben sich die Gründer auch zertifizieren lassen: Die RECUP-Mehrweg-Systeme wurden vom Bundesumweltministerium mit dem Blauen Engel als besonders umweltfreundlich ausgezeichnet.

Zwei Personen im Park halten wiederverwendbare Schüsseln von RECUP in den Händen. © RECUP/REBOWL

Praktisches Essen-to-go hinterlässt dank der Mehrwegschalen keinen Müll.

So funktioniert RECUP

Mehrweg- statt Einwegverpackungen: Die Idee hinter RECUP ist auf jeden Fall gut. Doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Und was macht RECUP einzigartig? Hier haben wir die wichtigsten Aspekte für Sie zusammengefasst.

Ein deutschlandweites Netz

RECUP ist nicht das einzige Unternehmen, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Einwegverpackungen für Getränke und Speisen abzuschaffen. Doch viele andere Initiativen sind auf kleinere Regionen oder Städte begrenzt. Im Vergleich dazu verfügt das bayrische Start-up inzwischen über ein engmaschiges, deutschlandweites Netz aus Partnerbetrieben, bei denen die Mehrwegbecher und -schüsseln ausgeliehen und zurückgegeben werden können. 

Das System hinter RECUP: Unkompliziert und ohne Registrierung

Florian ist überzeugt: „Pfandsysteme funktionieren nur dann gut, wenn sie für die Nutzer und Nutzerinnen unkompliziert sind. Ein RECUP kostet einen Euro, ein REBOWL fünf Euro Pfand. Bei der Rückgabe der Behälter bekommt man den entsprechenden Betrag einfach wieder ausgezahlt. Man muss sich nirgends registrieren und es gibt keine Strafgebühren, falls man die Behälter nicht zurückgibt. So kann jede und jeder ganz einfach mitmachen.“ 

An einer Restauranttheke nimmt eine Frau Essen-to-go in Mehrwegschalgen von RECUP mit. © RECUP/REBOWL

Das Pfandsystem von RECUP funktioniert einfach und unkompliziert.

Infos über Ausgabe- und Rücknahmestellen von RECUP

Auf der RECUP-Website sowie in der eigens dafür entwickelten App sind alle Ausgabe- und Rücknahmestellen leicht auf einer Karte zu finden. Innerhalb weniger Sekunden lässt sich die Route zum nächstgelegenen Partnerbetrieb anzeigen. „Auch ländliche Regionen sind dank zahlreicher teilnehmender Tankstellen inzwischen gut abgedeckt“, freut sich Fabian.

Für die Gastronomie nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger

Mit der Menge an Gastronomiebetrieben, die teilnehmen, steigt der Erfolg von RECUP. Daher setzt RECUP auf simple, aber effektive Überzeugungsstrategien.

Selbst Gastrobetriebe als Partner werben

Um noch mehr Partner zu gewinnen, setzt RECUP auf ganz einfache, authentische Überzeugungsarbeit. So können auch Verbraucher und Verbraucherinnen, die sich noch mehr Aus- und Rückgabestellen für ihre RECUPs wünschen, selbst Gastrobetriebe als Partner werben. 

Auch Einweg kostet Geld

„Mehrweg ist nicht nur gut fürs Image, Mehrweg ist die Zukunft – aber es darf nicht die Welt kosten. Bäckereien, Cafés und Co. zahlen neben dem Pfand eine zusätzliche Systemgebühr. Mithilfe eines Mehrwegrechners auf unserer Website können sie ganz leicht ermitteln, wie viel Müll und bares Geld sie sparen, wenn sie bei uns mitmachen, statt weiterhin auf Einwegbehälter zu setzen. Denn auch Einweg kostet Geld – im Durchschnitt neun Cent pro Becher beziehungsweise 18 Cent pro Schüssel“, so Florian. 

Einfache Teilnahme für Gastronomiebetriebe

Um der Gastronomie die Teilnahme am System so einfach wie möglich zu gestalten, unterstützt das RECUP-Team sie mit Schulungen und Marketing-Material. Zudem kümmert sich das Unternehmen um die gleichmäßige Verteilung der Behälter in ganz Deutschland. Wer einen Überschuss an RECUPs oder REBOWLs hat, kann diese an die Firma zurückschicken. „Mehr Nachhaltigkeit muss nicht kompliziert und mühsam sein – weder für Gastronomie noch für Verbraucher und Verbraucherinnen“, resümieren die beiden Gründer.

Was, wie, wo? RECUP im Überblick

  • RECUPs kosten beim Ausleihen nur einen Euro Pfand. Es gibt sie in verschiedenen Farben und Größen: 0,2 Liter, 0,3 Liter und 0,4 Liter. Sie sind stapelbar, liegen gut in der Hand und sind spülmaschinenfest.
  • Die blauen REBOWLs gibt es in den Größen 550 Milliliter und 1100 Milliliter. Zusätzlich gibt es eine 910-Milliliter-Schüssel mit Trennsteg – perfekt zum Beispiel für Reis mit Curry. Die Pfandgebühr beträgt fünf Euro. REBOWLs sind auslaufsicher, spülmaschinenfest und mikrowellentauglich.
  • Alle Aus- und Rückgabestellen finden sich auf der RECUP-Webseite und in der App.

 

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Bildquellen

  • recup-becher-unter-kaffeemaschine: © RECUP/REBOWL
  • mehrweg-schuesseln-rebowl: © RECUP/REBOWL
  • essen-to-go: © RECUP/REBOWL
  • recup-kaffee-to-go: © RECUP/REBOWL

Während eine Pilgerwanderung besann sich Ina Hiester auf das, was sie am liebsten tut: aufs Texten. Seither verbringt die digitale Nomadin die meiste Zeit des Jahres auf einem Segelboot im Mittelmeer, befreit Strände und Buchten von Plastik und schreibt über die ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit.

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